Monat: Mai 2009

Weltnichtrauchertag

  Der Höhepunkt des romantischen Mythos vom Rauchen: Eros und Thanatos erneut vereint. Cristina Peri Rossi     Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur, sowie ein Recap des Hungertuchpreises.

Ornament und Konstruktion

  Nur wenn wir uns dabei in uns selbst vertiefen und versuchen, ganz wahr zu sein, wird es uns gelingen, Dinge von Wert, lebendige Dinge hervorzubringen und so daran zu arbeiten, einen neuen, uns entsprechenden Stil zu bilden. Sophie Taeuber-Arp…

Sprüche und Widersprüche

  Für den Nachteil des Mannes, nicht immer erhören zu können, wurde er mit der Feinfühligkeit entschädigt, die Unvollkommenheit der Natur in jedem Falle als eine persönliche Schuld zu empfinden.     *** Karl Kraus ist eine Meister des Aphorismus,…

Renaissance formal traditionell geprägter Lyrik?

  Es bleibt abzuwarten, ob eine Renaissance formal traditionell geprägter Lyrik wirklich präsent ist und Bestand haben kann. Vielleicht ja, weil fortgesetztes Jandln, Dadaisieren, Prosaisieren und Konkreteln längst in Sackgassen führte.     *** Weiterführend → Das erste Fazit von Ulrich…

AUSSICHT

    Im Leuchtturm sitzen und hinausschauen aufs offene Meer         *** Weiterführend → Lesen Sie auch die Essays Über den Zustand der Liebe in lyrischen Texten und Poetik des Humanen über Peter Paul Wiplinger. → Poesie zählt…

Die Grenzen meiner Sprache

  Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.     *** Ludwig Wittgenstein nutzte den Aphorismus als philosophische Form. Darüber hinaus gilt er als der Begründer der sprach­analytischen Philosophie: einer Denkrichtung, die aller Spekulation den Abschied erteilen will,…

Panther und Bauer

    Ein Panther klopft ans Scheunentor. Ein junger Bauer tritt hervor. »Was willst du, Panther?« fragt der Bauer. »Sperr mich ein. Die Welt wird rauer, gnadenloser, hundsgemein. Lass mich dein Gefangener sein.« Junger Bauer schreibt auf Twitter: »Habe Panther…

Druck_Vorlage

  Der Hungertuchpreisträger Thomas Suder arbeitet an Objekten und Bildern. Sein Thema ist die dialektische Beziehung zwischen organischen, also eher rundlichen Formen und Strukturen wie z.B. das menschliche Gehirn, und dem was ebendieses an höchst unorganischen Formen hervorbringt, um in…

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schicke dir meine inneren Organe in einem Brief und laut sei erlaubt, Körper! sagen I am not dirty money aber du bist du 1 Brilliant? Anders gesagt: Träumen kann ich selber *** Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet…

Hypochondrische Aphorismen 2

  Vielleicht ist ja Schreiben so etwas wie das Gebet der Finger.       *** Weiterführend → Das erste Fazit von Ulrich Bergmann zur Twitteratur eher skeptisch aus. Er stellte KUNO seine Hypochondrische Aphorismen zur Verfügung. Zur weiteren Information…

Nachmittagsfiguren in ihrem Wirklichkeitsgrab

  Die verdächtig geknickt in den Kleinstadtcafés sitzenden Menschen: Nachmittagsfiguren in ihrem Wirklichkeitsgrab, ohne echte Dauer oder Zärtlichkeit, und gerade einmal erwachsen genug, um sich in ihrer Aussichtslosigkeit fortzupflanzen. Sie starren einander an mit mäßig beherrschtem Ekel im Gesicht oder…

Hesperus

  Die Kälte hat ewig ein Sprachrohr und die Empfindung ein Hörrohr. Die Ankunft einer ungeliebten fürstlichen Leiche oder dergleichen Braut hört man an den Polarzirkeln; hingegen wenn wir Niedere unsre Gräber oder unsre Arme mit Geliebten füllen: so fallen…

Vierte Wurzel aus Zwitschermaschine

  Die beiden Kunststudenten Cornelia Schleime und Ralf Kerbach lernten sich an der Dresdner Hochschule für bildende Künste kennen. Nach einer missglückten Kunstausstellung im Radeburger Heimatmuseum, die Michael Rom organisiert hatte, beschloss man, gemeinsam Musik zu machen. Ralf Kerbach war…

V

  Klopfpoch auf Holz. Nach angemessener Weckzeit tritt er ein. Ein Meister im Unterspielen, der einer verschlafenen Bulldogge ähnelt, ist damit beschäftigt, Grafitstifte zu spitzen. Das Zimmer, so kommt es Max vor, hat etwas von der sterilen Sauberkeit an sich,…

Tod in Thailand

Man belügt mich mit der gleichen Vehemenz, wie man einem jungen Köter das Pinkeln vor dem Haus angewöhnt. Ich gehöre zur Masse der gesichtslosen kleinen Schnüffler, abhängig davon, wie entschlossen ich bin. Er trinkt gerne Rum mit Ananassaft. Er ist…

