Monat: Juni 2012

Atemlos ∙ Auf der Suche nach Matrix 28

mathematische Formel

Kühn Heute hatte ich eine ›kühne‹ Idee: Ich wollte nach über zehn Jahren mal wieder eine Buchhandlung besuchen. Der Leser möge an dieser Stelle nicht glauben, dass ich eine Kulturbanausin bin. Weit gefehlt – ich schreibe selbst Bücher. Aber meine…

KUNO gratuliert Ror Wolf zum 80. Geburtstag

„Ich könnte mich auf verschiedene Weise darstellen: Der Außenseiter. Der Nichtmitmacher… Die Literaturindustrie erwartet totale Unterwerfung. Sie erwartet Autoren als Mitmacher, als Erfüllungsgehilfen einer Aufgabe: Es geht ausschließlich um die Höhe der Auflage. Quantität ist das einzige Kriterium für Qualität.…

ein gutes bild

Andreas Roseneder · Nada. Nichts. · gesso & acryl auf molino, 210 x 150 cm, 1991 zur premiere des gleichnamigen theaterstuecks von Friederike Mayroecker, 1991 schauspielhaus wien ein gutes Wort fuer Theo Breuer „Es zehrte an mir, mit Menschen zusammenzukommen“, bekennt…

Hörspiel als Spiel

Konkurrenz Mit der Industrialisierung begann das Zeitalter der Kurzgeschichte. Damit war die Geschichte des bürgerlichen Bildungsromans beendet. Wenn die Geschichte der Medien die Geschichte einer Konkurrenz ist, begann sie mit einem Vorsprung. Die Dichter hatten die Montage entdeckt, als die…

Überschwemmt, die Lust am Taumel (8)

88 · ∞ Magische Blätter  ∞ Bücher  ∞ Blitze ∞ Ich habe gelesen, gelesen, gelesen, Friederike Mayröcker aktuell, nämlich, im Zusammenhang mit der Niederschrift/Montage dieses Essays, den ich wäh­rend des Schrei­bens, na­turgemäß, in fort­laufender Wechselbeziehung zum von mir im Spätsom­mer…

Überschwemmt, die Lust am Taumel (6/7)

66 · Mehr als · 1 Buch lag vor mir aufgeschlagen als reihte ich Bücher an einander Friederike Mayröcker Weit mehr als 22 Bücher, nämlich, liegen aufgeschlagen – Blaue Er­leuch­tun­gen · Das besessene Alter · Das Herzzerreißende der Dinge ·…

Überschwemmt, die Lust am Taumel (4/5)

44 · every window in every house Habe gerade die Sprache erfunden rasende Sprache Friederike Mayröcker Weiter in diese ineinanderrankenden Gedankenmammutbäume klet­ternd, möchte saphirene Texte schrei­ben tat­sächliches Blau, in delta­mäandern­de Bewusstseinsströme eintauchend, in den Fin­ger­spitzen kribbelt Buchstabenwelt – als »souveräne…

Überschwemmt, die Lust am Taumel (2/3)

22 · heute morgen das Gestrüpp im Blumentopf Ich bin in meinem Schreiben nur auf der Suche nach konkreten Dingen. Friederike Mayröcker Und einer schreibt: »Mayröckers Hummel am Morgen lasse ich gern dahinsurren«, ein andrer: »Ich muß mehr lesen«, ein…

Gedichte lesen

Memory and desire Viele Menschen (nicht alle) haben ein sechstes Sinnesorgan. Ein Sinnesorgan für Kunst, das durch Kunst erregt wird. Es ist höher spezialisiert als die anderen fünf, bei den einen auf die Erregbarkeit durch Musik, bei anderen durch das…

Happy birthday Mr. Wilson

Summer’s gone I’m gonna sit and watch the waves We laugh, we cry We live then die And dream about our yesterday *** In der Reihe Meine erste Schallplatte würdigte A. J. Weigoni auf KUNO Brian Wilsons Meisterwerk Smile. Die ZEIT…

Medienarchäologie

Kulturpessimisten versprechen uns, dass durch das digitale Zeitalter letztlich die Informationen selbst zu ihrem Ende gelangen, entweder weil sie durch einen immensen Sonnensturm gänzlich, schnell und effektiv gelöscht werden (Ja, auch die Backups), oder weil die Datenformate einerseits, die Datenträger…

Meine erste Schallplatte: »Don Juan« von Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich

Im Jahr der Revolte wurde ich zehn Jahre alt und kam aufs Gymnasium. Meine Schallplattensammlung bestand aus einer Aufnahme des Sängerkriegs der Heidehasen von James Krüss mit dem großen Franz Muxeneder, der später sein Talent in einschlägigen Filmen wie Liebesgrüße…

Liebe ist kälter als der Tod

Laut Ankündigung des Filmfests München (29.06. – 07.07.2012) wartet auf die Besucher ein cineastisches und kulturelles Extraklasse-Bonbon: „Das 30. Jubiläum des FILMFEST MÜNCHEN fällt auf den Monat genau mit Fassbinders 30. Todestag zusammen. Das gibt uns die Gelegenheit, mit einer…

auf und zu 13

Malerei sei stumme Poesie, Poesie beredte Malerei, hieß es in der Antike, als man über den Wettbewerb der als verwandt betrachteten Künste nachdachte. O ihr lieben Bücher, ihr allein seid freigiebig und freimütig, ihr gebt jedem Bittenden und laßt jeden,…

