Monat: Juli 2006

GERONNEN

ersetzt die gerade linie im beton die wurzeln wachsen hohl aus fundamenten steingeschwüre in den schößen der stadt stehn brüchig die statuen auf den sockeln erstarrte feuer der geburt erkalten weiter kopf und glied verbrennt zum frost der ruf der…

Über Deutschland, von Heine

  Im Dienste der Wahrheit genügt es nicht, Geist zu zeigen, man muß auch Mut zeigen.       *** Der in der Schwebe gelassene Sinn, die Produktion von Ambiguität – was für Roland Barthes Brecht im Theater geleistet hat,…

Vierzehnt

Weiterführend → Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer Annäherung…

Edition Thaleia

Im saarländischen St. Ingbert ist die kleine Gruppe von Menschen ansässig, die vor einigen Jahren die Edition Thaleia gründete, in der in regelmäßigen Abständen eine Reihe von Lyrikbänden pro Jahr erscheint. Man ist keineswegs auf regionale Autoren beschränkt, wie das…

Augenblicksaffekte

  Mittels: einer stillen Geste der KonZENtration starten in das Begehren der Ich–Losigkeit mit einer Biographiemaschine den Ort fuer private + politische Obsessionen ausleuchten & mit Lebens–Untuechtigkeit autorisieren fremdartiges Dasein beziehungslos in der Entrueckung belassen sich in Abgeschiedenheit der Vorhersagekunst…

Bayreuther Festspiele 2006

  Bayreuth wird im Sommer zu einem Disneyland für ,alte Kultur’, das einer Minderheit für kurze Zeit das Gefühl gibt, in der Mehrheit zu sein. Alex Ross   *** Die KUNO-Redaktion empfiehlt: Der kleine Wagnerianer: Zehn Lektionen für Anfänger und…

Mehr Zeit

  Während die einen schon ihren Arbeitsauftrag beendet haben, sich zufrieden zurücklehnen und die Hände in entspannter Gebetshaltung über den Bäuchen verknotet haben, kommen die Anderen nicht zum Schluss. Nein, sie haben noch nicht einmal richtig angefangen. Die suchen zunächst…

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Vögel ziehen Wolken auf als Vorhänge wo Wasser sich ausrichtet über die Himmel zurück gehen in der Nachbarschaft des Regenbogens *** Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der Frage nach, wie das…

Die Geschichte

  Die Geschichte rechtfertigt, was immer man will. Sie lehrt schlechterdings nichts, denn es gibt nichts, was sich mit ihr nicht beweisen ließe. Paul Valéry       Paul Valéry war auf der Suche nach dem reinen Geist. Zu Lebzeiten…

Einstellung

  gut dann, verlængern wir die Probezeit bedingungslos nicht aber mehr: besinnungslos   das Wort wird im Mund zu Fleisch Engelszungen schnalzen Zischlaute durch Zahnluecken missverstændliche Urlaute   verwechseln wir das Geheimnis nicht mit dem Unverstændlichen das Rætsel kann weder…

Höchste Lust

  Rudnikow, der Seelenwanderer, nahm den weiten Weg nach Moskau auf sich, um endlich die Oper zu hören, die den Westen als Abendland definiert: Tristan. Auf einer Bühne unaufführbar, dachte Rudnikow, als der Zug Moskau erreichte und im Kasaner Bahnhof…

Korrekt

  Deutsch kann man nicht korrekt schreiben, man schreibt individuell oder man schreibt schon schlecht.       Weiterführend → → Ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur, → Hugo von Hofmannsthal über Gedichte. → Poesie zählt für KUNO weiterhin zu den identitäts- und…

die Entscheidung, wohin ich die Schritte lenken will

  Wenn ich aus dem Hause trete, um spazieren zu gehen, und die Entscheidung, wohin ich die Schritte lenken will, meinem inneren Trieb überlasse, so finde ich – es mag absonderlich und grillenhaft erscheinen –, daß ich schließlich unfehlbar gegen…

Der Blick um die Zeit-Ecke

    Der Blick um die Zeit-Ecke ist noch weniger durchführbar als der um die Raum-Ecke; Zeitperiskope sind noch nicht erfunden. Günther Anders       Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur.

Aufzeichnungen nach 2000 (2)

Zu meiner Aufzeichnung über jene vier Damen, die in der Fonda­tion Beyeler in Riehen stundenlang vor Claude Monets Seerosen verharr­ten, finde ich heute bei Jules Renard eine Begründung, die ich früher wohl übersehen habe und die meine spöttische Beo­bachtung auf…

Giselheer dem Tiger

  Über dein Gesicht schleichen die Dschungeln. O, wie du bist!   Deine Tigeraugen sind süß geworden In der Sonne.   Ich trag dich immer herum Zwischen meinen Zähnen.   Du mein Indianerbuch Wild West, Siouxhäuptling!   Im Zwielicht schmachte…

LIED DER POLNISCHEN FRAUEN

  Zwei teilen’s schlangestehn die dritte geht zur stadt Die geht nach broten sehn Die macht die brüder satt die fleisch gewinnt oft für das kind nur ‘n rest von pulvermilch noch hat Was mit den funktionären? sie halten sich…

Einen Ort fixieren

  Das Einfache zum Beispiel, eine Ebene mit dem Beweggrund unter den Füßen. Einen Ort fixieren, aus gegenwärtiger Sicht beim Stehen. Dass sich das Land für dich dreht, beim Geradeausgehen dreht, dass der Ort ein Trugort war, der Ausgangsort.  …

Von der Liebe zur Wahrheit

  Es war kurz vor Sommer in diesem Jahr 2006, als ich Bert Papenfuß fragte, ob ich wieder mal in seinem Kaffee Burger lesen könnte. Meine Performances in Berlin waren stets ne Belebung für viele, und Bert hätte mich gerne…

Blick

  Was passiert, wenn sich der Blick vom Auge entfernt?     Bereits nachdem Jack Dorsey den ersten Tweet am 21. März 2006 verschickt hatte, war Herrn Nipp klar, das hier etwas Neues entsteht. Von Herrn Nipp waren auf KUNO…

Die Gier nach Büchern

  Zweifellos ist in mir die Gier nach Büchern. Nicht eigentlich sie zu besitzen oder zu lesen, als vielmehr sie zu sehen, mich in der Auslage eines Buchhändlers von ihrem Bestand zu überzeugen.     *** Franz Kafka neigte zu…

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  Flügel des Morgens: aufsteigen     *** Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der Frage nach, wie das Schreiben durch das schreibende Analysieren gebrochen wird. Vertiefend zur Lektüre empfohlen,…

Pronominale Neurosen

  Das Fundament ist gelegt. Ich muss funktionieren. Der materielle Modus meiner Existenz  widerlegt mein kontraproduktives Sträuben gegen den Wahnsinn der Sozietät. Ich lese französische Philosophie, um drei Formen von Freiheit zu begreifen und verifiziere gerade die komplizierteste durch praktisches…