Schlagwort: André Schinkel

Hasenberg

  Die Kirche, eine steinerne Barke, – im Licht Der durchbrochenen Jugendstillandschaft Sich drehend auf dem Berg, der die Bugwelle ist Für den Frieden, der hier noch herrscht; Das Licht, von Kinderlachen durchzuckt, über Dem ein Sturmhimmel kreist, der das…

Was lange währt, wird endlich ein Buch

Der opulente Band flurgänger, anlässlich des 85. Geburtstags von Wulf Kirsten erschienen, darf auch als das Resultat verlegerischer Leidenschaft bezeichnet werden – in der Ligaturen-Reihe des Thomas Reche Verlags besitzt es das üppigste Format und stand, wie der Herausgeber im…

Inferno lunare [Ursa minor]

Da verschwand der Flieger im Mond: Jener, der schlingernd zuvor Der Bärin durch’s Fell gezaust war Und schrie, weil der Honig tropfte bei ihr – Ein getroffener Mauersegler; Und schlug, ein Schmetterlingsmuster Aus Weißblech, stöhnend dumpf auf. Die Menschen blickten…

Ein Ginkgo für Clara

Ich sehe den Baum, seiner Blätter beraubt, In den Lüften sich wiegen, ein gestreckter Kranz Aus wehenden Ästen, und denke, die Erde Dreht sich für den Moment eines Blicks um Die Achse, die durch das Tal dieses Landstrichs Fährt wie…

Apogäum

Die Stadt ein tropischer Steinbruch – Ich lese und lese, aber die Buchstaben Entziffern, -blättern sich nicht mehr. Die Kommentarbäume hängen voller Idioten, in den Lüften das Meerkatz- Geschrei einer verschwindenden Sonne, In diesem mittleren Landstrich von Rest-De-Profundis. – Jede…

in der mammutsteppe der hypermoderne

mit dem blick eines prähistorikers, der zeitalter und weltenorte überschaut und verbindet, durchwandert andré schinkel in seinen gedichten epochen und landschaften des planeten und der menschheit. oft kann man dem terror des privaten und der provinz nur kreativ und geistig…

Zwischen Halle und ‚Rendsborough‘

Vorbemerkung der Redaktion: Zum 85. Geburtstag von Sarah Kirsch baten wir André Schinkel einen Blick auf „Juninovember“ zu werfen, die erste Publikation aus dem Nachlass der Dichterin. Die große Dichterin Sarah Kirsch, bereits zu Lebzeiten zur Klassikerin erklärt, blieb stets, wie…

Ein Buch der Stunde

  Es sind da Dinge, die vergisst man nicht, und man begreift vielleicht erst spät, was sie einerseits bedeuten, andererseits, welche Auswirkungen und schlicht Lebensveränderungen sie mit sich bringen. In diesem, dem unseren, an Brüchen und nunmehr Apokalypsen so reichen…

Ultramarin

Dies Leuchten. Dieses Leuchten, das keiner begreift, das alle herabzieht – nein, umgekehrt: auf die Höhe der Träume herab. Niemand, der weiß, wie dieses kalte Leuchten einen Anschein von Wärme erzeugt. Keiner kann das erklären. Das Übermeerische. Die leuchtenden Meerblauen…

SOEBEN DER RÜCKEN des Monds:

Ein weißer Moschusochse, wie er Unwirsch aus dem Azur der Luft- Tundra tritt – sein pockennarbiges Schnauben, als hätte sich die Irdene Walkuh von ihm getrennt: Die soeben unter den Staub des Ozean-Rings, eine geballte, jäh Zersplitternde Mullherde, taucht.  …

Die Bosna (Vrelo Bosne)

    Nur selten gibt es das – ein vollkommener Fluß Tritt aus dem Stein; dabei hat sich das Auge Das alles längst gewünscht: Bevor das Klackern Der Steine losgeht, diesen erhabenen Austritt,   Denn was, frage ich, beeindruckt noch…

Unsere erschöpften Glieder am Abend:

