Monat: Januar 2015

eulenlicht

schwebt eine eule leisen flugs wie ein leib des windes  dicht an mir vorüber  ahne ich sie führt die unerlösten  seelen durch den wald  flieh ich ins dickicht fällt mir eine feder in die hand steck ich sie hinters ohr…

Apropos Zephir

treffsicherer als andere ins eigene Fleisch traf mich der Sturm als breite Landzunge zwischen unaussprechlichen Strömen im Chaos des Sturms nehme ich nicht einmal die Geräusche des Körpers wahr der die Bodenhaftung verloren hat erschwerend könnte Ruhe einkehrn ich fürchte…

Banksy: Neues aus dem Asphaltdschungel

Mit dem Fotoband „Banksy in New York“ legt Ray Mock ein Werk vor, das zwei Dinge zu vereinen sucht. Zum einen behandelt es, wie ein Tagebuch aufgebaut, den Aufenthalt Banksys in der amerikanischen Metropole. Zum anderen versucht er eine grundlegende…

Im Licht

  Further reading → Ein Porträt der Fragmenttexterin Angelika Janz lesen Sie hier.

Erinnerung an Ceija Stojka

Noch höre ich den Klang Deiner Stimme, noch sehe ich Dein Gesicht.   Ein Sturm war plötzlich aufgekommen, kalt und windig war es, der Regen peitschte uns ins Gesicht, als man Dich, liebe Ceija, im Sarg zum offenen Grab trug.…

Falter und Fische

Werner Weimar-Mazurs Gedichte – ein poetischer Zoo Bei meiner Analyse der Gedichte des von mir sehr geschätzten Lyrikers stieß ich auf eine geradezu fabelhafte Konferenz der Tiere in seinen Versen, die nichts anderes zu sein scheinen als die Spanten und…

VORKRIEGSZEIT

Noch gibt es Unordnung und Sensationen, in Cellophan gewickelte Vernichtung, eilige Rhapsoden in den Hinterzimmern. Haarfein zieht der Sekundenzeiger die dünne Linie zwischen uns und aller Zeit, die kommt. Auf den Märkten gibt es Fische mit verfärbten Kiemen und abgemesserten…

Moderne Lyrik

Zunächst bitte ich Sie um Güte und Geduld. Ich bin mir vollkommen bewußt, daß es nichts Geringes ist, einestundelang über Gedichte reden zu hören. Wenn die Sache nicht schon in den Zeitungen stünde und so unangenehm festgenagelt wäre, könnten wir…

Rätsel im Alphabet · Revisited

Ich habe das Buch bis 3 Uhr in der Nacht zu Ende gelesen – mit großer Spannung auf die Abfolge der Gedanken und Briefe und Freude an den poetischen Formulierungen – vor allem im Anfangsmotto und in der Schlussformel. Der…

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  in der senkrecht herabfallenden hitze die erde glüht. Wenn ein gesicht ein bett wird. Wenn ein blick sich schlafen legen darf. So kommen ineinander gefaltete lider zur ruhe wie wenn ein gebet. Doch es ist nur der blick. sterne…

Rhein wörtlich

  „Vielleicht ist meine beste Chance auf so etwas wie den erweiterten Rückgewinn von Gewissheit der Rhein. Der Strom als mächtiger Filter, als Geistesmaschine und Erzählapparat, der alles schon gesehen und gut durchgekaut wieder ausgespuckt oder nach Gusto für sich…

Sinn im Unsinn

Dieser Film von Andrea Roggon dokumentiert: die Grundlage von Schneiders Arbeit ist die Improvisation, die bei ihm zum künstlerischen Selbstausdruck und zur Lebenseinstellung geworden ist und die er nach den Grundlagen des Jazz in alle Bereiche der Kunst überträgt. Die…

Konkrete Poesie

Er ist der Vater der deutschen Nachkriegsmoderne- und dies gleichermaßen durch programmatische Verlautbarungen wie extraordinäre poetische Texte, die bis heute- und über das Heute hinaus- ihre Spannkraft behalten haben. Er ist – im technischen wie im imaginativen Sinne des Begriffs…

über uns

wir brechen wörter aus dem stein formen sätze die dächer prosaischer handlungen oder gewölbe lyrischer kathedralen tragen wir sind steinmetze bildhauer dombaumeister zugleich bergwerker minenarbeiter stollengräber auf der suche nach rohstoff in uns selbst für A. J. Weigoni *** Über…

Das Œuvre des Sprechstellers

Tom Täger und A.J. Weigoni kommt das Verdienst zu, die Lyrik nach 400 Jahren babylonischer Gefangenschaft aus dem Buch befreit zu haben. lyrikwelt.de Das in der Edition Das Labor erscheinende Hörbuch Gedichte faßt die langjährige Studioarbeit von Tom Täger und…

Mein Klassiker: Cocteau trifft Beckett

Es dürfte kaum verwundern, dass die Werke, die meine Jugend und das frühe Erwachsenenalter begleiteten, zu meinen Klassikern gehören. Jean Cocteaus Kinder der Nacht fingen mich in der Pubertät  ein wie kein Werk, ich tauchte ein in die romantisierte geheimnisvolle…

