Schlagwort: Ní Gudix

Lächeln als Kapitulation begreifen

  Als ich noch in Berlin lebte, wurde ich oft gefragt, ob ich dort glücklich sei. Meine ehrliche Antwort lautete: „Nein.“ Berlin ist hässlich, laut, marode, stinkend. Berlin ist ein Schweinestall mit Bordellbeleuchtung. Es gibt keinen Grund, Berlin mit „Glück“…

Über den Wert des Analogen

KUNO interessiert sich dafür, was sich nach Karl Kraus‘ Fackel entzündete Wir stellen auf KUNO von Zeit zu Zeit sehr gern Literaturzeitschriften vor, wie unlängst durch Maximilian Zander geschehen. Wir schätzen auch eine eine Lit.-ZS wie die Matrix, die sich…

Das Ruhrgebeat, der Schnittpunkt der Popmoderne

Ein Streifzug durch die De-Industrialisierung Seit der Industrialisierung ist das Ruhrgebiet ein Schmelztiegel. Nach der Einstellung des Bergbaus zunehmend einer der Kulturen. Als einer der größten Ballungsräume Europas verfügt die Region, die lange vornehmlich durch die Stahlindustrie und den Bergbau…

Trendy & Neo

Vorrede der KUNO-Redaktion: Zur Ausstellung im im Literaturhaus Stuttgart dekonstruiert Boris Kerenski im begleitenden Katalog den Social Beat. Wir ergänzen dies mit einer analytischen Betrachtung von Ulrich Bergmann:   Social Beat im engeren Sinn ist ein längst überholter Begriff, aber…

Wer war/ist (noch) Social Beat?

Rimbaud war ich und Apollinaire war ich und Baudelaire war ich und Villon war ich und ich war alle durchgeknallten streunenden zerlumpten Dichter zusammengerollt in einen Schlaf unter den Brücken dieser Welt. Lawrence Ferlinghetti   Die Teilnehmer des ersten Berliner…

„Wenn er zu Hause ist, ist wieder alles zu Ende“

  Es ist nun schon eine Weile her, dass die Langversion von Falladas Bestseller „Kleiner Mann – was nun?“ beim Aufbauverlag erschienen ist.  Ich musste das Buch mehrmals lesen und zwischendurch das Gelesene sacken lassen, um eine Meinung bilden zu…

Social Beat & Beat

Eine kleine Gruppe von Autoren als „Generation“ zu bezeichnen, soll den Anspruch verstärken, daß sie repräsentativ und wichtig für die Entwicklung einer neuen Stilrichtung sind. Der Pressetext aus dem Literaturhaus Stuttgart kommt etwas vollmundig daher und nennt den sogenannten „Social…

Jenseits des Wahrnehmungsmainstreams

Zu meinen Aufgaben gehörte es auch, die eintreffenden Rezensionsexemplare auszupacken – Aberhunderte von Büchern, von denen man wusste, dass nur ein kleiner Teil wahrgenommen werden kann. Da wird man zu einer Art Bartleby der Bücher. Angela Schader In Zeiten der…

Über die ewig wiederbelebte Leiche des literarischen Undergrounds

Anläßlich des 25. Todestags von Josef „Biby“ Wintjes schrieb KUNO an einer Friedhofsgeschichte der deutschen Alternativ-Literatur. Das Schlußwort hat Ní Gudix, eine exzellente Kennerin der Szene. Sie fragt sich in ihrer Polemik: „Gibt es eigentlich noch so etwas wie einen…

Der Babst der Supkultur

Zum 25. Todestag erinnert KUNO an Josef „Biby Wintjes. Er hat im Alleingang die Alternativ-Literatur begründet. Inspiriert durch das Dreigestirn der amerikanische Beat-Generation, Jack Kerouac, Lawrence Ferlinghetti und Allen Ginsberg, schrieb Josef „Biby“ Wintjes selbst Gedichte und bekam so Kontakt…

Da lernst du die Menschen kennen

Der interessanteste „Autor“, den der Social Beat hervorgebracht hat, ist eine Frau Vom sogannten Social Beat ist nicht mehr viel übrig geblieben, wer erinnert sich noch an Ingo Lahr, Andi Lück oder die von HEL so benannte „Einmannsekte“ Tom de…

Dies Land war sein Land

Woody Guthrie war eine der führenden Figuren der amerikanischen Polit-Folk-Bewegung. Er schrieb die ursprüngliche Fassung des Songs am 23. Februar 1940 in dem billigen New Yorker Hotel Hanover House, wo er nachts alle sechs Strophen verfasste. Ein großes Buch, ein…

