Monat: Mai 2008

Wir werden es schon zuwege bringen, das Leben

  Das Leben zerfetzt sich mir in 1000 Stücke, schreibt Annemarie Schwarzenbach 1935 in einem Brief an Klaus Mann düstere Zeilen für eine 27-Jährige. Dabei scheint die begabte Schriftstellerin und Tochter aus reichem Schweizer Elternhaus vom Glück eigentlich begünstigt: gebildet,…

Auswahl

  Ich verlasse mich auf die Ankunftszeiten gehorche den Öffnungs- und Schlusszeiten obliege den Pausenzeiten ergebe mich den Auszeiten hetze Freizeiten nach.   Ich verlasse mich auf Zahlen glaube an bezifferte Statistiken deute die Auswertung poche auf Primzahlen gratwandere auf…

Traditionalisten

  Ein bleierner Schlaf hatte auf ihm gelegen, Herr Nipp musste Stunden lang in jenen Traumgefilden verbracht haben, jenen, die wohl irgendwie bekannt scheinen oder zumindest erahnt. Von schönen Träumen und etwas Glück eingehüllt. Er hatte ganz früh die Reißleine…

Neues Literaturkontor

poesie dreht diekulissen der gewohnheithundertachtzig grad lauten die Wörter in einem holzschnittartigen Bildgedicht von Claus Bremer (1924-1996), [Claus Bremer gilt mit Eugen Gomringer als Begründer der konkreten Poesie.] das ich in seinem posthum erschienenen Buch wir sind andere (orte-Verlag, CH…

Die anmutige Kurve eines Marschflugkörpers

  Früher war die Beschaffung von Musik ein haptisches Erlebnis. Schallplatten, auf denen das Cover wirken konnte. Mit einem Titel, den man nicht vergaß. So wie Charles Bukowskis „Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster…

Visuelle Poesie

    Der Hungertuchpreisträger Thomas Suder arbeitet an Objekten und Bildern. Sein Thema ist die dialektische Beziehung zwischen organischen, also eher rundlichen Formen und Strukturen wie z.B. das menschliche Gehirn, und dem was ebendieses an höchst unorganischen Formen hervorbringt, um…

Kongo-Ufer

  … Die Stunden verrinnen, ich wollte klagen, sie haben mich seit vielen Tagen umhergetrieben, und ich habe nur ein Leben. Vergeben will ich es, hinbringen in die Schnelle eines Herzschlags, ich habe doch Flammen gesehen, und Opfer, habe doch…

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  brauch Kauwerkzeug für die Augenblicke die Dichtigkeiten der Tagen: Schwalben Splitter knie- ich, hin-     *** Weiterführend →  Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der Frage nach, wie das…

In: Leicht–fertigkeit

  einer versteht den Anderen nur ungewiss deregulierte Mærkte erzeugen halt lose Emotionen das abgruendige Leiden am Ideal der Selbstverwirklichung dem Druck der sexuellen Attraktivitæt einer Melancholie des Unbehausten voll Schwermut fliegen & mit herzzerreissender Leichtigkeit stuerzen   Wir scheinen…

Tohub

  Drei Männlein singen in der Höhe Den gräßlichen Gesang: Hast de Wanzen, Lause, Flöhe, Wird die Zeit dir gar nicht lang.   Immer hast de was zu knacken, Es krabbelt hier und da. Darfst packen und darfst zwacken –…

Der ewige Hitlerjunge

  „Beuys’ Vorstellung von Politik als „sozialer Plastik“ ist patriarchal bis ins Mark. Seine Utopie einer „organischen“ Gesellschaft schlägt durch in einer Materialsemantik, die wenig demokratische Transparenz verrät. Die Gemeinschaft transfiguriert zu Filz, der Wärme bewahrt; ihre Kommunikation wirkt wie…

Selbstdiagnose

  Was wissen sie schon von meiner Erde dein im blauen Klitschbrei schwimmendes Stethoskop Doc und dein ResonanzmagnetkinoIch will dir mal was verraten Bin schon lange nicht mehr eineEllipse noch nicht mal ein Zelt auf vier Schildkrötenrücken einintaktes Etwas nein…

Jetzige Generation

  War es immer wie jetzt? Ich kann das Geschlecht nicht begreifen. Nur das Alter ist jung, ach! und die Jugend ist alt.     *** Der Homo ludens ist ein Erklärungsmodell, wonach der Mensch seine kulturellen Fähigkeiten vor allem über…

Metaphysisch hingerotzte Gedanken

    Mir gefällt das Kommunikative, die Musik des Rap und der Fluss der metaphysisch hingerotzten Gedanken, jedenfalls dann, wenn sie nicht vollkommen verlogen sind.       Weiterführend → Das erste Fazit von Ulrich Bergmann zur Twitteratur sieht eher…

So ist es. Ist es so?

Kommentar zur gegenwärtigen Situation der deutschsprachigen Lyrikszene Die deutschsprachige Lyrik boomt. Zahlreiche junge Talente und Zeitschriften, die ihnen eine Plattform für Gedichtveröffentlichungen und ein Forum für ausgiebige Debatten bieten, sind in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen.…

Gutenberg

    Die Grundlage für die Photoarbeiten bilden Schnappschüsse von Gebäudeteilen. Digital bearbeitet verwandeln sich die Motive in absurde Architekturen, deren Reiz in der skulpturalen Neuformulierung des real Vorgegebenen liegt. Die Titel der Arbeiten weisen auf die Straße hin, in…

Schreiben

  Formschönes Gehirnchaos nach automatischem Schreiben. Mit möglichem Ausweg.       Bereits nachdem Jack Dorsey den ersten Tweet am 21. März 2006 verschickt hatte, war Herrn Nipp klar, das hier etwas Neues entsteht. Von Herrn Nipp waren auf KUNO…

Dinge und Orte

  Mit den beharrlichen Arbeitern am Wort ist es nicht einfach. Zu sehr ist oft die prononcierte Anwesenheit des Schrillen, zumal, wenn es auch noch in unbedarfter Verpackung erscheint, eine Art späte ‚Blendungsgnade‘ für den im Niedergang begriffenen Kritiker­stand. Ein…

Zeit und Zeitbegriff

  Francisca Ricinski: Vor einiger Zeit lasen Sie im Arp-Museum von Rolandseck Fragmente aus Ihrem Roman „42“. Dieser Titel wurde in den Medien unterschiedlich gedeutet und mit einigen Werken in Verbindung gebracht, wo diese symbolträchtige Zahl auftaucht. Mir fällt spontan…

bennefiz

  sieh die sterne die fängeach das erhabene – du aber watestdurch die krebskranke trunkene flutwas schlimm ist: hier ist kein trostwo etüden schwerter halten ach das erhabene –es gibt nur ein begegnen im gedichteaber du? liest prosa!    …

Die Novelle

  Wie die Novelle in jedem Punkt ihres Seins und ihres Werdens neu und frappant sein muß, so sollte vielleicht das poetische Märchen und vorzüglich die Romanze unendlich bizarr sein; denn sie will nicht bloß die Fantasie interessieren, sondern auch…