Kategorie: Allgemein

Wir, wenn wir im Carrè das Wirkliche umbilden

Wir, wenn wir im Carrè das Wirkliche umbilden: in Wirkliches mit dem Kleinen Unterschied von den Gesten her.  Wir, das Carrè aus Gesprochenem,  in die Wirklichkeit das Carrè geschnitten/im  Augenblick blüht das Carrè.  Mensch, wir mit dem kleinen Unterschied im…

25 Jahre Herr Nipp auf KUNO

Herr Nipp de-real-isiert das Faktische und real-isiert das Fiktionale.  Vor einem viertel Jahrhundert stellte Haimo Hieronymus einen Typ vor, die seither auf KUNO ein Eigenleben entwickelt hat. Bereit die erste Geschichte von Herrn Nipp zeigt eine melancholischen, zum Selbstmitleid neigenden…

NATURBEOBACHTUNG

Den Tau in den Netzen fangen wie die Spinnen und sie fragen wie es sich lebt unter dem Schweigen der zerteilten Himmel, ohne Lot, im Regenwald der Sterne. Sie könnten es wissen. Sie oder Jesaja, der eine Jahreszeit verbrachte im…

Striptease

Die Masten schwankten, als der schwere Wind gegen die Zeltwände stürmte. Die Zuschauer auf den kreisrunden Rängen starrten in das riesige Maul eines Hais. Die Zähne schimmerten weiß und rot im Blinklicht. Die Arena war schwarz. Im Herzen des Hais…

Außenseiter der demokratischen Gesellschaft

„Heute sind Künstler nicht nur ‚Außenseiter der Gesellschaft’ (…), sondern sie sind ‚Außenseiter der demokratischen Gesellschaft’ (…). Mit dieser lapidaren Feststellung plädiert die Autorin in ihren didaktisch-methodischen Reflexionen über mögliche Darstellungsweisen von Kunstwerken für flexible Ausdrucksweisen im Umgang mit autonomen…

Bild

Ein Kind hauptsächlich kindisch, ein Mann mit männlichen Schläfen dazu eine Dame mit einer Leberpastete. Alles knospend und schlendernd. Zur Linken ein spukhaftes Falsches, hinten ein quiekendes Leichtes. Zuvorderst ein Winzling. *** Blempek ist ein Trick, der sich bewährt, von…

Alphabetikon: Venus

Alphabetikon, Katalog von Haimo Hieronymus, 2014. Weiterführend → Vertiefend zu diesem ‚Alphabetikon‘ lesen Sie bitte das Kollegengespräch mit Haimo Hieronymus. Zum Thema Künstlerbücher finden Sie hier einen Essay sowie einen Artikel von J.C. Albers. Gerade erschienen: Fatale Wirkungen, von Herrn…

TODE

sitz ich im offnen grab des schädels komm ich ans tor der wunden wiegt mich der knochentanz in den schlaf vertieft ihn das zucken der glieder  vor augen schwarzgefleckt die haut mein totenhemd  entflammt mich fäulnis das andere feuer  beleben…

kleine gedichtleere

es ist nicht leicht für ein gedicht still zu sein zu schweigen nichts zu sagen zu haben es ist nicht leicht für ein gedicht leser zu finden für das worüber es nichts sagt und schweigt es ist nicht leicht für…

wortkeil

 Harfe kann auch Mordbeil sein.                                                                                         Monika Rinck kennst du die hand für ›honigprotokolle‹ in die verkühlte flüsse manchmal münden am ijsselmeer liegt lauernd kleine tulpenknolle dieweil in harbin leut brandkugeln zünden googeln bienen mit sehr weiten schlünden kullert heut…

Sie beobachtet sich selbst

Sie beobachtet sich selbst, ohne sich beobachtet zu fühlen. ER beobachtet sie, ohne sich dabei beobachtet zu fühlen. Jemand beobachtet die beiden, wobei er dem Trugschluss der Selbstbeobachtung verfällt. Er vergewissert sich des Aussichtspunktes, von dem aus er die beiden…

Unwetter

Er hatte eine Zeit lang auf einer ehemaligen Alm pausiert, die Augen geschlossen, wie er es eben gerne macht. Seine Gedanken waren in Tagträumereien übergegangen. Worte und Geräusche aus der Nachbarschaft gingen eine innig symbiotische Verbindung mit den eigenen Gedanken…

