Das Hungertuch für Tom Liwa

Tom Liwa aus Duisburg erhält in Anerkennung seines Lebenswerks das Hungertuch für Musik 2003

Tom Liwa spielte sich mit seinen famousen Flowerpornoes in die Kritikerherzen, als die Begründer der so genannten Hamburger Schule noch im Kindergarten tobten. Nach der Trennung von seiner Band changiert er als Solist zwischen deutschem Indie–Rock und Neo–Bildungsbürgertum. Dieses Original, ein schräger Songwriter, der sich trotz seiner sperrigen Singstimme auch als Sänger einen ganz eigenen Platz geschaffen hat. Näselnd, nah und unaffektiert, gibt Liwa mit erheblicher Ausdrucksfähigkeit zu deutscher Liedermacherei mit amerikanischen Tugenden textlich genau das, was ein Songtitel wie „Casanovas Rückkehr zum Planet der Affen“ andeutet: zeitgemäße Dichtung, vertont zu Liedern.
Liwas Songs besitzen die Kraft, als Aussage stehen zu bleiben, ohne irgendwann umzufallen. Worte, gleichsam aus dem Leben gegriffen und nicht aus der Luft geholt, Worte voll von Echtheit und Eigentlichkeit; Worte von Dringlichkeit und Sehnsuchtshaftigkeit. Es spielt und singt ein Mann, der nichts verbergen will, der sich zeigt als sich auseinandersetzende Gestalt, die offen durch das Leben wandert. Sein Leben lang hat er auf mittleren, kleinen oder privaten Konzerten gespielt. Er war nie in irgendeiner bedeutenden Talkshow zu sehen und verweigert sich, mit Ausnahme einer Netzseite, erfolgreich den Medien. Selbst bei YouTube findet man fast nichts und wenn doch, dann wirkt das eher wie ein Gag. Nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit dem Komponisten Tim Isfort und seinem Orchesterprojekt hat diesem Artisten neue Wege eröffnet.

Tom Täger, im Kasino, Mülheim an der Ruhr, 2003

Post navigation