Monat: November 2009

KNOCHEN

wo ich fraß und fäule übersteh leb ich erlöst vom körper lieg ich zerlegt im abgrund unter der landschaft versteinern meine knochen werd ich zeichen nutzen mir die besten prothesen nichts selbst wenn sie häuserwände erklimmen in mauerspalten ragen leibabrisse…

XI

  Transitraum des Nirgendwo. Falls es ein maximal beschleunigtes Nichts gibt, dann in einer rheinischen Fussgängerzone, in der Zeit und Ort aufgehoben sind. Max überschaut ein Areal, das an einen zugigen Platz angrenzt. Aus dem Boden strahlen Ellipsoide, diese Lichtinstallation…

LIEBHABER UND AUSSTELLUNGEN

  Es ist sonntagmorgens, fünf nach zehn, und Günther Kimmerle ist unausgeschlafen. Er betrachtet sich im Spiegel, während er sich rasiert. Er sieht schlecht aus. Die Augenränder sind gerötet, die Tränensäcke geschwollen. Geplatzte Blutgerinnsel zersetzen die Iris. Zwischen den Augenbrauen…

Zsolnay Verlag

IM RATTERN DES ZUGS Wird nichts aus dem Leben mehr ranken, noch ein Jahr, noch zweie, noch x? Schwarze Schwäne meiner Gedanken gleiten weichselwärts nach dem Styx… Alexander Lernet-Holenia „Lesen ist ebenso nützlich wie reizend. Wenn ich lese, bin ich…

Das Pöbelregiment

  Das Pöbelregiment ist dumm, das Säbelregiment noch dümmer.     *** Für Theodor W. Adorno war Eichendorff „kein Dichter der Heimat, sondern des Heimwehs im Sinne des Novalis, dem er nahe sich wußte.“ In seinem Essay Zum Gedächtnis Eichendorffs weist er…

Verwesung

  Was ist das herrlichste Antlitz, auf dem eines Menschen Auge je geruht? – Ich könnte Trim immer so zuhören, rief Susanna. – Was ist es? (Susanna legte die Hand auf Trims Schulter) – Verwesung! – Susanna zog sie zurück.…

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Tod jünger als ich kriegt ein Kind das ihm beibringt erwachsen zu werden *** Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der Frage nach, wie das Schreiben durch das schreibende Analysieren…

Hypochondrische Aphorismen 8

  Immer bin ich Leser und Schreiber meiner selbst: Wir gehen zusammen trotz unserer Absprache unweigerlich in die Irre, wo wir uns schweigend verstehen. Was aber geschieht, wenn ich die Textart ändere?     *** Weiterführend → Das erste Fazit…

Gift

    Der unseelige Ehrgeiz, er ist ein Gift für alle Freuden.     *** Heinrich von Kleist stand als „Außenseiter im literarischen Leben seiner Zeit […] jenseits der etablierten Lager“ und der Literaturepochen der Weimarer Klassik und der Romantik.…

Wellenbewegungen

  Mit dem Erscheinen der Vignetten geht das bisherige Projekt Labor nach 20 Jahren in ein Label über. Wie alle Rebellen braucht auch A.J. Weigoni keinen Grund, er überschreibt in einer Art von Trauerarbeit eine Literaturgattung neu und praktiziert damit…

silence

  Your silence will not protect you.     *** Audre Geraldine Lorde (* 18. Februar 1934 in Harlem, New York City; † 17. November 1992 in Christiansted, Saint Croix, Amerikanische Jungferninseln) war eine US-amerikanische Schriftstellerin und Aktivistin. Sie bezeichnete…

Stachlige Opuntien VII

  Platos Akademie war die erste F.W.V! Wer über diesen Satz lacht, erklärt sich oder seine Bundesbrüder für inferior. Wir wollen unsere Sache endlich einmal ernst nehmen!     *** Jakob van Hoddis (Geburtsname Hans Davidsohn; * 16. Mai 1887 in…

Bemerkungen über den Menschen

  Der Mensch ist gut und will nicht, daß man vor einem andern als ihm selbst krieche.     *** Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur. Lesen Sie sowohl den Essay über Jean Paul auf KUNO, als auch feinstes…

Das Schreiben

  Schreiben ist kein Beruf. Heute nicht mehr. Die Sprache ist zersplittert, das müßte man doch wissen. Robert Musil hat das vollkommen durchschaut. Aber die meisten schreiben rasch chronologisch und unaufmerksam vor sich hin. Sich als Autor allein zu definieren,…

Sterben

  Sterben / Ist eine Kunst, wie alles andere auch / Ich kann’s besonders schön. Sylvia Plath         Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur.

Vor dem Tod erschrickst du?

  Du wünschest, unsterblich zu leben? Leb im Ganzen! Wenn du lange dahin bist, es bleibt.     *** Der Homo ludens ist ein Erklärungsmodell, wonach der Mensch seine kulturellen Fähigkeiten vor allem über das Spiel entwickelt: Der Mensch entdeckt im…

wayback machine

  Wir werden zurückkehren an einen Ort, an dem wir noch nicht waren.       Weiterführend → Zur historischen Abfolge, eine Einführung.

Was solls

  Einen Reim machen auf die Erlebnisse! Denkt er sich. Auf alles das! Was er nicht versteht. Denkt er sich. Er kann es nicht. Die Reime fehlen, die Worte, Verse, Strophen auch. Denn Reime helfen nicht. Aber er kann sich…

Die Seele

  Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden.       Weiterführend → Eine Annäherung von Peter Paul Wiplinger an Georg Trakl finden Sie hier. → Ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur, sowie ein Recap des Hungertuchpreises.

Wunder

  Wunder gab ich leichter zu als wirklichen Fortschritt.       Franz Kafka neigte zu aphoristischen Gedankensplittern und dem eigenwilligen Aneignen kollektiver, mythischer Diskurse, um einen Prozess der Selbstreflexion in Gang zu setzen, der vom bloss Persönlichen und Privaten…

Gaslaterne

    Der sichernde Blick enträt der träumerischen Verlorenheit an die Ferne.   *** Walter Benjamin ist ein Großmeister des Aphorismus, in seinen Ausführungen finden sich elegante Zuspitzungen. Wenn Benjamin philosophische „Lesestücke“ und Skizzen in nichts den klassifikatorisch-deduktiven Darstellungsformen ähneln,…

Entgrenzungsbewegung

    Wir stehen im Schatten der Toten.         Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur.