Monat: Mai 2017

Rauchen

  „Hallo ist er da?“ „Hab ihn noch nicht gesehen.“ „Weißt du, ob er noch kommt?“ „Ich glaube, er wollte diese Woche nach Hause fahren.“ „Na dann…“ Nipp ging mit leicht geneigtem Kopf langsam den Gang zur Außentür entlang, überlegte…

das bild

  die bewegungen gedrillt wie die eines opernballetts das bild ist bezaubernd laternenanz   du bist biegsamer williger als wo ich herkomme nun er war der kleinste wohl mir dass ich weiss erreichen oder sterben und alle menschen ihre bahn…

Der Flügelschlag einer Möwe

Fünf Uhr dreißig. Milo tastet unter dem Kopfkissen nach dem Handy und bringt das nervöse Piepsen des Weckalarms zum Verstummen. Antonella seufzt im Halbschlaf. Er beugt sich zu ihr hinüber und küsst sie auf die Stirn. »Gut geschlafen?« fragt er. Antonella schüttelt den Kopf.…

vogelwelt

überfliegt der adler alle körper der erde stürzt er nieder fällt die wolkenwimper aus der himmelsbraue hallen vogelschreie silbern durch die lüfte fordert er blut tropft es im trocknen unterholz seh ich mich zerstückelt in den zweigen hängend schüttle ich…

HANS IM GLÜCK

  Verlängertes pasquill auf einen wechselbalg Trümmer und ablaßstätte verehrhardtet  nellyversachst gedeckt mit weißnichmehrpfette Sagten sie: je ne regrette zücktest du aber die axt   Machtest auf rollkragenfeten das enfant terrible infam brachtest den anachoreten den ersten politen poeten fraglich…

Die Grammatik der Zeit

Die Straße ist leer und düster wie der Himmel. Da ist nichts. Nur ein Auto. Keine Landschaft. Spielt auch keine Rolle. Die Szene interessiert mich nicht. Ich träume. Träume Silvies Stimme… kalt und ärgerlich. Ich kann nicht verstehen, was sie…

Der Brückengedanke

Der Brückengedanke, die gedankenmüde Vereinbarung. Als ob Erreichbarkeit auf der STELLE träte, das Nebensächliche ausdrücklich verbergend. Wir falten uns in die gangbare Lage, da geht einer blind rüber, auf’s Stichwort perDu.   *** fern, fern von Angelika Janz, KUNO 2017…

In dubio pro dubio

  Arthur erzählt Schlange die kleine Geschichte von der Macht der Wahrscheinlichkeit: Unser Leben ist ein Spiel, in dem wir eine Wette eingehen: Entweder wir setzen darauf, dass die Liebe gut ist, oder darauf, dass sie nicht lohnt. Wenn wir…

Der Garten der Geschwister II.

Richard klopfte an das Tor. Oben am linken Fenster erschien der Kopf eines halbwüchsigen Mädchens, ihr Haar war blond und fiel ihr ins Gesicht, als sie sich aus dem Fenster beugte und zu ihnen herabsah.
- Was gibt es? fragte sie…

Fürs Ulrikchen persöntjes

  Mein katz fing fliegen wie auch mein spinn Ersteres fraß nicht son eiweiß aus kot letztere las das gegen und latzte achtbeinlohn von wegen   Doch waren sie jagdkonkurrenten einandertreiber laß schießen dahin und laß sie sich legen Sind…

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  Fussnote: Warnung an den Tau (Achtung) Überleg es dir gut mit der Liebe:   zu schmelzen kostet das Leben       ***   Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht…

Er wartet auf Antwort

Er wartet auf Antwort für die DAUER einer Antwort, die von ihm aus noch unterwegs ist zur Frage. Er setzt das Megaphon an die Lippen, das Fernglas vor die Augen, und den Kopf Hörer natürlich. Die Atemmaske beschlägt langsam, aber…

Kimberly

Kimberly hätte eigentlich in einer städtischen Geburtsklinik zur Welt kommen sollen. Aber ihre Mutter Agnes S., die für das amerikanische Verteidigungsministerium als Beamtin im dritten Verschwiegenheitsgrad arbeitete und als Datenranger offiziell beauftragt war, unwegsame Gegenden des Cyber auszukundschaften, hatte es…

Der lange Atem · Redux

Der Gedichtband Wiederbeatmung ist ein sorgfältig komplierter Band, in dem Gedichte aus dem Frühwerk von A.J. Weigoni nachzulesen sind (Dieser Gedichtband mit den „Jugendsünden“ ist ausschließlich im Schuber erhältlich!). Beim Lesen dieser frühren Gedichte wird man Zeuge, wie ein Schriftsteller…

Damals, als die Umwelt noch Natur hiess

    der Himmel ist wie Beton heute er kotzt Sæure aus Romantiker sagen: Regen zu dieser angewandten Meteorologie     *** Auch auf wenigen Zeilen wagt A. J. Weigoni in seinen frühen Gedichten auszusprechen, was ihm in seiner Umwelt…

Do ut des

  Ich bin zu dick, sagt Arthur, als er sich im Spiegel des Opernfoyers betrachtet, ich muss dünner werden. Bedenke, sage ich, dass zu einer starken Persönlichkeit die richtige Statur gehört. Du siehst doch gut aus. Das sehe ich anders,…

