Monat: Juli 2009

Ich will dich – Begegnungen mit Hilde Domin

  Ein Dokumentarfilm | Sendung zum 100. Geburtstag     Am 27. Juli wäre Hilde Domin 100 Jahre alt geworden. Zum runden Geburts­tag strahlen WDR, SWR, 3sat und RBB derzeit einen Doku­mentar­film aus, der die bei Drehbeginn 95jährige auf poetische,…

Über Deutschland, von Heine

  Im Dienste der Wahrheit genügt es nicht, Geist zu zeigen, man muß auch Mut zeigen.       *** Der in der Schwebe gelassene Sinn, die Produktion von Ambiguität – was für Roland Barthes Brecht im Theater geleistet hat,…

FEUER

die fackel gesenkt der salamander gehäutet die gewürznelke zerbrochen das farnkraut vertrocknet das blatt organ einst zu papier verflacht steh ich  scherben auf den augen efeu im mund gescheitert  über der glut zersplittert mir die glashaut  lodern die haare weiter…

Alkyon

Den Verlag Alkyon lernte ich 1998 mit Matthias Kehles lakonischen Gedichten aus Vorübergehende Nähe (1996; 2005 bei Rimbaud in überarbeiteter Fassung neu aufgelegt) kennen. Aber erst in den Jahren nach 2000 kam ich dazu, mich intensiver mit dem interessanten Lyrikprogramm…

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spann durch die Nacht ein Seil mit deiner Erinnerung: Kindheit, innen- (und barfuß zu Grunde gehen) *** Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der Frage nach, wie das Schreiben durch…

Hypochondrische Aphorismen 4

  Schreiben ist das Überlaufen suizidaler Sehnsucht; wie wenn ich mir sagte: Ich ziehe mein Hirn aus (ich werfe meine Finger weg), um leichter zu erzählen.     *** Weiterführend → Das erste Fazit von Ulrich Bergmann zur Twitteratur viel…

Moral

  Es gibt nichts Gutes ausser: Man tut es.           Hans Fallada gelang es, das alte deutsche Sinngedicht wiederzubeleben und zumindest einige vollendete Epigramme zu schaffen, wie etwa dieses. Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung…

Cahiers

  Die Lektüre von Geschichten und Romanen dient dazu, die Zeit zweiter und dritter Ordnung totzuschlagen. Die Zeit erster Ordnung braucht man nicht totzuschlagen. Sie ist es, die alle Bücher totschlägt. Sie bringt einige hervor. Paul Valéry      …

VII

  Aussen. Eine scharfe Brise pfeift Max ins Gesicht. Eilig überquert er die Strasse, um die U–Bahnstation zu erreichen. Erste Regentropfen benetzen die Erde. Vermengen sich mit dem Staub der letzten Wochen. Schon riecht es nach Moder, Fäulnis und Zerfall.…

Stachlige Opuntien III

  Die Beschäftigung mit künstlerischen Problemen. Auch da kann die Debatte nur den fördern, der sich selber fördert. Ich habe noch nie einen Bundesbruder im Museum oder in einer Gemäldeausstellung getroffen.     *** Jakob van Hoddis (Geburtsname Hans Davidsohn; *…

Gegenwart

  Gegenwart ist die absolute Leidensseite der Existenz – aber nur ein Provisorium.       Weiterführend → → Ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur, → Hugo von Hofmannsthal über Gedichte. → Poesie zählt für KUNO weiterhin zu den identitäts- und identifikationstiftenden…

Walden oder Leben in den Wäldern

  Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde.       *** Henry David Thoreau gilt als Schriftsteller auch in formaler Hinsicht…

Lesen ist gefährlich

  Lesen ist gefährlich, viel gefährlicher als Schreiben. Deshalb wird je länger desto mehr geschrieben und immer weniger gelesen. Hermann Burger           Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur.

Journalist

  Journalist ist kein Beruf, sondern eine Eigenschaft; im besten Falle ein Schicksal.         Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur.  

Das Hungertuch für Woon-Jung Chei

Woon-Jung Chei aus Seoul erhält für ihre Arbeit als Kulturvermittlerin das Hungertuch 2009 Woon-Jung Chei wurde in Seoul geboren. Sie studierte Germanistik und Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und nahm danach das Studium der Sozialwissenschaften an der Gerhard-Mercator-Universität in…

Vor allem anderen

Vor allem anderen Vor der Reise inwendiges Wandern. Inwendiges Bleiben – zurückrasende Vorhut: kein Bild von der Ankunft kann wunderbarer sein als die Rückkunft vor allem anderen *** Weiterführend → Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika…

Floskel

  Und während sich die Berühmtheiten vor den Fernsehkameras produzieren, verbeißt sich die Leere in eine Plastikflasche.       *** Von Herrn Nipp waren auf KUNO zwischen 1989 und 1994 Aperçus, Bonmots, und Sentenzen zu lesen. Eine Vorform der…

Der Ausflug ins Gebirge

  »Ich weiß nicht«, rief ich ohne Klang, »ich weiß ja nicht. Wenn niemand kommt, dann kommt eben niemand. Ich habe niemandem etwas Böses getan, niemand hat mir etwas Böses getan, niemand aber will mir helfen. Lauter niemand. Aber so…

Der Begriff des Fortschritts

    Der Begriff des Fortschritts ist in der Idee der Katastrophe zu fundieren. Daß es ›so weiter‹ geht, ist die Katastrophe.     *** Walter Benjamin ist ein Großmeister des Aphorismus, in seinen Ausführungen finden sich elegante Zuspitzungen. Wenn…

Neunzig werden

Der Distelfink pickt in der Wiesen­flocken­blume, die Wachol­der­drossel fliegt in den Bergahorn, der Haus­rot­schwanz hüpft durchs Gras, und die Amsel sitzt, wie jeden Tag, auf der Stromleitung und singt gegen die in der Ferne lärmende Motor­säge an. Ich betrachte den…