Monat: Juni 2003

Weit verbreitet

  Romantische Menschen süchtig nach mehr, nach gestern und morgen nach Wolke und Meer. Manch einer will reich sein; Gewinner! Glückspilz! Am liebsten unsuchend finden. Schade. Der Glückliche sucht nicht. Der Enttäuschte mag nicht.       *** Beeren sind…

Ich, Jesus, Scharlatan

In vielerlei Hinsicht ähneln Christen Filmbesuchern aus den Anfangstagen des Kinos, die das Geschehen auf der Leinwand gleichsetzen mit Realität – ein Zustand der Gnade und der Dummheit zugleich. Doch ein Film bleibt immer nur ein Film. Nicht einmal der…

RETTET KILLROY!

DER SOCIAL BEAT IST TOT, ABER DARUM GEHT‘S NICHT: WENN DAS LABEL KILLROY MEDIA VON MICHAEL SCHÖNAUER IN ASPERG ABNIPPELT, STIRBT WAS ANDERES Michael Schönauer ist Urgestein. So ur, daß neulich ein Freund, dem ich von meiner bald bei Killroy…

Exil und Sprachheimat

A text that alludes to Eliot’s Waste Land,was set to music by Tom Täger,using minimalist techniques and sound effectslike the rustle of paper. Judith Ryan · The Long German Poem in the Long Twentieth Century In ihren poetopathologischen Aufzeichnungen kämpft…

Das menschliche Elend

  Die wichtigsten Sachen, welche die ganze Menschheit betreffen, kommen manchmal erst sehr spät zur Sprache, so wie es in großen Ratsversammlungen und Kollegiis zu geschehen pflegt, wo die Aufmerksamkeit auch nicht immer gerade zuerst auf das fällt, worauf sie…

Die Tauben

  Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer Annäherung…

Wie fühlt man sich so als Lehrerin?

  Zum ersten Mal steht sie da vorne – vor der Tafel – eine ganze Schulstunde lang. Sie hat sich vorbereitet, hat ihre Unterrichtsstunde mit anderen Schülerinnen gemeinsam entwickelt. Sie weiß um die Funktion der verschiedenen Teile und wird auf…

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Wie sich die Fäden aus Regen an die Scheiben legen: „Lass uns herein!“ Sie kann ihren Blick jetzt nicht mehr gehen lassen Augen durch streift ziellos in sich selbst umher sie dirigiert diesen Wahnsinn auch noch: die Liebe, die Affairen…

Nirgends ist Schlaf in der Welt

Ein Versuch, Fernando Pessoa zu verstehen.   Fernando Pessoa: Initiation   Zypressen – du schläfst nicht darunter: Nirgends ist Schlaf in der Welt. Dein Leib: ein Gewänderschatten, Der dein Wesen verborgen hält. Die Nacht – der Tod – rückt dir…

Die Fakel, ein analoger Blog

Als er starb, schien er sich überlebt zu haben. Da er fünfzehn Jahre später aufzuerstehen begann, sahen wir, daß er überlebt hatte und uns überleben wird. Hans Weigel   Die Fackel und seine Bücher waren, obwohl ursprünglich lukrativ, zu einem…

Marie Böhm

  Ecke Französische und Charlotten-Straße lachen aus einem der Glaskästen schöne, weiße Zähne, zwischen frischen Lippen in Mädchengesichtern. Manche von den jungen Schauspielerinnen offenbaren ihre ureigene Begabung, denn ihre Perlmutterhecken sind gar nicht erschaffen, am Abend hinter zuckenden Lippen versteckt…

Karl Kraus

  Er steht an der schwelle einer neuen zeit und weist der menschheit, die sich von gott und der natur weit, weit entfernt hat, den weg. Den kopf in den sternen, die füße auf der erde, schreitet er, das herz…

Tage im Umbruch – Ein Engel dreht auf

  Paul Viktor Seißler (27), genannt Peevee, ist unzufrieden mit seinem Studium und dem Leben an sich – als er jäh eines Abends aus der Bahn gerissen wird. Nur knapp entgehen sein Freund Zack und er einem Totschlag. Als Zack…

In der Strafkolonie · Recap

  Das ist nicht wahr, wenn die Leute behaupten, Träume seien verschwommen. »Jeder ist, während er träumt, ein Shakespeare«, sagt der Weise, und noch im unsinnigsten Phantasma der Nacht stehen Konturen und Farben unverrückbar fest. Bäume zum Greifen und saftig…

Consolatio theatri mundi

„… bringen Sie einmal Ihre ganze Rücksichtslosigkeit auf die Bühne | Ihren ganzen Weltekel Bernhard | schreiben Sie so ein Stück Welttheater | dass es das Burgtheater zerreißt | so einen richtigen grandiosen Weltscherz Bernhard | … diesen ganz großen…

Buchflaneure, eine Rückschau auf die MMPM

Das Buch auf solche Weise aufzuschlagen, so daß es winkt wie ein gedeckter Tisch, an dem wir mit all unseren Einfällen, Fragen, Überzeugungen, Schrullen, Vorurteilen, Gedanken Platz nehmen. Walter Benjamin Zuhören, Lesen und Schreiben sind aufeinander bezogene und einander bedingende…