Sechzehnter Januar

Sechzehnter Januar. Es war in der letzten Woche wie ein Zusammenbruch. Unmöglichkeit zu schlafen, Unmöglichkeit zu wachen Unmöglichkeit das Leben genauer die Aufeinanderfolge des Lebens zu ertragen. Die Uhren stimmen nicht überein. Die Innere jagt in einer teuflischen oder dämonischen,…

In Würde gealtert

  … Ein Zustand materieller Synchronizität. Jetzt, da die technologische Ideologie nicht mehr trägt, ist die Moderne zu einer ästethischen Zufallsbox geworden. Jeder greife hinein & bediene sich. Die Unwahrscheinlichkeiten ihrer Vorgriffe haben sich entropisch dissimiliert. Unter umgekehrten zeitlichen Vorzeichen…

V. im Januar

  (für den Unbekannten, der sich Jonny Remember nannte und für mich sang, vor dem Eingang zum Teatro Fenice)   Du hast geschrien inmitten der Menge, die Donizetti hören wollte.   Du hast gesungen in meinen Armen, bis ich trunken…

DEUTSCHLAND – EIN WINTERBILD

  Langsamer knirschender Abend Im Schnee brennen die Ge- danken Feuerschlucker ohne Gefolge folglich ohne Applaus Jemand fängt die Kälte mit den Händen wirft Luftschlösser in die Nacht Keiner ist hier wirklich alleine steht uns doch Deutsch- land zur Seite…

Der anthropologische Bezug des dichtenden Ichs

  „‘Subsong‘, ‚whisper song‘ oder Plaudergesang ist ein leiser Vogelgesang: Eine Ansammlung vertrauter Rufe und neuer Lautserien, aus dem Augenblick entstanden, aus Freude.“ So lockt die Werbeabteilung des Verlags neugierige Leser, die über den Umschlag hinaus ihren Blick auf den…

Versuch ein Gedicht zu verstehen

– und doch. (von Katrin Stange)   wohin glauben lippen brocken fetzen zu oft zur karte verkannt barrikaden / pupillen mit sand nachgezeichnet puppenregen: wir löffeln steine die sie vor/geben in tagen die nie mehr anbrechen in die niemand einbrechen darf…

grüngewandet

  nach jahren hob ich meinen blick von deinem grünen kleid deine blauen augen schluckten jedes rot von acht zimmern unsres hauses blieben sieben nach jahren hob ich meinen blick und meine leber brannte saghi, schenk mir ein *** Wenn…

Die heiligen drei Könige

Einst als am Saum der Wüsten sich auftat die Hand des Herrn wie eine Frucht, die sommerlich verkündet ihren Kern, da war ein Wunder: Fern erkannten und begrüßten sich drei Könige und ein Stern.   Drei Könige von Unterwegs und…

Rhein=Fahrt/Lied

  so oft der weg: der weg- weg den fluss lang m. spezial-magie: nicht nur lore leilei nicht nur hügels’ eros’ wog’n: nein mein sein spült mit darin: mein her- (kunft)sein (>>wo’ich von wech bin!<<) mein so- sein mein rhein-…

die alten songs

    und wieder: ich ging raus die kalte straße ein stück wegs runter atemschwaden wie zigarettenrauch leicht fröstelnd an den zaunpfahl gelehnt gedämpfte soundspuren durch den äther und mir fällt ein wie hucky über die mülltonne gebeugt zu mir…

Hustenreiz

In der Badewanne zu sitzen, ist ihm immer wieder ein ganz besonderes Vergnügen. Immer würde es dem Duschen vorgezogen werden, wenn nur die Wahl wäre. Dieses Mal hat er sich eine Flasche alkoholfreies Weizen mitgenommen. Drittel Liter, man will ja…

Romanze zur Nacht

  Einsamer unterm Sternenzelt Geht durch die stille Mitternacht. Der Knab aus Träumen wirr erwacht, Sein Antlitz grau im Mond verfällt.   Die Närrin weint mit offnem Haar Am Fenster, das vergittert starrt. Im Teich vorbei auf süßer Fahrt Ziehn…

Poetologische Positionsbestimmung

 Das Gedicht war eine ungeheure Erfindung. Das ganze Menschheitswissen wurde in gebundener Sprache überliefert.  Ernst Pöppels Kurze Vorrede, mit der freundlichen Bitte um etwas Geduld: Mein Gehirn ähnelt einem Muskel, es bleibt nur fit, wenn ich es beständig trainiere. Wichtig…

Was bislang im Lebensverdopplungsversuch geschah

Re:kurs = Von A wie Auge über F wie Fälschung bis Z wie Zoom; die unvollkommene Rekonstitution eines Mash–ups. Es finden sich Zitate, Verweise, gleichsam aus fernen Welten und Epochen in den Abbildungen. Jenseits kultureller Codes löst die Verbildlichung ein…

was bisher geschah:

wir lagen schon tief in der macchia während wort halden heute hallen wollen wiederholungen krachen. ziehen schachtel sätze sich neue kleider an. aller anfang ist zwang zum klang sagt das klavier. dringlichkeit geht in den hirnen spazieren: begeisterungs prinzip  …