Monat: November 2013

Neuronen haben keinen Sex

–  über die Unzureichendheit gängiger Internetmodelle Einleitung Spätestens seit Pierre Lévy’s Werk „Die kollektive Intelligenz. Eine Anthropologie des Cyberspace“ [[i]] geistert eine Idee in Form einer Analogie durchs Netz, die mir eher geeignet scheint, den Blick auf Wesentliches zu verstellen, denn…

Plattform für künstlerische Produktion

Die Musikgruppe Tonverbrechung und die Performance-Art-Gruppe RaumZeitPiraten aus Köln schließen sich für das Projekt „VerbrecherInnen von Innen“ zusammen, um eine interaktive, für die Handlungen der TeilnehmerInnen offene Raum/Klanginstallation zu gestalten. Hierfür bilden das freie Sprechen über Verbrechen, die Texte der…

„Nix hält für immer“

Wer nachts seinen Gedanken verpflichtet ist und die huschenden Bilder des inneren Überflusses zügig einfängt, die Konturen der weglaufenden Tiere, die zickigen Wörter und verschwurbelten Satzfragmente. Wer das Entstandene in den Speedmixer gibt und ausgießt. Wer das alles in ein…

Der schöne 27. November

Der folgende Text wird aus Thesen bestehen, denn abschließend ist zu Brasch nichts zu sagen. Brasch selbst ist nicht abgeschlossen. Ein Gedicht aus dem Nachlass, das eine Replik auf ein anderes seiner bekanntesten Gedichte ist: Der schöne 27. November Heute hat…

Die blaue Stichflamme des Vogelgesangs

Einiges an Aufregung steht uns in diesem Dreizehn-Jahr bevor, wovon das Erscheinen des neuen Depeche-Mode-Albums das Einzige sein dürfte, über dessen Ausgang wir halbwegs Bescheid wissen. Wir werden nach der Degradierung unserer allerobersten Schultante noch staunend die Einführung der Einheit…

Als käme noch jemand

Nur eine Taste und zwei Knöpfe Gleich geh ich die Treppe hinunter. Auf dem Rücken trag ich das Radio, das du vor vielen Jahren gekauft hast. Der Kasten hat nur noch eine Taste und zwei Knöpfe, er singt und spricht…

„Alles noch Handarbeit!“

O ihr lieben Bücher, ihr allein seid freigiebig und freimütig, ihr gebt jedem Bittenden und laßt jeden, der euch treu gedient hat, in die Freiheit ziehen. Richard de Bury Wir befinden uns in einer Vermarktungs-Situation, in der eBooks genannte Dateien…

Im Winter aufs Land

  Ich mag den Wald auch im Winter wenn die Sonne durchs Unterholz scheint die Baumkronen aber im Dunkeln läßt   Wer glaubt denn, daß das Essen von den Feldern kommt nackte Erde, kein Trecker, ein Reh die Heizung im…

Kunst als Sollbruchstelle

Die neue Jahresausstellung der Ateliergemeinschaft DER BOGEN wird wie jedes Jahr am Totensonntag (24.11.2013) um 17.00 Uhr eröffnet.  Aus guter Tradition und immer mit einem gewissen Augenzwinkern ist sie betitelt. Dieses Jahr haben sich die Künstler dazu entschlossen, den Begriff…

Kautskys Nachtgesang

Kautsky, dem im Leben die Vorbilder ausgingen, weil es einfach keine mehr gab und weil er immer deutlicher sah, dass er nun selber dran war Vorbild zu sein, zog es manchmal, in seiner Einsamkeit mit sich selbst, mitten in der…

Die Unberührbaren

Ein wichtiges Buch, ein berührendes Buch, ein großartiges Buch, ein gut geschriebenes Buch. Gerade durch seine Einfachheit und Schlichtheit; ohne jedes Pathos, obwohl es vom Leiden handelt, von der Stigmatisierung einer Menschengruppe, von Menschen, die vom nationalsozialistischen Rassenwahn zu „Untermenschen“,…

jetzt ∙ drei tage nach raffelsbrand

All those rocks with lines and scars and letters James Joyce ∙ Ulysses gedankenverasteter rotbuchenwaldbaum fast fünfhundert meter über normalnull weißt du wie viel menschlein gestern oder gestern oder gestern allein in syrien die feine for­derung nach freiheit mal eben…

