Kategorie: Allgemein

Stadt der Orgien

von Walt Whitman Stadt der Orgien, Promenaden und Freuden, Stadt, die ich, in deiner Mitte lebend, besang und einmal berühmt machen werde. Nicht deine Feiern, nicht deine wechselnden Tableaux, deine Spektakel, belohnen mich; Nicht deine endlosen Häuserreihen, nicht die Schiffe…

Zum Bilde Prousts

I. [Erinnerung] Die dreizehn Bände von Marcel Prousts »A la Recherche du Temps perdu« sind das Ergebnis einer unkonstruierbaren Synthesis, in der die Versenkung des Mystikers, die Kunst des Prosaisten, die Verve des Satirikers, das Wissen des Gelehrten und die…

niederschlagende argumente

da lauern sie gemütlich eingepfercht in schwarz-weißem fachwerk noch glauben sie an gott aber nicht mehr an seine wunder schneeregen steht schräg vor geputzten doppelscheiben sturm heult strophe für strophe ein uraltes drohlied für alle die draußen glück suchen wollen…

Der innere Meridian 7

Er bewegte sich wie ein Scherenschnitt gegen einen leeren Weltenprospekt, ein Jongleur mit leeren Emballagen, der seine mutlose Pappkarton-Equilibristik einfach nicht in eine himmlische Form gestanzt bekam. *** Der innere Meridian, Aufzeichnungen von Ralph Pordzik, Würzburg: École Noire, 2019 Weiterführend…

Die Böschung steigt leicht an

Die Böschung steigt leicht an. Dahinter, so die Angabe, sei das MEER. Mit dem Salzgeschmack auf en Lippen, und die bunten Zelte überall verteilt unterem Eukalyptus, und auf den roten Wegen fremdbedruckte Papierfetzen. Der Name für diese Gegend ist WILD,…

Rausgefallen

an der alten adlerwar das f defekt so dasser hoffnung beispielsweisehorrnung nannte weil das r dem fso nahe lag zumindest mitden fingerspitzen die textehakte er auf diese alte gummiwalze, dass manche letter wie beim bleisatz eindurchaus eignes lebenführte unbemerkt jedochvon…

Fossile Funde

Wenn der Social Beat etwas bewiesen hat, dann daß auch die Asozialität von Literatur einen Funken Hoffnung erzeugen kann. Gibt es eine Arrièregarde des Social Beat?   Es ist – und das ohne des branchenüblichen Zynismus im Literatur-Betrieb – sehr…

Spuren

Noch vor 15 Jahren allerorten in den Bergen sah man speckig glänzende Trittsteine auf den vielbegangenen Routen. Von der permanenten Nutzung wanderfreudiger Touristen mit beschlagenen Wanderstiefeln, die man natürlich auch für den leichtesten Spaziergang ab Seilbahnstation anzuziehen hat, anziehen muss.…

Twitteratur – von Franz Kafka

Es ist nicht notwendig, dass Du aus dem Haus gehst. Bleib bei Deinem Tisch und horche. Horche nicht einmal, warte nur. Warte nicht einmal, sei völlig still und allein. Anbieten wird sich Dir die Welt zur Entlarvung, sie kann nicht…

Ein Ginkgo für Clara

Ich sehe den Baum, seiner Blätter beraubt, In den Lüften sich wiegen, ein gestreckter Kranz Aus wehenden Ästen, und denke, die Erde Dreht sich für den Moment eines Blicks um Die Achse, die durch das Tal dieses Landstrichs Fährt wie…

until the task is accomplished

  I don’t know but I have been directed by God to contact you I do not want any telephone conversation for I was touched by God please I am a dying woman reply to the motherless and the unfortunate…

die ungenannte

saugt sie gift aus blumen erweckt sie es zum leben liegen ihre beine im gebräu zucken sie noch immer benetzt man gesichter damit werden sie grau und hager kriecht sie aus dem körper  stirbt er kehrt sie zurück in ihn…

KAISERPANORAMA

Reise durch die Deutsche Inflation VI Dem Ausländer, welcher die Gestaltung des deutschen Lebens obenhin verfolgt, der gar das Land kurze Zeit bereist hat, erscheinen seine Bewohner nicht minder fremdartig als ein exotischer Volksschlag. Ein geistreicher Franzose hat gesagt: »In…

O.T.

