Monat: Februar 2012

Rebellen

  Weiterführend → Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin.

Motor des Fortschritts

In Zeiten, wo die Kunst sich dem Kommerz verschrieben hat und die Kritik einem süffisanten, ironisch grundierten Ton, braucht es Mut, Leidenschaft und Erhabenheit zu verteidigen. Viktor Glass erzählt Geschichte indem er Geschichten schreibt und gibt uns eine Ahnung davon,…

Bücher

Bücher; natürlich immer wieder Bücher. Was wäre das Leben ohne diese Konserven, die Ge– und Erlebtes nach weit über zweitausend Jahren auch ungekühlt noch frisch halten? Die Hingabe und das Hineingleiten in eine andere Gedankenwelt, eine Parallelwelt, der eigenen Innenwelt…

5.15

Das ist gerade der schmale Grat zwischen todmüde und hellwach. Es wird Tag, eindeutig. Man braucht nicht mehr das Licht einzuschalten, wenn man ins Badezimmer geht und sich nach Stunden der Nachtwache überflüssigerweise, aber pflichtbewusst bettfertig macht. Könnte eigentlich auch…

Betrachtungsfeld

Was der Mensch täglich mit seinen Füßen tritt, besser betritt, und nutzt, fällt gerade wegen dieses tagtäglichen Nutzens nicht weiter auf. Wer achtet schon auf die Bürgersteige und asphaltierten Straßen, die Häusermauern und Baumrinden? Wer bemerkt, dass so viele Steine…

Franz Kafka, tschechischer Klassiker

Sprechen wir hier von einem in Deutschland unbekannten, weil unübersetzten tschechischen Namensvetter und Doppelgänger jenes Dichters, der vom Schloß bis zum Prozeß, von der Strafkolonie bis zur Verwandlung unvergleichliche und unsterbliche Wortkunstwerke geschaffen hat? Nein, mitnichten – Franz Kafka ist nun…

Sebald • Revisited

Eine der in der Salle des pas perdus wartenden Personen war Austerlitz, ein damals, im siebenundsechziger Jahr, beinahe jugendlich wirkender Mann mit blondem, seltsam gewelltem Haar, wie ich es sonst nur gesehen habe an dem deutschen Helden Siegfried in Langs…

„Avanti Popoloch“!

Insbesondere die Kürze, in der sie ihre Geschichten lose beschreibt, und der darin enthaltene Humor, der ihr durch die vertrackte Situation ihres Zuhauses sozusagen in die Wiege gelegt wurde, erinnern mich teilweise sogar an Elfriede Jelinek, von der ich aber…

Witzige Kölner

  Im Dritten Reich verspotteten Kölner Karnevalisten den „Itzig“. Kölner Karnevalisten waren schon immer witzig.     *** Eine  Würdigung des Herausgebers und Lyrikers Axel Kutsch im Kreise von Autoren aus Metropole und Hinterland hier.     (Itzig – abwertende…

Erwachsenes Kassettenkind

„Kassettenkinder“ sind ein Kulturphänomen der alten BRD. Diese analoge Abspielmöglichkeit auf Magnettonband begleitete Kinder durch die 1980er Jahr, wodurch eine spezielle Form von Hörspielkollektivgedächtnis entstanden ist, aus dem sich ein sentimentaler Retro-Kult speist. Die Hörspielhelden der Kindheit scheinbar sind viel…

Fremde Vertrautheiten

  in fremdlændischen Zungen sprechen & das Ende des Ein geschlossenSeins feiern Ferne in sich auf nehmen & den fremden Blick auf das Vertraute lenken geistige & koerperliche Beweglichkeit als einzige Form des Bestandes akzeptieren den Wahn der Weltflucht in…

Gedichte mit Arsch in der Hose

Das Lyrikdebüt des Berliners Tom Bresemann vor einigen Jahren wurde als das eines „zornigen jungen Mannes“ bezeichnet. Die Wut scheint noch nicht verflogen und hilft offenbar, inhaltliche Belang­losigkeit zu vermeiden. In seinem zweiten Band „Berliner Fenster“ hält Bresemann weiterhin Ohrfeigen…

Rheinland erwache

  Pappnasiges Sauf gesülze Möhnengekläff Rülpsendes Brauchtum Jetzthaunwir Joviale Politikervisagen Jetzthaunwir Jetzthaunwiraber Kalender exzeß Kotzender Frohsinn AufdiePaukediePauke Schnapskadaver Ent hemmte Bürovorsteher Augen aufschlag Schlag auf die Augen Blaulichtorgien Schamlippennacht Bismorgenfrüh Bums     *** Eine  Würdigung des Herausgebers und Lyrikers…

SCHALEN

   zerteilt die wunde die kuppel der brust birgt das knochendach den kopf fliegt ein schwarm stümpfe  der klippe der schulter entgegen hängt der mantel der erschöpften haut überm schacht des leibes  streckt sich der fuß im gliederschoß  in der…

Akkupunkturnadeln. Vom Summen im Bienenstock der Edition Rugerup

Enthusiastisch · Empfindsam · Engagiert Mit dem Gedichtbuch Die weißen Körper der Engel schließe ich die Lektüre der ersten fünf Bücher der Edition Rugerup ab, die ich mir auf drin­gende Empfehlung von Stefan Mon­hardt besorge. Und welch ein Glück, den…

Der Céline seiner Generation?