Die Erfahrung, Auszug

Als er nach Hause kam, zuckte sein linker Mundwinkel. Sie saß am Tisch, das Ultraschallbild zwischen den Fingern herum drehend. Sie starrte ins Leere. Betrachtete danach für einige endlose Momente die rote Glasvase, in deren Innerem kleine Tropfenformationen zu sehen…

Auch die Zukunft hat eine Herkunft

In den so genannten Reclam-Heften erscheinen seit Mitte des 19. Jahrhunderts Klassikerausgaben, die durch ihren geringen Preis und ihre einheitliche Gestaltung auffallen. Sie ist die älteste deutschsprachige Taschenbuchreihe, und ihr liegt das Bestreben zu Grunde, einen einmal gedruckten Titel nach…

Insekten

Heuschreckenzeichnung

„Da, Mama!“ Der zweijährige Jona hatte im Sandkasten einen Käfer entdeckt und ihn, voller Neugierde und Begeisterung, zwischen seine kurzen Finger genommen, das zappelige Etwas zunächst wieder verloren, dann erneut zugegriffen, diesmal natürlich fester, und – es konnte ja nicht…

Gedanken · Gänge · Sprünge

Heinz Küpper. Nicht bloß eine Wahrnehmung Das literarische Werk Heinz Küppers, das seit den 1990er Jahren vom Ver­lag Land­presse resp. Verlag Ralf Liebe be­treut wird und zum Teil neu herausgegeben wurde, nachdem einige Ro­mane viele Jahre lang vergriffen waren, ver­dient…

SCHWARZ UND WEISS

Der See hätte auseinanderbrechen müssen wie damals dem Moses und seinem Volk das Rote Meer, um eines Menschen Gedanken da hindurchführen zu können. Da, in der Mitte, der Länge nach, war nicht einmal Überschwang, nur RISS, das Allerentfernteste, das ein…

poetisiert euch!

Zu einem Wochenende der Lyrik hat das Verlgshaus J. Frank | Berlin 26 Lyrikerinnen und Lyriker in die Brotfabrik eingeladen! Am Samstag, den 16.11.2013 beginnt um 20 Uhr die »Lange Lyriknacht«, die Poesie bis in den Morgengrauen bietet. Am Sonntag,…

Der drittgrößte Mensch des Jahrhunderts

Im Herbst 2013 ist in der Rheinischen Lesebuchreihe der Nyland-Stiftung, Köln, ein Porträtband über den grandiosen Düsseldorfer Satiriker Hermann Harry Schmitz erschienen – genau 100 Jahre nach seinem Tod. Bearbeitet hat diesen Band der Schmitz-Experte Dr. Michael Matzigkeit. Hermann Harry…

Gedanken, die um Ecken biegen

  poesie entsteht durch wiedergeburten. und tatsächlich muß sich ja der mensch, zumal der kreative, ständig neu gebären. bei philosophen, mystikern, dichtern und künstlern ist das motiv der geistigen, metaphysischen, literarischen und künstlerischen selbstgeburt oft mit dem der auferstehung verbunden,…

kein ende der pioretten in sicht

in Cyberspasz, a real virtuality greift weigoni motive aus Zombies erneut auf. die erzählenden teile sind, wie in seiner prosa üblich, von intellektuellen, essayistischen und aphoristischen gedanken durchzogen. man kann diese texte, die auch geistig erzählen, also analytisch lesen, doch…

Wir reden über Literatur!

Wir besprechen Bücher, wir interpretieren Texte, wir illustrieren Gedichte, wir verkaufen die poetischen Dialoge auch als hochwertigen Druck, wir schreiben Briefe an längst Verstorbene, aber auch ganz aktuell fliegt die digitale Taube von Berlin nach Barcelona, wir interviewen interessante Persönlichkeiten…

Bergwelt

  Nachmittags Jause. Wir saßen mampfend am Wegrand. In der Ferne sahen wir zwei Gemsen ficken. (Oder war es ein Bergbauer mit seiner Magd?) Ein junger Mann mit Wasserkopf ging lallend vorüber. Das ist Österreich, sagte gerührt meine Nachbarin. Sie…

