Monat: Oktober 2010

Polaroids von den Schattenseiten der Gesellschaft-Fiktion

Eine Parodie auf die unschöne Gutmenschenwelt Diese Zombies sind Fiktion, dabei ist kaum etwas  erfunden. Die von A.J. Weigoni als ‚hypermoderne Menschen‘ beschriebenen Typen erleben eine Zergliederung und Fragmentierung des Abgebildeten, Veränderungen und Verstümmelungen des eigenen Körpers, sie sind das…

Lesegeschwindigkeiten

  Ich kann im Zug nur neben Zeitungslesern in einem Buch lesen. Neben Buchlesern ertappe ich mich dabei, langsamer zu werden und über das Bewusstwerden dieser Tatsache mich noch mehr zu verlangsamen. Statt mich auf das Lesen zu konzentrieren, messe…

Alle Straßen

  Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.     Weiterführend → Eine Annäherung von Peter Paul Wiplinger an Georg Trakl finden Sie hier. → Ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur, sowie ein Recap des Hungertuchpreises.

Ist die Photographie eine Kunst?

Peter Meilchen und Walter Benjamin sind sich nie begegnet. KUNO erinnert mit einer Denkfigur an den einen ohne den anderen nicht zu vergessen. Vor acht bis zehn Jahren (ca. 1926, die Redaktion) hat man begonnen, die Geschichte der Photo­graphie zu…

Sterben als Möglichkeitsfloskel

Nur wenn der Tod Dir vertraut ist, kannst Du ihn anlächeln, wenn er Dich aufsucht. Doch wie kann man mit einem Fremden Freundschaft schließen?     *** Peter Meilchen ist ein Frühverlorener, seine Biografie endet am 27.10.2008 nicht mit dem…

Die deutsche Dichtkunst

  Die deutsche Dichtkunst schrieb notorisch Sich selber den Uriasbrief, Seit das Gefühl ihr obligatorisch Und der Verstand nur fakultativ.     *** Den Essay „Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetze“ lesen Sie hier. Eine Rezension von Kurt Tucholsky…

Wahrheit

    Der Wahrheit dienen wenige in Wahrheit, weil nur wenige den reinen Willen haben gerecht zu sein und selbst von diesen wieder die wenigsten die Kraft, gerecht sein zu können.     *** Friedrich Nietzsche ist ein Meister des…

Schlaglichter

  Zweimal in einer Woche in besagten Wildwald zu fahren, spricht entweder von extremer Neugier auf die Natur oder die naturpädagogischen Programme, zeigt, dass man eine Jahreskarte hat oder aber eine Freikarte. Es könnte natürlich auch sein, dass etwas ganz…

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schmatzende Flüsse wenn Finger einander entdecken sagt er: komm mir ein bisschen entgegen aber du: Blut zwischen den Schenkeln das erste Mal riecht nach Sperma und Fisch ist ein Stinken in der Erinnerung schmatzende Flüsse that´s all *** Weiterführend →…

Rhein wörtlich

  Vielleicht ist meine beste Chance auf so etwas wie den erweiterten Rückgewinn von Gewissheit der Rhein. Der Strom als mächtiger Filter, als Geistesmaschine und Erzählapparat, der alles schon gesehen und gut durchgekaut wieder ausgespuckt oder nach Gusto für sich…

Mängel des breiten Bildungsbürgertums

  Ich hätte von Straßenkindern mehr gelernt als in der Schule und im Elternhaus. Die Mängel des breiten Bildungsbürgertums haben einen größeren Schaden in der Geschichte nicht nur des deutschen Volkes angerichtet, als man annimmt. Zu positiv wird selbst der Schatten…

Zurückgezogen

Das einzige, was ich mir wirklich wünsche, ist, zurückgezogen zu leben. Ich will nur in Ruhe gelassen werden. Elfriede Jelinek Elfriede Jelinek schreibt gegen Missstände im öffentlichen, politischen, aber auch im privaten Leben der österreichischen Gesellschaft. Dabei benutzt sie einen…

things change

  m (ich fühle mich) ich besuche meine freundin in mailand. noch heute nacht werde ich sie sehen. der zug hat die grenze bei chiasso erreicht. draußen fällt regen, der die lichter der nacht multipliziert und bricht. ich denke zurück…

Schwebezustand

  Als Produzent interessiert sich Gregory Zonker für Optometrie. Er will die Muster verstehen, welche die globalen Ströme von Materie, Energie und Information dirigieren. Da alle Menschen mehr Zugang zum Leben anderer haben, wird es unpersönlicher. Das Dilemma der Kommunikations–Guerilleros…

Vernunft

    Die allgemeinen fixen Ideen, welche man die gesunde Vernunft tauft, sind unerträglich langweilig.       Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur.