  Zentromere im Licht eines andern Planeten, Einer anderen Welt, in der wir beieinander- Sitzen seit Anbeginn – so, als wäre seit Jeher nichts anderes anberaumt gewesen Für uns. Das gazellenfüßige Licht, es Besingt dich, daß ich es, unter dem…

Die Saale bei Wettin

  Hell und weit, mit Gesang und: trockenem Ge- Räusch über den Knospen liegt, nach langem Winter, die Ebene vor uns; simmernd, unter Den Porphyrbögen aus Licht. Hier, wo der Fluß An den Felsfüßen gräbt, bricht das Idyll in den…

Die lodernden Mohnhainfeuer von Angersdorf:

ein wiegendes, flatterndes Blühen über die Scherbenwälle der Jahrhunderte, ach!, -tausende weg, in den Reservaten, in denen das Abseitige die letzte Ruhe einnimmt. In den Kapseln, den Kapsulen schlummern, noch grün: der Traum, das Geheimnis, an denen das [und unbesehen,…

Bodenkunde. Ausflüge ins unergründliche Leben

Feuer glimmen. Silben stieben auf. Sätze wärmen mit ihren imaginären Bildern, die sich im Leser ausbreiten wollen. Denn nicht anders entsteht Lyrik. Der Dichter legt nur Scheite auf, hält die Flammen wach. Drückt sie wieder nieder, sprüht Kühle, lässt uns…

WIEPERSDORF

  Gegend – ja, und das Geräusch des märkischen Schweigens; Kein Armageddon tritt ein, nur die Eine, die letzte Perlschnur aus Licht.   Von den sich aufrollenden Wegen her Bäumen sich Schatten, die Putten Und verwachsenen Zwerge wispern Begehrlich Trochäen…

Nach den Forderungen die Kür

  Ein bisschen blümerant war einem schon nach der Lektüre von Im Stein: Nicht nur, dass es eine Fülle von Ausschweifungen zu betrachten gab, von denen man nicht immer wusste, ob man über sie unterrichtet sein möchte. Vielmehr zeigte sich Clemens…

Volker Brauns „Handbibliothek der Unbehausten“

  Volker Braun, das Wunder dieses Dichters ist ein erschütterndes und beglückendes zugleich. Der Büchnerpreisträger, einer der, wie sich herausstellen durfte, Würdigsten solcherart Geehrten der letzten und vorletzten Dekaden (Hilbig winkt aus der mittleren Ferne, die Kirsch schwirrt anbei), offeriert…

Obsession und Beglückung

Eine autopoetische Betrachtung   Mit der Literatur habe ich es mir nicht leicht gemacht, obwohl der Urgrund meiner Poetik denkbar einfach ist: Ich schreibe, um mich meiner Anwesenheit zu versichern. Das ist das Leichteste, meint man – in meiner Situation…

Von den Maßgaben der Theorie

Claas Morgenroths „Literaturtheorie“, Karl Wagners „Moderne Erzähltheorie“ und Bernd Stieglers „Theorien der Literatur- und Kulturwissenschaften“ geben Überblick und Hintergrund   Mit der Wissenschaft ist es wie mit einem gelungenem Interview, einem gründlich recherchierten Artikel: Es ist grundsätzlich gut, im Speziellen…

Aufstieg und Ausblick

Eine schöne Fügung, so stehts in den Annalen, erzwingt einen besonderen Abschluß; und so soll es auch hier sein, aber der Geist spielt nicht mit. Ein Jahr bin ich nun, grübelnd und schreibend, schon hier, schön liegt der Bergfried vor…

Der Drache und die siebenköpfige Prinzessin

  Ein Drache, der zu seinem Zeitvertreib eine Prinzessin gefordert hatte, bekam, da die Bevölkerung es ihm mehr als recht machen wollte, eine Königstochter mit sieben Köpfen geschenkt. „Bäks“, murmelte der enttäuschte Drache, „die will ich nicht!“ Weil es aber…

