Monat: Dezember 2019

Keine künstlerische Position

  Anmerkung der Redaktion: Das 30. Jahr, ist fast überstanden. KUNO dankt allen Lesern und Künstlern, die uns Mut gaben, auch am 1. Januar weiterzumachen. Erinnerung wird zunehmend auf neue Technologien ausgelagert. Das Grundproblem der Erinnerungskultur, der Zeugenschaft, der Autorschaft,…

z.b.

sorgfaltig glatten bitte sinnvoll für alle *** Spam Poetry von Joanna Lisiak, KUNO 2019 Die Lyrikerin Joanna Lisiak hat aus Spam-Emails Gedichte destilliert. Diese Methode hatte sie in einem komplexeren Umfang bereits bei anderen lyrischen Projekten angewendet, darunter auch für…

Der Plan

  Er war einfach ungesehen in den Eingangsbereich geschlüpft. Hatte den Ausstellungsbereich geentert – ohne zu zahlen. Ein Jahr der Vorfreude auf diese Kunstmesse und Pläne wurden geschmiedet. Sie war gestern abgebaut worden.     *** Von Herrn Nipp waren…

BLITZE

  wirft sonne splitterhaare dünsten die organe folgen wolkengesichter dem windatem schwarz  zieht der himmel seinen hut vor schmerz  entblößen blitze ihre keile über bäumen  spalten sie das finstere gestirn  nehm ich sein bild in mich im grellen schein  hängen…

Eine einzigartige Stimme in der deutschsprachigen Gegenwartslyrik

  Als der Rezensent die ersten Verse Sigune Schnabels als auswählender Lyrikredakteur der Asphaltspuren las, wusste er bereits, dass diese Autorin jemand ganz Besonderer war. Für ihn war es ausgemacht, dass man und frau von ihr noch mehr hören und…

Die Zeit

Drei Dinge sind es, die die Kunst unserer Tage bis ins Tiefste erschütterten, ihr ein neues Gesicht verliehen und sie vor einen gewaltigen neuen Aufschwung stellten: Die von der kritischen Philosophie vollzogene Entgötterung der Welt, die Auflösung des Atoms in…

Expedition

es kommen die Winterfeiertage jetzt nimmt der Schmerz zu (das entwichene Blut aus dem Gesicht der veränderten Jahreszeit konntest du wittern die Temperatur anhand der Farbe bestimmen – du hättest sie wie einen wilden Hund auf dich hetzen können) der…

„Im Kino gewesen. Geweint.“

Es zeigt sich sich […], wie tief die Oper als Konsumgut ‑ auch darin dem Film verwandt ‑ mit Spekulationen aufs Publikum verfilzt ist. Theodor W. Adorno Nicht nur Franz Kafka ließ sich (siehe auch den Titel dieser reflektierenden Medienbetrachtung)…

:

herausgerissen aus dem Raum wie der Baum die Idee der Figur in sich trägt: Gewölbebauer: erborgte Helligkeit eines Lebens nimm den Tag von der Sonne nimm die Nacht nimm von Norden Süden Osten Westen die Winde nimm Jugend und Alter…

Die Müdigkeit

  Sie hatte definitiv zu wenig geschlafen, 12 Stunden reichten im Winter einfach nicht aus, um sich zu erholen. Missmutig erschlug die Bärin den störenden Jäger.     *** Von Herrn Nipp waren auf KUNO zwischen 1989 und 1994 Aperçus,…

Brief an eine Katholikin

  Das Christentum braucht nur ein Jahrtausend in seiner Geschichte zurückzublättern: im Anfang war es wohl die Güte, die diese Religion hat gebären helfen – zur Macht gebracht hat sie die Gewalt.       Kurt Tucholsky zählt zu den…

Zischender Zustand · Mayröcker Time

Ja, ich fühle mich nur am Leben, wenn ich schreibe. Seit ich 15 bin, explodiert es jeden Tag in mir. Mein Kopf ist so voll, und alles muss raus, ich kann nicht anders. So oder ähnlich hat Friederike Mayröcker sich…

für S.

wegen deiner fähigkeit / dich in schatten zu verstecken / wurde deine existenz lange zeit angezweifelt / kann dein sternenhieb nur zerstören / oder auch gutes tun / es geht um ein leben / in welche hand sollen wir es…

42

 „Als ich am Dienstag nach der Pressevorführung das Kino verließ, war ich noch einmal zehn Jahre alt und hielt die Hand meines Vaters, wie vor 40 Jahren nach dem ersten Krieg-der-Sterne-Besuch. Das war ein schöner Moment, kostbar und schmerzhaft.“ Jens Balzer,…

Reichhaltig auch als Hörbuch

Eva Kurowski ist eine Kartographin des Ruhrgebiets, das sie so detailgetreu nachzeichnet, daß das Abbild mit der Wirklichkeit deckungsgleich wird, um alsbald in dieser zu zerfallen. »Gott schmiert keine Stullen« besteht aus Simulakren, aus quasi parodistischen Nachahmungen des wirklichen Lebens, wir…

Spinnen

Dein Ende kannst du nicht erleben sagte er mir. Welche Mär spinnt er nun wieder aus dachte ich wie will er wissen was ich erleben werde oder auch nicht wer meint er zu sein Gott vielleicht? Mag sein dass alle…

