Monat: September 2015

Grave [Mikado imperial]

  Ein Spiel, gedacht zur Entspannung Von Augen, Herz, Stimmung – Wer sich bewegt, gerät noch tiefer In die Schlingen hinein. Geh – und sieh dich nicht um, die nächste Hand, die nach dir greift, wird dich Erwischen, und du…

WAS SCHREIBEN – WAS TUN

  was schreiben – was tun das ist die frage jetzt und überhaupt nach all dem was geschehen ist inmitten von all dem was geschieht was schreiben – was tun mit der sprache dem wort ohne die sprache ohne das…

Atemnot

  Further reading → Das Werk von Angelika Janz erschließt sich nur dann richtig, wenn man die Verflechtung ihrer Bildgedanken mit der Dichtung versteht. Lesen Sie daher ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin.  

glans und gloria

    ach schicksalhaft fixiert auf fixe schicksen so rennst du bis an deine letzte grenze doch schlenzt du schon vom gipfel deiner lenze und musst verflixt die schicksten nixen tricksen   du musst gewinnrezepte feiler mixen lern feine lebensart…

Nichts als Worte?

Ein Plädoyer für Kleinsprachen Überlegungen zu einem Buch von Iso Camartin ,,Nichts als Worte?“ – so heißt der als Fragesatz provokant formulierte Titel eines Buches des schweizerisch-rätoromanischen Sprachwissenschaftlers Iso Camartin, geboren 1944, den seine Lehr- und Forschungsaufträge bis jetzt auch…

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  osijek   du stummes land eine nacht hat viele lichter zwischen banhof und bahnhof wenn wir halte stellen los   wenn wir halte stellen los lassen macht sich die stumme zeit auf zwischen bahnhof und bahnhof: kling ohr kling…

raumlose menge

  noch bleibt das niemandsland unaufgespürt meine augenblicke suchen nur bekannte augen fremdenführer bestreiken die rechtgläubigen   nehme mal wieder schweigend zur kenntnis flüchtige ausländer die anderen und mich in hohlräumen wispert das echo normal  bekannter   allgemeine leere lässt…

NeinQuarterly

Ich hasse Twitter! Es sollte verboten werden – mit einer Ausnahme: NEIN von Eric Jarosinski. Der einzige Grund, der Twitter rechtefertigt. Slavoj Žižek Eric Jarosinski ist ein Phänomen. Unter seiner Kunstfigur NeinQuarterly twittert er seit einigen Jahren Aphorismen in 140…

Die achte Elegie

  Mit allen Augen sieht die Kreatur das Offene. Nur unsre Augen sind wie umgekehrt und ganz um sie gestellt als Fallen, rings um ihren freien Ausgang. Was draußen ist, wir wissens aus des Tiers Antlitz allein; denn schon das frühe Kind…

ausblick

  liegt das buch in der stille der gruft meiner kammer wo eben noch der teller stand eint es beide in armut leg auch ich mich nieder steht teebraun die tasse über mir durchstößt mein blick die mauern geh ich…

verwunschene orte

  von andré schinkel, der vor allem durch seine lyrik bekannt wurde, auch zuallererst lyriker ist, und daneben bisher eher lyrische prosatexte veröffentlicht hat, erschien nun beim »Mitteldeutschen Verlag« der erste erzählband unterm titel »Das Licht auf der Mauer«. dieses…

wahnsinn

  im supermarkt dieses mädchen mit süßwaren lächeln dem ich reflexiv so ganz ohne schuld haftes zö gern auf die brüste glotze an diesem schwül heißen tag die orien tierung verliere qual voll gegen die fleisch theke stoße & schnell…

Lochfassade im Stahlskelett

  halbherzig den Traditionen misstrauen um sich fuer die Zukunft zu entscheiden der Œkonomie der Mittel folgt eine Formensprache stilvoller Umstandslosigkeit: die Textur des Urbanen wird lœchrig horizontale Betonrippen versorgen den Tower mit indirektem Tageslicht = die strenge Anmut des…

Disco this way, this go that way

Flarf-Poetry: Das bedeutet „Googles Werk und Autors Beitrag“. FAZ Vor einiger Zeit lancierte KUNO die These „Remixen ist auch eine Autorenangelegenheit“. Einen Remix zu basteln ist in der Popmusik gang und gebe. Stephan Flommersfeld hat das Selbe mit der Letternmusik…

Gedichte / Lichtbilder

  Was passiert, wenn eine renommierte Lyrikerin und Schriftstellerin, im mittelsächsischen Burgstädt 1959 geboren, seit über zwanzig Jahren in Duisburg lebend, zum ersten Mal im Frühjahr 2014 für einige Wochen in Istanbul, in einer für sie fremden urbanen Kultur, weilt?…

Schreibe barbarisch!

