Monat: August 2009

Gedankenstrich

  Soll es mich trösten, dass eventuell meine Seele wandern, nach mir sein wird bei jemand anderem zuhause? Dass meine Seele also nicht mich im Spiegelbild erblicken wird, sondern ein ganz anderes Gesicht? Kann mich das trösten?     ***…

Wahrung der Worte

  Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer Annäherung…

Lob der Langsamkeit

  Ein Mensch, der zu langsam ist, der wird nicht so viel Schaden unter den Menschen anstiften als der Mensch, der zu schnell ist.         Weiterführend → Die von Farben und Tönen bestimmte ungebundene und rhythmische Lyrik…

Monostichon = Twitteratur?

  Ein Monostichon (von griech. μόνος, monos „eins“ und στίχος, stichos „Zeile“; deutsch auch Einzeiler) ist ein Gedicht, das aus einer einzigen Zeile besteht. Ein bekanntes Beispiel aus der deutschsprachigen Literatur ist Goethes Monostichon: Blumen reicht die Natur, es windet…

Dieser Tag leuchtet

  Gedichte, Gedichte, Gedichte. Wer findet sich heute noch zurecht in den Regalen? Wer kann sogenannte moderne Gedichte noch deuten? Immer wird nach einer neuen Faszination gesucht, immer wird ein neues Feld bestellt mit ungepflügten Worten. Einer, der seit Jahrzehnten…

Zwischenbemerkungen • Mensch der leisen Töne

Walter Helmut Fritz zum 80. Geburtstag am 26. August 2009 Im Gedicht finde ich eine Mög­lich­keit zu atmen; wach zu blei­ben; ein Dach über den Kopf zu be­kommen; […] in Au­gen­blicken der Mut­losig­keit nicht zu ver­gessen, daß etwas vor einem…

Bayreuther Assoziationen

  Oh wer erzählt uns die ganze Geschichte der Narkotika! – es ist beinahe die Geschichte der ›Bildung‹, der sogenannten höheren Bildung!     *** Friedrich Nietzsche ist ein Meister des Cynismus. Oft leisten seine Texte viel mehr: Aufschreckende Brüche…

Eine neue Widerlegung der Zeit

  Wir werden alle Augenblicke unseres Lebens wiedererlangen und sie kombinieren, wie es uns gefällt. Gott und unsere Freunde und Shakespeare werden unsere Mitarbeiter sein.     *** Der in der Schwebe gelassene Sinn, die Produktion von Ambiguität – was…

Regeln für den, der in den Bergen baut

  Fürchte nicht, unmodern gescholten zu werden. Veränderungen der alten bauweise sind nur dann erlaubt, wenn sie eine Verbesserung bedeuten, sonst aber bleibe beim blten. Denn die wahrheit, und sei sie hunderte von jahren alt, hat mit uns mehr jusammenhang…

Atemschaukel

  Die Atemschaukel ist aus zwei Gründen ein besonders außergewöhnliches und bemerkenswertes Buch. Sie berichtet aus der Ich-Perspektive von der Deportation eines jungen Rumänisch-Deutschen, der gegen Ende des zweiten Weltkriegs, wie viele seiner Generation, aus Siebenbürgen in ein sowjet-ukrainisches Arbeitslager…

Eine Allianz mit der Seelen-Sprache der Leidenden

  Iris Radischs Kritik in der Zeit vom 20.8.2009 ist nicht nur polemisch, sondern vernichtend. Sie hält die Sprache Herta Müllers für ungeeignet, das Lagergrauen zu beschreiben („Harfen­klänge und Engelsgesänge im Secondhand-Betrieb“), und wirft ihr vor: „Jeder Versuch einer poetischen…

Moralische Verpflichtung

  Jeder hat die moralische Verpflichtung, auszusterben.       Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur.