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  die grauen Berge das Gehäuse Wind   weiter hinten und unentdeckt   du sagst es sei hell hinter den Wolken     *** Baumzyklen, Gedichte von Sophie Reyer, KUNO 2019 Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem…

Blindes Urteil

Die maltesische Eisläuferin Maria Cassata, die wegen ihrer hohen Sprünge und schnellen Drehungen auf dem Eis vom Publikum gefeiert, von der Jury aber stets gefürchtet war, weil keiner hinter das Geheimnis ihrer Kunst kam – während ihres Fluges über dem…

Therapien

Den Kopf in den Hut, dann im Park verschwinden. Ganz ruhig den Augen die Gegend zeigen. Hier eine einfache Wiese, dort eine Wiese mit Raben. Doch wenn das nicht hilft, von Benn einen langsamen Walzer singen. Dann zurück in die…

Gedichte ohne Worte VIII

*** Weiterführend → Eine Würdigung der Hungertuchpreisträgerin finden Sie hier. Mehr Informationen zur Künstlerin, hier.

die photographin

er ist ein model / sein atem verletzbarkeit / seine welt körpersoziologie / sein geheimnis bewegung und raum / er heiße eno und liebe Amory Clay / man spreche es anu es bedeute geschenk / fait-il parti de la vraie…

SEI AUF DER HUT

SEI AUF DER HUT sagtest du sonst trifft dein herzschlag das behütete schweigen und pflücktest den fingerhut digitalis einfach so und zeigtest noch den weißen fleck auf deinem herzen falscher fleck sagte ich und wies dich aus meinem garten und…

Der Würstelstand

ein Dramolett, für Dieter Scherr MANN 1                    Mir is eh wurscht, aber… VERKÄUFER           Also nicht geschnitten? MANN 1                    Doch schon, aber… MANN 2                    Was druckst? MANN 1                    Waaas net. Kann ma a Eitrige aufschneid´n? VERKÄUFER SCHNEIDET DIE WURST MIT KREN…

Strich

Behände gleitet Hand übers Blatt geführt mit leichtem Griff die Feder Ausfluss der Gedanken zu Worte Sätzen geformte Beweise, die Lügen entlarven stärken nur den Glauben an sie denn wo die Menschen voreingenommen sind, ist die glänzendste Rechtfertigung umsonst wollen…

Eiszeit

Die Kölner Haie, die von ihren Fans manchmal auch liebevoll Eismörder genannt werden, weil sie in ihren Kampfspielen regelmäßig ein gutes Dutzend Pucks zerhauen – so hart schlagen die dick verpackten Raubtiere zu – trafen eines Tages in einem eiskalten…

Den Sanduhren zum Gruß

Unter dem Streiflicht Mirabilien, Perlen eine zarte Blendung: Sonne und Meer nur Chiffren verlorene Entwürfe kaum Sand, kein Meer, und ein Tag wächst strandlos an den nächsten. Dies ist dein Gelände dein unumstößliches Zeugnis. Hier steht dein Schweigen geschrieben, hier…

Hinterher war ihnen

Hinterher war ihnen am Runden Tisch die Formel gekommen, von der sie, ohne sie nennen zu können, unterwegs beherrscht worden waren. SIe fingen an, sich gegenseitig zu zählen. Wer sich selbst mitzählte, hatte sich verzählt, wer sich ausließ, hatte einen…

Semantik

Ganze Romane die nichts bedeuten und dann ganz unerwartet stürzt du über die Semantik eines Wortes *** Weiterführend → Zum Thema Künstlerbücher finden Sie hier einen Essay sowie einen Artikel von J.C. Albers. Vertiefend auch das Kollegengespräch mit Haimo Hieronymus.…

Weiter nichts als eine schnarrende Murki (Fragment) *

Der Finger, Flossenstrahl, auch die Dattel, sowie ein Muschelkrebs (wegen der Ähnlichkeit) s. Pholas und die Vorzüge eines unsterblichen Haßens (Ich übergehe allhier den ernhaften Fux, den geübten Schürmann, einen knasternden Bärentanz): Welchen Platz haben denn Biber und die gelehrten…

arbeitskreis

Weiterführend → Mehr über die Hungertuchpreisträgerin Katja Butt.

