Monat: Oktober 2014

Gibt es ihn, den NRW-Sound?

Anthologien sind Auswahlen aus größeren Beständen. Auswahlen brauchen Kriterien. »Stadtlandfluss« versammelt DichterInnen, die in NRW geboren sind, dort leben oder über einen längeren Zeitraum gewohnt haben und ihren letzten Gedichtband nicht vor 1989 veröffentlicht haben. Auf große Namen, natürlich auf…

Windverblasen sind wir

Treibgut gegen die Bilder die sie auf uns projizieren als ging es um Siege. Sind Kotschlinge. Kriechen im Dreck. Nie wieder Reflektor spielen. Krähenfüße kringeln sich im Hirn zu Krallen aus:   Zahnrad der Enttäuschungs Mechanik wird aus gelacht. I…

Leuchtkästen

  Von hinten kommendes Licht. Spielfläche auf Plexiglas. Zwei unterschiedliche Lichtquellen treffen = aufeinander. Zwischen Licht und Schatten wechselt die Intensität der Farben, so scheint es. Farbräume gestalten eine Bildarchitektur im Spannungsfeld zum architektonischen Raum. Weithin sichtbar leuchtet im öffentlichen…

zikaden und häher

sophie reyer und a.j. weigoni, deren gedichte sich hier in österreichisch niederrheinischer korrespondenz abwechseln, ihre unterm zeichen »:«, seine unter »=«, arbeiten gleichermaßen sprachspielerisch und sprachkritisch. ihre texte sind literaturclips, entsprechen also dem videoclip: Ein durch Bildschnitt und Rhythmus bestimmtes…

Rezeption in progress

Der Maler malt eigentlich mit dem Auge: Seine Kunst Kunst ist die Kunst, regelmäßig und schön zu sehen. Novalis Im 20. Jahrhundert hat die Malerei ihren Platz auf der Leinwand verlassen und sich auf eine Verwendung von Ready-Made-Objekten, Schrift oder…

An meine Neider

Was grämt ihr euch. Und zappelt in euren Komplexen und Unzufriedenheiten beim Anblick meines Zufriedenseins. Lehnt euch zurück und bedenkt, ich bin sterblich und wenn dies geschehen ist, mögt ihr frohlocken, daß der Gegenstand eures latenten Ärgers euch genommen ist.…

Gedanken, die um Ecken biegen

der tod ist die radikalste aller gegenwelten, und damit ein urgrund der phantasie, die nichts so herausgefordert hat wie das unsichtbar gewordene tote und das noch nicht geborene oder lebbare leben. *** Der in der Schwebe gelassene Sinn, die Produktion…

Wie erfassen? Wie sehen? Wie erkennen?

Trugschluss im Traumschloss. Ordnung scheint das halbe Leben zu sein. Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Blues… Auf der Fahrt durch die Stadt warnt uns das Autoradio vor dem neuen Verkehrsleitsystem. In einer Mischung aus Irritation und Faszination…

Wie: Sie versteht nicht mehr warum aufstehen.

  Lehnt meerspurig neben sich. Hört dem Wind nach. Die Verbissenheit abgetragen, die Sehnsucht ausgelacht. Sie hat sich satt, sie ist müde. verschiebt die Ränder des Tages nach außen, bis es wieder Schlafenszeit ist. Der Schaltkreis der Gedanken wird nicht…

Annäherungen an Liechtenstein: ein Blick aus Russland

Das literarische Liechtenstein ist für Russland eine wahre Terra incognita und dies nicht zu Unrecht. Insbesondere wenn man dem “Dostojewski” aus Liechtenstein, Stefan Sprenger, glaubt, dass die heutige Literaturszene im Fürstentum “beinahe aus einem Nichts”[1] entstanden sei und als eigenständiger…

Die Literatur aus Liechtenstein im deutschsprachigen Kulturraum

Das Fürstentum Liechtenstein (25mal5 Quadratkilometer gross) liegt im Rheintal zwischen Österreich und der Schweiz. Dort wohnen etwa 35 Tausend Menschen. Das 2001 gegründete Literaturhaus (erfüllt die Funktion eines Schriftstellerverbandes) vereinigt einige Dutzend Schriftsteller. Es hat zum Ziel die Autoren aus…

Kunstbörse Gummersbach – eine Rückschau

Nach fast unendlich eintöniger Fahrt durch bergige Nebellandschaften, deren Schemen gerade zu erahnen sind, vorbei an Mittelgebirgsstädtchen, die sich mit leidlich hässlichen Lärmschutzwänden den Gegebenheiten des 21. Jahrhunderts gebeugt haben, also in jener Stadt ankommen, die vor allem in den…

erden, wasser und gehäuse

das buch Fragment Heimat des malers und grafikers uwe albert, das auch ein katalog ist, vereint bildnerische arbeiten, die zwischen 1986 und 2012 im raum magdeburg sowie in rumänien, italien und ägypten entstanden. der buchdeckel scheint einen astronauten auf dem…

