Monat: August 2012

Himmel, Arsch und Zwirn

Bei der Ausstellung „Himmel, Arsch und Zwirn“ treffen acht Künstler aufeinander, die unterschiedlicher  durch ihre Kunstformen Ausdruck nicht seien könnten. Gegenständliche Malerei trifft auf Abstraktes, Fotografien, Fluxporn, Skulpturen auf Lyrik und Installationen. In den dunklen Tiefen der Gewölbekeller verbirgt sich…

Rezensionsautomat

Kürzlich stellte Haimo Hieronymus auf KUNO den ART-O-MAT vor. An der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe steht seit einiger Zeit der Rezensionsautomant Censeo. Hierbei handelt es sich um eine begehbare Apparatur, die per Knopfdruck Texte erzeugt. Es handelt sich um…

Slow Motion Insect Vision

Zur Ausstellung Slow Motion Insect Vision bei Lehr Zeitgenössische Kunst (01.9. – 20.10.12) erscheint ein empfehlenswerter Katalog, der einen guten Überblick über das Schaffen der letzten Dekade von Birgit Jensen liefert. Der Katalog enthält Textbeiträge von namhaften Kunsthistorikern wie: Dr.…

Prequel, eine Ankünftigung

Eine Frau sitzt auf einem freischwingenden Stuhl. Sie hat das linke über das rechte Bein gezirkelt. Ihr Fuss, der in einem roten hochhackigen Schuh steckt, zeigt nach unten. Die in der Farbe des Schuhes lackierten Zehennägel ihres rechten nackten Fusses…

Die Farben der Bücher und des japanischen Himmels

Vor mir liegen ein dunkelblaues Buch und ein dunkelrotes Buch. Die Früchte des Sommers tragen diese Farben – Blaubeere und eine in hiesigen Breitengraden noch zu entdeckende Frucht zwischen Brom- und Himbeere. Ich lese die Bücher parallel, irgendwie gehören sie…

Buchobjekte und Malerei • Revisited

Uwe Albert ist ein Spieler. Er tut zwar so, als sei er ein Sportler. Rennt mit dem Boot auf dem Strom rum, um die Enten auf dem Wasser zu beobachten und die Schnepfen am Ufer. Aber er ist ein Spieler.…

thoughtscapes

Die physische Präsenz eines Bildes ist die Zweidimensionalität der Leinwand. Der Moment der Bildbetrachtung umfasst jedoch wesentlich mehr. Er bildet die Schwelle zwischen kollektivem und persönlichem Wissen, Neugierde und Selbstreflexion. Die Verwandlung der physischen Realität in Wahrnehmung und Erkenntnis ist…

Zwei

Sie sitzen sich gegenüber. In gegenseitiger Bestätigung. Während der Andere ganz selbstverständlich große Pläne für die Zukunft schmiedet, bleibt Herr Nipp ganz ruhig und bescheiden. Eine ausgleichende Wirkung. Er hat eine ungefähre Ahnung von dem, was wohl wahrscheinlich kommen könnte.…

Seltsamer Attraktor • Über Physik & Poesie

Allgemeine Relativität Die moderne Physik übt auf eine Reihe von Dichtern eine starke Anziehung aus. Das zeigt sich zum Beispiel an den Titeln mancher Gedichte von Raoul Schrott: Albert Einstein – Allgemeine Relativität oder Niels Bohr – Korrespondenzprinzip. Hans Magnus…

Durch Sprache kenntlich werden

A. J. Weigoni, Schriftsteller und Literaturpädagoge, stellt in seinem Originalton-Hörspiel »Zur Sprache bringen…« Bewohner des Benninghofs der evangelisches Stiftung Hephata vor, die im landläufigen Vokabular Behinderte heißen. Das Stück, das Rundfunksender gleichermaßen als Hörspiel* und Feature senden können, gibt einen…

O.T.

  stecke meinen kopf ans bein die fingernägel auf beinlänge ziehen fallstrickarme wiederholungen blech   schäden im trikot der hals in pose spiel mir zu nicht unverwandt anschauen stopp – das ist privat – schienen   am rücken uns fehlt…

Veredeltes Gekritzel, eine Polemik

Was ist nur bei Durs Grünbein schief gegangen? fragt Fritz J. Raddatz in der WELT: Er wird ausgerufen zu einer »der markantesten Stimmen deutscher Dichtung unserer Zeit«. Vollmundiger PR-Unsinn. Wie schon seit langem und an diversen Publikationen zu beobachten: Grünbein…

Das Steinbildhauer-Symposion in Steinwenden

Das Symposion des Platon (427-347), 1807 ins Deutsche übersetzt von Friedrich Schleiermacher, fand statt während eines Gastmahls, ausgerichtet anlässlich einer Siegesfeier für den Dichter Agathon. Unter Freunden wollte man gemeinsam das Wesen des Eros ergründen, kurzum: der Begriff ist eng…

¡No pasarán!

Nadeschda Tolokonnikowa trug während der Urteilsverkündung in Москва ein T-Shirt mit der Aufschrift: ¡No pasarán! Den be/merkenswerten Aufruf ¡No pasarán! (auf gut deutsch: Sie werden nicht durchkommen) prägte die Kommunistin Dolores Ibárruri, er wurde zum Schlachtruf der Verteidiger der Spanischen…

kindheit

hinterm bahnübergang der himmel die haut die andere seite des dorfes gleißend coloriert der grüne abend eine schablone die form das vorbild die pose des spiegelkabinetts jedes vertrauen ein jahrmarkt der triebe nur zu empfehlen königen und kindern mit lampions…

Alter Schwede

Das Volk steht auf, der Sturm bricht los. Wer legt noch die Hände feig in den Schoß? Pfui über dich Buben hinter dem Ofen, Unter den Schranzen und unter den Zofen! Theodor Körner Warum sind Kulturseiten so boniert geworden? fragte…

Die Wortspielerin

Rätsel Soviel Anfang war selten, denkt man hoffnungsfroh immer wieder, wenn die neue Saison beginnt. Soviel Anfang ist meist, mahnt dann die Erinnerung, und auch die Hoffnungsträger sind oftmals dieselben. Theater ist für mich deshalb so faszinierend, weil es noch…

Neue Schule für Musik?

