Monat: April 2017

bei seinen kindern

  im königreich ist unsichere natur von vorteil schwere regierung kann leben gefährden haben sie nachsicht mit dr. ron orcel aus harlesden     *** Spam Poetry von Joanna Lisiak, KUNO 2017 Die Lyrikerin Joanna Lisiak hat aus Spam-Emails Gedichte…

Er war IM BILDE

Er war IM BILDE eintreten warten drauf zu gehen warten. Zwei ähnliche Worte wechseln einander ab im ungleichen Rhythmus. Wenn es Vorzeichen gegeben hätte,- sie hätten die Vereinbarung nicht beeinflusst. Da wär ein Wort gewesen, das sich dem Aussprechen gesperrt…

frühjahr

drehen raupen sich hervor wie masken aus gesichtern seh ich menschen larventiere erstarre ich in ihrem anblick trifft mich am kopf ein falter verbrennt er flackernd flatternd in der flamme des lebens treibt ein hauch aus trauer toten blättern gleich…

Orion • Ranis • September

  Erinnerung: Wir küssen uns. Du hast zuvor geraucht, du hast die Zigarette noch in der Hand, während wir uns küssen. Hinter dem Rauchgeschmack dein Duft. Das fordernde, angespitzte, mit den herrlichen Noppen deines Leibs besetzte Scharnier deiner Zunge. Das…

Um die Häuser

  „Wände, so wird erzählt, haben Ohren. Ist es so, haben sie auch einen Mund? Und wenn ja, können sie sprechen? Ist es der Fall, sind wir fähig, sie zu hören, und wenn – was hören wir?“ – so skurril,…

On The Dreamline Sangerhausen-Saqqara

se non è vero, è ben trovato   1 Einzig dafür also die Tunnelsysteme um die kupfernen Herzen des Mansfelds: Traumwege für verirrte Pharaonen, Buckelpisten für den Geist in der Stele Und die unendliche Ruhe im Sterngewölbe im Schlafsaal des…

Du bist eine Lilie

  Du bist eine Lilie Aus Lodern und Schnee – Ein Licht, ein graziles, Aus Düften gedreht. Ich lieb den Gedanken, Daß du mich so liebst, Als gäbs keine Schranken Im Sehnsuchts-Betrieb. Timalien, Tangaren Umschwirren dich bunt – Ihre Syrinx-Fanfaren…

Pirol

  Der Vogel, vor sich selbst gewarnt. Kurz. Das Wechseln der Bäume. Wenn die Schnabelmade aufblitzt. Rot. Für Sekunden. Dann ein Jahrtausend Nicht mehr sichtbar sein.         *** Bodenkunde, Gedichte von André Schinkel, Mitteldeutscher Verlag Halle 2017…

Das Angebot der Nachfrage

Arthur am Apparat: Ich muss dich unbedingt sprechen, sagt er, sonst weiß ich nicht mehr, wer ich bin. Du hast dich verloren, sage ich, und nun suchst du dich bei mir? Ja, sagt er, so ähnlich. Ich bin nicht zu…

Sie übersetzt

  Sie übersetzt die Straßenführung in eine erinnerbare, in die verbindliche Richtung. Wenn sie sich verfolgt fühlt, biegt sie ein, schon nach ein paar Metern. Der Kiesweg, das hölzerne Tor, das Portal mit winziger Beleuchtung, das metallbeschlagene Portal, die Stufen…

Auf der Fensterbank

  Da stehen seine Töpfe, ohne jegliche Verzierung stehen seine Töpfe dort. Schlichte Tontöpfe, die man im Gartencenter für einige Euros bekommen kann, darunter eine dazu passende Schale. Diese Töpfe sind in einem einfachen Sinne schön, sie kommen nämlich ohne…

Schublade

  *** Weiterführend → Eine weitere Würdigung von Jürgen Diehl finden Sie hier. Hören Sie auch die Hommage an Jürgen Diehl auf MetaPhon. Wie kaum eine andere Galerie in Deutschland hat ‘Der Bogen’ in Arnsberg immer Wert auf die handwerkliche Erarbeitung…

