Monat: Januar 2017

aufgrund unserer richtlinien

    zur sicherheit sind sie komplett eingefroren   diese massnahme ist unabdingbar   wir bitten um verständnis     *** Spam Poetry von Joanna Lisiak, KUNO 2017 Die Lyrikerin Joanna Lisiak hat aus Spam-Emails Gedichte destilliert. Diese Methode hatte…

MEINE ERSTE LIEBE

Meine erste liebe: wir saßen im landheim auf treppenstufen wir waren kinder  auf andres kann ich mich berufen   Wir waren kinder  und einmal dachten wir nur an das eine und spielten finger in finger und knickerten kieselsteine   Ich…

Bei Einbruch der Mimesis

  meistens Flucht: die Bilder strengen Richter unterworfen, legen uns in Wortausklängen schlafen, so tief und einfach wie ein Augenleiden oder Gärten in der Normandie wo die Stille nah am Sommer der Zirkus bald vergessen der Fels rundum gefaltet ist.…

schnecke

zieht die himmelsschnecke ihre spur in den windungen des alls verbirgt sie ihren feuerleib hinter wolkenschleim zieh auch ich mich ins skelett zurück erwache ich im holzhaus in der erde stoß ich durch die häute die man leben nennt  …

Inständigkeit

Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer Annäherung an…

Fremde Kulturräume beschreiben

  In den Überschriften der rund fünfzig Essays, die der 1968 im masurischen Bartoszyce geborene und seit 1985 im niedersächsischen Verden lebende Artur Becker in verschiedenen überregionalen Zeitungen veröffentlicht hat, taucht der Begriff ‚Kosmopolen‘ nur einmal auf: „Das Fahrtenbuch eines…

Persona non grata

  Arthur steht im Theaterfoyer und sieht Raum und Zeit dort als das Stück vor dem Stück, das er sehen wird als Stück im Stück. Wie kopflos wandelt das aufgedunsene Kleid da herum, wie lächerlich die Schritte dieser zugeschminkten Gesichter,…

Freiheit

  Wirklich frei ist, wer die Freiheit definiert.       *** Über Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher, aus den Notizbüchern von Herrn Nipp, herausgegeben von Haimo Hieronymus, Edition Das Labor 2017. Weiterführend →  Kuno fasst die ersten 25 Jahre von…

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  Hast am Eingang zur Welt meine Hand losgelassen   Wir verloren uns schon vor dem Anfang in der   Schwarz Zone einer Gebürtigkeit Schnee   Uneingefordert: Allein sein   am Eingang     ***   Weiterführend → Ein Porträt…

Dasein

(Eugen von Goßler)   Hatte wogendes Nachthaar, Liegt lange schon wo begraben. Hatte Augen wie Bäche klar, Bevor die Trübsal mein Gast war, Hatte Hände muschelrotweiß, Aber die Arbeit verzehrte ihr Weiß. Und einmal kommt der Letzte, Der senkt den…

Premiere des Gesamtkunstwerks

Reden wir nicht umständlich drumherum, heute Abend wird in Mülheim an der Ruhr im Makroscope ein Gesamtwerk präsentiert: Der Schuber. Darin befindet sich nichts weniger als ein Lebenswerk. Es ist vielleicht sogar mehr als ein Gesamtwerk, eher die zeitgemässe Variation…

El reexilio

dir ward der Ort zur Fremde aunque la lleves dentro verblasste Sprache tu lengua materna die Urlaute verrät la pronuncias con temor verstört schaust du vorbei miras inmóvil auf Straßen ohne Namen no sales de tu asombro mit aufgesetztem Glanz…

Nebelbanktrauma

In der Nacht zum 19. Januar 2007 zog der Orkan Kyrill nach Osten über das Sauerland hinweg.   In den Tälern liegt wieder Nebel, als Herr Nipp aus seinem Fenster schaut. Aus seiner kleinen Kemenate hat er durch eines der Dachflächenfenster…

Spartenübergreifkünstler

Wie kaum eine andere Galerie in Deutschland hat ‘Der Bogen’ in Arnsberg immer großen Wert auf die handwerkliche Erarbeitung von Künstlerbüchern gelegt. Unbeirrt setzen diese Artisten den kulturbetrieblichen Trends die unleugbare, virtuell nicht reproduzierbare Schönheit bibliophiler Buchausgaben entgegen, verbunden mit…

Ego ergo sum

  Arthur malt den lieben Gott an die Wand und schaut sich sein Bild an. Ich bin, denkt er, wie ich immer war, und bin doch total anders geworden und war schon immer dieser Andere, bin jetzt immer noch oder…

Für Shoshanna

  Liebes ich ging  immer neben dir in deinem gefieder schlief licht unsere schatten wandten sich ab und keuzten dein gesicht   steine schenken bitteren ruch seit du eisvogel fort bist monde durchwachen die nacht der stirn seit du nicht…

In welcher Welt leben diese Leute?