30. Jahrestag des Mauerfalls

Das Zentralkomitee der SED hat durch die Maueröffnung eine echte Wiedervereinigung verhindert, also eine, die mit beiden Teilen Deutschlands was zu tun gehabt hätte und durch die sich auch in Westdeutschland mehr bewegt hätte. Thomas Heise Die Ermordung von Robert…

Das Manifest

An einem 9. November in den letzten Jahren der deutschen Republik verschlang Kautsky, der die Welt besser verstehen wollte, als sie war, ein immer schon erträumtes Buch, das ihm, weil sich der Tag mit langen Gedanken hinzog, so schwer im…

Fischballett

Der Himmel ist möwengrau. Wölkchen reiht sich an Wölkchen. In den Augen des Seehundes spiegelt sich dieses Himmelsspiel für Sekunden. Dann taucht er wieder in den eisigen Spiegel. Schon lange hat der Gletschersee im tiefen Südosten keine blanke Sonne mehr…

Lit-ZS, ein Upgrade

Matrix ist der europäischen Idee verpflichtet. Sie will einem deutschsprachigen Publikum die vielfältigen Möglichkeiten von Kultur, Sprache und Literatur des europäischen Kontinents nahebringen. Sie ermöglicht Literaten und Künstlern aus ganz Europa, einander näher kennen zu lernen. Traian Pop Die Redaktion…

Unter der Überdachung

Unter der Überdachung hielten wir uns wie lange keine Stunde auf bis der Regen nachließ wie angekündigt. Unter der Überdachung untersuchten wir unsere Kleidung nach Überresten aus der Zeit vor dem Regen. – Wir fragten uns gegenseitig nach den Beweggründen…

European Diggers

Thekengespräche haben vor allem für sich, dass man Gedanken entwickeln kann, welche etwas neben der Spur liegen. Dort darf man sich wilden Phantasien hingeben, ohne direkt als Spinner bezeichnet zu werden. Sogar gewisse politische Unkorrektheiten sind zugelassen, solange sie nicht…

Der Wintersturm

    Der Himmel wirft die Jugend weg, ergraut In schweren Wolkenmassen, durchgeknetet Von Winterstürmen. Einer kniet und betet, Er spricht die Formeln, hat nicht aufgeschaut.   Die Böe greift die Fichte, und sie bricht. Mit lautem Knall schnellt sie…

Bensch, Kraus und Peer Quer

Oder: Buchstaben springen mich an In einem alten Buche stieß ich auf ein Wort, Das traf mich wie ein Schlag und brennt durch meine Tage fort. Ernst Stadler Ich stehe vor der Mikrowelle und heize einem lauwarmen Milchkaffee ein, den…

Schmöker

Aus der Schülerbibliothek bekam ich die liebsten. In den unteren Klassen wurden sie zugeteilt. Der Klassenlehrer sagte meinen Namen, und dann machte das Buch über die Bänke seinen Weg; der eine schob es dem anderen zu, oder es schwankte über…

möchten sie verdienen

dauerhafte schwierigkeiten grundlegende zielstrebigkeit umgang mit erreichbarkeit ist ein muss pro woche fünf arbeitsstunden vertraulich beschäftigt ist ihre tätigkeit eine optimierung für unsere provision *** Spam Poetry von Joanna Lisiak, KUNO 2019 Die Lyrikerin Joanna Lisiak hat aus Spam-Emails Gedichte…

Alphabetikon: Satellit

Alphabetikon, Katalog von Haimo Hieronymus, 2014. Weiterführend → Vertiefend zu diesem ‚Alphabetikon‘ lesen Sie bitte das Kollegengespräch mit Haimo Hieronymus. Zum Thema Künstlerbücher finden Sie hier einen Essay sowie einen Artikel von J.C. Albers.

