Monat: März 2010

Stufen

    Gespräch ist gegenseitige distanzierte Berührung.       *** Galgenlieder, von Christian Morgenstern. Erschienen im Verlag Bruno Cassirer. Berlin 1905 „In jedem Menschen ist ein Kind verborgen, das heißt Bildnertrieb und will als liebstes Spiel- und Ernst-Zeug nicht…

The Breuer, Essayist

  Michael Gratz, ein Gönner der Verschreibkunst, kündigte den Lyriker Theo Breuer in der Lyrikzeitung in seiner Funktion als Essayist als THE Breuer an. Wir sind froh, daß dieser Kenner der deutschsprachigen Literatur bei kulturnotizen den ein oder anderen Essay…

seelenwanderung

  die seelenwanderung ist ein starker ökologischer gedanke.       *** Eine Vorschau auf: Gedanken, die um Ecken biegen, Aphorismen von Holger Benkel Der in der Schwebe gelassene Sinn, die Produktion von Ambiguität – was für Roland Barthes Brecht…

Die Liebe, die Liebe… Eine Yuppie-Ballade

  Liebe, sagte Schröder, Liebe ist nur ein Wort. Is’ von Simmel, sagte ich und Schröder nickte betrübt. Schaue mich an, sagte er, schaue mich an! Ich schaute ihn an. Er war ein Bild des Jammers und der Wirt des…

Leben in Möglichkeitsfloskeln XXXI

Und was fürchtet man mehr als die eigene Mittelmäßigkeit, die sich vielleicht zuerst in Anmaßung zeigt.   Weiterfühend → Lesen Sie auch den Nachruf über Peter Meilchens Lebenswerk und den Essay 50 Jahre Krumscheid / Meilchen über die Retrospektive im Kunstverein Linz.  

Der Datendandy

  Eine perfekte Tarnung kann es nicht geben. Zonkers Grundregel lautet: „Traue niemandem!“ Sie erfordert die Einübung in eine dauernde Selbstkontrolle und lauernde Wachsamkeit. Das eingeschossige Gebäude in dem sich sein Studio befindet, lässt sich durch verschiebbare Wände beliebig verwandeln.…

Twitteratur

  Ich möchte fast sagen, das Chaos muß in jeder Dichtung durch den regelmäßigen Flor der Ordnung schimmern.       *** Weiterführend →  Die Blüthenstaub-Fragmente von Novalis dienten KUNO in 2009 als Leitmotiv von dem ausgehend wir die wichtigsten…

Die Kiste III

  Das ist kein Einzelfall, dachte er, als am nächsten Tag ein weiterer Zettel gezogen werden sollte. Eigentlich nahm die Sache inzwischen etwas fast adventskalenderhaftes an. Jeden Tag würde er eine neue kleine Entdeckung machen und irgendwann würde sich ihm…

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  Abschied   Liebevoll verknittert die rote Decke auf den knien der Großmutter   Kommt nicht mehr ruft die Erinnerung Namen als hohle Formen zurück schießen in den Bauch ein ohne Echo ausgetragen   Verschrumpelte Hagebutten in die Zitter Hand…

Der eingetunkte Zauberstab

  Als Stefan George für seinen Kreis die maßgebliche Auslese aus der Über­lieferung deutscher Dichtung in drei Bänden zusammenstellte, bestimmte er einen von diesen Bänden Jean Paul. Die Anwartschaft der deutschen Leser auf das Bild Jean Pauls, das diese Wahl…

Die Vielfalt des Kulturguts Sprache

Vorbemerkung der Redaktion: Seit 2000 wird jedes Jahr der Welttag der Poesie gefeiert. Er soll an „die Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung mündlicher Traditionen erinnern“. Was bleibt ist der Mythos oder die Legende. Nicht die Werke selbst.…

Wenn sich das Jahr geändert

Wenn sich das Jahr geändert, und der Schimmer Der prächtigen Natur vorüber, blühet nimmer Der Glanz der Jahreszeit, und schneller eilen Die Tage dann vorbei, die langsam auch verweilen. Der Geist des Lebens ist verschieden in den Zeiten Der lebenden…

DIESE FLÄCHEN SIND ZU VERMIETEN

  Narren, die den Verfall der Kritik beklagen. Denn deren Stunde ist längst abgelaufen. Kritik ist eine Sache des rechten Abstands. Sie ist in einer Welt zu Hause, wo es auf Perspektiven und Prospekte ankommt und einen Standpunkt einzunehmen noch…

Zur Gegenwartslage der Literatur

A.J. Weigoni hat die Zombies von der puren Horrorfiktion in ernstzunehmende Gesellschaftskritik transferiert. Die Untoten dienen als Narrativ der Krise, sie sind in Zeiten wirtschaftlicher und sozialer Unsicherheit zu einer Metapher für die Erosion gesellschaftlicher Ordnung geworden. Die Kunst dieser…

Verfall

  Am jetzigen Verfall hat jeder von uns seinen eigenen Anteil.       *** Anmerkung der Redaktion: Michel de Montaigne ist ein analoger Blogger. Der in der Schwebe gelassene Sinn, die Produktion von Ambiguität – was für Roland Barthes Brecht…

