Schlagwort ‘ Holger Benkel ’

Alternativer Literaturnobelpreis an Maryse Conde

12. Oktober 2018
Von

Dass in dem Jahr, in den Philip Roth stirbt, der Literaturnobelpreis nicht vergeben wird, ist angemessen. Peter Glaser Der Literaturnobelpreis wird in diesem Jahr ausgesetzt. Unterdessen verdichten sich in Schweden die Hinweise darauf, daß die Nobelstiftung die Verantwortung für den Literaturnobelpreis einer anderen Institutionen übertragen könnte, während in den bildungsbürgerlichen Feuilletons weiterhin die vollständige...

weiter »

Sprachmagische Dichtungstradition

27. September 2018
Von

Wer sagt, er habe ein Gedicht verstanden, der hat es nicht verstanden. Walter Benjamin Dichter werden verstanden, indem sie gelesen werden. Und so gilt es denn, die Schriften zu studieren und zu drehen und zu wenden, bis uns ihre Bedeutung allmählich transparent wird. Manche Schulen verlangen sogar, nur den Text in seiner reinen Gegenwärtigkeit...

weiter »

amselmännchen

27. September 2018
Von
amselmännchen

    als es einst verborgen lebte auf lichtungen in wäldern wurde seine partnerin gefangen von menschen mit schlingen seither sitzt es einsam auf dem zaun  und kündet tod vorm haus  baut es sein nest noch heute  nah am boden trauert es  um seine tote gefährtin unter der erde  balzt es am straßenrand der...

weiter »

Sinnlich faßbare Kunst

8. September 2018
Von

haimo hieronymus betont die unersetzlichen merkmale sinnlich faßbarer kunst, wenn er sagt: »Unsere derzeitige Medienindustrie hat bei aller Umstellung einen Faktor unterschätzt, den die alten Medien Buch und Schallplatte haben: das Haptische. Es finden sich immer wieder Menschen, die sich begeistern lassen von der Synästhesie beim Blättern eines Künstlerbuches.« und »Die Glattheit der digitalen...

weiter »

fensterszene

10. August 2018
Von

      sitzt feist der papagei im käfig seines himmels trinkt er gefangen wein spricht er gern derbe worte füttert ihn eine frau fast nackt  aus einer kokosnuß streicht ihm ihre hand sanft übers gefieder verstreut er die körner       *** fliegende wesen, Gedichte von Holger Benkel,  erschienen in der Weberknecht-Edition,...

weiter »

kriegsvogel

30. Juli 2018
Von

    wirft ein feldherr einen adler mit krummen klauen und gespreizten flügeln in die scharen des gegners sträuben sich die nackenfedern blitzen die augen folgt das heer liegt der vogel nach der schlacht  verendet unter der erde  gräbt man ihn später wieder aus fliegt klagend sein skelett auf scharrt es im grabhügel die...

weiter »

flieger

27. Juni 2018
Von

    flieht der knochenmund von baum zu baum in großen sprüngen flatternd entkommt er verfolgern greift er mit krallen insekten und würmer  steigt er später windschnell auf zum himmel  zieht er den wagen der sonne glaubt er es sei sein flügelschlag dem flug der götter gleich  verfliegt er sich fortan im labyrinth des...

weiter »

kritik und postulat

25. Juni 2018
Von

der band von tom de toys, geboren 1968, enthält manifeste und essayistische texte, die zwischen 1990 und 2014 entstanden sind, wobei die manifeste teils gedichtform haben. gegner intellektueller lyrik finden hier vielleicht ihre unfreude. lateinisch manifestus bedeutet handgreiflich, sichtbar, deutlich, offenbar, augenscheinlich, spätlateinisch manifestātio offenbarung. gleich der erste text ist erich fromm gewidmet, dessen...

weiter »

abbilder

30. Mai 2018
Von

    vor jedem anblick wende ich mich ab vom gleißenden porträt der lebenden wie von totenmasken alldas sind bilder aus trug jenseits der bergenden wälder und höhlen schuf der mensch in trauer sich richtend eine moral vom genital bis zur genetik maschinen gleich mit recht und rechnern öffnet er sein raubtiergebiß der logik...

