Monat: Oktober 1995

Das hat

    Offenes, Ausgeblasenes, Angedacht Leeres, zurückhaltend ausgeatmet.   Kurz vor. Wenig daneben. Gerade zu spät. Eben danach.   Zumachen. Andenken. Vorgedauert klären.   Du: SchmuckGepaltenes! Ein. Aus.       Angelika Janz Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das…

AN DIE PLATANE

Werner Reinhart dem gastlichsten Freunde R.M.R. Geneigt, große Platane, bietest du dich nackt, weiß, wie ein junger Skythe, doch deine Reinheit stockt, dein Fuß ist fest gepackt vom herrischen Gebiete. Klingender Schatten, drin des gleichen Himmels Blau sich stillt, das…

Tauben und Sonne

  Über den Dorfdächern lebt nur der Rauch gekräuselt, Und ein Windzug in einer herbstlichen Baumkrone säuselt, Wenn eine Taubenschar mit rauschendem Flug An die blendende Nachmittagluft anschlug. In der Tauben Reich, über die braunen Dachziegel, Ist die Sonne gesetzt…

Verhalten

  Meine Augen schwingen in deinen Brüsten Dein Haupt beugt glutrot weichen Schatten Drauf! Der Atem schämigt hemmend Das Gewoge. Mich krallt die Gier Und herbe Dünste bluten In seinen Ketten Rüttelt Der Verstand. Fein Knifft die Scheu die Lippen…

Rhein

    Weiterführend → Einen Essay zur Ausstellung 50 Jahre Krumscheid / Meilchen lesen Sie hier. Zur Ausstellung erschien das Buch / Katalog-Projekt Wortspielhalle mit der Reihe Frühlingel von Peter Meilchen und einem Vorwort von Klaus Krumscheid. Die Sprechpartitur wurde mit dem…

Ueber den Gipfel des Fuyi-no-yama

  Ueber den Gipfel des Fuyi-no-yama, / auf Feuerflügeln, / hebt sich Kijo Matija, der graue Drache. // Der Mond verblasst, / alle Sterne erblinden. // Ich packe meinen Bogen aus Ebenholz, / spanne den federnden Bambusbügel / und lege…

Haus am Meer

  Bin wieder gestrandet auf Hiddensee da steht mein Haus am Meer Wenn ich in Vitte am Hafen steh atme ich Bodden und Teer   Und mitten im Sommer fällt ein Schnee auf die Seele im Immermehrland Mein Herz es…

4

außen zerbricht die Weltabgebrannt schon ewig innen zerreißt das gleiche ( es gibt zwei Welten sagen Menschen mit Herz und graben damit Gräben ) Trennungen diplomatisch schärfen Bomben von Herzen und Kalkül geprägt privat ewig immer schon das Drama lebt…

Typfrage

  Als Archiv der letzten Jahre wird es wohl kaum vermarktet, eher als Möglichkeit des günstigen Einkaufs, da werden gebrauchte Maschinen und anderer Haushaltskram, Schallplatten und alte Bücher neben der Ware verkauft, die in den letzten Tagen aus Versehen von…

:

wir sind eine Erfindung der Angst kleben an dem verlorenen Wort fest: Heimat *** Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der Frage nach, wie das Schreiben durch das schreibende Analysieren…

Bäume

  Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer Annäherung…

Der Berggedanke

  Der Berggedanke! Oh, der Berg Gedanke ist, hoch und tief, hoch und tief! Alles dröhnt aufs Oben, alles stöhnt aufs Unten zu! So w i e ich die Götter rief, so tief war der Berg, war der Berg. Das…

Gnadenfrist

  Als Vorwort zum Gedichtband „Gnadenfrist“ von Alfred Gong steht der Ausspruch eines lndianerhäuptlings: „Was ist schon ein Leben? / Ein winziger Schatten nur, der übers Gras huscht / und sich in den Sonnenuntergang verläuft.“ Von dieser poetischen Sentenz gelangt…