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  Roll einen Stein lach wein denn wir wohnen in toten Steinen (Gebeinen) auf denen wiederum einzelne Steine gemalt sind     *** Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der…

VIII

  Vorteilhaft an Schieflagen = etwas kommt in Bewegung. Nataly vermeint einen Bekannten zu sehen, ruft seinen Namen. Der durchnässte Max dreht sich herum. Nataly ist verwirrt. Sie murmelt eine Entschuldigung. Max will sie aufhalten, ihn fasziniert jene Art von…

SCHALEN

   zerteilt die wunde die kuppel der brust birgt das knochendach den kopf fliegt ein schwarm stümpfe  der klippe der schulter entgegen hängt der mantel der erschöpften haut überm schacht des leibes  streckt sich der fuß im gliederschoß  in der…

Stachlige Opuntien IV

  Ich erlaube jedem Erfahrungsmanne, der doch immer, wenn was Tüchtiges aus ihm wird, ein philosophe sans le savoir ist und bleibt gegen die Philosophie, besonders wie sie in unsern Tagen erscheint, eine Art Apprehension, die aber nicht in Abneigung…

SCHLUSSSTRICH

  Wahrscheinlich beendete Jesus nachseinem vermeintlichen Toddie gescheiterte Karriere als Sektenführer,ging als Barmixer nach Indien,verkaufte Fruchtsäfte an reiche, ältere Damen,heiratete die Witwe eines Großgrundbesitzers,ritt an lauen Sommerabendenmit dem Elefanten durch die Gegend,wurde fett und behäbig,ein richtiger Buddha eben,zeugte zwölf Kinder…

Erinnern wir uns?

  Haben wir alles gesehen? War das die Realität? Wurde es Wirklichkeit, weil wir es gesehen haben?         Weiterführend → Zur historischen Abfolge, eine Einführung.

Das Hungertuch für Peter Engstler

Peter Engstler aus Ostheim, Rhön erhält in Anerkennung seines lyrischen Werks das Hungertuch für Literatur 2009 Literatur ist immer auch Behauptung. Peter Engstler reklamiert für sich und seinen Verlag „Medien Streu“ einen Sprachraum und schafft damit eine Wirklichkeit, die anders…

Krisenbewältigung auf Kulturpolitisch

  SchuldenKrisen (wie unsere derzeitige irgendwie noch immer nicht beendete) gefährden einmal mehr die kommunale Kunst- und Kulturförderung. Öffnungszeiten und Programme örtlicher Kunstgalerien und Büchereien werden eingeschränkt, manche „Kulturtempel“ werden gar geschlossen. Viele Programme werden vorwiegend von Ehrenamtlern bewältigt. Und…

Hypochondrische Aphorismen 5

  Schreiben heißt, das Nichts zu einer Insel zu machen.     *** Weiterführend → Das erste Fazit von Ulrich Bergmann zur Twitteratur viel eher skeptisch aus. Er stellte KUNO seine Hypochondrische Aphorismen zur Verfügung. Zur weiteren Information ein Essay über…

Tüpfelhyänen

  Leben, das Sinn hätte, fragte nicht danach.     *** Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, von Theodor W. Adorno. Suhrkamp, Berlin/Frankfurt am Main 1951 Die von Theodor W. Adorno gewählten Formen des Kurzessays, der Miniatur, des Langaphorismus…

Provinz

    In deutschen Kleinstädten kann man sich die Zimmer ohne Fensterbretter gar nicht vorstellen.       *** Walter Benjamin ist ein Großmeister des Aphorismus, in seinen Ausführungen finden sich elegante Zuspitzungen. Wenn Benjamin philosophische „Lesestücke“ und Skizzen in nichts…

Aperçu

  Das kleine Schwarze ersetzt bei Frauen die Uniform, Kajal und Lippenstift die Geschosse. Aber ihre wahren Waffen Waffen sind ihre spitzen Zungen, die können töten.       *** Von Herrn Nipp waren auf KUNO zwischen 1989 und 1994…

Resignation

    Resignation ist keine Option. Die „Utopie Hoffnung“ (Ernst Bloch) darf niemals aufgegeben werden.        *** Weiterführend → Über den dezidiert politisch arbeitenden Peter Paul Wiplinger lesen Sie hier eine Würdigung. → ein Essay über die neue Literaturgattung…

Anstossnehmen

  Die Privilegien im Anstossnehmen müssen endlich aufhören! Ludwig Marcuse     In seinem literarischen Schaffen orientierte sich Ludwig Marcuse hauptsächlich an den Schriftstellern des 19. Jahrhunderts sowie den Expressionisten des 20. Jahrhunderts. Daraus resultierten beispielsweise seine Publikationen über Ludwig…

Pyrus botryapium

die jungen blätter rot wie die erde zwischen dem gerippe der rockys die früchte wie das leben grün und rot und blau die vögel holen sie sich im flug die menschen sperren sie in gläserne fresssärge kupfer felsen birne schöne…