Monat: Dezember 2011

Abreißkalender

  Lyrikkalender, das erinnert an die Abreißkalender, die in den 1960er Jahren verteilt wurden. Jeder Tag wurde zur geistigen Erbauung mit einem Sinnspruch belegt. Welche freudige Überraschung jedoch, als ich den Tischkalender des Verlegers Shafiq Naz von Alhambra Publishing in…

Über das Ausschreiten von Sprachräumen

Wer schreibt, der kennt die Situation im Angesicht des Nichts. Der Tisch wird zu einem leeren Strand. Mit dem ersten Wort auf dem leeren Papier hat man das Gefühl, man springe ins kalte Meer. Es ist ein langwieriger Häutungsprozesses, den…

Performance

  Seit drei Stunden sitzt er da, ohne jegliche Bewegung, im Museum. Die Besucher sind fasziniert, er scheint noch nicht einmal zu blinzeln. Und definitiv atmet er auch seit 2 Stunden und 57 Minuten nicht mehr.    *** Eine Vorschau…

Bescherung

* St ille Nacht nur bis 8 Tannenbaum brennt  im  Raum Feuerwehr müht sich sehr Wasser marsch, Raum im Arsch Hausherr lallt zugeknallt: So viel Licht war lange nicht. ************************

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Sei das Meer in mir tauf uns nicht wieder deine Namen denken als könnte die Erinnerung Gesichter nicht verfremden wo und wer sind wir *** Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der…

dieses weiße rauschen

und weiter nichts sagen als. schnee. luft. als bliebe am ende nichts. anderes. nur dieses weiße rauschen. in den ohren. als rieselten unentwegt flocken in jedes wort. das uns entfallen wird. und an das ausmaß eines fiebers bei windpocken erinnert.…

Nachtschwarz ist die Verzweiflung…

  Klang–Karambolagen an Bruchstellen des Lebens in der psychologischen Kriegfuehrung gegen < sich selbst   Sirenensuesses Sæuseln konterkariert Perzeptionsaufschub durch inkohærente Strukturen Plausibilitæt spielt keine Rolle   Stillgestelltes trifft auf zufriedene Traurigkeit & hinterlæsst komfortable Erschœpfung Entspannt pluckern die Gitarren…

PAPIER UND SCHREIBWAREN

  PHARUS-PLAN. Ich kenne eine, die geistesabwesend ist. Wo mir die Namen meiner Lieferanten, der Aufbewahrungsort von Dokumenten, Adressen meiner Freunde und Bekannten, die Stunde eines Rendezvous geläufig sind, da haben ihr politische Begriffe, Schlagworte der Partei, Bekenntnisformeln und Befehle…

Apocalypso

Vorbemerkung der Redaktion: Für das Projekt Kollegengespräche hat A.J. Weigoni einen Austausch zwischen Schriftstellern angeregt. Auf KUNO ist diese Reihe wieder aufgelebt. Wir nutzen den Jahresrückblick auf KUNO um HEL in einem Briefwechsel mit Ulrich Bergmann näher vorzustellen. HEL Ich…

Letzte Worte auf dem Totenbett

    Gott wird mir verzeihen, das ist sein Beruf.     Heinrich Heine gilt als als Überwinder der Romantik. Er machte die Alltagssprache lyrikfähig, erhob das Feuilleton und den Reisebericht zur Kunstform und verlieh der deutschen Literatur eine zuvor nicht…

Leben in Möglichkeitsfloskeln XVII

Die Fotografie ist der Fluch der immerwährenden Erinnerung. Auf dem fotografischen Bild dürfen wir nicht sterben. – Wir sind ewiglich Festgehaltene.   Weiterfühend → Lesen Sie auch den Nachruf über Peter Meilchens Lebenswerk und den Essay 50 Jahre Krumscheid / Meilchen über die…

Genie und Wahnsinn

  Ihre Krankheiten sind oder waren belastend, sie bedeuteten Einschränkungen, oft Qualen und Leid und führten manchmal zum Tod. Ihre Träger sind unterschiedlich damit umgegangen; sie haben gegen ihre Krankheit gekämpft, haben sie akzeptiert oder haben vor ihr resigniert. Ihre…

Rheintor · Revisited

Das landläufige Vorurteil, Kunst sei eine Schnapsidee, unterlaufen Klaus Krumscheid und A.J. Weigoni augenzwinkernd mit dem Verweis auf Heinz Schenks Motto des Blauen Bocks: Ich lade gern mir Gäste ein! Obwohl unter den Zeltschrägen eines gemeinsamen Umschlages, bilden Klaus Krumscheid,…

Ein Hungerkünstler

  In den letzten Jahrzehnten ist das Interesse an Hungerkünstlern sehr zurückgegangen. Während es sich früher gut lohnte, große derartige Vorführungen in eigener Regie zu veranstalten, ist dies heute völlig unmöglich. Es waren andere Zeiten. Damals beschäftigte sich die ganze…

Franz Kafka, tschechischer Klassiker

Jede Zeit, jede Generation, jede Gruppierung im intellektuellen Kräftefeld hatte und hat ihren eigenen Kafka“, denn „Literaturwissenschaftler stehen in der Kulturindustrie nicht weniger unter Innovations- und Profilierungsdruck als die Fahrzeugkonstrukteure in der Automobilindustrie“. Thomas Anz Sprechen wir hier von einem…

Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden

An Rühle von Lilienstern Wenn Du etwas wissen willst und es durch Meditation nicht finden kannst, so rathe ich Dir, mein lieber, sinnreicher Freund, mit dem nächsten Bekannten, der dir aufstößt, darüber zu sprechen. Es braucht nicht eben ein scharfdenkender…

Zeros & Kalinda

  Luft ist das Wasser, das Zeros, das Albino, atmet. Er schwebt an der Nabelschnur über seiner Mutter und lässt sich den Wind um die Ohren wehen. Während seine Zwillingsschwester Rhina sich bereits in einem Tümpel mit kühlem Schlamm erfrischt,…

Teilnehmer

  Vier- bis fünfmal im Jahr, hatte Herr Nipp sich vor Jahren gesagt, würde er fortan sein Wissen, seine grundlegenden Kenntnisse in Form von wohl durchdachten und kalkulierten Kursen an andere weitergeben. Gut, meist war es dann doch bei zwei…

Die Chinesische Mauer

  EIN MORD ist geschehen und die Menschheit möchte um Hilfe rufen. Sie kann es nicht. Sie, die Lärmvolle, immer bereit, mit dem stärksten Schrei den kleinsten Stoß zu rächen, sie, die sich das Maß der Schöpfung dünkt und nur…

snow white-girl

  Augen im Spiegel. Prüft sie die Größe der Pupillen. Schwarze Riesenlöcher. Klafft ihr das Blau auseinander. Und die Kontaktlinsen: Auf die Fingerkuppen pfropfen. Das Auge mit Daumen und Zeigefinger aufspreizen. Die Iris saugt die hauchdünne weiße Folie an sich…

Die langen Winter

überzogen den Kredit des April mit weißen Spannbettlaken Schneeschauer um Schneeschauer abgebucht von der Geduld des Frühjahrs und wir tief in den blauen Zahlen des Thermometers schauten auf zum Himmel wo die Schönschrift der Schwäne immer mehr an Linie verlor…