weiter »

brot

29. April 2018
Von
brot

als mein leib gewachsen war im ofen wurde ich herausgezogen  lag ich neben mir wie ungebacken begann mit der geburt die letzte lebensphase seither streu ich asche aus den knochen  spring in mich zurück und wachse  mir nach im geist     *** Seelenland, Gedichte von Holger Benkel , Edition Das Labor 2015 Weiterführend...

weiter »

rheinische lebensformen

18. April 2018
Von

a.j. weigoni betrachtet in seinem roman Lokalhelden, der im jahrzehnt vor der jahrtausendwende im »Landeshauptdorf«, also düsseldorf, spielt, vor allem in der »Alkstadt«, die rheinländer im »Weltdorf«, und damit die globale provinz, ironisch und sarkastisch: »Dieses Dorf ist für das Neurosenbürgertum gross genug, um nicht langweilig zu sein; und klein genug, um nicht darin...

weiter »

jagd

28. März 2018
Von
jagd

sinkt am grünen horizont die sonne singen vögel über meinem sarg folgen mir hirsche hör ich gebell beginnt die schonzeit erst am ort ohne grund erwache ich im wald hinterm wind unterm mond in silbernem licht trag ich hörner nicht und krallen heilt das messer selbst die wunden die es schlägt   *** Seelenland,...

weiter »

Meister des Gegensinns

4. Februar 2018
Von
Meister des Gegensinns

die prosaminiaturen von haimo hieronymus, einem meister des gegensinns, in Unerhörte Möglichkeiten / Kurznovellen aus dem Nippiversum, sind kaum länger als vier oder fünf zeilen. doch sie beschreiben gerade in ihrer verknappung präzise plötzliche dialektische umschläge, die, indem eine kleine drehung in der logik der abläufe und dinge die wertigkeit verändert, große und tragische,...

weiter »

kreise

29. Januar 2018
Von
kreise

  dreht die sonne weiter das rad des totenkopfs der weltenkugel steigt ein wirbel staub zum auge des alls leuchtet darunter der spiegel der wüste am goldrand eines grabs steht der seher  einsam eingekreist im heiligen bezirk     *** Seelenland, Gedichte von Holger Benkel , Edition Das Labor 2015 Weiterführend → In einem...

weiter »

ofen

28. Dezember 2017
Von
ofen

  verglüht das feuer im ofen steigt rauch aus gelber asche leuchtet er wie ein faden im dunkeln  entreiß ich meinen schatten dem letzten licht  entzündet sich der geist erst wieder  in der feuerschüssel des gehirns  im mutterkörper der gedanken  wimmeln flammen unter scherben  schreib ich mich ein ins material  meiner haut trag ich...

weiter »

brunnen

28. November 2017
Von
brunnen

fällt mein schatten in den brunnen stürz ich durch den schacht der brust seh ich mich liegen unter mir fließen gedanken wie blut aus mir  hör ich die steine reden heil ich im schoß der erde saugt mich auf das spiegelbild der sonne   *** Seelenland, Gedichte von Holger Benkel , Edition Das Labor...

weiter »

Mit deutschen Untertiteln

12. November 2017
Von
Mit deutschen Untertiteln

die gedichte von ralph pordzik lassen den leser in bildern denken. indem metaphern verschiedener wirklichkeitsundwahrnehmungsbereiche ineinander fließen, entsteht ganz natürlich ein bilderfluß. genauso verbindet die sprache worte unterschiedlicher bedeutungsebenen. dabei wirken pordziks filigrane texte gleichermaßen gebaut und improvisiert, wobei das assoziative improvisieren, das aus konventionen ausbricht und so immer erneut ein reflektierendes, poetisches und...

weiter »

finger

29. Oktober 2017
Von
finger

trag ich das feuer der blüte als dorn in der brust zählt die hand der fünfast die zahl der flammen führt sie mich den toten zu brechen die gefühle ab stecken die knochen wie speere im fleisch wird die haut zur klinge der nagel zum dolch halt ich den daumen hoch zieh ich ihn...

weiter »

