Monat: März 1995

Wie sich das Galgenkind die Monatsnamen merkt

  Jaguar Zebra Nerz Mandrill Maikäfer Ponny Muli Auerochs Wespenbär Locktauber Robbenbär Zehenbär.     *** Galgenlieder, von Christian Morgenstern. Erschienen im Verlag Bruno Cassirer. Berlin 1905 „In jedem Menschen ist ein Kind verborgen, das heißt Bildnertrieb und will als…

Auf grünem Rasen

Frühsonne geht im Blauen, wie eine goldne Fee, Will über die Schultern der Bäume schauen. Die Schmetterlinge jagen sich über Baum und Klee, Und Wolken lassen sich tragen Hin über die blauen Gassen, Wie Damen in seidenen Wagen. Du und…

Abschlußgedanken

  Nun, da alles klar zu sein scheint – es ist nicht anscheinend klar – das Kommen und Gehen und das Verweilen in seinen stummen Zwischenräumen; nun da alles Beschwerliche rutscht, durch die Geschwindigkeit heraneilender Klärungen; nun, da sich das…

Bahnhofszeit

  Die Abfahrtszeiten tagen vor der Ankunft. Unter dem Neon, Gift dem Vergessen, steh ich zu früh, um wach zu bleiben. Jetzt etwas essen! Mich passieren Blicke, aneinander lehnende Lichter, wessen Züge so vieler Gesichter, die schrieben zuletzt die Bahnen…

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deine Flügel bin ich bin dein Fliegen siegessicher das Leben nicht mehr in begreifliche Teile zerlegen: ehrlich *** Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der Frage nach, wie das Schreiben…

Mondblick

  An meine Augen spannt der Schein. Das Schläfern glimmt in deine Kammer Gelbt hoch hinauf Und Schwület mich! Matt Bleicht das Bett Und Streift die Hüllen Stülpt frech das Hemd Verfröstelt Auf den Mond. Jetzt Leuchtest du Du Leuchtest…

VORFRÜHLING

  Es läuft der Frühlingswind Durch kahle Alleen, Seltsame Dinge sind In seinem Wehn.   Er hat sich gewiegt, Wo Weinen war, Und hat sich geschmiegt In zerrüttetes Haar. Er schüttelte nieder Akazienblüten Und kühlte die Glieder, Die atmend glühten.…

Poesie, ein Kulturgut

  Was auf Anhieb verführt und besticht, ist die Spreche: Melodie, Rhythmus, weiter Atem. Diese Poesie hat etwas Körperliches, man sieht es daran wie das Wort als Lautabfolge von Zunge und Lippen geformt wird und seinerseits das Gesicht dessen zeichnet,…

An Zimmern

Die Linien des Lebens sind verschieden, Wie Wege sind, und wie der Berge Grenzen. Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen Mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden. *** „Liest man die vier Zeilen des Gedichts „An Zimmern“,…

OptomegaPhon

  willig wildwuchernde ZARTlichkeiten & erredigierte Nackenhaare Beschwœrungsformeln ans Du   ruecke næher an : meine transparente Aussenhuelle   der 1zige Wider stand ist = unsere Reibung   Der Schuber, Werkausgabe der sämtlichen Gedichte von A.J. Weigoni, Edition Das Labor,…

Pansmusik

  Ein Floß schwimmt aus dem fernen Himmelsrande, Drauf tönt es dünn und blass Wie eine alte süße Sarabande. Das Auge wird mir nass. Es ist, wie wenn den weiten Horizonten Die Seele übergeht, Der Himmel auf den Ebnen, den…

Die zwei Gesellen

  Es zogen zwei rüst’ge Gesellen Zum erstenmal von Haus, So jubelnd recht in die hellen, Klingenden, singenden Wellen Des vollen Frühlings hinaus. Die strebten nach hohen Dingen, Die wollten, trotz Lust und Schmerz, Was Rechts in der Welt vollbringen,…

Baum mit Liebeskummer – Moritat

  Ich stand im Wald und steh dazu. Dort draußen hatt ich meine Ruh, Die Ruhe selbst war ich und mehr. Der Wald blieb da. Mich zogs hierher:   In diesem Garten ganz allein Muss ich statt drauß im Walde…

Madonna aus dem Hause Tempi

  O Mutter! Deren Arm ein All umspannt! So süß entzückt, mit schüchternem Begreifen, So zitternd trägt ihr Blümlein deine Hand Und wagt es kaum, den zarten Schmelz zu streifen. Ein goldnes Schlüss’lein, das dein Herz erschließt, Ein lebend Liebeswort…

DIE MURX BROTHERS ALS TERRORISTEN

  I Dommel* spielt partisan im unterjrund wird er star heuert ne skiffleband an fürt Soledad Popular*   Wo’r en paar schweine erschießt hat man ehm festjenommen linke terrorist da kann ja jeder kommen   Wieder unter massen hat er…

Strippen

  Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer Annäherung…

Qualle

    Weiterführend → Mehr über die Hungertuchpreisträgerin Katja Butt

Nusskuchen

Nur dafür war er so früh aus dem Haus gegangen, hatte sich nicht an den Rechner gesetzt, um die Mails der letzten Stunden abzurufen. Zügig fertig gemacht stand Herr Nipp schon gegen sieben Uhr auf der Straße. Das T-Shirt saß…

Er besaß den Park der Erinnerung

    Er besaß den Park der Erinnerung, seine Dämmerung strukturierten Grabsteine Anonymer, da war fröstelndes Lustwandern unter uralten Ulmen, um nebenan in der Kälte wartender Gedichtanfänge anzukommen. Ich selber las viel. Kalt war es, neue Kälte wie nie, die…

requiem für preas eyn

  der stärkste typ in der ganzen bibel war judas ischariot so nehme ich jedenfalls an   jenny auf dem ersten und letzten trip die nadel geschaffen um segen zu bringen bringt nicht nur ihr den tod   die ameisen…

MENSCHENRECHTE(LOS)

    immer sagen das ist in Afrika vielleicht das ist dort bei den negern anderswo nicht hier bei uns   immer sagen das war unter Hitler das war auch unter Stalin unter Ceausescu vielleicht aber nicht hier und nicht…