Mütter und Städte

für Sylvia Geist Manchmal habe ich die Stadt satt.‭ ‬Kleine Kinder werden überfahren.‭ ‬Oder sie werden alt und werden dann überfahren.‭ ‬Mitten in der Nacht püstern sie Laub,‭ ‬das gar nicht existiert,‭ ‬auf dem Nordstadtbahnhof Auch ich existiere nicht,‭ ‬in…

GESTIRN

zieht die sonne wie ein vogelzug ihre bahn  in der zeitfuge durch die ackerfurchen des himmels  empfangen sie zweige und leiber reifen schneller frucht  und geschwür im weißen licht unter menschenhand  die brennend kalt das fleisch zerschneidet gegen den verfall…

Sehet

  Weiterfühend → Lesen Sie auch den Nachruf über Peter Meilchens Lebenswerk und den Essay 50 Jahre Krumscheid / Meilchen über die Retrospektive im Kunstverein Linz und den Essay zum Buch / Katalog-Projekt 630.

Die Kunst – ihr Wesen und ihre Gesetze. Neue Folge

Eben find ich’s! Bravo, Bravo! Hurrah von hier bis nach Berlin. Ihr Liliencron. Das wunderbare Motto, das ich mir erlaubt habe, diesem zweiten Theile meines Büchleins aufs Titelblatt zu setzen, mag zur Genüge darthun, wie muffig jener herausgeschüttelte Staub in der…

Unter dem Druck

Unter dem Druck konnten wir den Erinnerungen nicht widerstehen. Während wir dicht zusammendrängten, enthoben wir uns unseren Erinnerungen, indem wir Stegreif neue formulierten.  Dieser Abend hatte leichte Stimmung im Raum war’s kühl wir konnten ausweichen wir spielten was erst geschehen…

Goldener Oktober

Trotz langer Feiernacht war er recht früh aufgewacht. Gegen 8 Uhr, anderthalb Stunden später als sonst. Er hatte seine vier Stunden Schlaf bekommen, war hochgeschreckt, im Wissen um die Verpflichtungen schnell aufgestanden, hatte seine Arbeit am Schreibtisch erledigt. Bevor er…

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  Gerill aus Felsen   mit der Nase an den Himmel reichen den Finger tief in der Erde   manchmal queren uns noch Sterne     *** Baumzyklen, Gedichte von Sophie Reyer, KUNO 2019 Ein Porträt von Sophie Reyer findet…

Der letzte Weg

Der griechische Gewichtheber Kounellis, der vor der gesamten Weltelite der Kraftdisziplinen bei dem leichtfertigen Versuch, den Diskuswerfer, eine antike Bronzestatue im Museo Nazionale Napoli, vom Marmorsockel zu stoßen und zum Ruhme des Sports über sein Haupt zu reißen, starb, weil…

Auswanderung

Der Despot des Absolutismus schlug gegen den Holzrahmen der Tür. Es war noch hell, daher war der Spalt zwischen Wimpern und Gesicht größer. Man hörte ein eindringliches Klopfen des Windes ans Fenster. Das blutunterlaufene Auge triefte vor Nässe, zuckte vor…

Gedichte ohne Worte VII

*** Weiterführend → Eine Würdigung der Hungertuchpreisträgerin finden Sie hier. Mehr Informationen zur Künstlerin, hier.

blutbad

fleisch oder pflanze fressen / bewusstsein haben beide / du bist in jedem fall ein mörder / das recht auf eigenständigkeit schließt die industrielle instrumentalisierung aus *** Mit seiner micropoetry gelingt es Denis Ullrich eine übernutzte Sprache zu entkernen. Seine vielgestaltigen…

Gewinn

Ich sitz bei mir, auf einem dieser Stühle, Die zwischen allen stehn, im Zwischenraum. Und um mich weht des einen Herbstes Kühle, Da Blatt um Blatt verlässt den einen Baum. Ich frage mich, wie ich mich immer fühle, So un-…

Nobel geht die Welt zugrunde

Hat sich nach der Nobelpreises-Pause etwas geändert? Kein Romancier aus Asien. Keine Kurzgeschichten-Autorin aus Lateinamerika. Kein Essayist aus Afrika. Keine Inuit-Lyrikerin, die Naturgedichte schreibt (Greta Tintin Eleonora Ernman Thunberg* hat den Friedensnobelpreis auch nicht erhalten). Dafür eine Vorzeige-Dissidentin aus dem…

Raunen

Dem altem Befehl gehorcht das Auge schießt gedankenlos den Kopf zur Seite bietet Pfeil die Stirn gräbt tiefe Furche in junge Haut: ein Mal in Stein gemeißelt, alt wie Runen raunt es nach langer Zeit sichtbarer verblasst jedoch die Erinnerung…

Schimpfen, Auszug

Diese dokumentarischen Einsilbigkeiten entblößen ihr Wollen wie Exhibitionisten. Doch während wir letzteren den Mangel an Phantasie noch verzeihen mögen, sollte uns dieses Versöhnlichkeitsstatut in der Kunst weniger bestimmen. Wenn diese Epigonen bloßer Beschreibungsnöte uns zugleich die Zukunft der Kunst zeigen,…

Die Freiheit, frei zu sein

Mein Thema heute, so fürchte ich, ist fast schon beschämend aktuell. „Ihr Werk verweist auf die Einzigartigkeit der Person, die sich dahinter verbirgt, und damit auf die Leidenschaftlichkeit ihres Denkens und ihrer Existenz. Es ist die hinter dem Werk stehende…

Die Unterbrechung wurde registriert

Die Unterbrechung wurde registriert, als anhielt, was geschah. Die Dauer des Vorgangs hatte etwas Irritierendes: Wäre etwas abzusehn gewesen, wäre man aus dem Zimmer gegangen ins Freie zur Bushaltestelle mit der Absicht,alle Wartenden ins Zimmer zu bitten, um sich ein…

stringblatt

Der Hungertuchpreisträger Thomas Suder präsentierte auf KUNO Objekte und Bilder, die eine dialektische Beziehung zwischen organischen, also eher rundlichen Formen und Strukturen, und dem was ebendieses an höchst unorganischen Formen hervorbringt, um in der angeblich erlebten geordneten Realität letztendlich wiederum…

ZUSTÄNDE

verschwindet im bahnhof dem markt mit gleisen die masse der teig das gewicht hör ich in der spur nur vibrieren seh ich die spiegel nackt das fleisch darin die zeit ein automat der spricht verschenken sie nichts damit der alltag…

winterreise

  die moorlinse ist gefroren und an ihren rändern sind hohe gräser abgebrannt. das auge liegt offen. daneben geköpfte stämme in efeufell eingeschlagen. an der parkmauer schreibt sich die zeit fort, der ich ansehe wie sie mich zurücklassen wird. auf…

ratenkauf

Weiterführend → Mehr über die Hungertuchpreisträgerin Katja Butt.

manzanita

Sonne kleines steinernes Feld angesiedelt nur Dorn ein Schlehen Anfang Auge nimmt teil Natur Gesetz Ist Dies führt zu Dünen und ähnlichen Anordnungen Wasser Stein Licht Dunkel Luft“ „Dies Blau war interessant hinter Bewegung von Zweigen Ausschüben Formation Erbe jeder…

Im Tunnel

Der Zug aus Paris surrte mit irrem Tempo über die singenden Gleise auf den Tunnel zu, der die Kontinente tief unter dem Wasser des Meeres verband, da ging plötzlich der Mond auf, der an diesem Tag ins Metall der Schienen…

gefangenschaften

sie haben die freiheit eingekreist mit polizisten und ordnungskräften die wortbrüche sind geschient und wasserwerfer warten auf baldige zuwiderhandlungen feiernde sind gut bezahlt und sündenböcke können ohnehin kaum einer sünde widerstehen lautlos spielen straßenmusiker in unsichtbaren käfigen melodische protestlieder nur…

Die Zeit über hat man das Gefühl

Die Zeit über hat man das Gefühl, man lenke, ohne spürbaren Nachdruck, den Gang des Geschehens. Je tiefer man in Widersprüche gerät, sie aber durchhält, ohne zu wissen, warum, desto weniger ist ein Rückzug in die entgegengesetzte Richtung vermeidbar, und…

Halb leer

Auf Festen hat man Gelegenheit in aller Freundschaft mit alten Bekannten zu reden, über Gott und die Welt, wie man gerne sagt, meist jedoch über Fernsehen und Fußball. Da unterhalten sich zwei gestandene Männer (sagt man so, wenn sie schon…

Widerstand gegen Nicht–Orte

Der Mensch braucht den kleinen Rausch, sonst fängt er an zu revoltieren. Jutta Voigt Ähnlich wie der erste Roman Abgeschlossenes Sammelgebiet kann man die Lokalhelden augenzwinkernd als „Historienroman“ bezeichnen. Hier ist jedoch nicht die Fernvergangenheit gemeint, sondern der Zeitraum zwischen…

Terres

Verblutung. Wer an das Göttliche glaubt, glaubt doch nur an sich selbst, sagt Terres, der Orgler, der Glasperlenspieler und Komponist des Selbstgesangs. Im Herbst war die neue Orgel fertig, gebaut nach seinen Plänen. Eine Orgel ist eigentlich nie groß genug,…

Mahnruf an die Deutschen

Wir wollen gehört werden, denn wir reden als Warner, und immer ist die Stimme des Warners, wer es auch sei und wo sie auch immer erklinge, in ihrem Rechte; dafür habt ihr, die angeredet werden, das Recht, euch zu entscheiden,…

nachricht aus london

sie können durch südamerika europa ozeanien asien und nigeria gehen präsident goodluck behauptete sie sind ein glücklicher mensch sie werden mit mr. richard graves aus den usa in zusammenarbeit frustrieren top-nigerianische regierungsbeamte sind erfüllt generalsekretär ban ki-moon wird sie anrufen…

tagesordnung

dein ungekämmter blick aus dem fenster in die noch traumverhangene landschaft tonspuren einer amsel legen sich in die rillen deiner stirn während das krause gestrüpp in deinem kopf sich in zeit lupe der lichtung nähert hier & da erste gedanken…

MONDE

nicht ausgeliefert dem vampir der sonne häutet sich der mond das schwert der nacht mit langen fingern bleicher hand zeugt er tautropfen pflanzensaft entsteig auch ich ein schatten meiner brust trägt mich mein gefährt eine wurzel aus licht gleit ich…

ursprung

    gezeitenwandel erinnerungsflut   im flussbett der gedanken steht das gezähmte vieh                   kopf   Aleph   heißt uns trinken von den anfängen     Weiterführend → Poesie ist das identitätsstiftende Element der Kultur, KUNOs poetologische Positionsbestimmung.

Proëmatischer Satz zur Poesie von ›heute‹

Dräng die Wörter zusammen, faß dich kurz. Jesus Sirach ∙ AT ∙ 32,1–13 Wie geht anfangen, fragt Daniela Danz in V – – – und wer weiß, vielleicht geht anfangen ja, in etwa, so … : hier kommt die zukunft…

Zur Einladung erscheinen

Zur Einladung erscheinen, mit verbundenen Händen und Augen.  Niemand von den Anwesenden darf beim Eintritt berührt werden, keiner darf genötigt werden, einen anzusprechen.  Man selbst spricht nicht, bewegt aber den Mund w i e  zum Sprechen. Die gebundenen Hände, zur…

Ehemannzipation

Dieses Wetter ist genau nach seinem Geschmack, nicht zu warm und manchmal kommt ein erfrischender Schauer. Wenn es dann einen ganzen Vormittag regnet, kann ihn das auch nicht weiter stören, weiterhin geht Herr Nipp davon aus, dass es nur schlechte…

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Wind wirbelt Sand hoch Mensch läuft und fällt wo beginnt die Mauer zwischen ich und du man hat uns aus einem Rätsel geboren *** Baumzyklen, Gedichte von Sophie Reyer, KUNO 2019 Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier. In ihrem…

Totes Rennen

„In geschnittenen Blumen lebt die Natur aus der Kunst. Man kann fast dasselbe über Gesichter sagen“, sagte Bellini, der Rennfahrer, als er vor dem Grand Prix in Monza der Tänzerin Dora de la Rosa, die er über alles liebte, eine…

Ansprache an die Wörter

Für Franca Ricinski   Ihr, keine Bräute, sondern Nutten und Engel, die ich mit Haut und Haar bezahle, mit meinem aufs Ganze gegangenen Leben. Mit den Fingern klopfe ich euch ab, Zeichen für Zeichen, bis ich euch spüre und lebendig…

So·no·rant ?

