Monat: Dezember 2011

Abreißkalender

  Lyrikkalender, das erinnert an die Abreißkalender, die in den 1960er Jahren verteilt wurden. Jeder Tag wurde zur geistigen Erbauung mit einem Sinnspruch belegt. Welche freudige Überraschung jedoch, als ich den Tischkalender des Verlegers Shafiq Naz von Alhambra Publishing in…

Demut

  Zwischen Hochmut und Demut steht ein drittes, dem das Leben gehört, und das ist der Mut.       Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur. → Lesenwert auch der Der Essay Unsere lyrische und epische Poesie seit…

Gedankenstrich

  Versichert sein; ein heilsames Konstrukt, an dem erstaunlich Wenige Zweifel haben, als ob man sich die Versicherung bildlich, stofflich, tatsächlich je vorstellen könnte.     *** Eine Vorschau auf: Gedankenstriche von Joanna Lisiak Weiterführend → Lesen Sie auch das…

historisch

  wer historisch denkt, erträgt keine gegenwart.     *** Eine Vorschau auf: Gedanken, die um Ecken biegen, Aphorismen von Holger Benkel Der in der Schwebe gelassene Sinn, die Produktion von Ambiguität – was für Roland Barthes Brecht im Theater…

Wir sind

  Wir sind gar nicht im Käfig, sondern umgekehrt!       *** Weiterführend → Das erste Fazit von Ulrich Bergmann zur Twitteratur viel eher skeptisch aus. Er stellte KUNO seine Hypochondrische Aphorismen zur Verfügung. Zur weiteren Information ein Essay über die…

Performance

  Seit drei Stunden sitzt er da, ohne jegliche Bewegung, im Museum. Die Besucher sind fasziniert, er scheint noch nicht einmal zu blinzeln. Und definitiv atmet er auch seit 2 Stunden und 57 Minuten nicht mehr.    *** Eine Vorschau…

Es war

    Es war so. Aber auch nicht anders. Es könnte so gewesen sein können. Es war nicht so. Es hätte nicht geschehen dürfen.       Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur.  

Bescherung

* St ille Nacht nur bis 8 Tannenbaum brennt  im  Raum Feuerwehr müht sich sehr Wasser marsch, Raum im Arsch Hausherr lallt zugeknallt: So viel Licht war lange nicht. ************************

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Sei das Meer in mir tauf uns nicht wieder deine Namen denken als könnte die Erinnerung Gesichter nicht verfremden wo und wer sind wir *** Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der…

Stünde ich inmitten

    Stünde ich inmitten, ich würde mir einen Hut aufsetzen, und einen Schirm mir in die Hand fürs Aufspannen des Umkreises –       Weiterführend → Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über…

dieses weiße rauschen

und weiter nichts sagen als. schnee. luft.als bliebe am ende nichts. anderes. nurdieses weiße rauschen. in den ohren.als rieselten unentwegt flocken in jedeswort. das uns entfallen wird. und an dasausmaß eines fiebers bei windpockenerinnert. als wäre ein schneeball eineletzte handbewegung.…

Kurzer Abriß der Nationalökonomie

  Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.       Kurt Tucholsky zählt zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik. Als politisch engagierter Journalist und zeitweiliger Mitherausgeber der Wochenzeitschrift Die Weltbühne erwies er sich…

Traum:

  Wir sitzen irgendwo in einer Berglandschaft in dünnem, von fremden Belangen gereinigtem Sonnenlicht. Die umliegenden Yogazellen wurden wegen Nebels geschlossen. Gebrechliche Bedienstete beschmieren die Holztische mit Sirup, Namen werden eilig notiert auf zugigen Bahnsteigen, bevor man uns, Gepäck und…

Auf der Fährte der Unwägbarkeit

Gar nicht so wenige Autoren sonnen sich – offen oder insgeheim – im Spiegel ihrer angenommenen Bedeutung und gehen ein wenig unter dem Parasol ihres Stolzes einher. Das führt gern einmal zu massiven Fehleinschätzungen, die zu einem langen Abstieg nach…

Nachtschwarz ist die Verzweiflung…

  Klang–Karambolagen an Bruchstellen des Lebens in der psychologischen Kriegfuehrung gegen < sich selbst   Sirenensuesses Sæuseln konterkariert Perzeptionsaufschub durch inkohærente Strukturen Plausibilitæt spielt keine Rolle   Stillgestelltes trifft auf zufriedene Traurigkeit & hinterlæsst komfortable Erschœpfung Entspannt pluckern die Gitarren…

PAPIER UND SCHREIBWAREN

  PHARUS-PLAN. Ich kenne eine, die geistesabwesend ist. Wo mir die Namen meiner Lieferanten, der Aufbewahrungsort von Dokumenten, Adressen meiner Freunde und Bekannten, die Stunde eines Rendezvous geläufig sind, da haben ihr politische Begriffe, Schlagworte der Partei, Bekenntnisformeln und Befehle…

