Erfüllung

 

Meine Sporen frechzen deine Spitzen

Bläulich kichern die Äderchen fort

In Sicherheit höhnisch

Im

Schimmrigen Weich

Bebige Hügel wiegen Verlangen

Köpfchen rosen empor und steilen Gewähr.

Die Lippe zerfrißt sich!

Golden ringeln Würger hinunter

Und schnüren den Hals zu

Nach meinen Fingern tastet dein Blut

Und siedet den Kampf.

Die Seelen ringen und kollern abseit!

Hoch schlagen die Röcke den Blick auf

Goldhellrot

Rotweichrot

Flamme zischt in das Hirn

Und sticht mir das Schaun aus!

Sinken Sinken

Schweben und Sinken

Schwingen im Sturme

Im Sturm

Im schreikrollen Meer!

Ziegelrot

Über uns segnet der Tod

Säender Tod!

 

 

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August Stramms Stil war überraschend und neu. Durch seine Knappheit, Härte und die weit vorangetriebenen Sprachexperimente heben sich Stramms Gedichte deutlich von denen anderer, früher Expressionisten wie beispielsweise Georg Heym und Theodor Däubler ab. Während letztere meist noch deutlich von der Neuromantik und dem Symbolismus beeinflusst sind, reißen Stramms Sprachmontagen den Horizont in die Moderne auf. Die zerhackten Rhythmen, die Satz- und Wortfetzen machen Stramms Gedichte zudem zu den überzeugendsten lyrischen Zeugnissen des Weltkriegs, umso mehr, da es kaum einem anderen Autor gelungen ist, das Grauen dieses ersten Maschinenkriegs in einer dieser ganz neuen Erfahrung angemessenen Form zu verarbeiten.

Schon mit den ersten Veröffentlichungen im Sturm nahmen junge Autoren Stramms Stil auf, darunter Kurt Heynicke, Walter Mehring und Kurt Schwitters. Auch auf die expressionistische Prosa von beispielsweise Alfred Döblin hatte Stramms Sprachduktus Einfluss. Zu späteren Stramm-Anhängern gehören u. a. Arno Schmidt, dessen frühe Prosa (1946–1956) auch stilistisch von Stramms Lyrik beeinflusst ist, Gerhard Rühm, Ernst Jandl und der Stamm-Adept Thomas Kling.

Weiterführend → Poesie zählt für KUNO weiterhin zu den identitäts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer poetologischen Positionsbestimmung.