Monat: Mai 2005

Spiegelspind

      Weiterführend → Mehr über die Hungertuchpreisträgerin Katja Butt.

Sieben Gedichte IV

  Schwindende, du kennst die Türme nicht. Doch nun sollst du einen Turm gewahren mit dem wunderbaren Raum in dir. Verschließ dein Angesicht. Aufgerichtet hast du ihn ahnungslos mit Blick und Wink und Wendung. Plötzlich starrt er von Vollendung, und…

EMPÖRT EUCH

  die Silberfische im Badhaben nicht von der Krise profitiertZahnzwischenräume akquirierenihre eigenen Seidenstraßenfreiberufliche Tintenkleckstänzerapportieren mundgerechte Stäbchen Empört euchunverschämte GaleriesoldatenKupferdiebe BankomatenbandenAnstandsverächter auf HosenbeinenSpezialisten für Libellenpflegeund Wohlstandsmarken sortierenWählerströme Hehlerwareextrahieren Auslaufmodelleund kalkulierte Autodromgefahren Empört euchüber Gartenzwergbartfrisöreich-kannn-es-nicht-ändern-WälderGitternetze in Mehrzweckzonenangesagte WadenmaßeFlüsterkontrollen und Gesichtsmassagenfarbgerechte Vorhofakrobatengottesweise KondomquerulantenZierfischbegrüßer…

Die Beiden

  Du gehörst mir, du mir. Du bist dabei, du aber wieder ganz nah. Der bricht mich, der mich vernäht, und der andre gehört sich zu spät. Die Zubrotarbeit patroullierte. Im Überschwenken: verlier dich, und das Kontrollierte geschah: ganz frei.…

Dienstfertig

  lass mich Dir an die Hand gehen Dein Leibeigener sein alle Arbeiten beflissen verrichten Deine Demuetigungen durch Demut ertragen die Liebe mit Leistung zu ver dienen als Antonym   Wir lassen zeichnen machen einen guten Schnitt der Nutzen fuer…

zwischenzeiten

  manchmal ist alles lauwarm mein schrei heiser die zunge belegt und der märzschnee noch grauer matsch   manchmal klopft mein herz dumpf gegen halbvolle lungenflügel und abenteuer finden ausschließlich im fernsehen statt   manchmal ist leidenschaft jugendsünde und vernunft…

vogelhaus

  vorne amsel rein hinten amsel raus vogelhaus vorne meise rein hinten meise raus vogelhaus vorne sperling rein hinten sperling raus vogelhaus vorne futter rein hinten futter raus vogelhaus     *** Weiterführend → Über die Qualität von Andreas Noga als…

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steigst du Sonne im Gold zerfallen dir Flügel Gesichter verbrennt zu Schönem die Liebe und in dir die Leere vergraben früher flog ich von Leiter zu Leiter doch nein seine Namen nennt man nicht *** Weiterführend → Ein Porträt von…

Wir gehen wie zur Frühlingsstunde

  Die gelbe Sonnenblumenschar schaut über lange Zäune, Und letzter Scharlachmohn beleuchtet rot die Ackerbräune. Unter den Bäumen bei der nassen Straß‘ Liegen die Zwetschgen blau im grünspangrünen Gras. Ein gilbend Stoppelfeld daneben tot im Abend ruht, Und fern in…

Blicke mir nicht in die Lieder

  Blicke mir nicht in die Lieder! Meine Augen schlag‘ ich nieder, Wie ertappt auf boeser Tat. Selber darf ich nicht getrauen, Ihrem Wachsen zuzuschauen. Deine Neugier ist Verrat! Bienen, wenn sie Zellen bauen, Lassen auch nicht zu sich schauen,…

Kopf in Fernsprache

  Wenn du irgendwo unsichtbar versteckt dir im Traum etwas zurufst zurufst etwas das du lange vergessen hast und bittest dich wenn du später sichtbar versteckt entdeckt wirst darüber zu schweigen     Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das…

Transformationstiegel

  Truemmer des Gewissens sind verstreut in die Nacht des Unbewussten & letztlich verschmissen worden   Elementarteile lassen das schlaflose Individuum in einer Welt der Schein–Heiligkeit & Phantasmen einen Vergænglichkeitstrotz leben   Symbole einer traumverlorenen Weltenferne fuehren zur Selbstauslœschung geometrische…

wave along the shores

    radio, radio musik und sommer ab donnerstag, über die bühne, crazy, crazy, blue, third-light, london-northern, long way es gibt noch weitere (neuigkeiten) wie scheinwerfer hier und tanz, festival und rythmus, are bees getting dementia? fragt louisianna internetstream, wer…

Fegefeuer, Flamme sieben

SECHS VERSE SUCHEN EINEN AUTOR Das Dichten fällt mir diesmal schwer. Drum muß ein andrer Dichter her. Sechs Verse sollen es nur sein. Mir fallen leider keine ein. So suchen sie, damit was bleibt, den Autor, der sie niederschreibt. Axel…