Twitteratur von Beat Gloor

Jeder Weg ist der Heimweg.   Der Wortakrobat Beat Gloor präsentiert mit seinem Band Wir sitzen alle im gleich Boot. Aber nicht alle rudern. nach seinen Sprachbeobachtungen in staat sex amen, den Worttrennungen in uns ich er und seinen literarischen Miniaturen…

DYLAN AUF LINKS

  Du hahn auf der balz du trugs noch den schlüssel umn hals autobahnausfahrten  wälder trimmdichpfad  unfallmelder wo sind die werbegelder bundesligaskandal  was is dran Du has knie wie ein junge mundpartie wie ein junge Du sags ‚Sie‘ und ‚Madame‘…

nicht begonnenes fortsetzen

Erkenne ich einen Klappdruck als eine Art Riesenspinne von Louise Bourgeois, so finde ich in Abendscheins Textgeweben an einer Stelle eine junge Spinne ihr Netz weben, ein Frosch im Gleitflug verweist auf Frösche im Text und so weiter. Aber auch…

Nimm mich

  Wachküssen sollst du mich. Wachküssen, das las ich irgendwo. Wie alles. Im Leben nicht aufgegangen, Kreatur im Schatten. Fremd und befremdlich. Immerda und nimmerda. Das ist ein Chaos manchmal. Und es beschreibt die Welt. Gelesen. Alles gelesen. Erdacht, ergänzt,…

Freiwillig gebe ich nicht auf

Die Temperatur treibt mich in den Mantel. Und Schuhe ziehe ich auch noch an. Es entfernen sich schleunigst die Perioden. Kopf oder Zahl, der Zufall hat kein Gedächtnis. Ein zufälliges Ereignis wird nicht wahrscheinlicher, je länger es zuvor nicht eingetreten…

Leise rieselt der Schmäh

Schreiben bedeutet eben auch, die Fluchtimpulse vor dem Schreibtisch und die Panik vor dem leeren Blatt zu bewältigen. Durchzuatmen und sich aus das Wesentliche zu konzentrieren. Patricia Brooks wird – so scheint es – von einem Übermaß an Geschichten bedrängt,…

Alles oder nichts

  Es ist besser, ich behalte meine Idee im Kopf, sagt Arthur, als er die Ausstellung „Die Macht der Kunst und die Kunst der Macht“ sieht. Ist das besser für die Idee oder für die Wirklichkeit?, frage ich. Ich weiß…

Ich stelle mir eine Antwort vor

Ich stelle mir eine Antwort vor, die sich zu keiner Frage stellt. Da sucht einer das Unverbindliche verbindlich darzustellen. Er wendet HOHL an. Er sichert sich einen geometrischen Spielraum, der sich als Spiegelreflex praktisch eindeutig regelbar bewiesen zu haben scheint.…

O. T.

  Milch hast Du auf Stirners grab gegossen Was kommt wohl in Deinen pott geflossen    Frühjahr 02  Für Lot *** Zeitgefährten von HEL, KUNO 2017 Die Zeitgefährten sind zwischen 1977 – 2008 entstanden, es sind Gedichte für Einzelne, Kopf-, Brust-…

Pension Durant

  Plastik fantastique So yesterday, was fällt dir ein, Übernachtung und gesellig ein Schälchen Nüsse und Oliven rette mich, wer kann, frohlocke ich treppenauf und –ab trapp trapp so fröhlich sind mir die Schuhe ein Kichern hinter vorgehaltener Hand  …

Ein Textsorten-Patchwork

Ich sammle die Texte in einem Konvolut, das ich Splitter nenne. Vieles fließt in Prosaminiaturen, Erzählungen und Romane. Den Bonner Schriftsteller und Dichter Ulrich Bergmann kenne ich seit geraumer Zeit immer besser. Ich denke, er sieht sich als einen im Gewand…

Twitteratur

Auch wenn der Körper, das Gesicht eines Menschen perfekt erscheinen, nicht jeden möchte man auch kennen lernen. Manchmal reicht der Anblick. Das ist mit einem schönen Oldtimer vergleichbar. Bei aller Ästhetik ist doch die Bequemlichkeit des Wohlfühlens vorzuziehen.   Weiterführend…

Wenn er mit dem Zeigefinger

Wenn er mit dem Zeigefinger über der Zunge spricht, mit dem Zeigefinger unter der Zunge lallt und sich schwer tut wie geplant, würde ich hellhörig werden und jasagen mit Zeigefinger & Daumen die Zunge klammernd. Wieso drückt das Auszusprechende nach…

Echt gefälscht

  Meine Gespräche mit dir, sagt Arthur, haben an Echtheit verloren, seit ich weiß, dass du sie für deine Geschichten, die du über mich schreibst, ausbeutest. Durch mein Plagiat bereichere ich dich, indem ich die Echtheit im Dialog mit dir…

Statt einer Widmung zu Beginn

  Dieses Gedicht ist ein Gedicht, weil ich es sage. D. h., es wird Leute geben, die einfältig genug sind, zu glauben, dass dies wirklich ein Gedicht ist. Die Juristen werden feststellen, es ist kein Plagiat. Die Ökonomen werden feststellen,…