Monat: April 2020

KAISERPANORAMA

Reise durch die Deutsche Inflation   IV. Nicht umsonst pflegt man vom »nackten« Elend zu sprechen. Was in seiner Schaustellung, welche Sitte zu werden begann unter dem Gesetz der Not und doch ein Tausendstel nur vom Verborgenen sichtbar macht, das…

spinnen

ist das all gewebt schwebt die spinne aus der tür des himmels die sie hütet zerplatzen die ballons unter ihr im wind fliegen die jungen an leuchtenden fäden steigen auch menschen auf zur sonne beginnen ihre körper zu brennen flackert…

Illuminationen – Karl Kraus

Gustav Glück gewidmet I. Allmensch Wie laut wird alles. Worte in Versen II Alte Stiche haben den Boten, der schreiend, mit gesträubten Haaren, ein Blatt in seinen Händen schwingend, herbeieilt, ein Blatt, das voll von Krieg und Pestilenz, von Mordgeschrei…

spielräume des staunens

2016 erschien von joanna lisiak, die zwischen zürich und basel lebt, der gedichtband »links wenn sie träumt« beim verlag »edition 8« in zürich, einem der ausgangsorte der klassischen moderne. »links wenn sie denkt« wäre ebenfalls möglich. links träumen und denken…

Winterdienst

Patrick schon wieder er steht mit seinen kurzen Beinen breitbeinig da wollen wir reden Patrick ich weiß er will jetzt nicht reden weiß nicht was er will Benjamin kommt herein und geht in sein Zimmer Sandra ist mit den anderen…

Stadtansichten

Jede Fotografie ist eine Art memento mori. Susan Sontag In seinen Stadtansichten von Linz untersuchte Peter Meilchen künstlerisch, welchen Einfluss die architektonische oder geographische Umgebung auf die Wahrnehmung, das psychische Erleben und das Verhalten hat. Seine psychogeographische Forschung findet dabei…

Porträt

  *** Weiterführend → Eine  Würdigung von Jürgen Diehl finden Sie hier. Hören Sie auch die Hommage an Jürgen Diehl auf MetaPhon.

Flickenteppich ∙ Blicke auf Brinkmann :

Weiter und weiter machen in einer gu­ten Gegen­wart Die Musik kann im selben Maße wie die Literatur erschüttern, eine gefühlsmäßige Umkehr, Traurigkeit oder ab­so­lute Ekstase bewirken; die Malerei kann im selben Maße wie die Literatur verzücken, einen neuen Blick auf…

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wirst mir nicht und nie wirst mir fremd und selten beim Schrägen der Strahlen dann: Ende sinkt eine Zeit ein Loops *** Baumzyklen, Gedichte von Sophie Reyer, KUNO 2020 Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht…

Räume, Zeiten, Erkenntnisse

Wer vermutet, die geschlossenen Kirchen seien ein Szenenausschnitt aus einem rumänischen Dokumentarfilm oder gar eine Metapher für eine konfessionslose Gesellschaft, wird verblüfft feststellen, dass dieses Gedicht von Ana Blandiana nach einem Spaziergang durch die Kölner Innenstadt entstanden ist. Mit dem…

Die erhellenden Ansichten eines gewissen Herrn Hitler

Über Adolf Hitler wird man vermutlich alles Schlechte dieser Welt sagen können. Und die Wahrscheinlichkeit ist recht groß, dass man mit kaum einer dieser Aussagen völlig daneben liegt. Aber eines muss man dem Gröfatzke, bei allem Widerwillen, zugute halten: In…

Wir segeln auf dem Strich

Wir segeln auf dem Strich dahinten, eher früher. Wohin geht’s, mit dem Kreuz auf der Karte? Es ist kühler geworden, darum sichte  wir auf Mittelgrund und verständigen uns nicht weiter per Megaphon mit den Eingeborenen. Und wieder eine Weile wieso…

Die Aufgabe des Übersetzers

Nirgends erweist sich einem Kunstwerk oder einer Kunstform gegenüber die Rücksicht auf den Aufnehmenden für deren Erkenntnis fruchtbar. Nicht genug, daß jede Beziehung auf ein bestimmtes Publikum oder dessen Repräsentanten vom Wege abführt, ist sogar der Begriff eines ›idealen‹ Aufnehmenden…

Die schönste Nebensache der Welt

Dank Netzers Ballbeherrschung, seiner grandiosen weiten Pässe, seiner Geistesblitze und Übersicht sowie Heynckes’ Schnelligkeit und Intuition entwickelte diese Elf einen Spielfluss und eine Brillanz, die sie weder zuvor noch danach jemals wieder besessen hat. schreibt Daniel Cohn-Bendit über die die…

Zwischen Halle und ‚Rendsborough‘

Vorbemerkung der Redaktion: Zum 85. Geburtstag von Sarah Kirsch baten wir André Schinkel einen Blick auf „Juninovember“ zu werfen, die erste Publikation aus dem Nachlass der Dichterin. Die große Dichterin Sarah Kirsch, bereits zu Lebzeiten zur Klassikerin erklärt, blieb stets, wie…