Welttag des Buches

Literatur, die aus Neigung oder Marktgründen entsteht, ist Quantität, Qualität zeigt sich vor allem in der Darstellung des Allgemeinmenschlichen. Hartmut Lange Man sollte am Welttag des Buches nicht in Kulturpessimismus verfallen, doch die aktuelle Lage auf dem Buchmarkt ähnelt der,…

Letzte Ausfahrt: Rheintor

I gave my soul to a new religion, I gave my heart to a simple cause Black Rebel Motorcycle Club Reden wir nicht umständlich drumherum, heute wird in Linz ein Gesamtwerk präsentiert: Der Schuber. Darin befindet sich nichts weniger als…

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  Tau für Vera   freue dich wenn sich die Sonne in dein Zimmer beugt Zitterkind ohne Kuscheltier behindertes Kind sagen sie und sind dabei selber die einzigen Kranken erlauben kein Spielzeug aus Hygienegründen klauben das Licht nicht aus deinen…

Das Unfertige, hier wird’s Ereignis

Ich: ist eine Fiktion, bei der wir bestenfalls Miturheber sind. Imre Kertész Dieser Band ist kein Post scriptum, sondern eher ein Trans scriptum aus dem Nippiversum. Sinn, die knappste aller Ressourcen, gibt es im Leben eher selten – also feiern…

CHI VIENE D’AL MARE CI VUOLE DERUBARE

  Du bist hirt in Supramonte bist nicht schaf in Supramonte zwei gebote achte nie den abgrund tiefzustieren nie ’n patron zu respektieren daß der dich nicht schlachte   Du bist hirt in Urzulei bist nicht schaf in Urzulei und…

Lesophil

Im Anfang war das Wort. Und das Wort muss gedeutet, übersetzt, weitergetragen und immer wieder von Neuem in Erinnerung gerufen werden. Sprache und Welt müssen sich dabei sinnvoll aufeinander beziehen. Das Wort ward Fleisch Johannes – Kapitel 1 Anzuzeigen ist…

IV Nachtstück

Wenn unsere Zeit stillsteht, dann hören wir nur noch die Fermate am Ende unserer kleinen Nachtmusik vor der großen Winternacht, dann geht in der Welt das Licht aus, uns geht die Welt aus, sagt Arthur, als der Film aus war…

Rheintor · Revisited 1989 – 2017

Es gibt Kunst und Galeriekunst. Ed Kienholz Auf dem Hochseil des Kunstzirkus ist nicht viel Platz. Event–Ausstellungen und trendige Messen mit immer jüngeren Künstlerstars geben weltweit den Ton an. Da müssen sich selbst staatlich geförderte Museen etwas einfallen lassen, um…

III Aprèslude

Mein ganzes Leben war von Anfang an ein einziger Herbst in mir und die Blätter sind schon alle von mir abgefallen, sagt Arthur, als er wieder einmal den Oblomow las, aber was bleibt von mir, wenn ich in den Winter…

II Hot air

  Ich hasse den Sommer, den Winter habe ich immer geliebt, schon bevor ich leben musste, sagt Arthur beim Verlassen der Kunsthalle. Ich bin ein Sommerneurotiker, dieses gezwungene Jasagen zum sogenannten Leben passt mir nicht, dieses immergrüne Scheitern der Lebensfragmente…

Le quattro stagioni

I Conditio sine qua non Wenn ich ins Theater gehe, gehe ich nur in ein anderes Stück meines Lebens, sagt Arthur, und wenn ich aus dem Theater komme, erschaffe ich mich spielend immer wieder neu in meinen Stücken. So ermögliche…

Am Kamin

  Blue Hour … das Feuer, trotzig entfacht. Regenschauer … zerstören das Blau. Sekundentrauer … die Schwere, zu früh gelacht. Lebensdauer … der Winter wird lau – I’m a firestarter.   Mein Haus sei die Höhle, mein Feuer das Licht,…

