Monat: August 2006

Die verrückte Palme

  Auf einer verrückten Palme reiften wunderschöne Früchte. Es waren poetische Früchte. Trauben nämlich. Dass es Datteln waren, kann man auch sagen, aber dann darf man nicht von poetischen Früchten sprechen und auch nicht von einer verrückten Palme.    …

PRENZLAUER BERG

  Reb Papenfuß läßt mit BURGERgeld den Prenzlauer Berg restaurieren läßt alles zurückbauen auf den stand vor 90 nach alten papieren   Ja rücksturz ins zeitloch der präannexion durch retromodale vergammlung und jährlich steigt auf dem Kollwitzplatz die re-publikäre zersammlung…

Alkohol

  Wer eine unglückliche Liebe in Alkohol ertränken möchte, handelt töricht. Denn Alkohol konserviert.       Weiterführend → Die von Farben und Tönen bestimmte ungebundene und rhythmische Lyrik machte Dauthendey zu einem der bedeutendsten Vertreter des Impressionismus in Deutschland.…

Generative Sozialromantik

  “Ich kann das nicht mehr hören,” denkt Herr Nipp. “Du wirst auch immer empfindlicher,” meint sein Gesprächpartner, ein junger Künstler, der seinen so ganz eigenen Weg geht und dabei immer wieder Mittelpunkt unfreiwilligen Humors wird; sympathischer Kerl mit ganz…

Verlag Karl Stutz

Vor dem Fensterfallen Flocken. Lauterzarte Augenblicke.HELMUT ZIMMERMANN Vor mir liegen Helmut Zimmermanns Sätze (2002), ein knapp 140seitiger (unpaginierter), in Naturleinen gebundener und mit Lesebändchen versehener Gedichtband mit immer wieder verblüffender Gedankenlyrik – wieder eine Entdeckung! Ebenso wie Unvermeidlich Schnee von…

Scharten der Erinnerung

    Wenn ich die Augen schliesse, sitze ich für einen Moment wieder an meiner Schulbank. Der Geruch frisch gespitzter Bleistifte steigt mir in die Nase. Das Graphit ermöglicht es, ohne die Grubenlampe der Erkenntnis, ins Textbergwerk einzufahren.      ***…

Bayreuther Assoziationen

  Oh wer erzählt uns die ganze Geschichte der Narkotika! – es ist beinahe die Geschichte der ›Bildung‹, der sogenannten höheren Bildung!     *** Friedrich Nietzsche ist ein Meister des Cynismus. Oft leisten seine Texte viel mehr: Aufschreckende Brüche…

Gespräche über Bücher

  Lesen ist Denken mit fremdem Gehirn.       *** Der in der Schwebe gelassene Sinn, die Produktion von Ambiguität – was für Roland Barthes Brecht im Theater geleistet hat, indem er die Sinnfrage zwischen Bühne und Zuschauerraum neu…

Der einzige Trost

  Der einzige Trost ist: traurig sein. Wenn die Traurigkeit in Verzweiflung ausartet, soll man grotesk werden. Man soll spaßeshalber weiter leben. Soll versuchen, in der Erkenntnis, dass das Dasein aus lauter brutalen, hundsgemeinen Scherzen besteht, Erhebung zu finden.  …

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    im Bauch kreist eine Wunde ein Stück Tag sein wollen der endlich wieder die Nacht ausschwitzen kann     *** Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der Frage nach, wie…

Der ungeheure schaden

  Der ungeheure schaden und die verwüstungen, die die neuerweckung des ornamentes in der ästhetischen entwicklung anrichtet, könnten leicht verschmerzt werden, denn niemand, auch keine staatsgewalt, kann die evolution der menschheit aufhalten. Man kann sie nur verzögern. Wir können warten.…

Moralische Verpflichtung

  Jeder hat die moralische Verpflichtung, auszusterben.       Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur.

Inventionen

  auf tastender Stimmspur durch die Sandwueste der Stille in Schattenwuerfe der Melancholie   in Thema & Permutation wirft sich das Objekt zum Handlungstræger des Satzes auf   keine Alternative zur Beklemmung Stickstoff–Miasmen dringen tief & giftig in das Individuum…

Wanderer wie wir

  Rudnikow, Wanderer zwischen Tod und Tod, liebte Deutschland, wo die russischen Krähen überwintern, aber er war nie dort, er liebte die Tiefe, er liebte alles Rätselhafte, das ihm vertraut wurde und das er begriff ohne zu verstehen. Als der…

Echokammer

  Gefangen in der Echokammer der Gesagtseinsgeschichte.       Weiterführend → Zur historischen Abfolge, eine Einführung.

Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern

  Den Satz „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten:“ sagte der DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 in einer Pressekonferenz auf die Frage die Journalistin Annamarie Doherr von der Frankfurter Rundschau. Am 13. August 1961…

Aufzeichnungen nach 2000 (3)

  Bei der Ankunft unserer Delegation in Moskau, 1965, sagte der Schriftsteller Kiatkin, der beauftragt war, uns zu empfangen und zu dolmetschen: »Die Russen werden schmunzeln, wenn Sie sich vor­stellen mit Ihrem Familiennamen!« Ich habe es dann im Verlauf der…

Geräusche

  Es waren die Geräusche zwischen dem Zimmer und der Straße, die hellhörig werden ließen. Nachdem man Zimmer und Straße auf Ihre Geräusche hin überprüft hatte, d.h. auf ihre ursächliche Gebundenheit an Dinge, kam man zu dem Schluss, d i…

abflug

schwebe fühle ins nichts taste nach bäumen händen und feuchtem gras vielleicht auch nach der göttin die immer nur anders und deswegen gott ist aber das all streckt mir wieder keinen arm entgegen *** Weiterführend → Gerne verweisen wir in…

15 minutes of fame

  Jeder heutige Mensch kann einen Anspruch vorbringen, gefilmt zu werden. Walter Benjamin       15 minutes of fame ist die Paraphrase einer Aussage Warhols aus dem Jahr 1968: “In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes.”,…

Erzählverschluderung

  Es gibt kein richtiges Erzählen im falschen Schreiben.     *** Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, von Theodor W. Adorno. Suhrkamp, Berlin/Frankfurt am Main 1951 Die von Theodor W. Adorno gewählten Formen des Kurzessays, der Miniatur, des…

Wunschlos

  Wunschlos unzufrieden, aber glücklich.       Bereits nachdem Jack Dorsey den ersten Tweet am 21. März 2006 verschickt hatte, war Herrn Nipp klar, das hier etwas Neues entsteht. Von Herrn Nipp waren auf KUNO zwischen 1989 und 1994…

Argumente und Rezepte

  Es ist nicht alles deutsch, was nicht glänzt.       *** Argumente und Rezepte. Ein Wörter-Buch für Zeitgenossen von Ludwig Marcuse. München Szczesny,1967 Er sah sich als „Ein äusserer Emigrant a. D., z. Zt. in der inneren Emigration;…

Irrtum

    Weiterführend → Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer…