Monat: Juni 2014

Der Schwebezustand der Poesie

Literatur, die sich nicht mehr auf die Seiten eines Buches bannen läßt… ORF 1991   Der Rock-n-Roll ist das Leitmotiv für den Ausbruchsversuch. Viel wurde in den letzten Jahren über Popliteratur geschrieben, Widersprüche durchziehen dabei Selbstverortungen. Die Referenzpunkte sind durchsetzt…

Touch Down

Einem der gefürchtetsten Quarterbacks der Yellow Tigers unterlief, als sein Team unter allen Umständen den Sieg zum Klassenerhalt benötigte, der eklatante Irrtum, dass er, weil er den Ball in einem Knäuel von sieben Kämpfern vermutete, blindlings mit beiden Armen, Form…

Im Kino gewesen. Geweint.

‚Privatleben‘ ist nichts anderes als jene Sphäre von Raum, von Zeit, wo ich kein Bild, kein Objekt bin. Verteidigen muss ich mein politisches Recht, Subjekt zu sein. Roland Barthes Ein Kindermädchen macht ihr Leben lang mit ihrer Roleiflex großartige Porträtphotos,…

klapp figur einer twitteratur

zirpt so zwittrig gegen die queen bestätigt sie wieder durch die dialektik der dekonstruktion werden wirklichkeiten betätigt aber wie lang   schwarzblende, sternenbalance.       ***   Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten…

Sternverdunkelung, n’ach wo orte?

  Lunatics. An Vollmond tritt die Queen of the Biomacht mit ironischer Präzision aus dem historischen und biologischen Zusammenhang in Fragmenten menschlicher Wirklichkeit hervor. Schwarzblende       ***   Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In…

Gedanken, die um Ecken biegen

  am ende wird die kunst nur noch ein schimmelpilz in den unaufgeräumten ecken einer technologisch bereinigten welt sein.   *** Der in der Schwebe gelassene Sinn, die Produktion von Ambiguität – was für Roland Barthes Brecht im Theater geleistet…

Aufzeichnungen eines Abgeschriebenen

Er empfiehlt sich mit Lyrik und wird zu Prosa ermutigt. Dieter Wellershoff erkennt das Talent, die Kritik nimmt Witterung auf. Anfang der 1960er Jahre erscheint Rolf Dieter Brinkmann „als Benjamin einer Gruppe“, da lebt er in Köln und studiert Pädagogik.…

Wer hat Angst vor RDB?

Ein gelber schmutziger Himmel, ein gelber schmutziger Himmel ein gelber schmutziger Himmel, ein mieser gelber dreckiger, schmutziger Kölner Himmel, ein mieser Himmel, ein verdammter Scheißdreck von Himmel, ein mieser gelber schmutziger Kölner verfluchter elender Kackhimmel, ein von Lichtfetzen verkackter Himmel.…

Axel Kutsch, Herausgeber

Seit 1983 gibt Axel Kutsch Jahr für Jahr Lyrikantholo­gien heraus, die in ihrer Gesamtheit die Bandbreite der Lyrik im deutschen Sprach­raum vermitteln und jeweils umfassende Ein­blicke in das vielge­staltige zeitgenössische Lyrikschaffen der Jahre vor und nach 2000 ermöglichen. Der Eindruck,…

Axel Kutsch, Lyriker

Vorläufiges lautet, betont schlicht und einfach, der Titel jenes ersten Bändchens, dem bislang, wir schreiben das Jahr 2014, in dem Axel Kutsch, wenn ich richtig rechne, 69 wird, 69 – eine rundum runde Zahl, eine Zahl zum Lieben schön, zehn…

Matrix · Reloaded

Matrix ist der europäischen Idee verpflichtet. Sie will einem deutschsprachigen Publikum die vielfältigen Möglichkeiten von Kultur, Sprache und Literatur des europäischen Kontinents nahebringen. Sie ermöglicht Literaten und Künstlern aus ganz Europa, einander näher kennen zu lernen. Traian Pop Die Literaturzeitschrift…

post moderne:

    kristallkranich aus tetraedern geformt bin ich diese fledermaus die aus milchpackungen gezogen wurde: ohne   worte       ***   Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der…

Popmoderne

    Anything goes / got the blues / Anything goes / got new shoes / Anything goes / Nothing works¡       ***   Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum…

Pulp-Poesie

Ist in einem völlig ausdifferenzierten Literaturbetrieb noch eine Überraschung möglich? Zuweilen schon. Klicken Sie auf das unabhängige Audioportal Buchsurfer, das nach nach einer Idee von Thorsten Schäfer gestartet worden ist. Auf diesem Portal finden Sie knackig kurze Buchtips, die in…

Fragment Heimat

Vorbemerkung der Redaktion: Von der Kostbarkeit des geschriebenen Wortes und der Bücher haben die Menschen stets gewusst. Für die Buchtradition bedeutete das letzte Jahrhundert allerdings eine einschneidende Zäsur. Künstler– Maler– oder eben Künstlerbücher findet man nicht in einem Supermarkt für…

Eine Inquisition für Lyriker

Wer seinen Ton gefunden hat, fängt an, sich selbst zu kopieren. Elke Erb Es wäre zu wünschen, wenn sich im deutschen Literaturbetrieb mal jemand ähnlich apodiktisch melden würde wie Jeremy Paxmann. Der Reporter Adam Kirsch berichtet in The New Republic…

Stein

»Man ist auch nicht von Stein!« – das ist ganz gut. Ich hätte aber hinzufügen sollen: ebenso wenig ist man ein Engel! – ich wünschte, wir wären’s! – Nein, – wir sind Menschen, umkleidet mit einem Leibe und regiert von…