Mein Klassiker, Paris

Gut, nachdem anfängliches Ignorieren der Bitte um einen Beitrag keine dauerhafte Lösung darstellte, ich die Hartnäckigkeit eines federführenden Redakteurs unterschätzt hatte, nun also doch meine Gedanken zum Thema. Bevor der erste Satz in den Rechner getippt wird, ein kurzes Zögern.…

Sprachinstallation · Revisited

Auf dem in einem dunklen Orange-Farbton gehaltenen Umschlag sind die Namen von Stefan Weidner, Barbara Köhler und Oswald Egger in weißen Buchstaben abgedruckt. In welchem Verhältnis stehen sie zur Kunststiftung NRW? In der Vorbemerkung zur Geschichte der 1989 gegründeten Stiftung…

Höherwertige Konfiguration

Im elektrischen Zeitalter tragen wir die ganze Menschheit als unsere eigene Haut. Marshall McLuhan Wendet man den Begriff Hybrid auf die Wortspielhalle an, so ergibt dieses Sprachkunstwerk im besten Sinne etwas Gebündeltes, Gekreuztes und Gemischtes. Prosaische Gedichte treffen auf lyrische Prosastücke,…

Die Galerie der Täuschungen

Risse. Mörtel. Eine Wand. Ein Bild. Wimpern. Augen. Davor = ein Blick. Ein weiterer… Einblick: ganz genau dort weiter oder besser doch noch einmal zurückspulen und unter die Zeit–Lupe nehmen, jene Einzelbildschaltung, präzise das, dann allerdings längst, Vergangene zum wiederholten…

Hirnrissiges, Sekret. Was ist

wir minus ich. Der Wahnsinn hat das Sagen. Verschwörungs theorien sind wie: Durchfall. Abtransport der Träume als   Beziehungs Hülsen. Permanentatmung ging verloren was blieb war die Pornographie der Bilder. Sie sagte immer nur: Ich.       ***  …

DR 44 – Literaturpreis Dichtungsring 2014

Die aktuelle Nummer 44 der Lit-Zeitschrift Dichtungsring ist eine Sondernummer, die anlässlich eines Literaturpreises der vom Dichtungsring ausgeschrieben wurde, vergeben wird. DR 44 ist  eine Anthologie zum Thema Irre mit den drei Siegertexten sowie einer Auswahl von 30 Texten aus 1160…

Mein Bruder Fridolin

Wenn ich mich heute an meinen Bruder Fridolin erinnere und an ihn denke, aus jener großen zeitlichen Distanz heraus, in der ich mich jetzt in Bezug auf sein Leben und seinen Tod befinde, und dabei doch in einer gleichzeitigen Nähe…

Zu Lande kann ich mir keinen andern Weg denken. –

Zu Wasser hätte der Gedanke auf dem Ganges hin unter in den Meerbusen von Bengalen und von da in den indischen Ocean gehen können; dann der Handelsstraße folgend (denn der Weg um’s Vorgebirge der guten Hoffnung war damals noch nicht…

Twitteratur, Versuchsfeld III

 So bleibt man mit sich alleine und hat nur die eigene Versöhnung des Gelingens oder die kleine Geschichte des Versagens. Diese Variante der Twitteratur beschreibt die Augenblicke, da das Wahrnehmen in das Verlangen umschlägt, das Wahrgenommene schreibend zu fixieren. Wenn…

Die Sprache der Bilder

Seit meiner frühesten Kindheit sammle ich Bilder: zuerst kleine, naiv kindlich-kitschige Heiligenbildchen oder solche mit hehrem, hohlem Pathos; dann die ersten Kalenderbilder mit Abbildungen der bekannten Werke von Cézanne, Degas, Monet, Manet, Gauguin, van Gogh u.a., die man abriß und…

Schreibe

*** Heute besteht die letzte Möglichkeit die Ausstellung Fragmenttexte/Visuelle Poesie, von Angelika Janz in Schloß Nottebeck, Museum für die Westfälische Literatur zu besuchen. Zur Ausstellung erschien ein Katalog mit dem Titel Traue dem Wechsel. Further reading → Ein Porträt von…

