Monat: Februar 2019

VORSTELLUNG DES WELTUNTERGÄNGERS

Er ist ein bessergestelltes tier und er trägt noch schimmernde häute Er tut als wäre womit er verkehrt sein umgang   nicht seine beute Auf trödelmärkten treibt er sich rum verkauft denen die sie nicht kennen die angst   sie könne umgestülpt…

Alphabetikon: Cluster

aus: Alphabetikon, Katalog von Haimo Hieronymus, 2014. Gerade erschienen: Zyklop I, Katalog mit Fotos von Haimo Hieronymus, Edition Das Labor, 2018 in einer limitierten Auflage von 100 Exemplaren. Zyklop I ist mit einer partikularen Sichtweise eine ebenso wunderbare, wie irritierende…

wir warten auf feedback

jack behauptete deutlich dass du tot gebracht folglich kommt hier die grosse frage bist du tot oder versuchen mr. dean und mr. morgan uns abzulenken etwas glauben zu machen bitte wenn nicht sofort informieren hier unterschreiben und uns freundlich zu…

Rom, Blicke

Eine Variation   In Rom sehe ich, dass Größe und Schmutz keine Widersprüche sind, sondern den Menschen aus-machen wie seine Über-und Unterkleider. Ein Bettler pinkelt gegen eine Mauer. An derselben Mauer wird vorhin ein Schuss gefallen sein und küsste sich…

Das Blatt

  Das Bier mundet ihm ausgezeichnet, bayrisches Weizenbier aus einer Klosterbrauerei. Der hefige Geschmack übertüncht alles. Noch weiß er nicht, dass dem Wirt ein Blatt des Eisenhutes ins Glas gefallen war.   *** Von Herrn Nipp waren auf KUNO zwischen…

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  und über uns schwankt ein Baum neigt Getreide sich in leichtem Wind   finde nach Innen       *** Baumzyklen, Gedichte von Sophie Reyer, KUNO 2019 Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie…

Was sich Dir in Sichtnähe aufzählt

Was sich Dir in Sichtnähe aufzählt, die zaghaften Anlässe fürs Orientieren, der Irritation schon verschrieben. Das hebt sich eins aus dem Anderen hervor, mit  dem Augenschein rechnend. Da wählst Du mit Fingerzeig und machst Dich auf den Weg. Da verbirgst…

VOM ZURÜCKBLEIBEN DER SATIRE IN DEUTSCHLAND

Auch Satire fiel jetzt tot aus dem schlangennest Von dem giftigen lutherbrot fraß sie selbst den rest Jahre auf dem sadostrich von Proporz geschätzt hat sie vor dem spiegel sich das gesicht verätzt Nur noch Neuss hat nachgedacht der am…

Café Pathos

„Hier geht’s runter, Sie werden erwartet“, sagte Ortmann, der Regisseur, zu dem einzigen Zuschauer, der an einem Sommerabend im letzten Jahr des letzten Jahrtausends das Stück eines Schauspielers erleben wollte, das nur für einen einzigen Zuschauer gedacht war. Kautsky hatte…

nimm mich [beta]

gelesen alles gelesen / erdacht ergänzt gesagt geschrieben / in form gebracht / bin ich die struktur deiner zeit / und immer ein jetzt / die grablegung der sprache hat uns verständnislos gemacht / erwachen / wachküssen / und das…

Ifflandring sucht neuen Träger

 Ich bin heute, was Kunst betrifft, absolut gegen jede Demokratie. Total. Ich halte die Vorstellung, dass alle gleich gut in einer bestimmten Sache sind, für unwahr. Bruno Ganz Man sollte nichts schlechtes über Tote sagen, aber seitdem Bruno Ganz in…

ewiger streit

  immer wieder die schweiz toujours la suisse dorthin führen alle wege zentral gelagert in eisigen höhen la differenza piccola zwischen sein und schein kennzeichen ch     *** Gekämmte Zeit, Gedichte von Werner K. Bliß, Pop-Verlag 2019 Weiterführend →…

Fetzen

Sah ich gerade noch die beiden Damen im Park vertraut sich nähern auf ihrem Weg wohl schon Jahr um Jahr die Zeit vergehen die Köpfe mir zugewandt Laute Töne Konsonanten sich beim Namen nennen, entgegenkommend trafen mich die Worte unvorbereitet…

Poetry Slam

Kautsky stellte sich vor, wie sie kleine Plastikeimer mit Glasscherben austeilten. Die Girls kletterten in den Ring und rissen ihm das Hemd vom nassen Leib. Dann flogen die Scherben durch die Luft. Er brach zusammen. Der Saal zählte ihn aus.…

POLLEN

Seit die stadt sich ablaicht und ihre häuser verstößt ziehn wir dahin   ich geh mit verdammten und halt mich erlöst In wie viel sterbenden städten war es daß ich saß igel gebraten in lehm und ratten gemächlich aß Ich sah…

