Monat: März 2011

Stufen

  Schönheit ist empfundener Rhythmus. Rhythmus der Wellen, durch die uns alles Außen vermittelt wird. Oder auch: Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden.    …

Das Licht ist mein Thema, nicht der Himmel oder: Ilya Kabakov und das Licht auf meiner Posttour

Für Theo Breuer zum Geburtstag Himmel himmel – ein widriges wort, sagst Du in einem Gedicht, und ich habe meine ›Versuche über den Himmel‹ erstmal aufgegeben, als ich merke, dass das Licht, das aus ihm dieser Tage hervorbricht, viel interessanter…

Gedankenstrich

  Nicht aus dem Blues einen Blues machen, sich nicht darin suhlen. Mancher würde staunen wie viel Beschwingtes, Spritziges, Erfrischendes sich leicht aus dem Handgelenk schüttelt, wenn das Innere voller Kummer ist. Dem Schmerz, der bitter ist, muss eine süsse…

BECKEN

benetzt der schlag ins wasser mit dampf nur die wand ruft er das fleisch nicht zurück befreit erst der sprung in den spiegel mein bild aus der starre im glas entblättert sich die haut mondfarben über muschel und blüte  dem…

Authentische Authentizität

  Entweder ist etwas authentisch oder nicht-authentisch, falsch oder richtig, vorgetäuschtes Spiel oder spontanes Leben – hier aber haben wir verlogene Wahrheit und nicht authentische Authentizität, also Wahrheit und Lüge zugleich. Stanisław Lem         Weiterführend → ein Essay…

R

*** Anmerkung der Redaktion: Wir entnehmen diese Radierung von Klaus Krumscheid der Reihe UnderCover aus dem Katalog Rheintor, der 2011 in der Edition Das Labor erschien. Weiterführend → Einen Essay zur Reihe im Rheintor lesen Sie hier. Lesen Sie auch…

Twitteratur

  Die Stimmungen, unbestimmt Empfindungen, nicht bestimmt Empfindungen und Gefühle machen glücklich. Man wird sich wohl befinden, wenn man keinen besonderen Trieb, keine bestimmte gedanken- und Empfindungsreihe in sich bemerkt.     *** Weiterführend →  Die Blüthenstaub-Fragmente von Novalis dienten…

Anspruch

    Die gute Kinderstube zu vergessen, kann als infantil angesehen werden.   *** Von Herrn Nipp waren auf KUNO zwischen 1989 und 1994 Aperçus, Bonmots, und Sentenzen zu lesen. Eine Vorform der Twitteratur. Prägend für diesen Begriff ist die…

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Wer ich bin fragst? Ich hüte die Wellen und lache die Zeit aus und Sehnsucht nach Schlaf eine Schleuse zwischen Welten Schlachtfeld Körper im Dauerkrieg *** Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie…

Wieviel Leiden an der Welt formt einen guten Lyriker?

  Ist ohne dieses Leiden gute Lyrik möglich? Ist das Leiden den geschärften Sinnen geschuldet ist oder der gesteigerten Intelligenz, die sich die täglichen Widersprüche der global kapitalisierten Welt nicht mehr schön lügen kann? Ich weiß die Antwort nicht, ich…

Der gesprochenen Sprache auf die Schliche kommen

Vorbemerkung der Redaktion: Seit 2000 wird jedes Jahr der Welttag der Poesie gefeiert. Er soll an „die Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung mündlicher Traditionen erinnern“. Die Redaktion empfiehlt daher das auf vier CDs erweiterte Hörbuch Gedichte, es…

Griechenland

Wie Menschen sind, so ist das Leben prächtig, Die Menschen sind der Natur öfters mächtig, Das prächtge Land ist Menschen nicht verborgen, Mit Reiz erscheint der Abend und der Morgen. Die offnen Felder sind als in der Ernte Tage, Mit…

Eine Basis finden

Wie bei ihrem Künstlerbuch Schattenfluss läßt sich auch die im Rheintor vorgestellte Arbeit von Stephanie Neuhaus in drei Schlagworte fassen: nüchtern, beobachtend und pointiert. In Fund a Mente geht sie einen Schritt weiter, die Artistin nutzt Zinkplatten als Hochdruck und…

Das perfekte Ausweglosigkeitsszenario

  Net_Information = Wissen minus Nachweis + Rechtfertigung.       Weiterführend: → Alle Gedichtbände sind zusammen mit dem auf vier CDs erweiterten Hörbuch Gedichte in einem hochwertigen Schuber aus schwarzer Kofferhartpappe erhältlich. → Eine Werkübersicht über die akustische Kunst…

Sprüche und Widersprüche

  Bei gleicher Geistlosigkeit kommt es auf den Unterschied der Körperfülle an. Ein Dummkopf sollte nicht zu viel Raum einnehmen.     Karl Kraus ist der Godfather des Aphorismus, in seinen Ausführungen finden wir aber auch Zuspitzungen. Der in der…