Idyll

  Es muß gegen zehn gewesen sein, als ich begann, über die alten Säcke abzulästern, die immer im Sessel einschliefen und keinen Fernsehabend geschweige denn die Beschälung ihrer Alten durchhielten. Als ich erwachte, war es halb zwei, die Frau war…

Menschenfressergeschichte

  Neulich, pünktlich um sechzehn Uhr vier, betrat ein junger Menschenfresser den Aufenthaltsraum. Zuvor hatte er im Abkalbestall drei tragende Kühe ermordet und ein paar Schlucke aus einem der Güllesilos getrunken. Er sprach hinter vorgehaltener Hand, er wußte wohl, daß…

L’ autre monde oder: Von der Unmöglichkeit

1 Es gibt Jahre, in denen man sich das Herz rausschneidet und umständlich ein neues einsetzt. Mechanische Arbeit, Draht­geflecht, Blut und Gips überall. Oft genug, ist zu befürchten, wird dabei das Sonnen­­geflecht, das mentale Herz des Körpers, verletzt, in Mit­­leiden­­schaft…

Elftes Nachtstück

Du gehst falsch mit ihr um, die dir in treuer Ergebung in den Träumen erscheint. Du befürchtest sie, weil sie den Traum-Anschein stört, und sehnst sie herbei. Äonen, seitdem du ihrem traurigen Mandelgesicht ein Lächeln entlocktest, zu eurem Kennenlernen vielleicht…

Überfahrt

Als die Großmutter starb, lag das Land nicht im Schatten, wie es die großen Dichter beschreiben, wenn der Welt und einem ihrer Wesen Ungerechtigkeit widerfährt. Es war Ende August, der Hochsommer neigte sich schon und verbrühte den Landstrich mit Sonne…

Ein Minotaurus

Er nennt, was er in sich trägt, Atem, einen schweren, unstillbaren Hunger nach Fleisch. Es ist ihm nicht um die Speise. Sondern die Lust. Da der Minotaurus labyrinthisch lebt, in Irrgärten und Höhlen, in Gemäuern und Träumen, ist sein Verhalten…

Am Röthaer See

    Wo du bist, ist Tagmond – karg flattert und bleich die Maske über die Wellen und teilt unsre Herzen Bis auf den Grund: ein lichterndes Lauschen – die Blicke der Brombeern, sagst du und siehst dich Scheu um,…

Leopold Federmairs Erzählungen streben „Ins Licht“

Nichts bleibt, wie es ist – ein Wort, eine Feststellung, die Gnade und Grauen zugleich birgt. Womöglich ist es die Kunde vom „Irrlicht dieser Zeit“, wie es bereits im 17. Jahrhundert Andreas Gryphius im Angesicht der unglaublichen Gemetzel und ihrer…

Grave [Mikado imperial]

  Ein Spiel, gedacht zur Entspannung Von Augen, Herz, Stimmung – Wer sich bewegt, gerät noch tiefer In die Schlingen hinein. Geh – und sieh dich nicht um, die nächste Hand, die nach dir greift, wird dich Erwischen, und du…

verwunschene orte

  von andré schinkel, der vor allem durch seine lyrik bekannt wurde, auch zuallererst lyriker ist, und daneben bisher eher lyrische prosatexte veröffentlicht hat, erschien nun beim »Mitteldeutschen Verlag« der erste erzählband unterm titel »Das Licht auf der Mauer«. dieses…

Lyrik der „augenschule“

  Kurz und süß – es wäre auch als Zitat möglich, die Wendung kommt im Buch vor – kann man angesichts der dahineilenden Stunde die Lektüre dieser Gedichte nennen, wenn es auch dann doch wohl etwas (sic) zu kurz greift.…

Unter finsteren Himmeln

  Im autorisierten, zu Lebzeiten publizierten Werk des tragischen Jahrhundertdichters Paul Celan nimmt die Prosa von der Fülle her einen geringfügigen Raum ein. Nur mit Mühe und unter Hinzunahme aller Nebengenres, im Fall Celans Notizen, Briefen und Antworten auf Umfragen,…