MAULhURE

  Doch, es gibt sie noch, die kritische Subkultur, die nicht nach hohlem Starkult lechzt, sondern bei der es um Inhalte geht. Die an die Kraft der Kunst glaubt und die Kunst nicht nur als Neurosenträger mißbraucht. Hier sind sie…

Limerick auf Thomas Nöske

    Ein Revoluzzer einst litt unter Muff, macht Social und Beat mit viel Suff. Doch dann denkt er: „fick’s! Das ändert doch nix!“ – Und seither ist er Philosuph.         Weiterführend → Zu den Gründungsmythen der…

Limericks auf Klaus M. Rarisch

  1. Es war mal ein alter Preuße, der hockte in seinem Gehäuse und schrieb dort Sonette und ächzte im Bette. Es liebten ihn nur seine Läuse.   2. Es war mal ein steinalter Eber mit gallschwarzer Alkoholleber, der grunzte…

Limerick auf Tom de Toys

    Es war mal ein Künstler aus Jülich, der kann was, so dacht’ ich, so fühlt’ ich – doch er kann nur Gezerve produzieren mit Verve und wäscht seine Grütze in Spülich         Seit der Textsammlung:…

Dime Novels

  A Bad Boys Diary erschien 1880 erstmals anonym als Taschenbuch bei Ogilvie in New York und wurde zum großen Erfolg. Es erschien mit Rechtschreibfehlern und im Slang (»I was ate years ole yesturday, an Mamma she sez to me«)…

Limerick auf Michel Houllebecq

  Es war einmal eine Mimose, die hatte ne Sexneurose. Da schrieb sie ein Buch und bekam viel Besuch. Jetzt ist noch viel mehr an ihr lose…     Seit der Textsammlung: Twitterature. The World’s Greatest Books Retold Through Twitter…

RIP, Bruno!

  Er war der, ohne den ich definitiv nicht da stünde, wo ich heute stehe: Bruno Runzheimer. Engster Freund von Biby Wintjes, dem Bottroper Nabel der deutschen Subliteratur. Als Biby im September 1995 starb, führte Bruno das IMPRESSUM noch vier…

Underground!

Literarische Subkultur in Deutschland von 1968 bis 1998 und das „Informationszentrum“ des Josef Wintjes in Bottrop In Deutschland gibt es die literarische Alternativkultur oder „Alternativpresse“ seit 1968. Ab diesem Zeitpunkt wird der Begriff zu einer spezifischen Bezeichnung für jene programmatische…

Kritik an der literarischen Alternative

Was sich als zwischen 1967 und 1977 als Gegenkultur bezeichnet, fand bereits im 19. Jahrhundert auf dem Monte Verità, dem Zauberberg der nonkonformistischen Kultur statt. „Ach, der“, sagt Lenz, „mein Gott, der H., der ist ein großer Dichter, aber er…

Kolchose on the tearoder: Liebesgrüße aus Marodistan

Ein bürgerliches Trauerspiel aus dem Prenzlauer Gebirge, 2002 „Twas young Brennan on the tear, Brennan on the tear, both wild and undaunting was young Brennan on the tear.“ – nach einer irischen Ballade „Der Mensch ist ein Abgrund. Es schwindelt…

HAUSAFFENTANGO

  Schritt, Schritt, Wechselschritt. Und schon haste den nächsten anner Backe. Mit meinem ersten gabs keine Probleme, der zahlte seine Miete, der machte den Abwasch, der trocknete die Dusche ab und fraß mir nicht den Kühlschrank leer, sondern kaufte sich…

Einladung zur Stille

  Eine wunderbare, wunderschön leise CD, die Bruno Runzheimer hier zusammen mit Gerd Schoppmann aufgenommen hat. Auf dem Cover sieht man einen lichtdurchflu­te­ten grünen Waldweg, man hört im Geiste die Vögel zwitschern, riecht Laub und Gras – alles weitab vom…

Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker

Büchermachen macht viel zu viel Spaß, als dass man es den Bertelsmännern überlassen sollte. Der Ort meiner Zeitreise liegt im herben Klima an der Ruhr, in der Stadt, in der nicht nur der Held meiner Neugier und Verbundenheit, sondern auch…

URBAN ELECTRONIC POETRY

  In der zweiten Septemberwoche wurde ich infiziert. Vom Sprachvirus. Wieder mal. Diesmal nicht durch Ploog und Monte (bezieht sich auf das Büchlein „SPRACHE IST EIN VIRUS“ von Jürgen Ploog und Axel Monte, herausgekommen in Po Em Press Pentling 2003),…

IL FAUT ÊTRE ABSOLUMENT MODERNE!