Von der Erfahrung

  Keine Begierde ist natürlicher als die Begierde nach Wissen. Wir bedienen uns aller Mittel, die uns dahin führen können. Wenn uns dabei die Vernunft fehlschlägt, so wenden wir uns an die Erfahrung.      *** Anmerkung der Redaktion: Wir…

Ein Beobachter

  Der Schriftsteller kommt dazu, mehr als Schriftsteller denn als Mensch zu leben. Er ist zugleich kontaktarm und kontaktsüchtig: ein Beobachter, ein Voyeur. Wolfgang Köppen     Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur, sowie ein Recap des Hungertuchpreises.…

Die Natur handelt nicht nach Zwecken

  Die Natur handelt nicht nach Zwecken, sie reibt sich nicht in einer unendlichen Reihe von Zwecken auf, von denen der eine den andern bedingt, sondern sie ist in allen ihren Äußerungen sich unmittelbar selbst genug.   *** Weiterführend →…

Gespenster

  Es gibt Gespenster, die sind weniger als Fleisch und Blut, und Gespenster, die sind mehr, die schaffen unser Blut.       Oskar Loerke gehört zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Lyrik des 20. Jahrhunderts. Seine Gedichte werden in…

Rosenmund und der Nörgler

  Ich puste mit meinem Rosenmund hymnenweiche Zuckerwolken, Qualm sagst du, sei ungesund, es solle doch mein Welterglühen nicht an Zigaretten untergehen. Siehst du nicht, den fliederfarbenen Mutualismus aus dieser Blüte gepaart mit meinem Rauch in dieser zartgefärbten Welt in…

mal reise mal büchlein

Von der Alten Donau in Wien weg bis Hawai bin ich gesegelt!   „Mein kleines Reisemalbüchlein habe ich in letzter Zeit stets dabei!“, betont Traute Macom, leicht bedauernd, dies nicht schon früher so gehandhabt zu haben:  „Von der Alten Donau…

die augen geschlossen

den vögeln in ihrem flug folgen / mit geschlossenen augen geht das / die krähen schrei’n schrieb nietzsche / unser blutend herz in eis und hohn verstecken / müssen wir nicht / wenn wir den vögeln folgen / in ihrem…

Im Jahrbuch – und nicht im Jahrbuch

  Die rasante Entwicklung der Lyrik im deutschen Sprachraum, die gegen Ende der 1980er Jahre gleichsam mit quietschenden Reifen durchstartet, zu neuen Ufern – ins Offene – aufbricht (Kling, Grünbein, Papenfuß, Waterhouse preschen voran) läßt sich beim Vergleich der 28 Jahrbücher…

Blendung

  Weiterführend → Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin.  

Windstiller Feiertag

  Aus einfältigen, nicht so gar neugierigen Seelen und nicht so gar gelehrten Seelen werden gute Christen, die aus Ehrfurcht und Gehorsam einfältig glauben, und den Gesetzen folgen.      *** Anmerkung der Redaktion: Wir danken dem analogen Blogger Michel…

Onkel Toby

  Und schließlich sei von all den trefflichen Beispielen, welche die Geschichte uns hierfür liefert, noch eines erwähnt, fuhr mein Vater fort, das wie eine goldene Kuppel das Gebäude krönt. Es ist von dem Prätor Cornelius Gallus, von dem Du…

Eine Welt muß umgestürzt werden

  Eine Welt muß umgestürzt werden, aber jede Träne, die geflossen ist, obwohl sie abgewischt werden konnte, ist eine Anklage, und ein zu wichtigem Tun eilender Mensch, der aus roher Unachtsamkeit einen armen Wurm zertritt, begeht ein Verbrechen.    …

Sehen

  Viele Menschen sehen durch die Brille besser, die wenigsten sehen deshalb aber mehr.     *** Von Herrn Nipp waren auf KUNO zwischen 1989 und 1994 Aperçus, Bonmots, und Sentenzen zu lesen. Prägend für den Begriff und seine Karriere…

Das Dornröschen

  Wir leben im Zeitalter des Socialismus, der Frauenbewegung, des Verkehrs, des Individualismus. Gehen wir nicht dem Zeitalter der Jugend entgegen? Jedenfalls leben wir in einer Zeit, wo man keine Zeitschrift aufschlagen kann, ohne daß einem das Wort „Schule“ in…

Wo die Minotauren weiden

  Vom Rang dieses Autors spricht in deutlicher Weise die große Zahl der Nachrufe, die man ihm nach seinem Tod im Juni 2007 widmete. Um Wolfgang Hilbig selbst war es etwa nach der Dreifachpreisung mit Huchel-, Büchner- und Walter-Bauer-Preis im…

Pretending to See Elephants

This volume, Ralph Pordzik’s second to be published after Hotel Salvador Dali (2008), adds to his growing reputation as a new international voice writing in English. Not unlike its precursor, Pretending to See Elephants explores a wide range of feeling;…