Zeremonienmeister des Augenblicks

Willy Puchner mit Kommilitonin Elke Mischling, Mitte der 70er Jahre in Selbstinszenierung für eine fotografische Übung an der „Graphischen“ in Wien Heute im aktuellen „Selbstportrait“ zeigt sich der Österreichische Künstler, Fotograf, Zeichner und Autor Willy Puchner ganz anders – mit…

WOHNEN LERNEN!

Wohnst du noch oder lebst du schon? den Ursprung dieser Frage hat Adolf Loos vor 100 Jahren längst beantwortet. Die neue bewegung, die alle bewohner dieser stadt wie ein fieber befallen hat, die siedlungsbewegung, verlangt neue menschen. Menschen, die, wie…

Radio hören

  Er sitzt im Auto, fährt auf der Autobahn von a nach b, von Essen nach Siegen vielleicht. Er hat keinen festen Termin, muss nur ankommen, muss die Ware abliefern. Ware im Wert von 280.000 Euro, richtig gute Ware. Ein…

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  Wer sich zurückzieht wird an den Menschen schuldig oder Stacheln des Alltags der Alltag ist ein Kaktus nur kein Übermaß die Stacheln schützen aber sie vertreiben was gut ist wenn sie zupieksen irgendwas läuft hier schief und wie ein…

KRASH Verlag, der Name war Programm

1989 war ich Underground. Und das war gut so. Denn wir wollten ums Verrecken nicht so sein wie die anderen – die Bölls, Grass‘, Walsers. Wenn man Trash und Indierock hört, kann man Wasserglaslesungen mit Blumenbouquet weniger goutieren. Literatur und…

Das Hungertuch für Manuel Quero

Manuel Quero aus Barcelona erhält in Anerkennung seines künstlerischen Werks das Hungertuch für Choreographie 2003 Queros Werke nutzen die Sprache der Folkwangschule und erweitern diese fortwährend in einen typischen Manuel–Gestus. Seine Mischungen verschiedener Musikrichtungen, von quietschendbunter Popmusik hin zu düsterer…

ABGESCHABT

reißen tapeten in speichern und küchen komm ich aus zerfallenem papiergeröll im kopf such ich brot und fleisch stieben tropfen wie funken unterm dampf der kessel seh ich schwarz flieh ich in zerstrahltem staub schützt mich mein skelett auf der…

Höhenlinien

  Bernard Herrmanns Oper WUTHERING HEIGHTS hat mich zu Emily Brontë zurückgeführt, deren berühmter Roman gleichen Namens als Vorlage für das Libretto diente. Ich sah vor Jahrzehnten einen sehr guten Film über die Schwestern. Ich lerne die „Sturmhöhen“ jetzt erst…

Subversive Heiterkeit

Der Name Flying Teapot bezieht sich direkt auf das philosophische Gedankenexperiment Russells Teekanne des Philosophen Bertrand Russell. Russell argumentierte, dass die Beweislast bei demjenigen liegt, der eine unüberprüfbare Behauptung aufstellt (wie eine Teekanne, die im All kreist). Daevid Allen griff…

Zu den Dingen selbst?

– Werbung für eine Wissenschaft von den erlebbaren Zusammenhängen –  Die Natur und ihr Inventar In der christlich mittelalterlichen Zeit „las man im Buch der Natur“, wenn man sich Wissen schaffend mit ihr befasste. Es gab eine feste Ordnung und…

Des Künstlers Seele

An Vernissagen von Galerien würde man ihm mit grosser Wahrscheinlichkeit begegnen, denn gewissermassen ist es seine Pflicht, an solcherlei Anlässen zu erscheinen. Diese Feierlichkeiten – eher von politischer und banaler denn ästhetisch-philosophischer Natur. Er ist also zugegen, hat seine Atelierumgebung…

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Wie sich die Fäden aus Regen an die Scheiben legen: „Lass uns herein!“ Sie kann ihren Blick jetzt nicht mehr gehen lassen Augen durch streift ziellos in sich selbst umher sie dirigiert diesen Wahnsinn auch noch: die Liebe, die Affairen…

