Monat: Mai 2015

Albena

Wind in den Gehäusen des Schlafs – auf den Bergen Über der Schwarzen, der nördlichen Salz-See, Dein sanfter Atem, der eben Schlaf braucht, von Der Mühsal in der nördlichsten Eb’ne verfügt.   Verzagt flattert das Licht in den Schluchten, wo…

Kollegengespräche · Revisited

Vorbemerkung der Redaktion: Für das Projekt Kollegengespräche hat A.J. Weigoni einen Austausch zwischen Schriftstellern angeregt. Auf KUNO ist diese Reihe wieder aufgelebt, daher bringen wir gern den Austausch zwischen Arletta Szmorhun und Peter Paul Wiplinger. Szmorhun: In vielen Gedichten unterziehen Sie die…

Jenseits des Urals

Erst hinter dem Jenissei wird die Natur originell, großartig und überwältigend. Anton Tschechow Wer sind die echten Sibirjaken? Für die Autorin, eine ausgewiesene Kennerin Sibiriens („Transsibirische Eisenbahn“ Berlin 2002; „Meine sibirische Fleckendecke“, Düsseldorf 2004), leben sie an der Unteren Tunguska,…

Was die Fülle und Perfektion des Lebens ausmacht

Immer noch werden Bücher gedruckt und verkauft, die es nach den Gesetzen des Marktes eigentlich gar nicht mehr geben dürfte. In Südamerika erlebt die Poesie gerade einen neuen Boom. In England erreichen die schmalen Lyrikbände einer jungen Dichtergeneration – Michael…

Im Lyrikamt

  (Mein Name ist) Schittko, Clemens Schittko. Clemens mit C am Anfang und mit S am Ende. Und Schittko buchstabiert sich S, C, H, I, Doppel-T, K, O. Nein, ich wurde von niemandem ausgeknockt, noch nicht einmal angezählt. Und das,…

balunga timba ongawa

     *** Anmerkung der Redaktion: Das Thema des Hungertuchpreisträgers Thomas Suder Thema ist die dialektische Beziehung zwischen organischen, also eher rundlichen Formen und Strukturen wie z.B. das menschliche Gehirn, und dem was ebendieses an höchst unorganischen Formen hervorbringt, um in der…

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  wo der wind leicht am laub leckt und die hände aneinander stranden wo die planetensysteme in ihren bahnen brennen von rot zu rost werden sie rote riesen weiße zwerge bis sie verglühen zerfällt der farn zu staub wird unser…

Selten

  Es ist ein Luxus, die anderen nicht wecken zu müssen; allerdings ist es Respekt, dies auch tatsächlich nicht zu tun.   *** Von Herrn Nipp waren auf KUNO zwischen 1989 und 1994 Aperçus, Bonmots, und Sentenzen zu lesen. Eine…

Die vierte Elegie

  O Bäume Lebens, o wann winterlich? Wir sind nicht einig. Sind nicht wie die Zug- vögel verständigt. Überholt und spät, so drängen wir uns plötzlich Winden auf und fallen ein auf teilnahmslosen Teich. Blühn und verdorrn ist uns zugleich…

acker der kindheit

  lag ich auf feldern hinterm dorf im flüstern der luft sah ich über mir wälder geschoren unterm feuerpflug fiel regen als blut des himmels  auf mich herab wuchsen halme  wie flammen aus den poren der erde  vertrieb ich mäuse…

Popgedichte

  krokodile geister hardware farben der lenkung verstehe ich nicht und auch nicht das blasen im wind (Klappentext) Flarf Disco folgt einem konzeptuellen Ansatz. Aus der vollständigen Sammlung von 120 Musik-CD-Samplern einer Zeitschrift für Popkultur und -theorie („Spex“, Jahrgänge 2000-2014)…

Meister der Duplizität

Der Lyriker Oskar Pastior verfügte testamentarisch die Gründung der Oskar-Pastior-Stiftung zur Förderung experimenteller Literatur. Zu seinem Gedenken treffen sich zu Pfingsten Urs Allemann (Goslar), Gabriel Horatiu Decuble (Bukarest), Oswald Egger (Hombroich), Elke Erb (Berlin), Jean-René Lassalle (Bad Krozingen) sowie Herta…

an einem schönen tag im mai

sich auflösen in diesem blau dennoch nicht verschwinden überall gleichzeitig sein das land durchwehen wie ein milder sanfter wind nirgendwo ankommen müssen und nirgendwo gehn   *** Über die Qualität von Andreas Noga als Lyriker und Performer lesen sie hier.

Unueberwindliche Næhe

falsche Gefuehle projizieren aus einer blendenden inneren Leere das Trugbild einer fiebrigen Existenz: Geist = Natur Fuehlen, Denken + Erinnerungen sind: biochemische Vorgænge in neuronalen Schaltkreisen die ins Innerste des Nervensystems reichenden Erfahrungen mit der unbedingten Autonomie der Sprache reflektieren:…

Sonette – V

  Du nie mehr klingende die in die Schwüle Der grünen Hänge tauend niederschlug In ihren Flügeln Windessingen trug Dich machte stumm der Engel der Gefühle   O Stimme der mit seiner Hand erhub Dein Atmen in die ewig klare…

Tristitia ante …

  Schneeflocken fallen. Meine Nächte sind Sehr laut geworden, und zu starr ihr Leuchten. Alle Gefahren, die mir ruhmvoll deuchten, Sind nun so widrig wie der Winterwind.   Ich hasse fast die helle Brunst der Städte.   Wenn ich einst…

Dinge

  Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer Annäherung…

Gedichte – was sonst?