wenn letzte tinte nicht spritzt nur tröpfelt der rohe zorn der greise versickert pointenzwirbler verschanzen sich im feuilleton lassen den großen kaschuben hadern jetzt findet oskar seine trommel nicht  * * * Ein Rückblick auf: Versnetze_fünf Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart…

Im Grab mit meinen lieben Konjunktiven

Noch nie hat jemand eine Landkarte von mir aufgeklappt. Die leeren Städte und versunkenen Titel, die man mit der Nasenspitze suchte, Vorstadtkinos, Hundeasyle, London ohne Nebel, ein Zirkuszelt aus Flugschatten und Schlaf, wo eine ewig schief gehende Sonne ihre eigenen…

ODERBERGER – ein Versepos

Nennen wir es: Versepos.Sagen wir: Zwischen Ganzgroßengefühlen (!) und Banalitäten, Dramaqueen und Rührung – eine ganze Welt.Fragen wir: Vier aus der Spur gelaufene Kerle – Punks & Ausreißer – 1989 (und die Jahre) – was treibt sie um in ihrem…

Wettbewerb, unvorhersehbar

Auf die kleinen Blumen hatte er es abgesehen, die unscheinbaren, die der flüchtige Wandererblick gern übersieht, die gesucht werden wollen. Neben Kameras und einer Unzahl an Objektiven, Stativen und hochkomplexen Blitzlichtapparaturen Sprühfläschchen im Gepäck, um das Gefühl tauigen Morgens vorzutäuschen…

Neue Subjektivität • Revisited

Wir waren kritisch, wir waren links, wir waren den Drogen zugeneigt, wir waren sexuell freier als die Elterngeneration, und die Lyriker unter uns praktizierten die Dichtung der Neuen Subjektivität… Während die Alternativliteratur in der Literaturgeschichte überhaupt keinen Platz hat, wird…

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  drängende Erde fällst in die Spalten der Zeit   sich verschwenden           *** Baumzyklen, Gedichte von Sophie Reyer, KUNO 2020 Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der Frage nach,…

Der innere Meridian 6

Wie sollte er die Welt auf seinen Schultern tragen, wo er doch kaum den weichen Stoff seines Hemdes ertragen konnte? *** Der innere Meridian, Aufzeichnungen von Ralph Pordzik, Würzburg: École Noire, 2019 Weiterführend → In den Aufzeichnungen von Ralph Pordzik…

Die schöne Polin – Die Tolle

Die drei Wochen bis zu meinem nächsten Besuch im Salon der schönen Polin wurden eine lange Eiszeit, deren Ende ich entgegenfieberte. Es war, als wollte mich die Zeit auf die Folter spannen. Täglich prüfte ich im Spiegel das Wachstum meiner…

Gruftgesänge

David Bowie hat sich auf seinem letzten Album Blackstar explizit mit seinem Sterben auseinandersetzt. Was ist von Bob Dylans neuem Album zu erwarten? Haben eigentlich Popstars nicht wie jeder andere Mensch auch ein Recht auf Rente? Kommt nicht einmal die…

Aufzeichnungen

Die Aufzeichnungen von Hans Dilger aus einem sibirischen Gefangenenlager, herausgegeben von Thomas Lindemann in Lindemanns Bibliothek, von seiner Tochter Ursula Jetter, geb. Dilger, mit einer kommentierenden Einleitung versehen, erweisen sich in mehrerer Hinsicht als ein ungewöhnlich bewegendes Dokument. Die fünfzehn…

manzanita

Weshalb Auftrag hier und Schnitte im Blech Tolles Gewinsel diese Katze lag längs unendlich quer zu einer vorüber gehenden Entscheidung doch dient keine Silbe ihrer Lösung Zeit Spule Alles ward wirklich selbst Ausschnitt zählt neu im Wogen ihrer Bewegung Dort…

Wohnhaft

  Türme türmen endlos lange Reihen der Klingelschilder zerfetzte Namen fremder Laute laut Los verborgen in ungezählten Waben eckige Hohlräume gepfropft gepfercht gezwungen zur Aufzucht der Brut und Nahrungsspeicherung umgeben von Gerüchen jedweder Herkunft und Alters die ihresgleichen in Tapeten…

