
Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts haben wir uns an die Allgegenwart und den alltäglichen Gebrauch von Medien gewöhnt, die es vor – sagen wir etwas willkürlich – fünfzehn bis zwanzig Jahren noch nicht gab. Heute schlägt man keine…
Schlange, sagt Zauber, komm, ich habe Hunger! – Wir haben doch eben erst gegessen, sagt Schlange. – Aber ich bin noch gar nicht richtig satt, sagt Zauber, ich habe den anderen Hunger. – Ich auch, sagt Schlange, ich lese gerade…
Eines Tages saß ein wundersames Tier an der Scheibe unseres Wohnzimmerfensters; ich weiß nicht, wie lange es schon dort gesessen hatte, als wir es entdeckten. Max nahm es zuerst wahr: „Schau mal, Mama, wie schön!“, rief er aus. Im ersten…
Und sind so Menschen in genormten Häusern geformt aus Worten Meinungen Bildern Was sich herausschneiden lässt aus dem Flimmerquadrat: Und ist nicht die Welt Und ist auch nicht wahr: Das Leben in die Zwangsjacken der Abstraktion quetschen …
Anhand des Verhaltens von Steinmarder und Kaninchen wird gleich zu Beginn klargemacht: In der Natur gibt es bereits Kunst: Hier als artifizielles Gebaren des Jägers (Steinmarder), der ulkige Tänze aufführt, um seine naive Beute in hilfloses Staunen zu versetzen, und…
I Die Augen der Frau wackelten einige Male, bevor sie in die Laubblätter fielen, und die Laubblätter schauten nun mit den gelben Augen der Frau in die Augen des Windes. Im nächsten Augenblick wurde der Himmel trüb und die Zweige…
Jedes Ding hat seinen Schlummerton alle spielen auf unbekannten Saiten: In der Mitte das Wiesenschaumkraut weiter hinten der Kirschbaum der im Sprung sich krümmende Eichhörnchenkörper der Vogel der Anlauf nimmt der Himmel/ bittere Zunge/ Vergissmeinnicht Herzweh für…
Ich liebe dich, David!, sagt Schlange. – Ich liebe dich auch, Mona Lisa, sage ich. – Willst du mit mir sterben gehen, David?, fragt Mona Lisa, sagt Schlange. – Aber ja, sage ich, wir lieben den Tod, sagt David lächelnd…
Zuerst sind so Menschen in die Zeit hinein gestreut und haben Bindehäute zwischen den Händen und glätten einander die Gesichter und ihre Finger umstricken einander sind Halteseile und sie hören den lispelnden Himmeln zu und entsteigen dem Schweigen manchmal…
Perpetua Rutunden ist Spiritistin. Perpetua Rutunden von sich selber auf metaphorischer Ebene: Perpetua Rutunden ist Gänsefüsse. Perpetua Rutunden hat einen angeborenen Tunnelblick. Perpetua Rutunden wird regelmässig von Wadenkrämpfen heimgesucht. Perpetua Rutunden wünscht sich neue Schönheitsideale: weibliche, männliche und sächliche. Perpetua…
Ich erzähle Schlange die kleine Geschichte von der Macht der Wahrscheinlichkeit: Unser Leben ist ein Spiel, in dem wir eine Wette eingehen: Entweder wir setzen darauf, dass die Liebe gut ist, oder darauf, dass sie nicht lohnt. Wenn wir diese…

Hinter dem lapidaren Titel des autobiographisch verbürgten Berichts des tschechischen Schriftstellers und Bürgerrechtlers František Šedivý (Jg. 1927) verbirgt sich eines der schrecklichsten Kapitel der böhmischen Nachkriegsgeschichte: die Produktion von Uranerz für die nach 1945 in der Sowjetunion einsetzende Herstellung…