Stachlige Opuntien I

  Selbstverständlich wird ein geistig höher organisierter Mensch nur aus Versehen aktiv. Man kann ja geistig minder hoch organisiert und doch ein wertvoller Mensch sein. Wir sind aber keine Vereinigung wertvoller Menschen, sondern eine freie wissenschaftliche Vereinigung. Die F.W.V. muß…

Durchkomponiert und Durchrhythmisiert

  Die Vignetten von A.J. Weigoni sind schmal, verdichtet, streng durchkomponiert und durchrhythmisiert. Ein Subtext der Sehnsucht und der Katastrophen zieht sich durch die Novelle, wir lesen eine Sprache an der Schwelle zwischen Unsagbarem und Sagbarem. Es geht bei der…

Die Elegie ist ein großes Abenteuer

Vorbemerkung der Redaktion: Für das Projekt Kollegengespräche hat A.J. Weigoni einen Austausch zwischen Schriftstellern angeregt. Auf KUNO ist diese Reihe wieder aufgelebt. Der hallesche Lyriker Ralf Meyer erzählt in seinem neuen Gedichtband „Wiederstedter Elegien“ von einem der letzten Wunder in…

Neugier

  Die Lust, andere Kulturen kennenzulernen, ist keine Flucht in exotische Gefilde, sondern Neugier, die Suche nach anderen Sichtweisen, Denkweisen, Lebensentwürfen.       Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur.

Die Revolution sind wir

  Arbeite nur, wenn du das Gefühl hast, es löst eine Revolution aus.     *** Wie können Joseph Beuys in einer Collage unzähliger, bisher unerschlossener Bild- und Tondokumente wiederbegegnen, Andres Veiel stellte ein Zeitdokument zusammen. Wie sehen wie Beuys…

An der Schnittstelle der Unschärfe

gebrochene Symmetrien / von Schritten zwischen Geist und Ding     Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der…

micropoetry | Netzliteratur

  _twitteratur_alles nicht neu alles schon gehabt alles noch einmal anders_fortgesetzt ein gedanke und eine verdichtung       *** Mit seiner micropoetry gelingt es Denis Ullrich eine übernutzte Sprache zu entkernen. Seine vielgestaltigen Texte auf KUNO bewegen sich zwischen…

Suchst du das Höchste, das Größte?

  Die Pflanze kann es dich lehren: Was sie willenlos ist, sei du es wollend – das ists!     *** Der Homo ludens ist ein Erklärungsmodell, wonach der Mensch seine kulturellen Fähigkeiten vor allem über das Spiel entwickelt: Der Mensch…

FEUERPROBE

vergräbt die brust den brennpunkt die seele  sitz ich gesalbt mit blut milch honig öl  im rauchfang des körpers rotieren die organe lecken glutzungen den eiter trocknet die wunde  unter der asche hör ich über mir ein schaben aus dem…

Die Kunst, in drei Tagen ein Originalschriftsteller zu werden

  Aufrichtigkeit ist die Quelle aller Genialität, und die Menschen wären geistreicher, wenn sie sittlicher wären.     *** Der in der Schwebe gelassene Sinn, die Produktion von Ambiguität – was für Roland Barthes Brecht im Theater geleistet hat, indem…

Weltbild: Anstieg

  Das Ich ist die Spitze eines Kegels, dessen Boden das All ist.     *** Galgenlieder, von Christian Morgenstern. Erschienen im Verlag Bruno Cassirer. Berlin 1905 „In jedem Menschen ist ein Kind verborgen, das heißt Bildnertrieb und will als…

Im Stau (eine Kurznovelle)

  Seit Stunden stehen sie im Stau. Es geht und geht nicht weiter, die Ampel zeigt rot. Irgendwann reicht es ihm, er fährt los, alle anderen Autos hinter ihm auch.       *** Von Herrn Nipp waren auf KUNO…

Mischlingskind

  Als ich geboren wurde, war ich nicht schwarz und nicht weiß. Vor allen Namen, die ich bekam, hieß ich Mischlingskind.     *** May Ayim (1960-1996) war eine, ghanaisch-deutsche Dichterin, Wissenschaftlerin und politische Persönlichkeit, war eine der Vorreiterinnen der Schwarzen…

Resonanz

Das Musik-Erleben hebt die Trennung zwischen Selbst und Welt auf, indem es sie gleichsam in reine Beziehung verwandelt. Hartmut Rosa Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur.

Bewahrungsmelancholie

  Erinnerung und Erwachen sind aufs engste verwandt. Erwachen ist nämlich die dialektische, kopernikanische Wende des Eingedenkens.       *** Walter Benjamin ist ein Großmeister des Aphorismus, in seinen Ausführungen finden sich elegante Zuspitzungen. Wenn Benjamin philosophische „Lesestücke“ und…