Die junge Literatur in Deutschland

Der Kampf, den die junge Literatur in Deutschland heute zu führen hat, geht um die Bildung einer oppositionellen Partei. Opposition gegen die hier wie in keinem Lande allmächtige Bourgeoisie; Opposition gegen den krassen Materialismus in Leben, Kunst, Politik, Presse; Opposition…

Die schöne Polin – Kopfwäsche

Ich lag fast flach im Waschstuhl mit wachsender Erwartung. Die Polin griff in mein Haar und kraulte es durch. „Sie waren doch erst vor drei Wochen bei mir“, sagte sie. „Da sehen Sie“, hauchte ich durch die Corona-Maske, „was Sie…

Pandemisches Sonet

Es ist, als hört man leises Flügelschlagen,Und watteweich schwingt sich das Leben auf:Die Bäume wollen alles überragenUnd nehmen selbst den frühen Frost in Kauf. In Büschen herrschen Rascheln, Zwitschern, BauenUnd in den Ästen dafür lauter Streit.Der Kater geht nach seiner…

Empfundene/erfundene Welten

Die Einwohner lieben die farbige Heiterkeit, und das vom Wasser widergespiegelte Licht verleiht ihr das Geleucht eines traumhaften Südens, lese ich in Eugen Gottlob Winklers Erzählung Die Insel, während die Gedanken, wen wundert’s, weiterhin bei der vor weniger als einer…

Gelbs Aquadrom

Gelb, sagt sie, Gelb hat uns verlassen, sagt sie über den Tisch gefaltet sitzend, hinter dem fusseligen Haar, das ihr über das Gesicht fällt, zu ihm, dem anderen, ein verknitterter Schleier, ein Fischflossenschleier, denkt er, gut, dann ist es vorbei,…

Apogäum

Die Stadt ein tropischer Steinbruch – Ich lese und lese, aber die Buchstaben Entziffern, -blättern sich nicht mehr. Die Kommentarbäume hängen voller Idioten, in den Lüften das Meerkatz- Geschrei einer verschwindenden Sonne, In diesem mittleren Landstrich von Rest-De-Profundis. – Jede…

Ein Prager Tagebuch

Wer einen längeren Aufenthalt in der Goldenen Stadt an der Moldau plant, wer diesen Studienaufenthalt mit einem Arbeitsstipendium verbinden kann, wer seine schwebenden Erinnerungen an frühere kurzweilige Besuche in Prag noch einmal auffrischen will, der greift nach einschlägigen Städteführern, fixiert…

hemdenwechsel

die asiatin kichert endlich grünkohlherbst dein gift schmeckt süffig in diesen tagen wäre das der tod ich ließe ihn mir gefallen damenwahl im hospiz doch feedback feedback hetzt der trainee sechswochenamt ist keine behörde diese akte schnell gefälscht *** Ein…

»Dichtermut« — »Blödigkeit«

Über zwei Gedichte von Friedrich Hölderlin Die Aufgabe der folgenden Untersuchung läßt sich in die Ästhetik der Dichtkunst nicht ohne Erklärung einordnen. Diese Wissenschaft als reine Ästhetik hat ihre vornehmsten Kräfte der Ergründung der einzelnen Gattungen der Dichtkunst zugewendet, unter…

Die schöne Polin – Weichselflieder

Endlich öffnete der Friseursalon wieder, der wegen der Corona-Seuche sieben lange Wochen geschlossen war. Endlich sah ich sie wieder: die Frau Meisterin, die schöne Polin. „Kommen Sie“, sagte sie, „setzen Sie sich auf den Waschstuhl!“ Ich setzte mich. Sie zog…

Erzähl mir die Geschichte

Erzähl mir die Geschichte, dazwischen die Geschichte, die erzählt. Ebene dehnt sich, rede. Winziges Gefälle, abwegiger vom Lauf. Sichtbares beim Nacherzählen? Die Gedankenfolge als scheinbare Kette von Folgegedanken, wer schneidet mit, reiht auf? Die Wahl hemmt, das Entschiedene bleibt das…

Das liebe Mädchen und der Bär

Es war einmal ein liebes Mädchen, das hatte alle Vorzüge einer jungen Frau. Eines Tages traf sie einen Bären von Mann, der war bei der Müllabfuhr beschäftigt. Sie heirateten und lebten glücklich mit den Sachen, die er von der Arbeit…