Flechte

  Gesenktes Haupt wirft den Blick zu Boden über den Bürger steigen en masse sich stehlen um fürwahr zu nehmen was wahr scheint auf Bildschirmen glänzende Verführer Entführer nach überall und nirgends ist gleichzeitig hier und anderswo heißt lateinisch alibi…

DIESE ANPFLANZUNGEN SIND DEM SCHUTZE DES PUBLIKUMS EMPFOHLEN

  Was wird „gelöst“? Bleiben nicht alle Fragen des gelebten Lebens zurück wie ein Baumschlag, der uns die Aussicht verwehrte? Daran, ihn auszuroden, ihn auch nur zu lichten, denken wir kaum. Wir schreiten weiter, lassen ihn hinter uns und aus…

Die Laubenpieperin

  Sie trägt die Bürde ihrer Jahre in einer Schürze aus Radieschen: grün ist der Saum, rot-schwarz die Frucht, die ihr der Laubenpieper übern Maschendraht hinweg am späten Abend reicht. Die Wurzeln ranken sich um ihre Hände, die erdig, rauchgeschwängert…

Wut

  Wütend geworden, weil er, den ich nicht kenne, dennoch bald beurteile (beurteilen muss, da ich doch ständig Orientierungspunkte brauche), weil er ihr nämlich auf offener Strasse ins Gesicht fährt. Er tut dies vermeintlich zärtlich. Das vermeintlich Zärtliche aber (und…

BOGENLAMPE

  Einen Menschen kennt einzig nur der, welcher ohne Hoffnung ihn liebt.     *** Die Einbahnstraße ist eine entscheidende Gelenkstelle in Benjamins Gesamtwerk, in der Überlegungen des Frühwerks transformiert werden, um sie dann in späteren Arbeiten weiterzuführen. Dies veranschaulicht…

Eins vierundzwanzig

  Die wahren Wettrennen sind die gegen den inneren Schweinehund. Trotz des lausigen Wetters hatte sich Herr Nipp früh morgens zurechtgemacht, hatte die halbhohen Wanderschuhe angezogen und den leichten Rucksack gepackt. Ein Flasche Mineralwasser sollte reichen, man konnte ja problemlos…

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    Und was ist des Strebens wert, wenn es die Liebe nicht ist!       *** Heinrich von Kleist stand als „Außenseiter im literarischen Leben seiner Zeit […] jenseits der etablierten Lager“ und der Literaturepochen der Weimarer Klassik…

LICHTSPIELE

  Es kann an einem Kuss liegen. Oder an einem nicht gegebenen Kuss. Schwierig zu sagen. Das Leben ist unregelmäßig und unvorhersehbar. Wie eine gepanzerte Faust mit sentimentalen Anwandlungen. Eine Tüte Eis mit den Sorten Schokolade und Grapefruit. Der Anschein…

Zivilcourage

  Wo die Zivilcourage keine Heimstatt hat, reicht die Freiheit nicht weit.       Am 8. Oktober 1992 starb der große Staatsmann Willy Brandt in Unkel am Rhein. Der Friedensnobelpreisträger hinterlies einige geflügelte Worte, die man heute als Twitteratur…

Ein Drama von Poe entdeckt

  Vor wenigen Monaten hat sich in der Bibliothek Pierpont Morgan ein unbekanntes Manuskript von Poe gefunden. Es ist das Jugenddrama Politian, das damit im Entwürfe, über den es nie hinausgedeihen sollte, vorliegt. Von zwölf ausgeführten Szenen ist nur die…

Symbiose

  Wenn sich Arroganz und Hybris paaren, kommt gern ein Deutscher dabei heraus.     *** Von Herrn Nipp waren auf KUNO zwischen 1989 und 1994 Aperçus, Bonmots, und Sentenzen zu lesen. Eine Vorform der Twitteratur. Prägend für diesen Begriff…

Eine Erinnerung an Gottfried W. Stix

  Der jetzt älteste Schriftsteller, den ich kennengelernt habe, ist der Friedl Stix. Mit ihm habe ich gestern telefoniert. Der wird – „so Gott will“, hat er gesagt – im April dieses Jahres 98 Jahre alt, also fast ein Jahrhundert.…

Die Kiste X

  Auf den Küchentisch liegen ein dickes Brett mit Marzipanstollen, stehen einige Gläser, die schon gebraucht sind und eigentlich gespült werden müssten, ein Messer und ein alter, schöner Füller mit Goldfeder sind fernerhin zu finden. Er freut sich jedes Mal,…

countdown

  sonett in dem es nicht regnetsonett aus dem es nicht schneitsonett in dem niemand begegnetder swonnigen wirklichkeit sonett ohne blick in die fernesonett taublind ohne licht(verse – verfaßte euch gerneals gutegeistergedicht) sonett ohne beben und schwebenkein kanariengrüner reflexnein –…

POLIKLINIK

  Der Autor legt den Gedanken auf den Marmortisch des Cafés. Lange Betrachtung: denn er benutzt die Zeit, da noch das Glas – die Linse, unter der er den Patienten vornimmt – nicht vor ihm steht. Dann packt er sein…

RE:zitation

  …eine Sprachflut entfesseln… Poesie als Klanggebilde wird vernachlässigt… Schreiben ist eine lautlose Disziplin… nur mit einem Grollen im Rachen, findet der Poet buchstäblich Gehör… das Geschriebene will mit erhobener Stimme vorgetragen werden…       *** Mikrogramme von A.J.…