Sein in der Timeline

Twitter zwischen Zwang und Demokratie   Twitter – einhundertvierzig Zeichen. Das ist wenig, zwingt zur Kürze und dazu, auf den Punkt zu kommen, könnte man meinen. Nämlich bis zu diesem hier. Eventuell bedeutet die Restriktion aber auch den Kniefall vor…

Hochzerstörerisches Temperament

  Forcierte Rotzigkeit trifft auf emotionale Verkapptheit. Die Stigmatisierung durch Branding und Piercing ist eine aktuelle Form des autoerotischen Narzissmus, die genoptimierte, knitterfreie Queen of the Biomacht bleibt die grosse Utopie im präformierten Menschenpark.       ***   Weiterführend…

zweifelkind:

  malmende gedanken malen sprechblasen gegen die angst.   (geh endlich dankn, dass du bist.)       ***   Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der Frage nach, wie…

No sports!

Natürlich ist Sport auch ein literarisches Thema. Aber woran liegt es, dass es offenbar wenige wirklich starke Dichtungen mit Sport als primärem Aspekt gibt? Auffällig ist, dass ernste Sport-Lyrik überhaupt nicht existiert (mir fallen die absurden und spielerischen Sportgedichte Ringelnatz’…

Twitteratur II

  Wahre Schönheit kommt von innen. Leider setzt sie sich oft nicht nach außen durch. *** Anmerkung der der Redaktion: Gerne verweisen wir in diesem Zusammenhang noch einmal auf den Vorruhestandswahn, von Karl Feldkamp. Lesen Sie auch seine glossierende Anmerkung über Twitteratur: Kurz…

Retweets, Hashtags, Follower

Vorbemerkung der Redaktion: KUNO freut sich, im Rahmen des Schwerpunkts Twitteratur ‚Digitale Kürzestschreibweisen‘ von Jan Drees und Sandra Anika Meyer vorstellen zu können: Die Geschichte von Twitter begann im Jahre 2006 in San Francisco bei der Firma Odeo dank der…

Wegbeschreibung

Auf dem Weg zu Gott hielten wir bei McDonald’s und stopften uns voll mit Hamburgern, die wie gepreßte Scheiße aussahen. Später ließen wir die Postmoderne links liegen und fädelten uns in den Strukturalismus ein. Auch dort fanden wir nicht das,…

Er hat noch ein Cover in Berlin

Das waren sehr wichtige Jahre. Es war in so vielerlei Hinsicht sehr befreiend für mich, in Berlin zu leben.   Bereits seit einiger Zeit musealisiert sich die Pop-Musik. Im Rahmen ihrer Selbstkanonisierung führten die Kraftwerker ihre acht elektronischen Alben in…

Kunst im öffentlichen Raum

Ein Bild gibt uns das Gefühl, die ganze Welt in den Händen zu halten. Fotos sind Dokumente des Augenblicks, des Lebens, der Geschichte. Die Fotografie verwandelt die Welt in ein ewig fortbestehendes Angebot, aus der Wirklichkeit in das Reich der…

Operation Overlord

Leben, sterben, wiederholen. Und jährlich grüßt das Jubiläum: Zum Jahrestag der Landung der Allierten in der Normandie denkt Andreas Kilb in der FAZ über das Verhältnis von Bild, Erinnerung und Geschichte nach. Im Beginn von Steven Spielbergs Film Saving Private…

Tanzen \ stanzen

  Ratatta–tschnatta. Auf dem Danceflour trifft unverwechselbare Kaltblütigkeit auf eine bestialische Intelligenz. Der Totentanz des Barock findet im 21. Jotthades seine Entsprechung in einem Tango der toten Seelen.       ***   Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer…

Zerbrochen tanzen,

tanzend brechen: torn. Dornen tanzen bis man offen ist: broken glass.       ***   Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der Frage nach, wie das Schreiben durch das…

Der Körper, mein Feind

Pfähle aus morschem Holz versinken im graublauen Wasser, das sich im diffusen Tageslicht irgendwo am nebligen Horizont verliert – sinnfälliger kann ein Blinder Übergang wohl kaum dargestellt werden. Es sind Titel und Cover von Gisela Hemaus 2013 erschienenem, nunmehr sechstem…

Herzschläger

  Der Ostbahnhof hieß Hauptbahnhof Die Landsberger war Leninallee „Zwei Jahre Bautzen“, sagt einer. „Aber hat mir dit jeschadet?“ „Da war einer“, sagt einer, „der hat sich die Knöpfe direkt an die Haut genäht.“   Der war Herzschläger Der stand…

Copy and Waste

Nachdem der Tod des Rock’n’Roll, der mit dem letzten Auftritt 1978 der Sex Pistols in Texas zusammenfiel, ist Pop zombifiziert. Seitdem hat sich die Popmoderne das Nitzsche-Motto von der Ewigen Wiederkunft des Gleichen zugelegt. Coverversionen sind der zentraler Gedanke des…

Meine Wut im Bauch

Zur Fußballweltmeisterschaft in Brasilien 2014 Neulich in den TV-Nachrichten kurz ein Bild: eine Phalanx von Polizisten mit ihren Schildern, davor eine protestierende wütende Menschenmenge. Schnitt. Ein anderes Bild: Polizisten prügeln wahllos und unkontrolliert auf wehrlose Menschen ein, treten sie mit…

Das Auge der Welt

Tods knochenharte Hand ließ Kautsky wieder los, als er in den Armen der Zauberin lag. Tod sah in ihr eine Kollegin, weil sie eine Betäuberin des Lebens war, die das Sein in einen anderen Aggregatzustand verwandelte. Sie trieb Kautsky auf…