Das Trägermedium der Druckerschwärze

Die Kunst Bücher zu schreiben ist noch nicht erfunden. Sie ist aber auf dem Punkt erfunden zu werden. Fragmente dieser Art sind litterarische Sämereyen. Es mag freylich manches taube Körnchen darunter seyn: indessen, wenn nur einiges aufgeht! Novalis Wie kaum…

O. T.

  Tadj an hochverehrsters Mink  Das Dir zu schreiben fällt mir nicht eben leicht  ich weiß  ich bin von minderstoff (Cromagnon) und Dich kla- fümwen die katzen   Was war eis am telefon  weiß ich weiß ich mit den ohren…

Sie unternimmt Reisen

  Sie unternimmt Reisen in die NÄHERE UMGEBUNG. Er unternimmt Reisen in die WEITERE UMGEBUNG. Sie stecken auf der Karte REGIONEN ab, die für beide nicht betretbar sein werden. Sie stecken auf der Karte Regionen ab, die für beide zugleich…

Seebären

  Sie nennen ihn den Admiral. Er ist der Erfahrenste unter ihnen, obwohl er nie zur See gefahren ist. Skipper, seine rechte Hand, hat wenigstens schon einmal auf einem Rheinschiff gejobt. Paul, Kurt und Fritz sind Landratten. Sie treffen sich…

Elemente des Postfaktischen

Ein Lied aus Teilfakten, philosophischen Artefakten und aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten und schon reklamieren die populistischen Rattenfänger auf den Straßen damit, das Volk zu sein. Die Menschen sind seit jeher schon immer gerne zum Feuer gerannt.   Weiterführend → Bestand die…

wortraub

    eine landplage sind sie diese überbewerteten großmaulhelden   ihre heimlichen stichwortgeber saugen kunsthonig aus deren stilblüten   hirnwaschmittel reinigen mit loyalitätsvernunft behindernde denkarbeiten   mir fehlen die worte   *** Anmerkung der der Redaktion: Gerne verweisen wir in diesem…

L.H.O.O.Q.

  Ich liebe dich, David!, sagt Schlange. Ich liebe dich auch, Mona Lisa, sagt Arthur. Willst du mit mir sterben gehen, David?, fragt Mona Lisa, sagt Schlange. Aber ja, sagt Arthur, wir lieben den Tod, sagt David lächelnd zu Mona…

post scriptum

  Er habe neulich, erzählt Arthur, zwei ihm bekannte Rivalen beobachtet, wie sie sich auf der Straße begegnet seien. Wie auf einer Bühne! Es sei fast laut geworden in der Stille des Schweigens, wie der eine zu dem anderen nur…

Neu

  Mit dem Kopfchaos beginnt das Neue.     *** Über Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher, aus den Notizbüchern von Herrn Nipp, herausgegeben von Haimo Hieronymus, Edition Das Labor 2017. Weiterführend →  Kuno fasst die ersten 25 Jahre von Herrn Nipp…

KONSTANTE RUCKSACKMAGIE

  Kauf mich im sack und schau mir nicht ins maul  grab später schicht um schicht Und brutto nimm ’s: Arsch plus gesicht die halten meilen Ich hab das richtige gewicht in allen teilen   Ich kann nicht kochen  kann…

Außer Reichweite sein

  Außer Reichweite sein, bevor man entdeckt, dass man verfolgt wird. Da gibt es hinter jedem Gesicht ein bekanntes Gesicht, verborgen hinter einem unbekannten ETC. Das unbekannte Gesicht ansprechen, als sei man sicher. Memorymusik darf nicht abschrecken, die kommt aus…

Future-Recycling

Vorbemerkung der Redaktion: Für das Projekt Kollegengespräche hat A.J. Weigoni einen Austausch zwischen Schriftstellern angeregt. Auf den Kulturnotizen ist diese Reihe wieder aufgelebt. KUNO hat A.J. Weigoni gebeten den Gesprächsfaden wegen des Projekts „fern, fern“ mit der Fragmenttexterin Angelika Janz…