Franz Kafka – Zur zehnten Wiederkehr seines Todestages

Potemkin Es wird erzählt: Potemkin litt an schweren mehr oder weniger regelmäßig wiederkehrenden Depressionen, während deren sich niemand ihm nähern durfte und der Zugang zu seinem Zimmer aufs strengste verboten war. Am Hofe wurde dieses Leiden nicht erwähnt, insbesondere wusste…

Der Rolls-Royce der Literaturkritik

„‚Ich bin ein halber Pole, ein halber Deutscher und ein ganzer Jude.‘ […] diese arithmetische Formel war so effektvoll wie unaufrichtig: Hier stimmte kein einziges Wort. Nie war ich ein halber Pole, nie ein halber Deutscher – und ich hatte…

Was gibt es in der Kunst zu ‚verstehen‘?

1. In seinem 1973 erschienenen Aufsatz ‚Thick Description: Toward an Interpretative Theory of Culture‘ (dt. Dichte Beschreibung. Bemerkungen zu einer deutenden Theorie von Kultur) benennt der amerikanische Ethnologe Clifford Geertz ein seiner Ansicht nach grundlegendes Problem der im weitesten Sinne…

Allseits vernetzte Gemeinschaft

Notwendige Vorrede: Das Museum für Fotokopie (M.F.F.) widmet sich der Geschichte der Fotokopie und der Copy Art. Es ist Mitbegründer des seit 2013 vom gleichnamigen Verein betriebenen „Makroscope – Zentrum für Kunst und Technik“, welches sich gegenüber vom Rathausturm im…

Lichtstreifen wanderten über die Bücherregale

Sag mir etwas, das nicht verschwindet. Was war, ist weggeraten. Auf der Hand klebt der Gedanke den Flügelschlag eines Vogels lang. Alfred Kolleritsch Der Lyriker und Romanautor Alfred Kolleritsch machte Graz für eine Weile zum Zentrum der deutschsprachigen Literatur. 1959…

sie benötigen unterstützung

  wir verstehen die bedürfnisse immer derzeit die frage warum wir möchten anerkennung gut berechnet und zu einem niedrigen zweck an sie geben sollte sie die not abhalten wenn sie interessiert sind? *** SPAM-POETRY Destillate aus Junk/Spam-Mails von Joanna Lisiak,…

KAISERPANORAMA

Reise durch die Deutsche Inflation   V. »Armut schändet nicht.« Ganz wohl. Doch sie schänden den Armen. Sie tun’s und sie trösten ihn mit dem Sprüchlein. Es ist von denen, die man einst konnte gelten lassen, deren Verfalltag nun längst…

in der mammutsteppe der hypermoderne

mit dem blick eines prähistorikers, der zeitalter und weltenorte überschaut und verbindet, durchwandert andré schinkel in seinen gedichten epochen und landschaften des planeten und der menschheit. oft kann man dem terror des privaten und der provinz nur kreativ und geistig…

Die schöne Polin – Erlösung

Jüngst traf ich beim Einkauf auf dem Markt meine Friseurin, eine Polin im besten Alter, sie inspizierte mein Haupt, das war ihr Kommentar ohne Worte. Ich: „Wenn Sie Ihren Salon wieder aufmachen, dann machen Sie mir eine Dauerwelle und färben…

Die Dicke

Die Dicke, die Aufgeschwemmte und die Andere sind Schwestern. Alle drei tragen grüne Hüte mit welken Federn auf Strohhaar. Im Wechsel zitieren zwei sich gegenseitig; hinter dem Rednerpult sind sie nur halb zu sehen. Ihre Sprache ist einseitig, ja, einfach,…

Qualität, eine Analyse

Jetzt werden die Schulen ebenfalls Stresstests unterzogen. Nein, es geht nicht um die Globalwirtschaft, nicht um irgendwelche Umweltschäden, schon gar nicht um irgendwelche atomaren Fallouts. Es geht um die Qualität der Schulen, der Schulleiter, der Lehrer, nicht aber des gesamten…

Bagatellen

*** Weiterführend → Ein Porträt der Hungertuchpreisträgerin Almuth Hickl findet sich hier. Und außerdem im KUNO-Archiv, ein Hinweis auf die Ausstellung Freibank. Photos der Reihe im Rheintor und der Veranstaltung in Kunstverein Linz. Einen Essay zu den Aktionen im Rheintor…