Ruth

  Sie müßte eine Patronesse haben – etwa die Kaiserin von Island oder eine reiche Eskimotochter; vielleicht wird es eine Inger auf Östrot sein. Ruth ist eine Tragödin. Schon seit zwei Jahren spielt sie mit Vorliebe Partien aus Ibsens Werken.…

DAS MYSTERIUM DER AKUSTIK

  Man hat mich gefragt, ob der Bösendorfersaal erhalten werden solle. Der frager ging wohl von der voraussetzung aus, daß es eine sache der pietät wäre, einen saal, der in der musikgeschichte Wiens eine so große rolle gespielt hat, nicht…

Lesen ist Schreiben

  Als Kind las ich meistens im Bett, ich kuschelte mich in die Decke und dann konnte ich stundenlang, manchmal den ganzen Tag, in mein zweites Bett kriechen, das Buch war mein Bett im Bett, mit dem ich geschlafen habe,…

Der Canterbury Sound

The Soft Machine war der Titel eines Romans von William S. Burroughs, nach dem sich die Gruppe benannte. David Allen hatte Burroughs in Paris kennengelernt und von ihm die Erlaubnis zur Verwendung des Gruppennamens erhalten. Der `Canterbury Sound´ entstand Anfang…

Begegnungsorte

  Unter „Begegnungsorte“ verstehe ich nicht nur Orte im topographischen Sinn, sondern ich meine damit auch Orte und Gelegenheiten, die im Rahmen einer Gemeinschaft Begegnungen, Kontakte, Sich-Kennenlernen ermöglicht und oft Beziehungen oder sogar Freundschaften begründet haben. Solche Begegnungsorte können natürlich…

zwischen den schritten

  beschwerlich ist der weg, ist das gehen, gehen, angst vor dem nächsten schritt jämmerliche banalität, was, wenns nicht weitergeht: ein bein bleibt stehen, eins geneigt zum Wechsel,  sekundenkurz, ehe das gleichgewicht unhaltbar wird – in der luft sind keine…

Verklärte Nacht

  Zwei Menschen gehn durch kahlen, kalten Hain; der Mond läuft mit, sie schaun hinein. Der Mond läuft über hohe Eichen, kein Wölkchen trübt das Himmelslicht, in das die schwarzen Zacken reichen. Die Stimme eines Weibes spricht:   Ich trag…

Sparsamkeit

  Als ich die folgenden Seiten, oder vielmehr den größten Teil derselben schrieb, lebte ich allein im Walde, eine Meile weit von jedem Nachbarn entfernt in einem Hause, das ich selbst am Ufer des Waldenteiches in Concord, Massachusetts, erbaut hatte…

Universalpoesie

Die progressive Universalpoesie bezeichnet eine bestimmte, romantisch genannte Art von Literatur, welche nicht nur sämtliche literarischen Gattungen – also alle Formen von Lyrik, Drama und nicht zuletzt Prosa – zusammenführt, sondern auch die Literatur mit Philosophie, Kritik und Rhetorik, Kunst…

Schwabing

  Vorbemerkung der Redaktion: Obwohl die nonkonformistische Literatur ehrlich und transparent zugleich sein wollte, war gegen Ende der 1960er nur schwer zu fassen. Der Zeitzeuge Erich Mühsam über Schwabing:   Schwabing, habe ich früher schon einmal behauptet, ist, wie Montmartre,…

Mut zum Pathos

Es war unsere vierte große Tournee, und die Fans standen von Anfang an hinter mir. Sie sind ein großartiges Publikum. Es war die beste Konzerttournee meines Lebens. Ich habe in meiner gesamten Karriere noch nie so viel Spaß am Spielen…

Das menschliche Ohr

  Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer Annäherung…

Ein Hungerkünstler

  In den letzten Jahrzehnten ist das Interesse an Hungerkünstlern sehr zurückgegangen. Während es sich früher gut lohnte, große derartige Vorführungen in eigener Regie zu veranstalten, ist dies heute völlig unmöglich. Es waren andere Zeiten. Damals beschäftigte sich die ganze…