Twitteratur von Botho Strauß

Mit welchen inhaltlich verwandten Thesen beunruhigen Byung-Chul Han, der aus Korea stammende, an der Universität der Künste in Berlin lehrende Kulturphilosoph, und Botho Strauß, das enfant terrible der deutschen Literaturszene, gegenwärtig die Vordenker der bundesdeutschen Nation? Der eine spricht von…

Siege und Niederlagen

Das zwanzigste Jahr­hundert stirbt scheibchen­weise. Und mit jedem Stück, das mir schwer schien, bedeut­sam und erhaben, und das die Leichtig­keit der Ver­gängnis angenommen hat, und fortgeweht ist, wird eine weitere Schicht sichtbar. Ein Jahr­hundert aus Blätter­teig, gefüllt zuweilen mit Senf,…

Der 9. November

Ein Flugbild zerfließt, die Grenze ist offen, mein Herz läuft sich heiß! Es fängt aus der Ferne zu weinen an, mein Taumel ist statthaft, die Mauer stürzt ein. Mein Gehen bricht los, bunt ist gebrannter Prügel deutscher Tracht, die Ohrfeige…

Alles Retro: der neue Asterix-Comic

Früher konnte man diese Hefte noch als Comic bezeichnen, nun sind sie als Graphic Novel sogar feuilletonfähig geworden. Axterix ist Gegenstand religiöser Verehrung. Als Gott steht René Goscinny über der Kritik. Er wird beschützt von Gläubigen, die sich ihren Heilsbringer nicht…

herden, neue Zeichnungen und anderes getier

Am 16. November 2013 freut sich die Galeristin Kirsten Adamek, dem Publikum eine ganz besondere Ausstellung der Künstlerin Claudia Ehrentraut in den Galerieräumen amschatzhaus in Neuss-Holzheim präsentieren zu dürfen. Die Neusser Künstlerin Claudia Ehrentraut wirft einen intensiven Blick auf die…

WINDHAUS

für Beate Gördes In diesen Mauern Stille machen gegen den Sturm der Papiere. Nach draußen schweigend mit Haaren über Leinen fahren, mit Duft erfüllen das Weiß. Festhalten die Spannung des Stoffs und dabei Fülle herstellen in der Welt unter Glas:…

Pianissimo6

  Der Ringelrauch einer Zigarette, die Konturen verschwinden im Zimmer, deine Wimper zwischen meinen Fingern, liegt sie oben oder unten? Der Beigeschmack von etwas starrt uns vom Sofa an geht man in die Hocke, fressen einen die Wölfe nicht, so…

Literatur und Engagement

Wie sehr darf Literatur sich politisch engagieren, ohne ihren ästhetischen Anspruch zu gefährden? Muss Literatur sich überhaupt engagieren und wenn ja, wie? Immer wieder neu sind diese Fragen gestellt worden, und immer wieder neu wurden sie unterschiedlich beantwortet. Auf einer…

Auf Anrufe warten

Es ist durchaus gewagt, ein mobiles Telefon mit zur Badewanne zu nehmen. Wenn man jedoch ganz dringend auf einen bestimmten Anruf oder zumindest auf eine Meldung wartet und diese partout nicht kommen will, wird einen auch das Wasser und die…

Totholz

  An der Wasserschwäche prüft sich der Stoff. Haltung designfarbig, Zugriff unvernarbt, Struktur wildfasrig, der Zangenbiß weich. Dem Staubsignal Widerspricht zwar das Schlagvolumnen. Doch sind Widertritt feucht, Abfäule mittig, der Wurzelspiegel versehrfähig gar, Die Keimversiegelung Ist mit der Wasserschwäche erreicht.

Vergangenheitsformen

In diesem Jahr jährte sich die Macht­ergreifung durch die NSDAP in Deutsch­land zum 80. Mal, Hitlers Ernennung zum Reichs­kanzler durch Hinden­burg und die Ver­abschie­dung des Er­mäch­tigungs­gesetzes durch den Deut­schen Reichs­tag. Ein Pro­zess strebte seiner Vol­len­dung zu, der in der Perver­tierung des…

Trauer ist subversiv

Was ist da unter dem Stein habe ich gefragt. Ein Körper, haben sie gesagt. Und warum die Kerzen? Für die Toten. Ach so. Ich habe genickt, die Hände in den Jackentaschen vergraben, die Nase unterm Ansatz des Rollkragenpullovers verkrochen. Verstanden…