Das Entlegene

Das Entlegene. Dem Ding Bewegung entzogen. Dort Trensen sich Überlagerungen und stellen sich nebeneinander. Abseits vereinbarter Grenzen, wenn auch nahbar. In seiner Erreichbarkeit bleibt es Ausnahme.  Könnte ich es füllen, meine Gedanken hielten sich außerhalb auf.   *** fern, fern…

Rezensent

  In Deutschland schreibt jeder, der die Hand zu nichts anderem gebraucht, und wer nicht schreiben kann, rezensiert.     Der in der Schwebe gelassene Sinn, die Produktion von Ambiguität – was für Roland Barthes Brecht im Theater geleistet hat,…

Mein Volk

  Der Fels wird morsch, Dem ich entspringe Und meine Gotteslieder singe … Jäh stürz ich vom Weg Und riesele ganz in mir Fernab, allein über Klagegestein Dem Meer zu.   Hab mich so abgeströmt Von meines Blutes Mostvergorenheit. Und…

Herzlose Liebe

Tod. Sich einlassen, Absichten ablegen, auflösen, was hält, zur Bewältigung erlernt, zum Ertragen benötigt war, brechen, was Lust bereitete, Angst versinkt in Selbstauflösung. Mit. Sich ringen, gegen Widerstände werfen, Aufbegehren überwältigen, zu fließen beginnen, verzeihen, entbinden, betrauern, schreien, sich ergeben.…

Kronos IV

Der Raum ist schwarz. Langsam fließt Blau steil hinab, tiefblau, hellblau, zartblau angestrichene Strahlen von Licht. Flirrende Töne fließen mit, sie schwellen an und füllen den Raum so laut, dass die Farben zittern, dann wird es leise. Trommelndes Summen schwingt…

Subskriptionsprospekt zum Almanach ‚Der Blaue Reiter‘

    Die Kunst geht heute Wege, von denen unsere Väter sich nichts träumen ließen; man steht vor den neuen Werken wie im Traum und hört die apokalyptischen Reiter in den Lüften; man fühlt eine künstlerische Spannung über ganz Europa,…

Jalousienlamellen

Nicht sehr ergiebig das Gespräch, denkt Kathrin und legt die Pfanne in die Spüle. Spült sie später. Sie geht zum Fenster und steckt den Zeigefinger zwischen zwei Jalousienlamellen. Es regnet noch immer. Ihre Freundin ist schlecht drauf. Seit einigen Wochen…

lebenswertewandel

    auf den wendeltreppen der elfenbeintürme steigen intellektuelle notlügen zu harmlosen schadstoffen auf in geringen mengen produziert unterhalb der gefährdung menschlichen glücks warten händler und wirtschaftsweise auf höhere gewinnspanner   bei rosinenbrot und pokerspielen schwingen im politzirkus direktoren ihre…

Empfindliche Künstlernerven

  Man sollte nicht glauben, wie beängstigend die Prosa eines Bahnhofslokals auf empfindliche Künstlernerven wirkt.       Lou Andreas-Salomés oft gerühmte persönliche Ausstrahlung, ihre Bildung und intellektuelle Beweglichkeit, die Freundschaft mit namhaften Zeitgenossen und ihre unkonventionelle Lebensführung sicherten ihr…

Nebelmeer

Jedes Mal wenn Nebel das Haus umwaberte, fühlte er sich glücklich. Keine weite Sicht konnte diese intime Heimeligkeit stören. Manchmal kamen Vögel aus dem Unerkennbaren angestürmt, vor allem schwarze Amseln. Sie setzten sich dann auf das gegenüberliegende Dach und trieben…

Verblüffende Authentizität

  Da haben sich zwei gefunden, notwendigerweise: der Krankenpfleger Jan Kraus aus Vimperk, dem einstigen Winterberg im früheren Sudetenland, und der hochbetagte Sudetendeutsche Wenzel Winterberg aus Reichenberg, Jahrgang 1918. Notwendigerweise, wie der unermüdlich plappernde Kraus, 1986 aus der damaligen kommunistischen…

Stangerbad

Es war die erste Nacht nach der Operation. Ich konnte nicht einschlafen. Trotz aller Mattheit war ich aufgeregt und neugierig darauf, wie ich aussehe, wenn alle Wunden verheilt sind. Aber jetzt war alles verbunden, der Kopf, der Hals, die Brust,…

Dies da

  Dies da, in der Ferne unantastbar, lässt es sich greifen, dem GesichtsSinn der Hand nah.  Das, was mit Worten Distanz schafft, entzieht sich in die erstarrende Geste. Die Beharrlichkeit des Abstandes wandert und  bleibt als Gewusstes.    *** fern,…