Vor der Halle

  Offensichtlich sieht er sich als Alleinunterhalter, vielleicht wurde er auch dazu animiert oder gar engagiert, wer weiß das schon. Er wartet mit all den anderen hochmotivierten Eltern und Großeltern vor der Halle auf das große Probetraining – Kreisauswahl. Da…

Gleichnis von den Gleichnissen

  Viele beklagen sich, daß die Worte der Weisen immer wieder nur Gleichnisse seien, aber unverwendbar im täglichen Leben, und nur dieses allein haben wir. Wenn der Weise sagt: »Gehe hinüber«, so meint er nicht, daß man auf die andere…

Ganz Ohr

    Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer…

Horchposten

Das Ohr ist ein Organ der Angst, hätte der Mensch nur Augen, Hände, Geschmacks– und Geruchssinn, dann hätte er keine Religion, denn jene Sinnesorgane sind Organe der Kritik und des Skeptizismus. Ludwig Feuerbach Mit literaturpädagogischen Kursen versucht A.J. Weigoni die…

Weit verbreitet

  Romantische Menschen süchtig nach mehr, nach gestern und morgen nach Wolke und Meer. Manch einer will reich sein; Gewinner! Glückspilz! Am liebsten unsuchend finden. Schade. Der Glückliche sucht nicht. Der Enttäuschte mag nicht.       *** Beeren sind…

Ich, Jesus, Scharlatan

In vielerlei Hinsicht ähneln Christen Filmbesuchern aus den Anfangstagen des Kinos, die das Geschehen auf der Leinwand gleichsetzen mit Realität – ein Zustand der Gnade und der Dummheit zugleich. Doch ein Film bleibt immer nur ein Film. Nicht einmal der…

RETTET KILLROY!

DER SOCIAL BEAT IST TOT, ABER DARUM GEHT‘S NICHT: WENN DAS LABEL KILLROY MEDIA VON MICHAEL SCHÖNAUER IN ASPERG ABNIPPELT, STIRBT WAS ANDERES Michael Schönauer ist Urgestein. So ur, daß neulich ein Freund, dem ich von meiner bald bei Killroy…

The Mothers of Invention

Am 27. Juni 1966 erschien von den Mothers of Invention nicht nur die mit der ersten Do-LP der Musikgeschichte sondern auch das erste Konzeptalbum. Und damit ein Jahr vor dem völlig überschätzten Album der Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band.…

Das menschliche Elend

  Die wichtigsten Sachen, welche die ganze Menschheit betreffen, kommen manchmal erst sehr spät zur Sprache, so wie es in großen Ratsversammlungen und Kollegiis zu geschehen pflegt, wo die Aufmerksamkeit auch nicht immer gerade zuerst auf das fällt, worauf sie…

Die Tauben

  Weiterführend →  Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer Annäherung…

Wie fühlt man sich so als Lehrerin?

  Zum ersten Mal steht sie da vorne – vor der Tafel – eine ganze Schulstunde lang. Sie hat sich vorbereitet, hat ihre Unterrichtsstunde mit anderen Schülerinnen gemeinsam entwickelt. Sie weiß um die Funktion der verschiedenen Teile und wird auf…

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Wie sich die Fäden aus Regen an die Scheiben legen: „Lass uns herein!“ Sie kann ihren Blick jetzt nicht mehr gehen lassen Augen durch streift ziellos in sich selbst umher sie dirigiert diesen Wahnsinn auch noch: die Liebe, die Affairen…

Und dann verfing sich die Zeit

  Der Hackbrettspieler und ich stiegen an derselben Station ein. Unsere Sitzplätze im Reisebus waren noch frei. Nebeneinander. Das Gepäck noch im Rücken, auf Knien, dann an den Füßen, untergetaucht. Wer von uns beiden hatte mehr zu Tragen im Leben?, stellte ich die…

Blind

  Wir sehen: Wir sind zu vielem fähig, riskieren das größte Unheil oder tun Gutes. Der Natur ist das egal. Sie weiß das nicht. Und wir wissen es letztlich auch nicht, was das soll, was wir Ethik nennen. Die menschliche Existenz…