  Es ist nicht vielen deutschsprachigen Lyrikern gelungen, in mehrere Sprachen übersetzt, auf der Bühne, im Fernsehen und im Hörfunk inszeniert sowie in Schulbüchern verewigt zu werden. Axel Kutsch, der  am 16. Mai 70 Jahre alt wird, kann all dies…

IM MÜHLVIERTEL

  euchtendes rot einer mohnblüte   weiße margeriten im wiesengrün gewitterwolken   im himmelsblau durch die landschaft   gehen ohne ein ziel einfach nur dasein   schauen sonst nichts       Weiterführend → Über den dezidiert politisch arbeitenden Peter Paul…

Aussicht im Dunkeln

 von Stefán Hörður Grímsson     Ein rotes Haus an der Ecke eines anderen Hauses Ein Schornstein auf dem First der Scheune schräg nach West Ein alter Mann am Stock summt eine Strophe vor sich hin über den Schöpfer des…

FEIER DES WORTES

  Bevor Sie dieses Gedicht betreten, ziehen Sie sich bitte die Schuhe aus. Sie werden vom Autor darum gebeten. Sparen Sie am Ende nicht mit Applaus.   Haben Sie sich schon die Hände gewaschen? Nein? Dann wird es aber höchste…

O.T. · Revisited

  ich werde vom Flirren der Bäume im Licht nichts sagen, auch nicht von den Bäumen an sich. kein Wort von der Buche im Hinterhof der Ärztin deren Tochter im Schlafzimmer stirbt, kein Wort vom Blauglockenbaum im eigenen Hof, unter…

Über naive und sentimentalische Dichtung

  Es gibt Augenblicke in unserm Leben, wo wir der Natur in Pflanzen, Mineralien, Tieren, Landschaften, sowie der menschlichen Natur in Kindern, in den Sitten des Landvolks und der Urwelt, nicht weil sie unsern Sinnen wohl tut, auch nicht, weil…

Poesie grafisch

Der Schweizer Lyriker, Romancier, Verleger, Drucker, Graphiker und obsessive Lustleser Beat Brechbühl gibt seit vielen Jahren seine „Bodoniblätter“ heraus, benannt nach dem Gestalter einer Schrift, die seinen Namen trägt. Brechbühl kennt sich in der Weltliteratur, auch gerade in der skandinavischen…

Was ist wahre Poesie?

  Wahre Poesie enttäuscht, lehrt sehen: Das Gute wie das Schlechte in der Welt. Sie stärkt meine Wünsche, bestätigt sie und eröffnet mir neue. Meine Wünsche drängen nach meinem Glück. Die Poesie zeigt mir, wie mein Ich sich am Ich…

Citizen Welles

Ein Zeitzeichen der KUNO-Redaktion: Heute wäre Orson Welles 100 Jahre alt geworden. Dieser Pionier durchlebte alle Medienformen des 20. Jahrhunderts. Seine Karriere begann am Theater. Er wurde durch seine Arbeit für das Radio bekannt und produzierte mit seiner Theatertruppe Literaturklassiker,…

Das Gebet

  Die Rehlein beten zur Nacht,   habt acht!   Halb neun!   Halb zehn!   Halb elf!   Halb zwölf!   Zwölf!   Die Rehlein beten zur Nacht, habt acht! Sie falten die kleinen Zehlein, die Rehlein.    …

emblematische Medikation

  Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer Annäherung…

Wortkunst

  In den meisten Fällen ist es wenig sinnvoll, einen kleinen Gedanken so aufzupumpen, dass er 600 Seiten füllt. Sinnvoller ist es, einen großen Gedanken in einem Satz zu fassen.   *** Von Herrn Nipp waren auf KUNO zwischen 1989…

Frauensegen

  Schreitest unter deinen Frau’n Und du lächelst oft beklommen: Sind so bange Tage kommen. Weiß verblüht der Mohn am Zaun. Wie dein Leib so schön geschwellt Golden reift der Wein am Hügel. Ferne glänzt des Weihers Spiegel Und die…

Die Kunst des Überkandidelten

Auf KUNO beschäftigen wir uns in diesem Jahr mit den vielfältigen Formen der Lyrik. Die festgefügten Formen haben sich aufgelöst. Prosa kann zu Zeilen zerschlagen werden, Gedichte im Blocksatz eine neue Erscheinungsform erhalten. Eine Fußnote zum weiteren Mißerständnis: Ab heute…

Orte 2. Revoluzzermarkt od.: Der erste Mai

Re-Re-Revolution: markige Worte auf altem Pflaster, alte Worte verhalln als verbales Desaster… Wo sind heute die Barrikaden? — Nur vor der Bühne, wo überkommener Jazz-Rock gestikuliert, mimt und quält, wo ‘s ethno-kultisch plappert und plärrt von `ner Solidarität, die `s…