Twitteratur VI

  Begegnet dir plötzlich ein Unbekannter, könntest du dir gerade selbst im Wege stehen.   *** Anmerkung der der Redaktion: Gerne verweisen wir in diesem Zusammenhang noch einmal auf den Vorruhestandswahn, von Karl Feldkamp. Lesen Sie auch seine glossierende Anmerkung über Twitteratur: Kurz…

Summertimeblues

  Projektionsflächenblass, fast schon todessehnsüchtig = Verquarzte Tage gehen unter im Nachtalp qualmender Schlote. Trunkende Stunden gurgelnd sich selbst\redend durch den Flaschenhals.       ***   Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay…

Wer will schon

    intim und diskret sein. Schirmt die   Legebatterie Leben uns vom Bezugnehmen ab: Wirtschaftswachstum   Weiber Wrack knickt ein. Es gibt eine Prämie für die   Kaputten, ist Hochkonjunktur in den Hirnen der Depressiven. Na   Have fun.…

Lebensabschnittsgefährten

Veduten werden sträflich unterschätzt. Sie gelten als kulturloser Leerraum zwischen den Metropolen oder dienen als Hintergrund für beschauliche Gemälde. Stellt man eine Mauer in die Landschaft, so ändert sich das Bild. Bereits 1964 empfiehlt Joseph Beuys als künstlerische Bewältigung der…

Im Zeittunnel

In der aktuellen Popmusik lautet der Begriff der Stunde ‚Retromanie‘. Ob im Kino mit Richard Linklaters Langzeitstudie Boyhood oder in der Literatur mit Karl Ove Knausgards Leben: Die Langzeitbeobachtung von Alltäglichkeit hat Konjunktur analysiert Livia Valensise auf Zeit online: Hier wird…

Verworfenes Titelmotiv

Briefmarken waren die Universität des kleinen Mannes. Jochen Schmidt Es gab ihm Vorfeld der Publikation von A.J. Weigonis erstem Roman eine spannende Diskussion über das Titelmotiv. Einig waren sich die Herausgaber uns nur, daß die Neuerscheinung am Tag der Erstausgabe…

She was the daughter of a wealthy

Vorbemerkung der Redaktion: In der Zeit (nachträglich online gestellt) denkt Marie Schmidt über die feministischen Potenziale der derzeit angesagtesten Frauen im Pop nach – oder welche denen nachgesagt und angehängt werden. Insbesondere Beyoncés Auftritt unter den großen Bühnenbild-Lettern „Feminist“ stimmt…

Urdeutsche Kneipe und Nebenjobs

Friedrich hat neuerdings eine Aushilfstätigkeit in einer deutschen Kneipe, deren Klientel mit Vorliebe betrunkene Fußballfans sind. Seine Arbeit besteht im Bierzapfen und Servieren. Dreimal die Woche ist er dort, die Tage und Arbeitszeiten variieren. „Wie, so richtig urdeutsche Kneipe?“, frage…

Twitteratur # 3

  @Queen–of–the–Biomacht#Megaherzallerlippste, Briefmarkenmenschen mit ‘nem Zacken aus der Krone liefern eine papierne Argumentation. Papier raschelt in ihrem Mund. Spucke reicht für die Gummierung. Stempel drauf. Botschaft abgeben¡       ***   Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet…

Die Wiederbelebung der Angst

  Wer kann sie widerlegen. Allein sein, Armklammern,   Luftpost und Turbinenlärm in den Gehrin Windungen. Ich bin ein Versuchslabor für   meinen guten alten Brustgurt Angst. Bin ich seine Laderampe oder anderer   Atem Klein Kram. Ansonsten: Zweckfrei, Zungenkuss…

Die Geschichte hinter der Geschichte

Reich an künstlerischer Spekulationskraft und inneren Verwandlungen, jedoch sparsam mit Ortsveränderungen, lebt A.J. Weigoni seit 30 Jahren im Rheinland, in der Zurückgezogenheit, die zu einem zeitgenössischen Poète maudit passt. Man kann sein Leben nicht benutzen, um sein Werk zu deuten,…

Mein Klassiker, der Marathon

Vorbemerkung der Redaktion: Für das Projekt Kollegengespräche hat A.J. Weigoni einen Austausch zwischen Schriftstellern angeregt. Auf KUNO ist diese Reihe wieder aufgelebt. Mit dem Künstler Mischa Kuball teilt der Romancier den Dauerlauf. A.J. Weigoni: In der Reihe „Mein Klassiker“ ist…

Friedliche Revolution

Dieser Trickfilm ist eine Form von sozialistischem Retroismus, er erzählt semidokumentarisch die Ereignisse und die Geschichte der „Friedlichen Revolution“ in der DDR, die mit der Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 in Leipzig ihren entscheidenden Wendepunkt nahm hin zum Gelingen einer…