Im Rahmen des Steuergesetzes 2013 soll ein wichtiger Paragraph im Umsatzsteuerrecht geändert werden. Der Entwurf betrifft alle Musikschulen, welche inhabergeführt sind, deren Angebot auch der Freizeitgestaltung dient und die mit der Absicht zur Gewinnentnahme arbeiten. Diese Schulen müssten, würde das…

Sprechen wir

Weiterführend → Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin.

Life is Xerox. You’re just a copy

Anfang der 80er waren erstmals Farbkopierer in den Copy-Centers der europäischen Großstädte verfügbar und die zuvor vorallem im Umfeld von Universitäten vorhandenen Copyshops lösten auch in kleineren Städten wie Mülheim an der Ruhr die preiswerten Sofort-Offsetdruckereien ab. Zwar war das…

Viel Glück!

Glück Glück Glück lautete der misslungene Slogan einer niederrheinischen Altbiermarke. Dabei ist das Thema Glück beinehe selbstredend. Das Wort Glück kommt von mittelniederdeutsch gelucke bzw. mittelhochdeutsch gelücke. Es bedeutete Art, wie etwas endet / gut ausgeht. Glück war demnach der…

Sommerloch- irrwitzige Erwachsenenfadess, dokumentiert

Wann merkt man, dass der Sommer da ist? Wenn Bäder die Fahnen hissen, dass sie bis auf den letzten Platz ausverkauft sind und du mit vollgepackter Badetasche abziehen musst, weil du bis mittags oder noch länger geschlafen hast? Wenn vor…

Über eine Kleinform der spanischen Literatur

Offenbar handelt es sich um Poesie Das Pfeifen des Zuges dient nur dazu auf den Feldern Melancholie zu verbreiten. – Wie reagieren wir? Wir lächeln zustimmend, sind ›amüsiert‹, verstehen, was der Autor humorvoll (nicht humoristisch) ausdrücken wollte. Und das, weil…

Möglichkeiten der Vermarktung IV – Werkstattgalerie

Neben den sonst in jeder mittleren Kleinstadt üblichen Ateliergemeinschaften, oft nicht aus Zuneigung zu einander entstanden, sondern aus der Notwendigkeit, gibt es auch weitergehende Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Allein ein Atelier zu mieten übersteigt meist oder zumindest oft die finanziellen wie…

Tote Lebende • Revisited

Eigentlich sind Zombies lebende Tote. Vertieft sich allerdings der Leser in den Kurzgeschichtenband „Zombies“ von Andrascz Jaromir Weigoni, glaubt er sich eher von toten Lebenden umgeben, die als willenlose Marionetten an Fäden von Hintermännern und -frauen zu hängen scheinen, um…

Wer will ich eigentlich heute sein?

Die Artgroupies covern eine Zeit, in der Rock’n’Roll schamanistische Extase versprach. Erscheinungen, die ein erfundenes Ich wie eine Behauptung vor sich hertragen, betrinken sich auf anderleuts Kosten. Mit Hilfe von popmodernen Zeichen erschaffen sie ihre Welt mit Nietenarmbändern, grossflächigen Tattoos,…

Was mit Liebe und so

Wie können wir heute noch ehrlich sagen: „Ich liebe Dich“? Im Wissen um die Trivialität, der diese Worte, die Situation, in welcher sie gebraucht werden, durch Medien und Verkitschung unterworfen sind? Im Wissen um die Redundanz dieser paar Laute, und…

Der Dichter, den es nicht gab

Vor 60 Jahren wurde im Düsseldorfer Eugen Diederichs Verlag unter dem Titel Ich schreibe mein Herz in den Staub der Straße ein kleiner Lyrikband veröffentlicht, der mit seinen 48 Seiten zu einem der erfolgreichsten deutschen Gedichtbücher der frühen Nachkriegszeit werden…

Über das Verschwinden • Teil 2

Zeitungsstapel

Eine Frage der Einstellung »Na toll. Unser Job wird nie langweilig«, meint Ello, die zu ihrer Aufgabe als Obfrau heute nicht mehr kommen würde. Uwe geht, auch wenn er sich der Absurdität seiner Handlung bewusst ist, über die Tankstelle zur…

Über das Verschwinden • Teil 1

Schaukel

Ablagestelle Südbahnhof Wir stehen an der Ablagestelle Südbahnhof und warten auf unsere Zeitungen. Es ist mal wieder so eine Nacht, in der man es nicht richtig machen kann: am Vortag wurde uns eine Resthaushaltsverteilung des Kunden Ibo angekündigt. In 50%…

Vergißmeinnicht • Die Postleitzahl

Sehr gern wiederhole ich an dieser Stelle: Ohne die Versnetze-Sammelbände von Axel Kutsch empfände ich das lyrische Leben im deutschen Sprachraum durchaus als weniger reizvoll. Und so bin ich auch diesmal wieder hocherfreut, als der Postbote Versnetze_fünf überreicht. Welch pralle…