Monat: Juni 2006

Das Fanal des James Peterson Floyd

  Los Angeles. In der Villa eines Popstars wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Ihr Vater, der mächtige Plattenboss Buster McCullum, beauftragt den privaten Ermittler Joe Dess. Und plötzlich geschehen weitere Morde. Die Opfer: allesamt Popstars. Vergessen Sie Philip…

ballade von der kreisliga b

  hartplatzscharaden. die maenner bolzen sich einen ueblen stiefel zusammen. null zu null-bockwurst, abgebissen, bis pils geruch die adduktoren spannt: maenner ihr wiszt, nur noch eine halbzeit! wenn das mal nicht wie immer ausgeht: gelbe scheine fuer die blessuren &…

text+kritik

„Das Gedicht ist ein Einzelgänger. Man begegnet ihm nur, wenn man selber einsame Wege geht.“ So lautet eine von Rainer Malkowskis dreizehn lyrischen Aussagen, die ich in Akzente 1/2001 finde. In der literarischen Zeitschriftenreihe text+kritik, seit vielen Jahren von Heinz…

SpRache / Rachen

  Korrigieren, verdichten, ausradieren, unendlich transformieren: Sprache als Sprache sichtbar machen.        *** Weiterführend: → Alle Gedichtbände sind zusammen mit dem auf vier CDs erweiterten Hörbuch Gedichte in einem hochwertigen Schuber aus schwarzer Kofferhartpappe erhältlich. → Eine Werkübersicht über…

Die verlorenen Fragen

  Am Rand meiner Hingabe an die Welt und selbst dann, wenn ich mich liebe, vergesse ich mich, antwortete Rudnikow einer unersättlichen Hetäre in Baku, als er sie bezahlte. Weil es mich nur gibt, wenn ich mich denke, ist meine…

Hallenbadheizung

  Wenn Herr Nipp ins Hallenbad geht, und das macht er bekanntlich nur, wenn er äußerst inständig angebettelt wurde, bevorzugt er nicht die bequemen Liegen, die außerdem meist seit dem frühen Morgen mit Handtüchern reserviert sind, von Gästen, die sich…

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Menschenfresser Baum schnitz mein Lachen in deine Rinde ein ich lass eine Öffnung klaffen für die letzte Handschrift nun der Körper des Kindes in einer Orange *** Weiterführend → Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht…

Einmal fliegen noch

  Es bleibt dabei, und es ist nicht zu leugnen: Michael Schönauer hat ein Händchen für gute Schreibe mit Spunk. Björn Ludwig ist der nächste Pfeffersprecher in der Reihe „killroy 10+1 stories“. „Einmal fliegen noch“ hab ich, mit einer Flasche…

Panzerung des Blicks

  die Gegenwart ist porœs der Wahn des Wirklichen spuerbar schwebend luftige Traumspiele ver wischen die Realitætsebene mit neu tœnender Seelenmusik   in erhabener Tristesse hin gebungsvoll schmachten & das Richtige im rechten Moment in zæher Bequemlichkeit & stændigem Ueberlebenskampf…

Das Gefühl für das Gute und Böse hängt großenteils von der Meinung ab, die wir davon hegen

  Die Menschen (sagt eine alte griechische Sentenz) werden von den Meinungen gequält, die sie von den Dingen hegen, und nicht von den Dingen selbst. Man hätte schon einen großen Schritt zur Erleichterung des menschlichen Elendes gewonnen, wenn man diesem…

Die Macht der Gewohnheit

  Die Partei, die in der Stadt herrschte, wohnte im Palast der öffentlichen Liebe. Rudnikow ging eines Abends den Weg, den jeder gehen muss, wenn er vor sich und der Welt bestehen wollte. Zum Tor in der Mitte des Palastes…

Ausflüge

  Es gibt, wie wir wissen, eine Gesellschaft zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse. Die Leute behaupten nämlich, Wissen sei Macht und dergleichen mehr. Mich dünkt, daß ein gleiches Bedürfnis nach einer Gesellschaft zur Verbreitung nützlicher Unwissenheit besteht, eines Wissens, das in…

Aufzeichnungen nach 2000 (1)

  2001 Irgendwann hat die Stadtverwaltung den Namen der Gasse, in der ich wohne, poetisiert. Früher, auf alten Stichen oder Plänen, hieß sie noch Daubengasse. Eine kurze, gepflasterte Gasse nahe der Stadtmauer des Mittelalters. Handwerker also, die Bier- und Wein­fässer…

Romantheorie in zwei Sätzen

    Der Erzähler beginnt die Erzählung Het Wettloopen schalkhaft, die Geschichte sei „lögenhaft to vertellen“, doch sein Großvater habe gesagt: „Wahr mutt se doch sein, mien Söhn, anners kunn man se jo nich vertellen“.       Weiterführend → ein…

Momentaufnahme der Seele

  Früher hatte sie den Kleingeist vieler beobachtet: wenn sie immer nur auf eine bestimmte Stelle ihres Lebens schauten, sie zum Zentrum ihres Befindens, ihrer Zeitbildungen ernannten, durchdrungen waren von dem Geist, den sie selber schufen, indem sie lange und…

Tabu

  Stillstand als inneres Verharren in einem gedanklichen Zustand, als Beharren auf einer unausgesprochenen oder unaussprechbaren Idee.       Bereits nachdem Jack Dorsey den ersten Tweet am 21. März 2006 verschickt hatte, war Herrn Nipp klar, das hier etwas…

Punk – Nekrolog auf eine Bewegung

Ereignisse nehmen umso schneller das Aussehen von verstaubter Geschichte an, je folgenloser sie geblieben sind. Frieda Grafe Am 4. Juni 1976 gaben die Sex Pistols in der Lesser Free Trade Hall (Manchester) mehr als einen Gig. Dieses Konzert ist der…

Der Ausflug ins Gebirge

  »Ich weiß nicht«, rief ich ohne Klang, »ich weiß ja nicht. Wenn niemand kommt, dann kommt eben niemand. Ich habe niemandem etwas Böses getan, niemand hat mir etwas Böses getan, niemand aber will mir helfen. Lauter niemand. Aber so…

Analyse toter Stimmen

  Tote Stimmen, die Wilden, essen aus Nichts. Sie haben, – keines Gewichts – ein Ziel, das wundert sich aus dem Schlimmen. Sie bilden Vergessen und sagen zu Hunderten aus.     *** orten vernähte alphabetien Texte von Angelika Janz.…

Massendiskurs

  Es ist nicht jedem gegeben, sein Innerstes an die Oberfläche aufsteigen zu lassen, ohne Scheu und ohne Furcht vor dem Zerrissenwerden oder der Antwort: Was für ein schwacher Text! Aber es geht gar nicht anders. Ich glaube, es ist…