Schicht am Schacht

Zu einer Reise durch das Ruhrgebiet der 1920er Jahre lädt die szenische Lesung von Heinrich Hausers Schwarzes Revier am 16. Juni in die Kokerei Hansa ein. Nach einer Einführung durch Andreas Rossmann (Feuilletonredakteur der FAZ) machen sich die Besucher selbst auf…

LiteraturClips

Wenn es Videoclips gibt, muss auch die Literatur auf die veränderten medialen Verhältnisse reagieren. A. J. Weigoni · 1991 Viel wurde in den letzten Jahren über Popliteratur geschrieben. Ein weithin unbeachteter Aspekt ist dabei, daß maßgebliche Impulse für die Entstehung…

EIN BUCH · Aus dem fröhlichen Wohnzimmer in Wien

1 Ich beginne EIN BUCH zu lesen, in dem Fritz Widhalm, der gemeinsam mit Ilse Kilic in Wien im fröhlichen Wohnzimmer l(i)ebende cremeschnitteversessene, edierende, filmdrehende, gitarrespielende, kaffeetrinkende, (hör-)bücherschreibende, spazierende, Bücher und Wohnzimmer, die Zeitschrift für unbrauchbare Texte verlegende, videokünstlerische, zeichnende,…

Die Kunst ist weiblich. Von der Gunst der Stunde.

Mehr begreift von einem Wesen, wer versteht, dass man dessen „Familienroman“ kennen muss, um sich in seine Eigen-ART einfühlen zu können. Das gilt auch für die kreative Handhabung, die Behandlungsweise bestimmter Materialien, schlicht Kunst genannt. Besondere Geburtsumstände geben dem Wachsenden…

Calenberger Nacht · Teil 2

Über die Arten der Müdigkeit Wir wechseln die Straßenseite und fahren eine halbe Ewigkeit an den hiesigen Stadtwerken vorbei, bis das nächste Haus kommt. Dann zwei Häuser gar nichts und im nächsten eine mickrige HAZ. In dem Stil geht das…

Apologie des konservativen Museums

Eine Antwort auf Orhan Pamuks „bescheidenes Museumsmanifest“ Im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung veröffentlichte der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk unter dem Titel „Ein bescheidenes Museumsmanifest“ elf Thesen bzw. „Gedanken“ über die Zukunft der Institution Museum. Pamuk fordert in seinem Manifest eine…

Ein Wellness-Wochenende für die Ohren

Vom 8. bis 10. Juni veranstaltet der gemeinnützige Verein Hoerspiel-Gemeinschaft e.V. rund um die Königsklasse des Hörbuchs eine bunte Mischung aus Fan-Festival, Convention und Hörspielmesse im kultigen Ambiente des Kulturbunkers in Köln-Mülheim: die Hörspiel- Arena auf Tour. Auf drei Etagen…

Im Umfeld der Expressionisten – Holzschnitte des Wilhelm Laage

Beim Stöbern nach guten Holzschnitten kann man eventuell auf die des 1930 verstorbenen Künstlers Wilhelm Laage stoßen. Manchmal werden sie auch bei Internetauktionen angeboten. Dieser Tage findet sich dort ein im doppelten Sinne traumhaftes Frauenportrait, welches stark an die Grafiken…

Calenberger Nacht · Teil 1

Dunkelblau

Über die Arten der Müdigkeit Das Telefon klingelt mich aus dem Schlaf. Es ist meine Chefin, die einen neuen Auftrag für mich hat … Wahrscheinlich fangen so nicht wenige Romane an, schlechte Krimis auf jeden Fall, Essays selten, es sei…

Heute im LCD

Obwohl in seinem nunmehr zweiten Jahr längst als feste Größe in der Düsseldorfer Literaturszene etabliert, tragen die Konsequenz der Auftritte (jeder der Autoren liest ca. 15 Minuten) und das Ambiente des „Salons“ dazu bei, den Gründergeist der ersten Stunde weiter…

Huntenkunst Nachklapp II – Strategiepapier

Strategien für eine erfolgreiche Künstlermessenteilnahme Die folgenden Vorschläge werden jedem arrivierten Künstlermessenteilnehmer Erfolg garantieren. Sie sind ausdrücklich gemeint als Diskussionsgrundlage für einen allgemeinen und ernsthaften Ratgeber, der demnächst auch in Buchform mindestens fünfsprachig veröffentlicht werden und zukünftig als Grundlagenwerk in…

WortGeil

Zum geflügelten ReizWort wurde der Claim  eines bekannten Elektronikriesen: „Geiz ist geil“ und fand salonfähigen Einzug ins deutsche Sprachwohnzimmer. Der Begriff „geil“ stand ursprünglich für eine aufrecht stehende Pflanze und erfuhr seine zweideitig-eindeutig nachfolgende Bedeutung erst viel später. Man darf…

Zwischen Ideologie und Liebe

Landflucht ist zurzeit nicht nur in Deutschland in. Viele streben in die Städte. Der Arbeit, des abwechselnden Kulturangebots wegen, und um in städtischer Anonymität der sozialen Kontrolle auf dem Land zu entgehen. Aber auch dörfliche Langeweile und der Wunsch nach Abenteuer…