Autor: Hartmuth Malorny

Der Rezensent, frei nach Goethe

  Der Rezensent und sein Rezipient (Leser, Zuhörer, Zuschauer) leben in einer Beziehung, meist einseitig. Die Hymne auf ein Buch ist wie eine 5-Sterne-Bewertung, doch die namhaften Feuilletons sind fest in der Hand der Buchkonzerne. Neben den wenigen hauptberuflichen Journalisten…

Rodneys Underground Press, RUP

Es gibt sie noch, die alternativen Kleinverlage, die sich bewusst gegen den Internet-Giganten Amazon stellen, denn alternativ ist ja eine Wahl zwischen den Möglichkeiten, und alternativlos nur das Unwort des Jahres 2010. Seit die VG-Wort ihre Ausschüttungen neu regeln musste,…

Morbus Heimat

  Urs Böke schreibt seit Jahrzehnten Gedichte, Gedichte und immer wieder Gedichte. Ob zwischen Job und Wohnung, oder im Übergang von der Nacht zum Tag, stets fokussiert er Eindrücke, presst sie aus und serviert dieses: Ein Raum voller Menschen und…

FEIERABEND

Morgens, wenn ich in die Straßenbahn steige, und an manchen Morgen ist es besonders schlimm, sehne ich mich nach dem Feierabend, der kalten Flasche Bier, nach der Einsamkeit, und wenn ich leicht betrunken auf der Couch einschlafe und träume, ich…

Zeitreise

  Zu einer Zeit, als noch die mechanische Schreibmaschine bedient werden musste, dachte niemand daran, dass wir heute digitale Bilder, Texte und Töne wie selbstverständlich vernetzen und daraus neue Kunst erschaffen. Früher spezialisierte man sich – ob malen, töpfern, klampfen,…

Wendekreis der U-Bahn

Ich steckte in Zweifeln über das, was zwischen uns lief. Ich erzählte ihr etwas über meine berufliche Tätigkeit, was sich jedoch nach einem Dutzend Briefen verlor – kein Interesse konnte so groß sein, um genauer erfahren zu wollen, wie man…

Eine Trinkerchronik

Alles was ich tat, war auf die Gegenwart ausgerichtet. Nichts hatte Bestand. Jeder Zukunftsgedanke war wie eine Fata Morgana. Ich dachte nicht an Bausparverträge und Lebensversicherungen, nicht an Heirat und Familie. Ich fuhr meine Personal-Freifahrten der Bundesbahn von Nord nach…

Die schwarze Ledertasche

Ich war jetzt knapp 30 Jahre alt und hatte bereits mehr Jobs als alle anderen um mich herum. Ich maß mir an, es mit jedem einzelnen im Saufen aufzunehmenund ich war mir sicher, dass es keiner der Anwesenden an meiner…

Ode an die Frauen

  Damals war dein rotes Haar wie ein Feuer, durch das ich auch gegangen bin. Damals war dein schwarzes Haar wie die Nächte, die ich ohne dich erlebt habe. Damals war dein blondes Haar fast engelsgleich, und wenn ich an…

Du schläfst

  ich sitze lieber wach. Ich bin mehr betrunken, du mehr nüchtern. Du machst dir Gedanken über dieses, ich über jenes. Ich denke an heute, du an morgen. Du hast eine Katze, ich einen Kater. Ich mag Frauen, du magst…

Fünfundreißig

Trotz härtester Selbstkritik muß ich zugeben, daß ich noch nicht so aussehe wie ein alter, abgeboxter Handschuh. Und jedes Lächeln von einem jungen Girl wirft mich höher, gibt mir neue Kraft, um die Flaschen zu tragen, die ich aussaufe, oben…