Über dem Bergstrom

  Gesprungen, mit dornigem Huf, über die Nachtklippe Weg, ins Tal mit der felsenhöhlenden Strömung. Du steigst hinauf, die verlorenen Lieben zählen: das Licht über dem Tal: der Fuß im Stein eine Auster.   Sinkend, wie Glaube, das Strudeln der…

Albena

Wind in den Gehäusen des Schlafs – auf den Bergen Über der Schwarzen, der nördlichen Salz-See, Dein sanfter Atem, der eben Schlaf braucht, von Der Mühsal in der nördlichsten Eb’ne verfügt.   Verzagt flattert das Licht in den Schluchten, wo…

Abrasion

  Knopfsemmeltage in Frankfurt – Die Wolken die wehenden Locken der unaufhaltsamen Stadt aus Eisen Und Glas vibrieren am Abend   Fernab das Rauschen der Züge – wie Gemacht um hier fortzukommen Aber auch um einzukehrn hier: zwischen Bordellen und…

Poetologische Positionsbestimmung

 Das Gedicht war eine ungeheure Erfindung. Das ganze Menschheitswissen wurde in gebundener Sprache überliefert.  Ernst Pöppels Kurze Vorrede, mit der freundlichen Bitte um etwas Geduld: Mein Gehirn ähnelt einem Muskel, es bleibt nur fit, wenn ich es beständig trainiere. Wichtig…

Zeitkapsel und Zündkerze

  Neu ist dieses Buch nicht, aber neu aufgelegt: Walter Kappachers Roman „Die Werkstatt“, sein erster in sich geschlossener Großtext, wurde dieser Tage bei Deuticke im Paul Zsolnay Verlag in einer handlichen, gut lesbaren, den Augen wie der Haptik freundlichen…

Ziegelsteingröße

  Er hat’s wieder getan. Wuchtig, in Ziegelsteingröße kommt Clemens Meyers neuer Roman daher – nach dem rasanten Debüt „Als wir träumten“, dem Bestseller „Die Nacht, die Lichter“, der als Tagebuch bemäntelten Textsammlung „Gewalten“ ist „Im Stein“ sein viertes Buch.…

Fugenzeit

  „Die Zeit ist in den Fugen.“ So beginnt die Sammlung mit den neuen Gedichten von Wolfram Malte Fues – unter dem Titel „InZwischen“ versammelt der deutsch-schweizerische Poeta doctus, emeritierter Germanistikprofessor der ehrwürdigen Basler Universität, sechzig Texte, die dem Gefüge…

Rezensionsessays – von Holger Benkel

Ich will die Dinge durch / meinen Geist beleuchten / und den Widerschein auf den fremden Geist fallen lassen. Charles Baudelaire Der Essay erscheint bei Holger Benkel als Denkform, die sich im literarischen Werk einen Gegenstand zu schaffen sucht, der…

Die blaue Stichflamme des Vogelgesangs

Einiges an Aufregung steht uns in diesem Dreizehn-Jahr bevor, wovon das Erscheinen des neuen Depeche-Mode-Albums das Einzige sein dürfte, über dessen Ausgang wir halbwegs Bescheid wissen. Wir werden nach der Degradierung unserer allerobersten Schultante noch staunend die Einführung der Einheit…

Nefertiti singt

  Wo ist der Geliebte, den Aton mir nachschickt, und Wo die Erfüllung, die mir endlich den Leib Kühlt mit Liebe, ehe der Wind aus dem Totenreich Kommt? Vieles verspricht der Bekrönte, bevor   Uns der Ort der anderen Abwesenheit…

Amenophis beklagt den Pylon

  Lange schon lockt mich der Duft ihrer Milch, aber Gebunden bin ich, ein störrisches Tulu, An die heimlichen Anker der Gierde, den Mast Der Geburt, den Pylon meiner Krone.   Feist und geschwisterlich beugt sich der Himmel Und rauscht…

die motive des gräbers

zur lyrik und prosa von andré schinkel wenn sich in texten von andré schinkel, der neben der literaturgeschichte prähistorische archäologie studierte, auch archäologische motive finden, so wirft das die frage auf, was den dichter in ihm mit dem archäologen verbindet.…