Am 20. Oktober 2004 wäre Arthur Rimbaud, der Rebell der französischen Literatur, 150 Jahre alt geworden. Was bleibt? Wenn man sich über Arthur Rimbaud informiert, hat man fast den Eindruck, als ob es sich bei ihm um den französischen Nationaldichter…

Die Freien

Ich hab das alles schon lang, lang kommen sehn. Daß wir zum Betteln degradiert werden und daß die Bullen randalieren. Daß sie unsere Häuser kaputtmachen, und daß die Gefängnisse zum Bersten überfüllt sind. Und ich seh die jungen Leute an…

RETTET KILLROY!

DER SOCIAL BEAT IST TOT, ABER DARUM GEHT‘S NICHT: WENN DAS LABEL KILLROY MEDIA VON MICHAEL SCHÖNAUER IN ASPERG ABNIPPELT, STIRBT WAS ANDERES Michael Schönauer ist Urgestein. So ur, daß neulich ein Freund, dem ich von meiner bald bei Killroy…

Der Essay als Versuchsanordnung

Der Essay lässt sich sein Ressort nicht vorschreiben […] Glück und Spiel sind ihm wesentlich Theodor W. Adorno Eine Rückblende zur Herkunftsgeschichte: Das deutsche Substantiv Essay wurde als Lehnwort im 18. Jahrhundert vom englischen essay übernommen. Dieses englische Wort wurde…

Social Beat vs. digitales Dasein

Vorbemerkung der Redaktion: Nach Enno Stahls fulminantem Zeitdokument Deutscher Trash präsentiert KUNO zum 10. Jubiläum seine Analyse dieser Jugendbewegung, dem sogenannten „Social Beat“.   I. Social Beat – Eins vorweg: Social Beat ist Vergangenheit, ist tot, ist komplett gegessen. Daran lässt…

Nonkonformistische Literatur

Nonkonformisten reagieren mit Unglauben auf das, was alle zu Glauben scheinen, und sie machen sich über Handlungsmaximen lustig, die nach allgemeiner Auffassung die soziale Ordnung begründen. Sie akzeptieren die stillen Annahmen der seriös daherkommenden Urteile nicht, und drehen sich auf…

„Bye, bye, Biby, bye, bye…“ – Erinnerung an Josef „Biby“ Wintjes

  Ich habe Biby Wintjes nie gesehen. Im Sommer 1994, ich war achtzehn, war ich auf Umwegen mit Bi­bys „Im­pressum“ und dem „Nonkonformistischen Literarischen Informationszentrum“ in Bottrop in Kontakt gekommen. Ich ließ mir ein Probeex­em­p­lar des „Impressum“ kom­men, las es…

Zentralorgane des Undergrounds

Redaktionelle Rückblende in die alte BRD: Den Neckermann der Subkultur hat man Josef „Biby“ Wintjes genannt, besser bekannt als Ulcus Molle-Info, Versender in Sachen Untergrund- und Alternativpresse, denn niemand anders hatte Zeitschriften und Bücher aus der nicht etablierten Szene in…

Umschlagsmoment der Lebensentwürfe

I saw the best minds of my generation destroyed by madness, starving hysterical naked, dragging themselves through the Negro streets at dawn looking for an angry fix Allen Ginsberg Jede Kultur hat ihre Ursprungsmythen, von denen sie sich herleitet und…

Negation

  Für T. C. Die Wohnung eine Zelle. Paar Quadratmeter. Studentenappartements seien das, sagte er lächelnd und zuckte die Schultern. Und da darfst du trotzdem wohnen bleiben, obwohl du kein Student mehr bist? Naja, sagte er und lächelte. Hier stand…

December 8th, 1980, N.Y.

  It was twelve years ago today, I have to sigh, that John Lennon was shot in N.Y.   Just returning with his wife from the studio, yet alive, being happy, laughing much, suddenly he got a touch. He turned…

Nonkonformismus, ein Ausprobieren von Gegenpositionen

Als Nonkonformismus bezeichnet die Soziologie persönliche Haltungen oder Einstellungen, individuelle Handlungen oder philosophische Positionen, die nicht in Übereinstimmung mit den allgemein anerkannten Ansichten, der gültigen Etikette, dem vorherrschenden Lebensstil oder dem kulturellen Mainstream stehen. Nonkonformismus erzeugt meist Subversion. Der Grad…