Ich bin ja oft mit dem Rad unterwegs. Selbst wenn ich klingele und laut rufe, hören mich die Jogger vor mir nicht. Was machen die? Wenn ich im Wald bin, nehme ich doch die Natur wahr, höre meine Schritte. Aber…

Irische Couplets

  das selbst ist immer im krieg + immer unter druck: was alles so geglaubt ward was alles so geschehen ist was alles in rechnung zu stellen wäre … ist letztlich nicht wichtig wenn zwei nur gewiss sind: richtung +…

Junge Haut und Gottes Beitrag

  Die Polizei fand ein Flugticket in Manfreds linker Manteltasche: Berlin Tegel nach Diosdado Macapagal International Airport. Liebhaber junger Haut sagen meistens: Clark International Airport. Oder noch einfacher: Angeles City. Direktflug. One way. Er hatte nur eine kleine, schöne Tasche…

Am besten alles verbieten?

Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunder Eugen Gomringer Ein sexistisches Gedicht? Oder eine Projektion? Folgen wir ihr, worüber dürfen…

Wolkenbündel

  Gedichte / im gras / am himmel / unter der sonne & im schnee, so lautet der Untertitel der Publikation, die nicht nur beim Betrachten des Einbandes eine Fülle von Assoziationen auslöst, sondern auch durch die Gestaltung der Zahl…

Nachsicht

  Du gehst mir zu schnell an den Bildern vorbei, Arthur, warum nur diese Eile? Arthur bleibt mitten im Baselitz-Saal stehen, dreht sich, indem er alle Bilder der Reihe nach abnickt, um sich selbst, und sagt zu mir wie nebenbei:…

FÜR NANCY SPUNGEN

  Scheiß auf das laminat rei in der tube scheiß auf Sir Winstons Inn ab in die grube   Scheiß auf die schraubpulligeneration einmal lichtgefickt merkste dann schon   Lange stinkt das nicht sicherheitsmade ein zwei fröste hält´s ab in…

Einbildung

  Lass uns Kaffee trinken gehen, sagt Arthur, als wir die Gemäldegalerie verlassen, ich brauch jetzt innen auch ein Bild. Wie soll ich das verstehen?, frage ich. Am besten einen Espresso, sagt Arthur. Wenn der Kellner mit dem Zucker und…

o.t.

  Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer Annäherung…

Hänschen klein

  „Leb wohl“, sagt Hänschen zur Mutter. „Ich suche das Glück. Ich habe geträumt, es gibt Glück und das Glück liegt weit ab von hier. In der Fremde klingen meine Schritte nicht folgenlos und deshalb nehme ich den Hut und…

bildbefragung

zum bild »Elbehochwasser« von uwe albert   zeigt das bild eine gartenidylle auf geisterfahrt? oder ist es eine arche des jenseits, die im strom treibt, der nicht mehr zu dieser welt gehört? und verbirgt sich darin, zusammengekauert wie die toten,…

Über Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher

   Malen ist seine Art, zu denken, zeichnend wissen seine Hände manchmal mehr als sein eigensinniger Kopf.   Haimo Hieronymus präsentiert in 2017 Über Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher aus den Notizbüchern des Herrn Nipp. Wir finden in diesem Buch…

vorhersagen

    wie gewöhnlich wartet meine erinnerung nicht ab obwohl das wetter zwischen hellen wolken blicke ins blaue gewährt bleibt vor meiner verschlossenen tür ein vergessener scharfschütze stehen um meine freiheit zu verteidigen zwei trickdiebe versuchen sich als jehovas zeugen…

Basisgekipptes

  Der „Kanzlei für Basisgekipptes“ entschlüpfen in 2017 täglich neue Tage. Das hat damit zu tun, daß die Autorinnen Joanna Lisiak und Sibylle Ciarloni mindestens 365 x nachdachten, diskutierten und entschieden. Sie meinen, die Tage sollten auch anderer Dinge (oder…

Im Labyrinth der Lyrik

Ich sah die besten Köpfe meiner Generation an Ratenzahlungen zugrunde gehen. Kate Tempest Lyrik ist ein Spezialfall individueller menschlicher Informationsverarbeitung. Es beim Online-Magazin Kulturnotizen (KUNO) darum die Literatur aus der Isolierstation, in die die werkimmanente Germanistik sie jahrzehntelang eingesperrt hatte,…