Wir sitzen alle im gleichen Boot. / Aber nicht alle rudern

19. Oktober 2017
Von
Wir sitzen alle im gleichen Boot. / Aber nicht alle rudern

jedes kapitel dieses buches von beat gloor, das aphorismen enthält und dabei ohne seitenzahlen auskommt, beginnt, einen roten faden bildend, mit der passage einer geschichte, in der die einen rudern und die andern nicht, während sie miteinander reden. die ruderer könnten leidende in den laufrädern des lebens sein, derweil jene, die nicht rudern müssen...

weiter »

der kleine prinz auf seinem ich-planeten

10. Oktober 2017
Von
der kleine prinz auf seinem ich-planeten

oder die kunst der narzißtischen selbstkritik zum roman »Gionos Lächeln« von ulrich bergmann ulrich bergmanns roman, der verschiedene zeitebenen miteinander verschränkt, ist ein rückblick auf kindheit und jugend, die teils traumartig auftauchen, größenphantasien inbegriffen, die meisten träume sind narzißtisch, ja zu einem tagträumerischen gang durch das leben werden. dabei greift das autor, der selber...

weiter »

wein

28. September 2017
Von
wein

winden sich trauben schwellend am stab spring ich aus der wabe der zeit stürzt mein kopf ausgepreßt vom leib reicht man ihm wein  sagt mein mund jeder saft sei ein blut der toten  seh ich mich in fässern gekeltert flüssig kriechend  als gewürm leg ich mich unter bäume  fallen weiße früchte auf mich herab...

weiter »

rettungsversuche der literatur im digitalen raum

17. September 2017
Von
rettungsversuche der literatur im digitalen raum

Woher kommt eigentlich die Poesie? Entsteht sie diesseitig im Kopf des Dichters und als Ergebnis seiner Arbeit oder erwählt sie sich den Dichter zum Medium ihrer Materialisierung? paraphrasiert a.j. weigoni in einem brief. wenn es gut geht, geschieht beides. als ich einmal bilder vom ausbruch des vulkans stromboli sah, die unterirdische schmiede des göttlichen...

weiter »

wurzelgräber

29. August 2017
Von
wurzelgräber

  wachsen wurzeln wie ein strahlenkranz in der brust der erde faulen pflanzen zeugen sie von innen unter menschenfüßen macht selbst humus die seelen nicht weich grab ich einen schädel aus find ich darin das skelett einer maus sag ich selig sind die begraben wurden im gehirn heißt leben überwintern für den tod  ...

weiter »

getreide

28. Juli 2017
Von
getreide

  entzünden kinder puppen aus stroh bedeckt glut das land mit feiner asche wächst licht im schoß der erde lodern blätter aus körnern ist kunst letzte garbe erste saat   *** Seelenland, Gedichte von Holger Benkel , Edition Das Labor 2015 Weiterführend → In einem Kollegengespräch ergründeln Holger Benkel und A.J. Weigoni das Wesen...

weiter »

fraß

25. Juni 2017
Von
fraß

unter allen gipfeln ist aas kündet kreischend die stimme nach der schlacht im wind der wüste hängen felle an pfählen folg ich der säugenden hyäne über die grenze     *** Seelenland, Gedichte von Holger Benkel , Edition Das Labor 2015 Weiterführend → In einem Kollegengespräch ergründeln Holger Benkel und A.J. Weigoni das Wesen...

weiter »

vogelwelt

28. Mai 2017
Von
vogelwelt

überfliegt der adler alle körper der erde stürzt er nieder fällt die wolkenwimper aus der himmelsbraue hallen vogelschreie silbern durch die lüfte fordert er blut tropft es im trocknen unterholz seh ich mich zerstückelt in den zweigen hängend schüttle ich würmer aus dem fleisch bleichen die knochen nisten tauben mir im schädel fern der...

weiter »

frühjahr

28. April 2017
Von
frühjahr

drehen raupen sich hervor wie masken aus gesichtern seh ich menschen larventiere erstarre ich in ihrem anblick trifft mich am kopf ein falter verbrennt er flackernd flatternd in der flamme des lebens treibt ein hauch aus trauer toten blättern gleich im wind reißt der kalten milch die haut auf fließt aus gräbern honig saugt...

weiter »

gelb

28. März 2017
Von