Irrungen & endlose Verwirrungen

    verspannte Muskeln schulterfrei den Kopf verdreht   Nackenstuetze verspanntes Genick die Zung‘ im Rachen   auf dem Rasiersitz neigt sich endlich die Halskrause bis…   ueber beide Ohren …verlebt       Der Schuber, Werkausgabe der sämtlichen Gedichte…

Leise hinter düstrem Nachtgewölbe

  Leise hinter düstrem Nachtgewölbe Tritt des Mondes Silberbild hervor, Aus des Wiesentales feuchtem Grunde Steigt der Abendnebel leicht empor.   Ruhig schlummernd liegen alle Wesen, Feiernd schweigt des Waldes Sängerchor, Nur aus stillem Hain, einsam klagend, Tönet Philomenes Lied…

Der Herbst

  Dies ist der Herbst: der – bricht dir noch das Herz! Fliege fort! fliege fort! Die Sonne schleicht zum Berg Und steigt und steigt Und ruht bei jedem Schritt. Was ward die Welt so welk! Auf müd gespannten Fäden…

Die schöne Strickerin

  Die Novelle Die schöne Strickerin ist das späte Debüt von Ioona Rauschan, das Werner Kunstleben 1995 in der Düsseldorfer Edition Biograph herausbringt. Eine Preziose, die Kenner aufhorchen läßt. Hier deutete sich bereits auf der kurzen Strecke an, was sich…

Vernetzt

Ein eklektischer, passagenweise harter Thriller im Cyberspace-Ambiente mit ungewöhnlicher Besetzung, einem Künstler-Regisseur und beeindruckenden Special-Effects. Aus Versatzstücken des Genres und mit eindimensionaler B-Movie-Dramaturgie versehen, aber spannend und durch seine Mixtur schon wieder originell.“ – film-dienst 22/1995 KUNO hat ein Faible…

L. im Oktober

  Erste Kälte in den Straßen. Ein gelber Hund. Die Sprache der Mauern. Wind. Kein Wind. Die Haut raut sich von innen auf. Die Welt in mir steht still.   Ruhe. Keine Ruhe, diese Stille. Nicht atmen, die Kälte nur…

Schaltjahrsgeschichten

WEIGONI: Jedermann ist ein Künstler, alles ist Alltag, nun auch die Literatur. Unterhalten wir uns über Rationalisierungs- und Recyclingtendenzen in der österreichischen Gegenwartsdichtung. Wie lange wird es deiner Einschätzung nach noch dauern, bis sich der bürgerliche Kunstbegriff auflöst? DIETER Scherr:…

WARSCHAUER GHETTO

    Einen Stein aus meinem Herzen lege ich zum Denkmal.   Wie kann man reden mit Millionen Toten, frage ich mich.   Kirchenglockenläuten zu Mittag. Die Linden blühen, es duftet der Jasmin.   Nur für Deutsche lese ich lautlos…

Mein Geschenk

  Das Helle jagt das Dunkel, Grau das Blau: Ein Vorhang bläht sich, weht ganz kurz hinaus. Die Zeit hat sich verändert. Ganz genau Versteht man’s nicht. Im stillen, leeren Haus   Geht deine Stimme, öffnet jede Tür. Wenn ich…

Was ist, ist

  Warum nur hatte er das getan? Alle Jahre wieder stellt er sich diese Frage. Warum hatte er nicht einfach warten können, das war doch immer seine Stärke gewesen. Einfach abwarten und nichts tun. Die Zeit verstreichen lassen und und…

Absenz Geistesgegenwart

    Es umschläft dich. Kälte drängt sich In den Atem deiner frühen Tage. Auf noch Wildes in dir treibt es zu, aus dem Eis geweckt. Es träfe dich hautnah, blickgenau, führtest du nicht über Spiegel und Stau es vorbei…

hinter den bäumen

  wetterseite mein nasses versteck sag flechten und moos sag susanne ich bewerf dich mit rindengeografie leg dir jahrringe um werf dirn zeisig ins haar oder bann dich ins grün du entkommst mir du entgehst mir susanne wenn ich nicht…