Monat: November 2008

STÖßE

    lautlos mit dem druck der hand in den schädel eingraviert verwurzelt der dorn das distelmuster trennen stromausfall und gnadenstoß ohne fallbeil oder grünspan auf der haut das fleisch vom walten der organe  schon stößt fäulnis das wachstum wieder…

Abrakadabra

  Seit seinem „Satz zum Gesamtkunstwerk“ (1983) für Harald Szeemann setzt André Vladimir Heiz Zeichen. In Bild und Wort. In seiner Muttersprache, dem Französischen und in seiner Vatersprache, dem Deutschen. Wissenschaftlich theoretische und poetisch literarische Spuren liegen vor. www.n-n.ch und…

LIEBHABER UND AUSSTELLUNGEN

  Es ist sonntagmorgens, fünf nach zehn, und Günther Kimmerle ist unausgeschlafen. Er betrachtet sich im Spiegel, während er sich rasiert. Er sieht schlecht aus. Die Augenränder sind gerötet, die Tränensäcke geschwollen. Geplatzte Blutgerinnsel zersetzen die Iris. Zwischen den Augenbrauen…

Dielmann Verlag

  Hinter den lyrischen Hügeln des Taunus höre ich Huchel, Bobrowski, Kirsten, aber auch Brambach, Kühn oder Sayer flüstern, wenn ich die – stilistisch vollkommen eigenständigen – einfache und rätselhafte Bilder, erdige und himmlische Gefühle evozierenden Verse von Olaf Velte…

Eine Erinnerung an Joseph Zoderer

  Wahrscheinlich sind wir uns schon in den ganz frühen Sechzigerjahren über den Weg gelaufen, nämlich an der Universität Wien, wo wir beide zur selben Zeit Theaterwissenschaft und Philosophie studierten. Wir haben uns aber nicht als Autoren wahrgenommen, weil wir…

Schmiede

  Durch Zufall war er auf einem seiner längeren Spaziergänge in dieses Industriegebiet geraten. Was anderen als Wandern erschien, wirkte ihm als ausgedehnte Form des Lustwandelns. Er hatte es zuvor nie wahrgenommen. Normalerweise fährt man mit dem Auto möglichst ohne…

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hältst zwischen schweissnassen Händen dich selbst Mutter als Muster den Mut unterschlagen angel fangen, angel fallen und wie fängt man an? Die Mutter zuckt in mir: nervöser Nerv *** Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem…

Haarausfall

  Der Haarausfall ist ein irreführendes Wortgebilde. Denn schaut man genau hin, fällt das Haar nicht, es geht aus. Ein typisches Ausgehhaar also.     *** Eine Vorschau auf: Gedankenstriche von Joanna Lisiak Weiterführend → Holger Benkel würdigte diesen Band…

Ökosophie

  Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer Annäherung…

Sprachauswuerfe

  … & nicht mehr vor lauter Andacht an Mundtrockenheit leiden eine Grammatik des Ekels im Morast der Moral postulieren glasklar zur Sprache bringen was gesagt werden muss den Weltekel rausrotzen im Fluchtpunkt der Frustrationen am Horizont des Hasses ›…

Herr Schwein

  *** Gott schmiert keine Stullen von Eva Kurowski, rowohlt Seit der Textsammlung: Twitterature. The World’s Greatest Books Retold Through Twitter von Alexander Aciman und Emmet Rensin fragt sich KUNO, wer zu den Vorläufern dieser neuen Literaturgattung gehört. Der Limerick…

Selfie mit einer zweiäugigen Rolleiflex

  Annemarie Schwarzenbachs Nachlass befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern. Zum 75. Todestag hat die Schweizerische Nationalbibliothek über 3000 Fotografien aus dem Bestand des Schweizerischen Literaturarchivs digitalisiert und online gestellt. Es handelt sich um Reisebilder, die Annemarie Schwarzenbach in…

Sommerliche Einblicke ∙ Revisited

Steidl macht schöne Bücher. Diesem wurde ein sonnen­blumen­gelber Leinen­umschlag mit apfel­grünem Rand spendiert. Es fällt wegen der sommerlichen Farben­frische im Regal unmittelbar auf, wenn es dort quer zur Welt steht, also so platziert ist, dass es dem Betrachter eine visuelle…

Kiesel & Kastanie

  Die Welt der Literatur ist in den Jahren nach 2000 nur noch schwer zugänglich. Wohin sich die interes­sier­ten Leserinnen und Leser auch wenden: Bü­cher, Bü­cher und nochmals Bücher. Wöchentlich drängen Autoren mit neuen Titeln nach. Verlage und Zeitschriften schießen…

Existenzielle Notsituation

  Innerhalb der gesellschaftlichen Begleitumstände sieht sich ein als Schriftsteller begreifender Mensch konfrontiert mit einer veritablen Notsituation des Ästhetischen.     ***   Weiterführend → Zur historischen Abfolge, eine Einführung.

Orte 7. Das Brauhaus

  Diesen Ort gibt ‘s im Rheinland fast überall, und nur hier. Oder nur hier so. Auch die Riesenhallen der Bayern haben was für sich  doch rheinische Bierschenken sind anders und einzig, egal ob in Köln, Düsseldorf oder Krefeld. Hier…

Ein moralisches Fundament

  Dichtung darf nicht zu direkt sein. Sie soll ein moralisches Fundament haben, aber auf diesem Fundament muss etwas stehen, das nicht die Verlängerung des Fundaments bis zum Dach ist.     Weiterführend → Das erste Fazit von Ulrich Bergmann…

Dunkle Materie

Sehr interessant, im Detail vielleicht manchmal etwas zu pathetisch, aber im ganzen ein schoner Wurf! Michael Kruger In diesem in der unmittelbaren Zukunft angesiedelten ‚Roman der letzten Tage‘ dokumentiert der Verfasser den Niedergang von Selbst- und Weltbewusstsein in intellektuell wie…

ehrlich

  Erlebnisse der ehrlichen Gierigkeit – nach Genüssen, die das Leben zu bieten hat.     Bereits nachdem Jack Dorsey den ersten Tweet am 21. März 2006 verschickt hatte, war Herrn Nipp klar, das hier etwas Neues entsteht. Von Herrn…

Ruh und Schweigen

    Hirten begruben die Sonne im kahlen Wald. Ein Fischer zog In härenem Netz den Mond aus frierendem Weiher. In blauem Kristall Wohnt der bleiche Mensch, die Wang‘ an seine Sterne gelehnt; Oder er neigt das Haupt in purpurnem…

Gesellschaft

  Meine Mutter hatte ein Schmuckstück von ovaler Form. Es war so groß, daß man es auf der Brust nicht tragen konnte, und so erschien es jedesmal, wenn sie es antat, an ihrem Gürtel. Sie trug es aber, wenn sie…

Alles

  Alles, woran man glaubt, beginnt zu existieren. Ilse Aichinger     Ihre Poetik des Schweigens ist ihre Konsequenz aus der Ablehnung jeder Form von Konformismus. An Ingeborg Bachmann schrieb Ilse Aichinger in einem Brief, daß sie „an immer kürzeren…