Sprechen oder Schreiben ist ein Bemühen um größeres Welt-Verständnis. Wer beschreiben kann, begreift, und umgekehrt. Literarisches, dichterisches Beschreiben ist, im Unterschied zum wissenschaftlichen, der Subjektivität geöffnet, ja verpflichtet, und im Bewusstsein gelassener, anders kontrollierter Subjektivität muss dann das Bezeichnete im…

Abwechslungsreicher Wellenritt

Vorbemerkung der Redaktion: Der Herausgeber Axel Kutsch tritt mit den einführenden Worten hinter die ausgewählten Gedichte zurück, schreibt unaufdringlich und sparsam, der Ton ist leise, vorsichtig, dabei klar beim Plädoyer für die grundsätzliche Offenheit beim möglichst vorurteilsfreien Blick in alle Richtungen,…

O.T.

  lyrik ist letztendlich auch keine lösung da kannst du gegen florale metaphern ankämpfen wie gegen kopfkissensprüche und bionadetrinker die unschärfe die du an ihnen siehst ist womöglich ergebnis einer eigenen hornhautverkrümmung   *** Maik Lipperts Gedichte nehmen konkreten Bezug…

Die Saison geht zu Ende

  Ein Gartenrestaurant. Stille, kaum Wind in den letzten Blättern. Ein Lastwagen fährt vorbei.   Stimmen von weit her ohne Körper. Stühle, in Ketten gelegt unter einer Eiche. Daneben Hundekot und eine Regenpfütze.   Querdurch eine Fahrradspur vom Gartentor zur…

IKARUS FÄHRT OMNIBUS

  Ikarus fährt Omnibus. Fragt ein Kind den Ikarus: Warum fährst du Omnibus? Fliegt denn nicht der Ikarus?   Mit dem Fliegen ist jetzt Schluß. Daß ich nicht mehr fallen muß, darum fahr ich Omnibus, sagt zum Kind der Ikarus.…

Untote

Alles in allem ist der Zombie eine billige und todsichere Denkfigur. Da wir das Leid der Welt nicht abwenden, da wir nicht retten und handeln, da wir sogar, ziemlich unbehelligt von fremdem Unglück, unseren Komfort genießen, sind wir selbst Unrührbare,…

Begegnungen und Augenblicke

Das erste Gedicht, das ich in meinem Leben vielleicht gehört habe, war der Auszählreim „Eins, zwei, drei – und du bist frei!“ Im Lauf meines bisherigen Lebens – und das gilt auch sicher noch für das mir verbleibende – habe…

Orte 3. Siegburger Regen: trist mit Kriegerdenkmal.

1071: Erzbischof Anno (der mit dem Lied) baut Stadt und Abtei — jetzt sieht `s aus wie der Ort Überall — an einem Sonntag, den Regen besprüht… Etwas gemahnt an Kindheit, d. h. Provinz, d. h. Nachmittage, deren Ereignislosigkeit tief…

Von leeren Blättern und gefüllten Tagen

  …„Der ungeschriebene Text bleibt mein Eigentum. Die Bestätigung nur, dass mein größtes Ausdrucksmittel mein Schweigen ist“. Dies ist – um einen etwas altmodischen Begriff zu strapazieren – das Credo des Gesanges. „Ich schreibe, / also bin ich“ betitelt Berndt…

Andeutungen

  Vielleicht blüht die Orchidee immer dann wenn du dich einem Höhepunkt näherst.   Der Gedanke an Zimtreis streift dich als du unter der Weide gehst im Wind liegt der Duft deines ersten Füllfederhalters.   Du nennst eine Stadt eine…

Der Völkermord an den Armeniern

 In der Türkei werden die Geschehnisse von 1915–1917 als Ermeni soykırımı iddiaları („Behauptungen über den Völkermord an den Armeniern“) oder als sözde Ermeni soykırımı („Angeblicher Völkermord an den Armeniern“) bezeichnet. Mit dem Erlass № 2007/18 des Ministerpräsidialamts der Türkei ist…

NR. 13

Treize – j’eus un plaisir cruel de m’arrêter sur ce nombre. Marcel Proust   Le reploiement vierge du livre, encore, prête à un sacrifice dont saigna la tranche rouge des anciens tomes; l’introduction d’une arme, ou coupe-papier, pour établir la…

regel gerächt

  mit friedensangeboten handeln sie die unzerstört offenbar zu kostspielig in bereits vergebenen revieren warten   rechts freiheit im krisengebiet verspricht geschäftserfolge bei vernichtung der konkurrenten   nach gefallenen und zivilopfern rohstoffen und gebietseinnahmen bemessen sich ihre blutigen siege  …

Traum des Bösen

  Verhallend eines Gongs braungoldne Klänge – Ein Liebender erwacht in schwarzen Zimmern Die Wang‘ an Flammen, die im Fenster flimmern. Am Strome blitzen Segel, Masten, Stränge. Ein Mönch, ein schwangres Weib dort im Gedränge. Guitarren klimpern, rote Kittel schimmern.…

„Inter faeces and urinam nascimur“?

„Zwischen Fäkalien und Urin erblicken wir das Licht der Welt?“ Seit den frühen Anfängen und zutiefst im Gegensatz zu diesem Satz des heiligen Augustinus kreiert die Fotografie Familiendarstellungen als Grundstein der Volkswirtschaft unseres 21. Jahrhunderts. Nach mehr als 200 Jahren…

Trauminterpretation

traum du sagst dein traum war leer und doch – den träumen malen die fahlen räume des realen aus schwerem schaum ein meer du trägst nur das versäumte des lebens in den schlaf in jedem traum der dich nicht traf…