Das Jüdische Museum Berlin präsentierte zwischen 2017 und 2019 mit res·o·nant eine begehbare Licht- und Klanginstallation des Konzeptkünstlers Mischa Kuball. Die ortsbezogene Installation wurde eigens für die Ausstellungsfläche im Untergeschoss des Libeskind-Baus geschaffen. Auf insgesamt mehr als 350 Quadratmetern bespielt…

strampfblau

  auch ein mann ist zuweilen degutiert / sein job die offenen kredite die ehefrau / die schule die kinder das auto waschen müll raustragen / die aufwendungen / um stark zu sein und schön und erfolgreich / maskuliner blaustrumpf…

krähe

versammeln sich die krähen morgens wie krieger vor der schlacht  kämpfen sie in den lüften  stürzen sie aufs fleisch der toten  sind sie endlich satt krächzen sie  vom schwarzen baum herab  verkünden sie menschen das ende hängt man sie an…

Orion • Ranis • September

Erinnerung: Wir küssen uns. Du hast zuvor geraucht, du hast die Zigarette noch in der Hand, während wir uns küssen. Hinter dem Rauchgeschmack dein Duft. Das fordernde, angespitzte, mit den herrlichen Noppen deines Leibs besetzte Scharnier deiner Zunge. Das ist…

Von den Häuserzeilen

Von den Häuserzeilen, terrassenförmig ansteigend, waren Stimmen zu hören, Stimmen, die darauf schließen liessen, dass sie aus den Höfen kamen. Die Hofstimmen schichteten sich übereinander wie die Häuser und die Ebenen unter ihnen.  Von den untersten Häusern kamen die lautesten…

Nachdenken über Kunst

Die Begründung der schönen Künste und die Einsetzung ihrer verschiedenen Typen geht auf eine Zeit zurück, die sich eingreifend von der unsrigen unterschied, und auf Menschen, deren Macht über die Dinge und die Verhältnisse verschwindend im Vergleich zu der unsrigen…

Der Stil

Die Künstler in dieser Zeit sind nach innen gerichtet. Ihr Leben ist ein Kampf mit dem Irrsinn. Sie sind zerrissen, zerstückt, zerhackt, falls es ihnen nicht glückt, für einen Moment in ihrem Werke das Gleichgewicht, die Balance, die Notwendigkeit und…

Versehen

Die weit aufgeknöpfte Bluse einer jungen Frau, die während eines Motorradrennens ihren üppigen Körper zur Schau stellte, um auf dem Höhepunkt der Spannung und der Gefahr eines solchen Rennens die Aufmerksamkeit eines vom Rausch der Technik ergriffenen Mannes zu erregen,…

HÖRZU

oder: Warum viele Künstler leider weiter am Hungertuch nagen müssen Der Komponist Jean Sibelius soll einmal geäussert haben, Sinn für Musik habe er „eigentlich immer nur bei Bankiers gefunden, höchst selten bei Künstlern, die lieber über Geld reden.“ Ein bemerkenswertes…

12. Tafelbild – Overkill

Eine Nervenheilanstalt, irgendwann im Irgendwo. Aliens recherchieren, in ihrer Funktion als Oberärzte, im galaktischen Datenschrott Fragmente einer untergegangenen Zivilisation, die sie in einer Versuchsanordnung rekonstruieren: Wohin geht der Chor, wenn er im Namen des bürgerlichen Individuums vertrieben wird? Wie ist…

Patricia Brooks erhält in Anerkennung ihres Lebenswerks das Hungertuch für Literatur 2019

The future is female, lautet ein bekannter Graffito im 20. Jahrhundert. Wenn dem so ist, hat sie das Antlitz von Patricia Brooks. Im 3. Jahrtausend bedroht vom Islamismus, schockiert vom Populismus und überwacht von Konzernen durch Algorithmen kehren Autoren wie…

Gleb Bas erhält das Hungertuch für Kunst 2019

Er ist ein Wanderer zwischen den Welten, durch dessen Bilder sich ein Zug von Vereinzelung und mangelnder Kommunikation zieht. Personen stehen oder agieren beziehungslos, jede für sich, eine zentrale Handlung fehlt. Eine erfinderische Kombination von Monotypie und Malerei, die Bas…

Marion Haberstroh erhält das Hungertuch für darstellende Kunst 2019

Die Schauspielerin Marion Haberstroh gibt der Sprache den Wohlklang zurück. Ihr Ziel ist es, die menschliche Stimme als ein universelles Instrument zu präsentieren und dem Geschmack der Worte auf die Spur zu kommen. Haberstroh kam von der Bühne und fand…