Erzählungen aus vier Jahrzehnten

Anschaulich, rätselhaft, hinterlistig und umtriebig sind die meisten der 43 Erzählungen, die in diesem Band aus Anlass des 70. Geburtstags des renommierten Schweizer Autors vereint sind. Gebündelt in sechs großen Abschnitten, die ebenso eigenartige Überschriften tragen wie die Erzählungen selbst,…

Die Vokabulatur des Knospenspaziergangs

Die Macht des Staunens: Wenn sie einen auch angesichts des anbrechenden Stillstands in der Raserei am Fabulieren hält, könnte sie mittlerweile die eigentliche Avantgarde sein. Anders als die vielen sich totlaufenden Konstrukte der konkreten Poeten und die sich wegduckenden Œuvr’lein…

Der Jubiläumsband der Jubiläumsbände

Die Geschichte dieses Buches ist bekannt, unter den Bestsellern des letzten Jahrhunderts ist sie eine der reizvollsten und zugleich umstrittensten. Ungewöhnlich, da es in der im Zuge von bürgerlichem Realismus und dessen Ausformungen bis zur Dekadenz und seiner großen Renaissance…

Von Test zu Text, von Raum zu Zeitraum

Novalis hat die Braunkohlenflöze vermessen, an deren Rand Hilbig die Pferde stürzen sah. Jan Kuhlbrodt Er ist seltsam anwesend und abwesend zugleich, schreibt Jens-Fietje Dwars im Nachwort des von ihm herausgegebenen Bands 10 der Edition ornamente über André Schinkel und…

Zwischenspiel

Hier ist es endlich still. Die Dinge schweben über ihren verlassenen Schatten. Das Schweigen repariert die Trommel­felle, vergilbt über dem Kopf zu einer höheren Stille. Der Pfeilschaft in der Schulter, noch eben ein rasender Schmerz, blinkt jetzt und blakt wie…

Das Glück des atonalen Erzählens

Das Grauen fordert zur Dokumentation heraus, es beein­flusst in sarkas­tischer Weise seit jeher die Werke bedeutender Künstler. Was den Schrecken der Konzentra­tions­lager betrifft – er hat den Anstoß für eine ganze Reihe auf­rütteln­der Bücher geliefert. Martin Straub, einer der Nestoren…

Viertes Nachtstück

  In den Nächten ragen die Beinstümpfe der Toten ins Nichts, so, als würde die Maßlosigkeit der Schwärze damit gelindert. Aber das Dunkel bezieht sich noch mehr; der schummrige, direkt vor den Augen hereinbrechende Abgrund beginnt mit der unglaub­lichen Anspannung…

Zweites Nachtstück

  Es ist das Labyrinth, das dich verrückt macht. Stunden oder Wochen wandelst du schon, ein ausgemusterter Straps, ein verrosteter Kohlenkasten vielleicht, Gott gebe dir die Kraft, ein Ende zu setzen, sagst du – auf seiner Liste bist du sowieso.…

Out Of This World

Tot und im Herzen zerlumpt bin ich und jetzt schon – Aber meine Zeit kommt, sagen die Freunde: Der Atem der Städte, wenn er angehalten ist: Einst wird er dir gehören, sagen sie oder der eine, Dem noch nicht auffiel,…

Der Saum des Erreichbaren

  „Weiße Pünktchen“ heißt das Nachwort, das A.S. schrieb. Ellipse also. Das, was nicht gesagt werden muss, was die Gedichte in schwarzen Buchstaben sagen. Es ist eine kleine Poetologie. Darin sagt er nicht nur, dass er die Gedichte diesmal nicht…

Nachrichten aus der Wolfs- und Knochenzeit

Zuweilen erzeugt das Gerücht des Nichtvorhandenseins womöglich den eigentümlichen Ruch der Präsenz. Über einen Autor gilt es zu sprechen, der laut Ulrich Bergmann, der in einer Laudatio einen eingehenden Blick auf die Arbeit eines solchen Einzelgängers wirft, gar nicht ›anwesend‹…