örtlich schauern / nacht im kreuz

  vor lauter regen überm see tagsüber vielgeschwiegen nachts dann knarren fieser schuhe auf den stiegenbat verlangend holz um ruhe las in fremdländischen bettenglaubte kaum man wäre noch zu retten klaubte augen aufgerissenversteckte wörter in den wänden wollte es doch…

BÜROBEDARF

  Das Chefzimmer starrt von Waffen. Was als Komfort den Eintretenden besticht, das ist in Wahrheit ein cachiertes Arsenal. Ein Telephon auf dem Schreibtisch schlägt alle Augenblicke an. Es fällt einem an der wichtigsten Stelle ins Wort und gibt dem…

eje winter, ein Porträt

  Die Bonner Dichterin eje winter arbeitet an einem literarischen Werk, das alle wesentlichen Gattungen umfasst: Lyrik – Prosa, darunter Erzählungen, Reflexionen, Miniaturen, poetische Briefe – Hörspiel/Drama – Roman (Arbeitstitel: „Kaspar“ ist im Entstehen). Viele Texte publiziert sie in der…

Was gültig ist

    Was gültig ist, gilt der Idee nach überall und jederzeit.       Oskar Loerke gehört zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Lyrik des 20. Jahrhunderts. Seine Gedichte werden in Anthologien unter den Stichworten Expressionismus, Naturdichtung oder Innere…

Ein Land

  Ein Land, wo man sich von Zeit zu Zeit einen eigenen Klon schöpft, dessen Aufgabe darin besteht deine erst angedachten Projekte in der richtigen, deiner Manier (ohne Erklärung, ohne Einarbeitung) fertig zu stellen und danach wieder zu verschwinden.  …

Europamüd

    Wir möchten gerne wissen, ob sie europamüd‘, von Weltschmerz so zerrissen.     *** Für Theodor W. Adorno war Eichendorff „kein Dichter der Heimat, sondern des Heimwehs im Sinne des Novalis, dem er nahe sich wußte.“ In seinem Essay Zum…

wissen

  den apfel / der vom boden zum baum fällt / können wir uns nicht vorstellen / wir haben in der schule gelernt / dass äpfel an apfelbäumen wachsen und es die gravitation gibt     *** Mit seiner micropoetry gelingt…

OHNE ANFANG

Weiterführend → KUNO mit einem Rückblick auf die raumbezogene Videoinstallation Wasserkur von Katja Butt und Heidrun Grote im Rheintor.  Mehr über die Hungertuchpreisträgerin Katja Butt.

Miniatur

: die muschis der pinken blüten aufspringen du fingerst als wär nix in meinem gedächtnis.     *** binnen von Sophie Reyer, Leykam Verlag, 2010. Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht…

things change

  b    (da bleib ich kühl) mein haus steht unter dem eisenbahn-viadukt. kurz vor sechs uhr abends fährt der cisalpino darüber hinweg. und ich darin. im haus habe ich alles so gelassen, die ordnung und die unordnung. heute morgen…

FRÜHSTÜCKSSTUBE

  Eine Volksüberlieferung warnt, Träume am Morgen nüchtern zu erzählen. Der Erwachte verbleibt in diesem Zustand in der Tat noch im Bannkreis des Traumes. Die Waschung nämlich ruft nur die Oberfläche des Leibes und seine sichtbaren motorischen Funktionen ins Licht…

Selbstkritik

  Selbstkritik, rücksichtslose, grausame, bis auf den Grund der Dinge gehende Selbstkritik ist Lebensluft und Lebenslicht der proletarischen Bewegung.     *** KUNO nimmt Rosa Luxemburg beim Wort und versucht in diesem Online-Magazin auch überkommene literarische Formen neu zu denken.…

Die Kiste (Hut)

  Wenn sich das Wetter so zuzieht wie an diesem verflixten Tag, an dem Herr Nipp einkaufen gehen will, dann sollte er besser eine Kopfbedeckung tragen, gerade dann aber, wenn die verbliebenen Haare die Haut nicht mehr vor Blicken schützen…

KEHRE ZURÜCK! ALLES VERGEBEN!

  Wie einer, der am Reck die Riesenwelle schlägt, so schlägt man selber als Junge das Glücksrad, aus dem dann früher oder später das große Los fällt. Denn einzig, was wir schon mit fünfzehn wußten oder übten, macht eines Tages…

Wir

  Wir ist ein beschreibendes Wort, ein großes Wort, ein schützendes Wort, ein ermüdendes Wort. Wenn wir Wir sagen, dann versammle ich mich und uns und andere in dieses Haus mit drei Buchstaben. Doch wer gehört dazu und wer nicht?…

Über das Tier in der Kunst

  Meine Ziele liegen nicht in der Linie besonderer Tiermalerei. Ich suche einen guten, reinen und lichten Stil, in dem wenigstens ein Teil dessen, was mir moderne Maler zu sagen haben werden, restlos aufgehen kann. [Und das wäre vielleicht ein]…