Obschon die Sperrfrist erst morgen endet, verreißt sich das sogenannte „meinungsbildende Feuilleton“ schon im Vorfeld das Maul. Nach Georg Diez‘ heftiger Kritik im Spiegel an Christian Krachts Roman „Imperium“ erkennt Andreas Fanizadeh zwar weiterhein eher auf „spleenige Leere“ als auf…

Hör dat!

Bei Hördat findet man die beste, vollständigste, von Leidenschaft und Enthusiasmus getragene Seite zum Thema Hörspiel im Internet. Fast ausnahmlos alle Dramaturgien der „Anstalten des öffentlichen Rechts“ nutzen diese Quelle, nahezu alle Hörspielfreaks haben sie als Bookmark, jeder Macher sieht…

Sie mag das System nicht

Das, was man als Rap bezeichnet, habe ich bisher als Sportart begriffen. Faszinierend, wie ein Mensch 4 DIN-A-4-Seiten in Songform innerhalb von 3-5 Minuten runterrasseln kann. Und das ohne Sprachmelodie. Respekt. Dorottya Karsay jedoch ist kein Chic, das mit dem…

Vom Erhabenen zum Grotesken

„Das eigentliche Vergnügen an der Arbeit des Schriftstellers“, erklärte der amerikanische Autor Walker Percy, „sind die Kontraste zwischen dem Schreiben als Möglichkeit, das Leben zu ordnen, und der darin berichteten alltäglichen Unordnung“. Solche Kontraste sind auch im Werk des Olaf…

Zwischenruf: Establishment-Avantgarde

Es gab eine Zeit, da war die künstlerische Avantgarde künstlerisch, da war sie tatsächlich vorn, vorn auf einem schöpferischen Weg. Die Empörung über die Gaskrieg-Massaker in Verdun und anderswo und auch über das Sterben so vieler  Künstler „für eine Hure…

Der Wald am Strand

Zuerst eine Verwirrung: Was hat der Titel des Buches mit den Gedichten zu tun? In Synke Köhlers Lyrikdebüt »waldoffen« stehen wir nicht im Wald, sondern fast ausnahmslos an Gewässern, wie schon die Kapitelüberschriften »Strandläufer« oder »Grenze im Fluß« suggerieren. Die…

LCD im Februar

Für manche ist der Verbrecher Verlag momentan die hipste, unabhängige Edition Berlins. Nicht nur wegen vieler Neuauflagen moderner Klassiker wie Gisela Elsner, Georg Kreisler oder Rudolf Lorenzen, sondern wegen seines Programm-Schwerpunkts auf realistischen, politisch engagierten Erzählweisen hat sich der Verbrecher…

1001 Utopie

„…macht Rhizom, nicht Wurzeln, pflanzt nichts an! Sät nicht, stecht! Seid nicht eins oder viele, seid Vielheiten! Macht nie Punkte, sondern Linien! Geschwindigkeit verwandelt den Punkt in eine Linie!…“     Gilles Deleuze / Félix Guattari: „Rhizom“,  Merve Verlag Berlin 1976…

Was ist Kunst?

Lose kunsttheoretische Gedanken Als Kunstwissenschaftlerin muss man sich immer wieder die Frage stellen lassen, mal ganz provokant hingeworfen, mal schlicht dahergesmalltalkt, was das denn nun eigentlich sei, womit man sich da beschäftige. KUNST. Einerseits enervierend, sich rechtfertigen zu müssen für…

Hungertuch Preisverleihung in der Werkstattgalerie DER BOGEN

Seit zehn Jahren wird der Künstlerpreis „Das Hungertuch“ von Künstlern an Künstler verliehen. Wurden die Auszeichnungen in den vergangenen Jahren in Düsseldorf , Neuss und Mülheim an der Ruhr vollzogen, wird dies zum zehnten Jahrestag der Stiftung in Neheim geschehen.…

Falkenmotiv

Zwischendurch zieht Herr Nipp immer wieder mal mit seinem Rad verbotenerweise seine Runden auf dem alten Friedhof, der fast wöchentlich einige Gräber verliert. Inzwischen ist es ein violett blühender Park geworden. Riesige Rhododendren sind stehen geblieben und einige alte Bäume,…

Porträt der Hungertuchpreisträgerin Eva Kurowski

Eva Kurowski aus Oberhausen–Eisenheim erhält in Anerkennung ihres künstlerischen Werks das Hungertuch für Musik 2011 Eva Kurowski wuchs im Jazzkeller ihres Vaters Kuro in Oberhausen–Eisenheim auf und erlernte dort schon früh den Beruf der Jazzsängerin. Mit ihren eigenen zauberhaften Chansons…

ERFAHRUNG

  ohne das äußere zeichen glaubt es ja doch niemand wenn nicht die haut gelb wird und unter den augen dunkel und das gesicht bleich wenn nicht die hände zittern und groteske fehler machen und die füße versagen wenn nicht…

Porträt des Hungertuchpreisträgers Joachim Paul

Versuche, einen Roman zu schreiben. Du vermagst es nicht? Dann versuch es mit einem Theaterstück. Du kannst es nicht? Dann mach eine Aufstellung der Börsenbaissen in New York. Versuch alles. Und wenn es gar nichts geworden ist, dann sag, es…