Morgens

  Ein starker Wind sprang empor. Öffnet des eisernen Himmels blutende Tore. Schlägt an die Türme. Hellklingend laut geschmeidig über die eherne Ebene der Stadt. Die Morgensonne rußig. Auf Dämmen donnern Züge. Durch Wolken pflügen goldne Engelpflüge. Starker Wind über…

ABEND IM MAI

  gegen abend das seidige licht   der süße dufter blühten fliedersgrün leuchtende kastanienblätter   dieses aufatmen über die zeit hinaus   die zärtlichkeiten wortlos im dunkeln   als wäre die liebe noch dort wo du bist       Weiterführend…

Out Of This World

  Tot und im Herzen zerlumpt bin ich und jetzt schon –Aber meine Zeit kommt, sagen die Freunde:Der Atem der Städte, wenn er angehalten ist:Einst wird er dir gehören, sagen sie oder der eine,Dem noch nicht auffiel, daß ich ein…

in einem kühlen grunde

  die mühle klappertmit den zähnenweiß von mehldarin ein ringverloren gingverborgen bliebso ist die lieb klippklapp     *** Aus: Nacht Schicht, Edition YE 2004 Über die Qualität von Andreas Noga als Lyriker und Performer lesen sie hier. – Poesie…

Heimlichkeit

  Das Horchen spricht Gluten klammen Schauer schielen Blut seufzt auf Dein Knie lehnt still Die heißen Ströme Brausen Heiß Zu Meere Und Unsere Seelen Rauschen Ein In Sich.     *** August Stramms Stil war überraschend und neu. Durch…

Das Hungertuch für Holger Benkel

Holger Benkel aus Schönebeck an der Elbe erhält in Anerkennung seines lyrischen Werks das Hungertuch für Literatur 2005 Holger Benkel verfügt über kulturelle Deutungsmuster und Übersetzungsmöglichkeiten, die anderen fehlen. Seine Biographie erscheint als Zwischenexistenz, als interkulturelle Existenz, aber sie dient…

Kollegengespräche · Revisited

Vorbemerkung der Redaktion: Für das Projekt Kollegengespräche hat A.J. Weigoni einen Austausch zwischen Schriftstellern angeregt. Auf KUNO ist diese Reihe wieder aufgelebt, daher bringen wir gern den Austausch zwischen Arletta Szmorhun und Peter Paul Wiplinger. Szmorhun: In vielen Gedichten unterziehen Sie die…

Tag der Befreiung

  Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.     *** Das vorangegangene Zitat  von Richard von Weizsäcker stammt aus der Rede am 8. Mai 1985 vor…

Nachts

  werde ich sanft. Meine Wut ruht in der Ecke wie eine gefallene Krücke. Nachts werde ich Kind. Ein Froschführt mich bis an den Rand des Märchens. Nachts über-flutet das Meer mich. Weinberge dringen in mich ein.Nachts hab ich Zeit…

Der Purzelbaum

  Ein Purzelbaum trat vor mich hin und sagte: „Du nur siehst mich und weißt, was für ein Baum ich bin: Ich schieße nicht, man schießt mich.   Und trag ich Frucht? Ich glaube kaum; auch bin ich nicht verwurzelt.…

Wider ein Meisterwerk

  Gäbe es einen deutschen Konservativismus, der auf sich hält, in diesem Buche müßte er seine magna charta erblicken. Seit achtzig Jahren gibt es keinen mehr. Und so sind wir vermutlich der Wahrheit nicht fern mit der Annahme, daß Kommerell…

Hundemoden

  In den achtziger Jahren hatte man noch Promenadenmischungen, weil man erkannt hatte, dass diese wesentlich weniger krankheitsanfällig ausfielen als eine überzüchtete Rasse. Keine Hautausschläge und Beckenprobleme, keine blutenden Ohren und auch die Pfoten hatten dicke Sohlen. Plötzlich waren Deutsche…

exotik

  nachdem sie mich erst anschwärzten zogen sie mich dann durch den kakao um mir schließlich weiß machen zu wollen es sei vollkommen unangebracht-schwarz zu sehen     *** blues in Schwarzweiß, Gedichte von May Ayim. Orlanda Frauenverlag, Berlin May…

Nachmieter für den Olymp

  Peter Ettl hat Griechenland über mehrere Jahre bereist. In dieser kritisch-heiteren Liebeserklärung an das Festland und die Insel Kreta erfährt der Leser Köstliches, Erstaunliches, gar Unglaubliches über Land und Leute. Ein Buch, das nachdenklich ist, das aber auch Mut…

Notizen zu einem deutschen Dichter

LITERATUR UND TOD d literatur, des wisz joist a gaunz a diaffs grobwo kaana drin waasob a jemoes a r aufaschdehung hod Ernst Jandl Sonntagnachmittag, 3. April 2005. Übermütiger Sonnenschein schon den ganzen Tag. Ich bin erschöpft von einem Spaziergang…