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Um einen Wegweiser weiser sein kleiner das Wichtigste wissen und Fehler machen wie eh hinfallen aufstehen hinfallen aufstehen *** Baumzyklen, Gedichte von Sophie Reyer, KUNO 2020 Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht sie der Frage…

SCHULBESUCH

ich bin in meiner ehemaligen schule und soll dort lesen. ich gehe durch die flure und treppenhäuser und suche die klasse, die mich eingeladen hat, kann sie aber nirgends finden. als es zur pause klingelt, nehme ich das mitgebrachte bündel…

Das Licht ging an

Das Licht ging an sie sagten dir: ungeachtet von Geschlecht Religion Nationalität oder einer anderen Art von Zugehörigkeit und versuche hier nicht das Opfer zu spielen fügte lächelnd einer mit Kaftan und langem Obergewand hinzu die Ausrottung des Bösen das…

das alte paris

und wenn der asphalt weich wäre und weißoder wenigstens hellblauwürde ich ein himmelbett aus ihm bauenauf ein auto bettete ich mein hauptund in einem der prächtigen boulevardssuchte ich mir einen mannden zweitbesten der vorüber kämealle bewohner der stadt wären eingeladen…

europa von oben und unten betrachtet

ihrem zweiten band von »Wirklich reisen« stellte die autorin ein zitat von theodor fontane voran, dem wanderer durch die mark brandenburg, der aus einer hugenottenfamilie stammte: »Personen, die nicht da waren, wissen immer alles am besten.« das ist ja logisch.…

Dampfschiff nach Argentinien

Der in Moskau aufgewachsene Autor Alexei Makushinsky, seit Beginn der 1990er Jahre in Deutschland lebend, legt mit seinem ersten Roman in deutscher Übersetzung ein episches Werk vor, in dem die Suche nach der verlorenen Zeit ungewöhnlich neue Wege beschritten hat.…

unerwarteter mehrwert

mit dem titel »Wirklich reisen« grenzt sich die autorin, die zwischen reisen und tourismus unterscheidet, von vornherein vom massentourismus ab. in »Vor Reiseantritt« schreibt sie: »Die Allmacht der Natur gab uns oft zu verstehen, wie klein und verletzlich wir sind,…

Verseschmied und Lyrikfischer

Der Lyriker und Herausgeber Axel Kutsch wird heute 75 Jahre alt „Kann man ein Gedicht/ über Fischstäbchen schreiben?/ Natürlich kann man./ Ich laß es bleiben“, meint der Bergheimer Autor Axel Kutsch lakonisch in seinem Gedicht „Ein Leser fragt“. In dem…

TRÖDELMARKT IN TOKIO

Neben dem Forum Das gläserne Schiff Öffnet die Fenster Mit Proviant im Gepäck Koriander Lavendel Zitronenkraut Im Wind schaukeln Messingwaagen Torkeln abgewetzte Koffer Voller Verschwiegenheit Gevatter mit Maske und Bart Der abgetragene Anzug Hätte meinem Vater gesessen Neben dem spitzen…

Das öde Land (immer weiter)

Verschiedene Kritiker haben mir die Ehre angetan, das Gedicht als Kritik an der Gegenwart zu interpretieren, und haben sogar eine gehörige Portion Gesellschaftskritik hineingelesen. Für mich war es nur das Ventil für einen privaten und ganz belanglosen Grant gegen das…

Limerick

Wir leben provisorisch, die Krise nimmt kein Ende. Erich Kästner *** Weiterführend → Ein Porträt der Hungertuchpreisträgerin Almuth Hickl findet sich hier. Und außerdem im KUNO-Archiv, ein Hinweis auf die Ausstellung Freibank. Photos der Reihe im Rheintor und der Veranstaltung…

Gewinn

Deine warme Haut voll Blut goss sich in meine denkende Hand tanzte sie müd Ich schmolz in die Schenkel bis Blut mit Blut sprach Tanz mit Tanz spielte Haut mit Haut lachte Ich habe den Verstand verloren *** Weiterführend →…

Am Dorfeingang

Am Dorfeingang mit Hallo wie sie  schwitzten. Rein in die „Ecke“! Gegen Früher ist alles anders, da sind nicht mal Abdrücke auf den alten Fotos. Dass sich im Umkreis der Körper kaum was bewegt von uns weg: nur noch frontal…