Robert Walser

Man kann von Robert Walser viel lesen, über ihn aber nichts. Was wissen wir denn überhaupt von den wenigen unter uns, die die feile Glosse auf die rechte Weise zu nehmen wissen: nämlich nicht wie der Schmock, der sie adeln…

Liebesmeer

Du siehst in Duhnen weit übers Watt aufm Deich überm Strand aufm Deich und wirst vom Schauen, vom Schauen nicht satt aufm Deich überm Strand aufm Deich Nur Schlick sieht dein Auge im Watt von Duhnen vorm Strand unterm Deich…

„Darf ich dir das Sie anbieten?“

Twitteratur wird von vielen argwöhnisch betrachtet, die nicht immer unberechtigte Kritik entzündet sich an sprachlichen Routinen, erwartbaren Pointen oder – jenseits des Humoristischen – häufig an einer zu offensichtlichen Rhetorik. Auf KUNO haben wir in 2014 versucht, dies mit dem…

Dschäääzz!!!

Genau wie meine Mutter hatte auch ich keine Lust, auf Ostermärsche zu gehen, weil ich es immer so anstrengend fand. Ich erkläre kurz für die Jüngeren unter uns: Ostermärsche für den Frieden gab es schon in den sechziger Jahren. Anfang…

Minderheitenliteratur in Österreich

Verweigerung, Anpassung, Identität – was hat das mit der Sprache überhaupt, mit der Sprache einer Minorität zu tun, in welcher Beziehung stehen hier diese Bereiche zueinander? Wer verweigert? Wer paßt sich an? Wer wird zur Anpassung verleitet, verführt oder gar…

Vergebliche Selbst-Entwürfe

Es gibt unendlich viel Hoffnung, nur nicht für uns. Franz Kafka Eckhard Henscheids Romane (die „Trilogie des laufenden Schwachsinns“ und „Dolce Madonna Bionda“), die Idylle „Maria Schnee“ und etliche Erzählungen zeigen Männer in Phasen des psychischen Zerfalls beziehungsweise des Verfallenseins…

Auge an Auge

in der rue moreau kenne ich einige die tasten die welt mit dürren stöcken sie bewohnen zimmer wie vögel sehen ihre fenster auf die stadt im blindenhospital in der unverputzten bar sitzen sie auge an auge und bewundern bunte speisen…

Der innere Meridian 4

Dem April gelingt nichts. Keine Prosa, keine Poesie, nur hübsche Vokale mit Wasserfarben, Balladen auf Feldpostpapier, Papiertiger mit Eselsohren. Mäntel des Schweigens, günstig abzugeben. Vorsichtig drückt man sich am Tag aus, schlüpft morgens einmal in Gott, verabschiedet die Liebe einmal…

Erinerung an einen „Roboter“

Zwei Einzelgänger ergeben einen Doppelgänger. Florian Schneider-Esleben *** Am 07.04. 2020 starb der Gründer der Pop-Band Kraftwerk. Man sollte diese Musik wiederhören und nicht Biographien lesen.

Wohnungsbesichtigung

Sie verläuft gut und man nimmt sich Zeit. Man lässt sich in der potentiellen Wohnung ein Bad einlaufen, um die Wohnung zu testen. Nach dem Bad macht man ein kleines Nickerchen auf einem Bett. Das gehört sich bei einer ausführlichen…

Meine Musik

Ich lebte nach dem Zweiten Weltkrieg mit meinen Großeltern und meiner Mutter (mein Vater kehrte erst 1954 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück) in zwei großen, miteinander verbundenen Wohnungen in Halle an der Saale. Ich hörte bei meiner Mutter den Larifari-Rundfunk, der…

Für die nächsten Tage

Für die nächsten Tage hat die ABTEILUNG eine Bergwanderung angemeldet. Unter Aufsicht wird gewürfelt, zu welcher Zeit die Pause eingelegt werden soll. Dann wird eingeteilt, in Kartenleser, Kartengeher und Kartenzeichner. Man sammelt sich an dem PUNKT, wo die Kartengeher  von…

Staubsauger

Da sitzt er nun wieder, unter sich der weiße Boden. Quadratkacheln seit eh und je. Er hat Langeweile und zählt die Krümel. Es werden immer mehr, immer mehr. Eigentlich müsste er Staub saugen. Aber dazu fehlt einfach die Energie. Nicht…

Loggien

Wie eine Mutter, die das Neugeborene an ihre Brust legt, ohne es zu wecken, verfährt das Leben lange Zeit mit der noch zarten Erinnerung an die Kindheit. Nichts kräftigte die meine inniger als der Blick in Höfe, von deren dunklen…

HALLO TIER

*** Weiterführend → Mehr über die Hungertuchpreisträgerin Katja Butt.

da kam april und zauderte – nicht

 Er / wird kommen (Rolf Dieter Brinkmann) Memory and desire, stirring (T. S. Eliot) Dat war so – so war dat – (Thomas Kling) und wegen des schwerbluts der sinne fällt peer quer – hinne (oder weswegen sonst?) * *…