Monat: Mai 2009

FEUERPROBE

vergräbt die brust den brennpunkt die seele  sitz ich gesalbt mit blut milch honig öl  im rauchfang des körpers rotieren die organe lecken glutzungen den eiter trocknet die wunde  unter der asche hör ich über mir ein schaben aus dem…

Gedankenstrich

  Mein Betätigungsfeld ist ein Stück weisses Papier, meine Krücke zwischen Gedanke und Schrift ist ein Stift. Auf Papier versuche ich Raum zu schaffen, der zuvor woanders war und später woandershin wandert. Ich arbeite mit der Sprache, ihrer Musikalität und…

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schicke dir meine inneren Organe in einem Brief und laut sei erlaubt, Körper! sagen I am not dirty money aber du bist du 1 Brilliant? Anders gesagt: Träumen kann ich selber *** Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet…

Ein Brief

Dies ist der Brief, den Philipp Lord Chandos, jüngerer Sohn des Earl of Bath, an Francis Bacon, später Lord Verulam und Viscount St. Albans, schrieb, um sich bei diesem Freunde wegen des gänzlichen Verzichtes auf literarische Betätigung zu entschuldigen. Es…

V

  Klopfpoch auf Holz. Nach angemessener Weckzeit tritt er ein. Ein Meister im Unterspielen, der einer verschlafenen Bulldogge ähnelt, ist damit beschäftigt, Grafitstifte zu spitzen. Das Zimmer, so kommt es Max vor, hat etwas von der sterilen Sauberkeit an sich,…

Die Elegie ist ein großes Abenteuer

Vorbemerkung der Redaktion: Für das Projekt Kollegengespräche hat A.J. Weigoni einen Austausch zwischen Schriftstellern angeregt. Auf KUNO ist diese Reihe wieder aufgelebt. Der hallesche Lyriker Ralf Meyer erzählt in seinem neuen Gedichtband „Wiederstedter Elegien“ von einem der letzten Wunder in…

Im Stau (eine Kurznovelle)

  Seit Stunden stehen sie im Stau. Es geht und geht nicht weiter, die Ampel zeigt rot. Irgendwann reicht es ihm, er fährt los, alle anderen Autos hinter ihm auch.       *** Von Herrn Nipp waren auf KUNO…

Durchkomponiert und Durchrhythmisiert

  Die Vignetten von A.J. Weigoni sind schmal, verdichtet, streng durchkomponiert und durchrhythmisiert. Ein Subtext der Sehnsucht und der Katastrophen zieht sich durch die Novelle, wir lesen eine Sprache an der Schwelle zwischen Unsagbarem und Sagbarem. Es geht bei der…

Bewahrungsmelancholie

  Erinnerung und Erwachen sind aufs engste verwandt. Erwachen ist nämlich die dialektische, kopernikanische Wende des Eingedenkens.     *** Walter Benjamin ist ein Großmeister des Aphorismus, in seinen Ausführungen finden sich elegante Zuspitzungen. Wenn Benjamin philosophische „Lesestücke“ und Skizzen…