Wolken

elomen elomen lefitalominal wolminuscaio baumbala bunga acycam glastula feirofim flinsi elominuscula pluplubasch rallalalaio endremin saxassa flumen flobollala feilobasch falljada follidi flumbasch cerobadadrada gragluda gligloda glodasch gluglamen gloglada gleroda glandridi elomen elomen lefitalominai wolminuscaio baumbala bunga acycam glastala feirofim blisti elominuscula…

Panzersperren

Wir gehen „Panzersperren-Schauen“, es ist schon gegen Abend. Wer noch mit mir ist, weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich nur an die beiden Panzersperren im oberen Ortsteil: an die beim Moser-Haus und an eine auf der Linzerstraße. Reden tun…

Der innere Meridian 5

Einmal einen selbstlosen, antikapitalistischen Akt begehen, sich von einer einzigen Person abhängig machen, vollständig und ohne etwas zurückzufordern. Einmal um jemanden kämpfen, gegen den man nur verlieren kann. *** Der innere Meridian, Aufzeichnungen von Ralph Pordzik, Würzburg: École Noire, 2019…

Krumme Strasse

Das Märchen redet manchmal von Passagen und Galerien, die beiderseits mit Buden voller Lockung und Gefahr bestellt sind. Als Knabe war mir so ein Gang geläufig; er hieß die Krumme Straße. Wo sie den schärfsten Knick hat, lag ihr finsterstes…

Gestelzt

meine Bachstelze wo ich bin ist sie versitzt sich verfrisst sich verfliegt sich Immer ein auge auf mich gerichtet als würde sie fragen darf ich ein nest bauen darf ich libellen fressen darf ich mich fortpflanzen ich antworte mit diversen…

Kontrolle

Die Nacht war lang gewesen, denn sie hatten zusammen Filme gedruckt. Hatten sich den Spaß gemacht, einen ungarischen Film zu sehen – Kontroll. Beklemmende Ästhetik, mal banal, mal der reine Schock. Wäre sicherlich eine gute Vorlage für einen Film mit…

grenzenlos und unverschämt

ich werde trotzdemafrikanischseinauch wenn ihrmich gernedeutschhaben wolltund werde trotzdemdeutsch seinauch wenn euchmeine schwärzenicht paßtich werdenoch einen schritt weitergehenbis an den äußersten randwo meine schwestern sindwo meine brüder stehenwounsereFREIHEITbeginntich werdenoch einen schritt weitergehen undnoch einen schrittweiterund wiederkehrenwannich willwennich willgrenzenlos und unverschämtbleiben…

Die Kolonne der schwankenden Heuwagen

Die Kolonne der schwankenden Heuwagen auf dem Feldweg  gegen einen Gewitterhimmel – und irgendwann holpert die Schmalspur abschüssig runter zum Hoftrakt. Die TEform des Hoftraktes, im Schnittpunkt Fliegentisch, Steinboden mit Zaunmuster. Das Klima drinnen schält und löst sich aus 2…

Love is in the air

He finds her nature to be thoroughly friendly *** Love is in the air von Joanna Lisiak, 2019, 200 Seiten, isbn 978-374942-841-0 Einzelne Wörter, Wortkombinationen, die direkt ansprechen, indirekt etwas meinen oder subtil verdecken. Minimale Aussagen, mögliche Kommentare, vermeintlich neutrale…

KAISERPANORAMA

Reise durch die Deutsche Inflation   IV. Nicht umsonst pflegt man vom »nackten« Elend zu sprechen. Was in seiner Schaustellung, welche Sitte zu werden begann unter dem Gesetz der Not und doch ein Tausendstel nur vom Verborgenen sichtbar macht, das…

spinnen

ist das all gewebt schwebt die spinne aus der tür des himmels die sie hütet zerplatzen die ballons unter ihr im wind fliegen die jungen an leuchtenden fäden steigen auch menschen auf zur sonne beginnen ihre körper zu brennen flackert…

Illuminationen – Karl Kraus

Gustav Glück gewidmet I. Allmensch Wie laut wird alles. Worte in Versen II Alte Stiche haben den Boten, der schreiend, mit gesträubten Haaren, ein Blatt in seinen Händen schwingend, herbeieilt, ein Blatt, das voll von Krieg und Pestilenz, von Mordgeschrei…

spielräume des staunens

2016 erschien von joanna lisiak, die zwischen zürich und basel lebt, der gedichtband »links wenn sie träumt« beim verlag »edition 8« in zürich, einem der ausgangsorte der klassischen moderne. »links wenn sie denkt« wäre ebenfalls möglich. links träumen und denken…