DIESES ZIMMER*

DIESES ZIMMER* mit den drei abgerundeten Fenstern auf drei Straßenrichtungen hinaus, dieses Zimmer ohne Möbel, dieses weiße, halbleere Zimmer, die künstlichen Lichtquellen rundum, in eine von acht Ecken der Ofen gedrängt, fürs Auge von Büchern die Regale dicht, da stehn…

Herzblut

M. filmte die Tötung mit einer auf einem Stativ montierten Videokamera. Die Aufzeichnung zeigt, wie er die Halsschlagader aufschlitzte. Das Blut spritzte im Strahl heraus. Der Puls stand in die Luft geschrieben. Als wollte der Körper Nein sagen, als die…

Und jedes Bild erzählte mir fortan die gleiche Geschichte

tage ohne unterlaß treibsandstille schweißschenkelbleich wie nachtlos du inmitten blaßschroffer wolkenwürfe und zum rande leicht ausgefranster halbtöne zartlos graugeronnen herzsekunden später schneetaubenformationen in rückwärtsträumen zungenschlagecho gegen eismetall und dann im fall zum horizont finde als betrachter äußerst hinfälliger teilungen das…

Gedichte ohne Worte VIII

*** Weiterführend → Eine Würdigung der Hungertuchpreisträgerin finden Sie hier. Lesenswert auch ein Recap des Hungertuchpreises.

M.F.F. Edition

Der Begriff der Edition (lat. editio) steht für die Herausgabe eines wissenschaftlichen Texts, einer Publikation oder eben auch einer künstlerischen Arbeit. Darüber hinaus setzt die Edition fest, dass es sich nicht um ein Einzelwerk handelt und die wissenschaftlichen Texte oder…

Randzone des Literaturbetriebs

In der Analyse des kleinen Einzelmoments den Kristall des Totalgeschehens entdecken. Walter Benjamin Das Online-Magazin Kulturnotizen (KUNO) hat sich nach 1989 von der Illusion der Kanongültigkeit verabschiedet. Das Interesse an Individuen, am Besonderen und Abweichenden, an Grenzgängern und ihren Umwegen ist…

Universitätsbildung

  Universitätsbildung, neu sortiert und dann zur sparsamen Bewirtschaftung der kleinsten Lichter verpflichtet: all die selbstregierten, innerlich evakuierten Performanzbiester, deren Handlungen nicht mehr den Regeln eines progressiven Lebens, sondern denen der Darstellung folgten; ego-über­motivierte Nützlichkeitszombies, die ihre eigene Einverstandenheit nicht…

Amba Mata

Die Sonne überschritt den südlichsten Punkt ihrer Himmelsbahn, und an diesem Tag begann der astronomische Winter und der Nachthimmel wurde regiert von Saturn, dem Planeten der Ringe, der kurz vor Mitternacht im Gegenschein der Sonne stand. Jani schloss die Augen.…

ohne ende

Weiterführend → Mehr über die Hungertuchpreisträgerin Katja Butt.

25 Jahre Herr Nipp auf KUNO

Herr Nipp de-real-isiert das Faktische und real-isiert das Fiktionale.  Vor einem viertel Jahrhundert stellte Haimo Hieronymus einen Typ vor, die seither auf KUNO ein Eigenleben entwickelt hat. Bereit die erste Geschichte von Herrn Nipp zeigt eine melancholischen, zum Selbstmitleid neigenden…

Wir, wenn wir im Carrè das Wirkliche umbilden

Wir, wenn wir im Carrè das Wirkliche umbilden: in Wirkliches mit dem Kleinen Unterschied von den Gesten her.  Wir, das Carrè aus Gesprochenem,  in die Wirklichkeit das Carrè geschnitten/im  Augenblick blüht das Carrè.  Mensch, wir mit dem kleinen Unterschied im…

Über Dichtung

    Reim ist bloss ein wortspiel wenn zwischen den durch den reim verbundenen worten keine innere verbindung besteht.       *** Twitteratur von Stefan George. In: Blätter für die Kunst, Hrsg. Carl August Klein, Folge 2, Band 4, Berlin…

Fatale Wirkungen

Ausflug nach Saint-Remy-les-Chevreuse. Nach dem Frühstück in den Wäldern geschweift. In ihrer Feuchte gedeihen jetzt die Pilze, deren Kappen im Moose zwischen beperlten Spinngeweben aufleuchten. Ernst Jünger   In ihrer aktuellen Kollaboration verbinden Stephanie Neuhaus und Haimo Hieronymus Fotographien aus…

Außenseiter der demokratischen Gesellschaft

  „Heute sind Künstler nicht nur ‚Außenseiter der Gesellschaft’ (…), sondern sie sind ‚Außenseiter der demokratischen Gesellschaft’ (…). Mit dieser lapidaren Feststellung plädiert die Autorin in ihren didaktisch-methodischen Reflexionen über mögliche Darstellungsweisen von Kunstwerken für flexible Ausdrucksweisen im Umgang mit…

Stadt der Engel

  Da wurde mir bewusst, erinnere ich mich, dass ich gerne in meiner Zeit lebte und mir keine andere Zeit für mein Leben wünschen konnte. Trotz allem? Trotz allem. Eine gewisse Neugier verspüre ich, ob es dabei bleiben werde. Vielleicht…