Die Elegie ist ein großes Abenteuer

Vorbemerkung der Redaktion: Für das Projekt Kollegengespräche hat A.J. Weigoni einen Austausch zwischen Schriftstellern angeregt. Auf KUNO ist diese Reihe wieder aufgelebt. Der hallesche Lyriker Ralf Meyer erzählt in seinem neuen Gedichtband „Wiederstedter Elegien“ von einem der letzten Wunder in…

Neptuns Tintenfass

  Die Sonette bestechen durch die Freiheit, die sie sich formal nehmen, und doch sind sie zugleich streng, was das sprachliche Gleichmaß jenseits metrischer Silbengenauigkeit angeht. Und das ist das Wichtigste. Die Verse, die Worte, die Sätze, sie fließen, und ich…

Dinge und Orte

Mit den beharrlichen Arbeitern am Wort ist es nicht einfach. Zu sehr ist oft die prononcierte Anwesenheit des Schrillen, zumal, wenn es auch noch in unbedarfter Verpackung erscheint, eine Art späte ‚Blendungsgnade‘ für den im Niedergang begriffenen Kritiker­stand. Ein gutes…

Die Abwesenheit. Eine Nachforschung

Sich an den Katastrophen der Zeit, dem Umstand der Deformation und Versprengung des Einzelnen in ihr, zu reiben und so die eigene Existenz auszuloten, dafür sind die kreativen Geister des Jahrhundertbruchs, an dem wir zu leben haben, offenbar prädestiniert. So…

Wolfszeit

Terres … ist hart und grenzgängerisch, aber das ist die Eiszeit (oder, ins Heute gedreht: die Wolfszeit) auch. Im Angesicht des Neoliberalismus wird man als Schamane nur eine extreme Position beziehen können, alles andere geht wahrscheinlich unter im Brei. Freundlichkeit…

An der Saale

Goldene Drift im herbstlichen Gleichklang der Schritte: Sonst legt Stille dich fest: an den verlassenen Rändern Des Flusses, wo dich das Ufergras einschnürt. Düster und baumlos sind unsere Träume, aber hier Stehen sie noch, geduckte Gefährten, groß und Spröde vor…

Widerstand gegen das Verordnete

  Das Faszinosum, das ist ein sprechender Fakt, steigert sich mit dem wiederholten Lesen dieser Texte, sie beginnen sich in ihrer sonderbaren surrealen Wendigkeit und sprachlichen Kraft nach und nach zu entblättern, ja, und einzubrennen. Nachhaltigkeit nennt das der Beflissen-Moderne,…

Protokoll einer Einlieferung

1 Nun ich. Welk. Von den Stürmen. Verwelktes Atmen. Oder: Ein Lied, das Agent Orange Heißt. De Profundis: Steine, verweht wie Insekten, Die Fühler aus dem Bernstein gefetzt, die Leiber nur Staub noch … Fragmente … Sand, in Einem Mistral…

Verwunschener Ort

Auf dem Lande, so geht das Klischee, ist die Welt noch in Ordnung; und auf dem Weg vom Urbanen in die Provinz meiner Jugend will ich das gern glauben. Wenn ich nämlich, zum Beispiel, am Sonntag vor Ostern, nachdem ich…

Unwetterwarnung

Das Kräuseln deiner Stirne Am Morgen ist mein innerer Gottesbeweis: hinter den Schmalen Tälern der Haut, in den Abgründen des Selbst regt sich, was wir Nicht begreifen. Du verhandelst im Schlaf Schon mit mir – ich solle, Sagst du, mich…

Weimar in Mai

Jenen Baum im Park an der Ilm werde ich nicht Vergessen: wo wir so lange sorglos lagen, Als wäre kein Gestern und Morgen, worin wir Uns hätten längst verlaufen müssen; einer, Denkt mir, des andern sich wählender Fels – Und…