Ein Schwarzbuch ist eine Sammlung von Negativbeispielen aus der Sicht des Autors oder Herausgebers, die in Buchform veröffentlicht wird („Schmutzbuch“). Quelle: Wikipedia Nachdem das Jahrbuch der Lyrik 2015 für Furore gesorgt hatte, vor allem deshalb, weil „sich so gut wie kein politisches, zumindest gesellschaftskritisches Gedicht…
Vorbemerkung der Redaktion: Für die in Österreich erscheinende Zeitschrift Autorensolidarität machte Dieter Scherr ein Interview mit Sophie Reyer. Im Vorjahr erschien Wortspielhalle, eine Gemeinschaftsarbeit mit dem Düsseldorfer Schriftsteller A.J. Weigoni, wie kam es dazu? Reyer: Aufgrund meines Filmstudiums an der…
Wenn es begann, waren wir vollzählig. Die Erzählungen über frühere Arbeitspausen zu Arbeitsbeginn schlugen immer wie Granaten ein. Die Frühstückspausen revolutionierten Gefahr, die Mittagspausen griffen realistisch an, die Kaffeepausen am Nachmittag bombten alles Leben aus. Sieh mich an, Lebenswille,…

Vorbemerkung der Redaktion: Unter „Kunst im öffentlichen Raum“ verstand man früher das Reiter- oder Kriegerdenkmal, Sklupturales oder Brunnen. Seit den nuller Jahren ist eine veränderte Wahrnehmung bekannt scheinender urbaner Kontexte zu beobachten. Im 21. Jahrhundert nennen Künstler ihre Werke „Interventionen“. Diese…

Zähes Schreiben nährt den Geist. A.J. Weigoni belohnt seine Leser mit Erkenntnisgewinn. Mischa Kuball VerDichtung bedeutet für A.J. Weigoni ersetzen, tauschen, überschreiben, eskamotieren, reduzieren, übersetzen, selbst vom Deutschen ins Deutsche. Es ist eine unablässige Durchdringung von Sprachspiel und Gedankengang; eine…

ueberwache Konzentrationsstarre > ein Sich– Versenken in frostklirrende Vergletscherung: Schleifspuren der Vergangenheit fuehren in die Geheimnislosigkeit eines Panoptikums Begriffsschneisen durch die Zeitlæufte schlagen die konstitionelle Muedigkeit hinter dem Entscheidungsfuror freilegen & fuer seinen Wortvertreter einstehen an der…

Er ist schön […] wie die zufällige Begegnung eines Regenschirmes mit einer Nähmaschine auf dem Seziertisch. Lautréamont. Die Entwicklungsgeschichte des in Siegen ausgebildeten Künstlers Haimo Hieronymus kann als Suchscheinwerfer auf die zerklüftete Landschaft der heutigen Malerei gedeutet werden. Er denkt…

Kulturinformatiker kommentieren den Fortgang des Erkundens durch genaues Hinsehen exakt im richtigen Moment & entlarven eine kaschierte Unsicherheit in der Formulierungsautoritæt dem Jargon der Eigentlichkeit Verantwortungspathetiker verbinden history & mystery zu einem Refugium der Utopien: eine neue Ordnung…

Vorbemerkung der Redaktion: Gerne weisen wir auf lit21.de, den literarischen Metablog hin: Der Perlentaucher lanciert lit21.de, ein literarisches Metablog, das literarisch relevante Texte und Informationen aus Blogs, Zeitungen und Radios bündelt und als konzentrierten Neuigkeitenstrom darstellt. Das neue Metablog lit21.de…

Die Schreibmaschine wird dem Federhalter die Hand des Literaten erst dann entfremden, wenn die Genauigkeit typographischer Formungen unmittelbar in die Konzeption seiner Bücher eingeht. Vermutlich wird man dann neue Systeme mit variablerer Schriftgestaltung benötigen. Sie werden die Innervation der…

Vorbemerkung der Kulturnotizen-Redaktion: In unregelmäßiger Abfolge stellen wir auf den Kulturnotizen Literaturzeitschriften vor. Wir baten Sarah Katharina Kayß, die Herausgeberin des Transnational um einen Einblick auf die aktuelle Ausgabe. Es ist noch nicht allzu lange her, da haben die Menschen auf diesem…

Vorbemerkung der Redaktion: Für das Projekt Kollegengespräche hat A.J. Weigoni einen Austausch zwischen Schriftstellern angeregt. Auf KUNO ist diese Reihe wieder aufgelebt, daher bringen wir gern eine leicht modifizierte Übernahme aus der Reihe „Der lyrische Mittwoch“ zwischen Sebastian Schmidt und…