Winterdienst

Patrick schon wieder er steht mit seinen kurzen Beinen breitbeinig da wollen wir reden Patrick ich weiß er will jetzt nicht reden weiß nicht was er will Benjamin kommt herein und geht in sein Zimmer Sandra ist mit den anderen…

Stadtansichten

Jede Fotografie ist eine Art memento mori. Susan Sontag In seinen Stadtansichten von Linz untersuchte Peter Meilchen künstlerisch, welchen Einfluss die architektonische oder geographische Umgebung auf die Wahrnehmung, das psychische Erleben und das Verhalten hat. Seine psychogeographische Forschung findet dabei…

Porträt

  *** Weiterführend → Eine  Würdigung von Jürgen Diehl finden Sie hier. Hören Sie auch die Hommage an Jürgen Diehl auf MetaPhon.

Flickenteppich ∙ Blicke auf Brinkmann :

Weiter und weiter machen in einer gu­ten Gegen­wart Die Musik kann im selben Maße wie die Literatur erschüttern, eine gefühlsmäßige Umkehr, Traurigkeit oder ab­so­lute Ekstase bewirken; die Malerei kann im selben Maße wie die Literatur verzücken, einen neuen Blick auf…

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wirst mir nicht und nie wirst mir fremd und selten beim Schrägen der Strahlen dann: Ende sinkt eine Zeit ein Loops *** Baumzyklen, Gedichte von Sophie Reyer, KUNO 2020 Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem preisgekrönten Essay Referenzuniversum geht…

Räume, Zeiten, Erkenntnisse

Wer vermutet, die geschlossenen Kirchen seien ein Szenenausschnitt aus einem rumänischen Dokumentarfilm oder gar eine Metapher für eine konfessionslose Gesellschaft, wird verblüfft feststellen, dass dieses Gedicht von Ana Blandiana nach einem Spaziergang durch die Kölner Innenstadt entstanden ist. Mit dem…

Die erhellenden Ansichten eines gewissen Herrn Hitler

Über Adolf Hitler wird man vermutlich alles Schlechte dieser Welt sagen können. Und die Wahrscheinlichkeit ist recht groß, dass man mit kaum einer dieser Aussagen völlig daneben liegt. Aber eines muss man dem Gröfatzke, bei allem Widerwillen, zugute halten: In…

Wir segeln auf dem Strich

Wir segeln auf dem Strich dahinten, eher früher. Wohin geht’s, mit dem Kreuz auf der Karte? Es ist kühler geworden, darum sichte  wir auf Mittelgrund und verständigen uns nicht weiter per Megaphon mit den Eingeborenen. Und wieder eine Weile wieso…

Die Aufgabe des Übersetzers

Nirgends erweist sich einem Kunstwerk oder einer Kunstform gegenüber die Rücksicht auf den Aufnehmenden für deren Erkenntnis fruchtbar. Nicht genug, daß jede Beziehung auf ein bestimmtes Publikum oder dessen Repräsentanten vom Wege abführt, ist sogar der Begriff eines ›idealen‹ Aufnehmenden…

Die schönste Nebensache der Welt

Dank Netzers Ballbeherrschung, seiner grandiosen weiten Pässe, seiner Geistesblitze und Übersicht sowie Heynckes’ Schnelligkeit und Intuition entwickelte diese Elf einen Spielfluss und eine Brillanz, die sie weder zuvor noch danach jemals wieder besessen hat. schreibt Daniel Cohn-Bendit über die die…

Zwischen Halle und ‚Rendsborough‘

Vorbemerkung der Redaktion: Zum 85. Geburtstag von Sarah Kirsch baten wir André Schinkel einen Blick auf „Juninovember“ zu werfen, die erste Publikation aus dem Nachlass der Dichterin. Die große Dichterin Sarah Kirsch, bereits zu Lebzeiten zur Klassikerin erklärt, blieb stets, wie…

Robert Walser

Man kann von Robert Walser viel lesen, über ihn aber nichts. Was wissen wir denn überhaupt von den wenigen unter uns, die die feile Glosse auf die rechte Weise zu nehmen wissen: nämlich nicht wie der Schmock, der sie adeln…