Monat: Mai 2005

Sieben Gedichte IV

  Schwindende, du kennst die Türme nicht. Doch nun sollst du einen Turm gewahren mit dem wunderbaren Raum in dir. Verschließ dein Angesicht. Aufgerichtet hast du ihn ahnungslos mit Blick und Wink und Wendung. Plötzlich starrt er von Vollendung, und…

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steigst du Sonne im Gold zerfallen dir Flügel Gesichter verbrennt zu Schönem die Liebe und in dir die Leere vergraben früher flog ich von Leiter zu Leiter doch nein seine Namen nennt man nicht *** Weiterführend → Ein Porträt von…

Die Beiden

  Du gehörst mir, du mir. Du bist dabei, du aber wieder ganz nah. Der bricht mich, der mich vernäht, und der andre gehört sich zu spät. Die Zubrotarbeit patroullierte. Im Überschwenken: verlier dich, und das Kontrollierte geschah: ganz frei.…

Wir gehen wie zur Frühlingsstunde

  Die gelbe Sonnenblumenschar schaut über lange Zäune, Und letzter Scharlachmohn beleuchtet rot die Ackerbräune. Unter den Bäumen bei der nassen Straß‘ Liegen die Zwetschgen blau im grünspangrünen Gras. Ein gilbend Stoppelfeld daneben tot im Abend ruht, Und fern in…

Transformationstiegel

  Truemmer des Gewissens sind verstreut in die Nacht des Unbewussten & letztlich verschmissen worden   Elementarteile lassen das schlaflose Individuum in einer Welt der Schein–Heiligkeit & Phantasmen einen Vergænglichkeitstrotz leben   Symbole einer traumverlorenen Weltenferne fuehren zur Selbstauslœschung geometrische…

Morgens

  Ein starker Wind sprang empor. Öffnet des eisernen Himmels blutende Tore. Schlägt an die Türme. Hellklingend laut geschmeidig über die eherne Ebene der Stadt. Die Morgensonne rußig. Auf Dämmen donnern Züge. Durch Wolken pflügen goldne Engelpflüge. Starker Wind über…

ABEND IM MAI

  gegen abend das seidige licht   der süße dufter blühten fliedersgrün leuchtende kastanienblätter   dieses aufatmen über die zeit hinaus   die zärtlichkeiten wortlos im dunkeln   als wäre die liebe noch dort wo du bist       Weiterführend…

in einem kühlen grunde

  die mühle klappertmit den zähnenweiß von mehldarin ein ringverloren gingverborgen bliebso ist die lieb klippklapp     *** Aus: Nacht Schicht, Edition YE 2004 Über die Qualität von Andreas Noga als Lyriker und Performer lesen sie hier. – Poesie…

Heimlichkeit

  Das Horchen spricht Gluten klammen Schauer schielen Blut seufzt auf Dein Knie lehnt still Die heißen Ströme Brausen Heiß Zu Meere Und Unsere Seelen Rauschen Ein In Sich.     *** August Stramms Stil war überraschend und neu. Durch…

Das Hungertuch für Holger Benkel

Holger Benkel aus Schönebeck an der Elbe erhält in Anerkennung seines lyrischen Werks das Hungertuch für Literatur 2005 Holger Benkel verfügt über kulturelle Deutungsmuster und Übersetzungsmöglichkeiten, die anderen fehlen. Seine Biographie erscheint als Zwischenexistenz, als interkulturelle Existenz, aber sie dient…

Der Purzelbaum

  Ein Purzelbaum trat vor mich hin und sagte: „Du nur siehst mich und weißt, was für ein Baum ich bin: Ich schieße nicht, man schießt mich.   Und trag ich Frucht? Ich glaube kaum; auch bin ich nicht verwurzelt.…

Wider ein Meisterwerk

  Gäbe es einen deutschen Konservativismus, der auf sich hält, in diesem Buche müßte er seine magna charta erblicken. Seit achtzig Jahren gibt es keinen mehr. Und so sind wir vermutlich der Wahrheit nicht fern mit der Annahme, daß Kommerell…

Hundemoden

  In den achtziger Jahren hatte man noch Promenadenmischungen, weil man erkannt hatte, dass diese wesentlich weniger krankheitsanfällig ausfielen als eine überzüchtete Rasse. Keine Hautausschläge und Beckenprobleme, keine blutenden Ohren und auch die Pfoten hatten dicke Sohlen. Plötzlich waren Deutsche…

Spiegelspind

      Weiterführend → Mehr über die Hungertuchpreisträgerin Katja Butt.

Nachmieter für den Olymp

  Peter Ettl hat Griechenland über mehrere Jahre bereist. In dieser kritisch-heiteren Liebeserklärung an das Festland und die Insel Kreta erfährt der Leser Köstliches, Erstaunliches, gar Unglaubliches über Land und Leute. Ein Buch, das nachdenklich ist, das aber auch Mut…

Notizen zu einem deutschen Dichter

LITERATUR UND TOD d literatur, des wisz jo ist a gaunz a diaffs grob wo kaana drin waas ob a jemoes a r aufaschdehung hod Ernst Jandl Sonntagnachmittag, 3. April 2005. Übermütiger Sonnenschein schon den ganzen Tag. Ich bin erschöpft…