Monat: April 1995

Die Trauer als Spiel

    Hier war es Tode versenken und dort allergrößte Schiffe anmelden. Über ein Wort wie Ozean raste ein Sturm namens Agathe. Das Ozeanriesenreisen schmeckte nach Dollars, Schein auf Schein ab- gefettet von Händen gemeiner Greifer und deren Küsse darauf.…

Morgenröte

Geliebte, Auf kupfernen Wegstreifen Kam heute der Morgen gezogen. Du sahst seine Pferde ausgreifen, Die rot der Sonne vorflogen Mit scharlachnen Mähnen und Schweifen.   Sie setzten in Brand die Brücke, Haben Feuer auf Berge geschrieben. Flußwellen wie Fackeln hintrieben…

Bekenntnis

  Ich bin nur einer von den Epigonen,die in dem alten Haus der Sprache wohnen. Doch hab’ ich drin mein eigenes Erleben,ich breche aus und ich zerstöre Theben. Komm’ ich auch nach den alten Meistern, später,so räch’ ich blutig das…

Erfüllung

  Meine Sporen frechzen deine Spitzen Bläulich kichern die Äderchen fort In Sicherheit höhnisch Im Schimmrigen Weich Bebige Hügel wiegen Verlangen Köpfchen rosen empor und steilen Gewähr. Die Lippe zerfrißt sich! Golden ringeln Würger hinunter Und schnüren den Hals zu…

An die Opportunisten

  Die sieben Weisen waren eure Väter Und euer Ohm ist Judas, der Verräther, Denn wie der Wind weht, macht ihr tapfer Front, Und euer Bauch ist euer Horizont.     *** Den Essay „Die Kunst. Ihr Wesen und ihre…

Leiser Ton

  Kein Zeichen frei von Wunsch, nicht ohne Ahnung je ein Blick; du hörst nur eine Stimme, die betören kann – woher geschickt     auch immer. Erhalte dir den leisen Ton, der ohne Worte klingt und wirkt; er wiegt…

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eingefriedet in das Gefieder eine Erinnerung als Vögel noch Engel waren und du saßt mit dem Rücken zum Meer *** Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der Frage nach, wie…

Die Zwiebelgärtchen

  In Afrika sah ich Gärten mit zwei Armen zu umfassen und mit Sorgfalt von winzigen Wällen gelber Erde gerahmt Blaugrüne Zwiebelchen wuchsen darin   In Kalebassen holten die Frauen Wasser vom Fluss Es ging kein Tropfen verloren Aufrecht stand jedes…

Hymne des Todes

  ich spiele mit steinen und werf sie zum wasser die augen voller angst die augen blicken dem flug des flachen steins nach augen müde schwer zum rand des schlafs dem töter der schwere in die tiefe zieht schwere augen…

RAPSodie

  neu\ be /gierig zwischen den Zeilen lustlesewandelnd   die Bootschaften Deines regel mæssig ruhelosen Atems   sie be\richten tosend traum / wendelig von un/erfuellter SehnSuche nach : mehr Meer     Der Schuber, Werkausgabe der sämtlichen Gedichte von A.J.…

Das Tagebuch eines Willenskranken

Oh, qu’un peu de bonheur naïf est une douce chose! Amiels Tagebuch, 16. April 1855 Die einzelnen sind es, welche die Leiden der Zeit leiden und die Gedanken der Zeit denken. Und Bücher, aus denen solch ein Schmerz der Zeit…

O. T.

  Unsichtbargefallen bist du lange schon unsichtbar mit allen im gebrüllkokon   Möge dich nicht stören was da draußen spinnt mögest du sie hören die dir leise sind   Das geräusch skalieren das gelingt dir schon Sing! Die töne frieren…

Der Alltagsheld

    Ein Seufzer bricht noch aus den schwachen Lungen: Die Augen brechen nach dem letzten Zug. Ein Mahnen folgt dem steten Vogelflug, Ein Leben hat sich gänzlich ausgewrungen.   Es bleiben Worte und Erinnerungen. Der, der da ging, war…

VERFOLGUNGSBILDER

  damals der kleine junge im mausgrauen mantel darauf der gelbe judenstern seine augen weit aufgerissen vor den gewehrmündungen vor den schwarzen stiefeln vor den starren gesichtern der uniformierten männer mit den stahlhelmen   jahrzehnte später das kleine nackte mädchen…

Eine Erinnerung an Heinz Pototschnig

  Ein kleines Haus in Maria Gail in Kärnten, nahe bei Villach – Begegnung mit Heinz Pototschnig in den ganz frühen Sechzigerjahren. Mit irgendwem bin ich dorthin gegangen; vielleicht mit meinem kärntnerslowenischen Freund Valentin Oman, der ja aus St. Stefan/Finkenstein,…

MENSCH SEIN

    Trotz allem Mensch sein. Mensch bei allem bleiben und seinen Menschen nicht verkümmern lassen, wenn selbst die Sterne schon in Dunst verblassen, geängstigt von dem Spuk, den Menschen treiben.   Mensch sein heißt nicht duldsam verweiben. Mensch sein…

Eintagstag

  Dieser Tag zeigt deine wunde Zeit. Oh, dieser Tag da mit gestutzten Blicken Verliert sein Fluchtgedächtnis. Dein umgekippter, tiefgestürzter, grad noch fürs Fremderinnern, Tag: Als Rettungsinsel eine dünne Haut auf stehendem Gewässer. Du Tag besitzt mich wie ein Schmerz…

Nicht sicher

  Er wird es hinnehmen, so wie er fast immer alles hingenommen hat. Er hat es hingenommen, dass die Welt ihm verändert wurde und nicht er sie entwickelt hat, hingenommen, dass sie ihn nur noch ansah, nicht mehr anfasste. Er…

WUT

  Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer Annäherung…

Turntable-Studio an der Ruhr

Tom Täger und A.J. Weigoni kommt das Verdienst zu, die Lyrik nach 400 Jahren babylonischer Gefangenschaft aus dem Buch befreit zu haben. lyrikwelt.de Als Tom Täger 1989 im Tonstudio an der Ruhr Helge Schneiders erste Schallplatte Seine größten Erfolge produzierte,…