Letzte Worte auf dem Totenbett

    Gott wird mir verzeihen, das ist sein Beruf.     Heinrich Heine gilt als als Überwinder der Romantik. Er machte die Alltagssprache lyrikfähig, erhob das Feuilleton und den Reisebericht zur Kunstform und verlieh der deutschen Literatur eine zuvor nicht…

Leben in Möglichkeitsfloskeln XVII

Die Fotografie ist der Fluch der immerwährenden Erinnerung. Auf dem fotografischen Bild dürfen wir nicht sterben. – Wir sind ewiglich Festgehaltene.   Weiterfühend → Lesen Sie auch den Nachruf über Peter Meilchens Lebenswerk und den Essay 50 Jahre Krumscheid / Meilchen über die…

Wasserkur_Revisited

    Bemerkenswert am mittelalterlichen Rheintor in Linz sind die beeindruckenden Hochwassermarken an der Außenfassade. Die Wände im Innenraum sind bis auf eine Höhe von ca. 2 Metern gekachelt. Fünf weiße Regenschirme schweben um 90 Grad gekippt in unterschiedlicher Höhe…

Genie und Wahnsinn

  Ihre Krankheiten sind oder waren belastend, sie bedeuteten Einschränkungen, oft Qualen und Leid und führten manchmal zum Tod. Ihre Träger sind unterschiedlich damit umgegangen; sie haben gegen ihre Krankheit gekämpft, haben sie akzeptiert oder haben vor ihr resigniert. Ihre…

Rheintor · Revisited

Das landläufige Vorurteil, Kunst sei eine Schnapsidee, unterlaufen Klaus Krumscheid und A.J. Weigoni augenzwinkernd mit dem Verweis auf Heinz Schenks Motto des Blauen Bocks: Ich lade gern mir Gäste ein! Obwohl unter den Zeltschrägen eines gemeinsamen Umschlages, bilden Klaus Krumscheid,…

Ein Hungerkünstler

  In den letzten Jahrzehnten ist das Interesse an Hungerkünstlern sehr zurückgegangen. Während es sich früher gut lohnte, große derartige Vorführungen in eigener Regie zu veranstalten, ist dies heute völlig unmöglich. Es waren andere Zeiten. Damals beschäftigte sich die ganze…

Franz Kafka, tschechischer Klassiker

Jede Zeit, jede Generation, jede Gruppierung im intellektuellen Kräftefeld hatte und hat ihren eigenen Kafka“, denn „Literaturwissenschaftler stehen in der Kulturindustrie nicht weniger unter Innovations- und Profilierungsdruck als die Fahrzeugkonstrukteure in der Automobilindustrie“. Thomas Anz Sprechen wir hier von einem…

Über eine Kleinform der spanischen Literatur

  Offenbar handelt es sich um Poesie Das Pfeifen des Zuges dient nur dazu auf den Feldern Melancholie zu verbreiten. – Wie reagieren wir? Wir lächeln zustimmend, sind ›amüsiert‹, verstehen, was der Autor humorvoll (nicht humoristisch) ausdrücken wollte. Und das,…

Zeros & Kalinda

  Luft ist das Wasser, das Zeros, das Albino, atmet. Er schwebt an der Nabelschnur über seiner Mutter und lässt sich den Wind um die Ohren wehen. Während seine Zwillingsschwester Rhina sich bereits in einem Tümpel mit kühlem Schlamm erfrischt,…

Die langen Winter

  überzogen den Kredit des Aprilmit weißen SpannbettlakenSchneeschauer um Schneeschauer abgebucht von der Geduld des Frühjahrs und wir tief in den blauen Zahlen des Thermometers schauten auf zum Himmel wo dieSchönschrift der Schwäne immer mehr an Linie verlor und nach…

Teilnehmer

  Vier- bis fünfmal im Jahr, hatte Herr Nipp sich vor Jahren gesagt, würde er fortan sein Wissen, seine grundlegenden Kenntnisse in Form von wohl durchdachten und kalkulierten Kursen an andere weitergeben. Gut, meist war es dann doch bei zwei…

Futterkrippen

    Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer…

snow white-girl

  Augen im Spiegel. Prüft sie die Größe der Pupillen. Schwarze Riesenlöcher. Klafft ihr das Blau auseinander. Und die Kontaktlinsen: Auf die Fingerkuppen pfropfen. Das Auge mit Daumen und Zeigefinger aufspreizen. Die Iris saugt die hauchdünne weiße Folie an sich…

Des Teufels letzte Worte

    Die Welt ist dumm, gemein und schlecht Und geht Gewalt allzeit vor Recht, Ist einer redlich, treu und klug, Ihn meistern Arglist und Betrug.         *** Am 1. Dezember 1911 wurde im Berliner Zirkus Schumann…

Auf dem Weg nach Tabou

  Unruhe bei Selbstbefragung und Selbstzweifel. Die Lust an der Herausforderung ist mir nicht vergangen. Christa Wolf       Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur.