Autor: A.J. Weigoni

Die „Liaison“ zwischen Text und Publikum

Weigoni: Einst war das Theater der Motor der gesellschaftlichen Debatte. Ein Forum der Ideen. Nun scheinen ihm die Impulse auszugehen. Du kommst als Regisseurin vom Theater, wie lautet deine Einschätzung? IOONA RAUSCHAN: Ich würde nicht behaupten wollen, dass dem Theater…

Die Poesie der Nächstenferne

WEIGONI: Muss man in der Doppelexistenz als bildender Künstler / Schriftsteller nicht zu sehr aufs Optische achten? ANDRÉ RONCA: Das Wort visuell will offensichtlich auf etwas hinweisen, was der traditionellen Lyrik entgangen ist, nämlich auf die Bildfunktion eines Gedichts. Nun…

Kinderleichte Kinderliteratur

WEIGONI: Man muss Geschichten erzählen, um Kinder in den Bann zu ziehen. WOLFGANG KAMMER: Keine Frage! WEIGONI: Gerade dieser Markt wird von Marketingexperten für eine Zielgruppe zurechtgestutzt. Wie kommt man als Schriftsteller an sein Publikum heran? KAMMER: Da ich überwiegend…

Der Otto-Versand der Subkultur

WEIGONI: 1976 gab der arbeitslose Engländer Mark Perry das Fanzine Sniffin Glue heraus. Danach waren es vor allem Punks, die mit dem Kopierer Fanzines im Format A-6 bis A-4 produzierten. Oder verläuft die Geschichte der Fanzines deinen Recherchen zufolge anders?…

Das Hörspiel als Elaborat und Produkt

WEIGONI: Kein Rundgang durch das Pantheon der Hörspielgeschichte, die Bandbreite spannt sich von der öffentlichen Performance über das Live-Hörspiel, die Klanginstallation, bis hin zur Soundcollage. Robert, wenn du über die Öffentlich-Rechtlichen sprichst, redest du von Anstalten… ROBERT STAUFFER: Mir ist…

Groschenhefte

WEIGONI: Die ersten Groschenhefte erschienen um 1924 in den USA, das bekannteste hiess Black Mask. In diesem Schundheft publizierten Hammett, Chandler, Woolrich u.a. ihre ersten Short-Storys. Mit meinem damaligen Verleger kam ich auf die Idee, sogenannte Gossenhefte zu produzieren. Die…

Bildnisse · Revisited

Seit etwa einem Jahrzehnt arbeite ich an der Schnittstelle zwischen Literatur, bildender und akustischer Kunst. Ungefähr über die Länge dieses Zeitraums betreibe ich poetische Studien über Kommunikationsmaschinen. In der Auseinandersetzung mit meinen Stoffen, sei es in der Prosa oder beim…

Eine Sprache finden, ein deutsch/deutscher Dialog

WEIGONI: In deiner Vita lese ich, dass du zwischen 87 – 91 am Literaturinstitut Leipzig studiert hast, vor und nach der Maueröffnung, hat sich das auf das Studium ausgewirkt? HOLGER BENKEL: das leipziger literaturinstitut wurde, in einer aufbruchsphase, die allerdings,…

Schaltjahrsgeschichten

WEIGONI: Jedermann ist ein Künstler, alles ist Alltag, nun auch die Literatur. Unterhalten wir uns über Rationalisierungs- und Recyclingtendenzen in der österreichischen Gegenwartsdichtung. Wie lange wird es deiner Einschätzung nach noch dauern, bis sich der bürgerliche Kunstbegriff auflöst? DIETER Scherr:…

Borderline – freies Feld

WEIGONI: Abseits des Zeitgeistes geben sich Literaturzeitschriften mit kleinen Auflagen und einem fachkundigen Publikum zufrieden. Manchmal scheint es mir, als ob die Herausgeber von Literaturzeitschriften die letzten Idealisten sind – oder wie sehen sie ihre Arbeit? BRUNO KARTHEUSER: Unser erster…

Ein Schreibtischtäter – im positiven Sinn!

WEIGONI: Muss man als Herausgeber von Lyrik-Anthologien ein Masochist sein? AXEL KUTSCH: Im Prinzip nicht. Aber es bleibt kaum aus, dass man im Laufe einer langjährigen Herausgebertätigkeit zum Masochisten wird. Es spricht sich schnell in Deutschland herum, wenn irgendwo seriöse…

Für Fantasie gibt’s keine Noten

WEIGONI: Mit deinen Geschichten liegst du auf der Short/Short-Welle, die aus den usa rüberschwappt. Liegt in der Wut des Garagen-Postpunk die Quelle deines Schreibens? PATRICIA Brooks: Mir gefällt das Genre der amerikanischen Short/Short Stories, das ist so erfrischend frei von…

Wie war es denn nun wirklich und warum das alles nebensächlich ist

WEIGONI: Geht es dir nicht langsam auf den Senkel, als die „Clara Schumann-Expertin“ angekündigt zu werden? EVA WEISSWEILER: Ich habe die Fragen mittlerweile kategorisiert: Nr. 1: „Warum haben Sie dieses Buch geschrieben?“ Nr. 2: „Hat es etwas mit Ihrem eigenen…

TOP 100

If the history of media is the history of a competition, it begins with an advantage. Poets discovered collage at a time when photographers still needed hours to develop a single image. It is as if written imagery anticipated film…

Geheimniskraemerladen

  duenn, leicht & biegsam…   mit glaeserner Luftigkeit hinter gaze verborgen   von fern hereingeweht… etwas nomadenhaft & zerzaust   landeten sie fliegengleich auf dem bluetenweissen papier   & hinterliessen wohlgeformte Spuren   …deren Eindruecke immer in Gedankenluecken verschwinden…

Furchensprung

  Wahrnehmungen im Feinstofflichen = schwerelos schwebt der Gœtterbote durch die Luefte & verlæsst die zurueckliegende Gegenwart der Windstoss Zephirs beruehrt kaum mehr den befluegelten Fuss Gefuehlshœhen, Schmerzenstæler, Leerstellen Merkur streckt seinen athletischen Kœrper gen Himmel… die spiralige Bewegung vom…

Cineast

  hier spricht das Original – mit Untertitel –   /–/ zwischen /–/ den multiplizierten Bildern   das lyrische Ich wære gern dem Verfasser seiner Gedanken auf der Leinwand begegnet   um sich in der Perspektivkruemmung ein Bild seiner fluechtigen…

Achtung, bissige Literatur!

    In den frühen Morgenstunden des 18. Januar kletterte in Budapest ein Buch aus dem Regal schlängelte auf dem Buchrücken über den Fußboden biss in die – in vertikalerweise aus dem Bett baumelnde – Hand des Herrn Bozsik  …

As dime goes buy

  Rick’s café americain ist zu weit weg um dort Stammgast zu sein nur manchmal in den Træumen koennen wir dort sein um beim endlos kreiselnden Ventilator einige Klavierklænge zu hoeren die Sam immer noch spielt     *** Dieses…

Damals, als die Umwelt noch Natur hieß

  der Himmel ist wie Beton heute er kotzt Sæure aus Romantiker sagen: Regen zu dieser angewandten Meteorologie   *** Dieses Gedicht ist wieder erhältlich in:  Der Schuber, Werkausgabe der sämtlichen Gedichte von A.J. Weigoni. Edition Das Labor, Mülheim 2017 Die…

17. Juni – Tag der deutschen Einheit

Beruht auf einer wahren Begebenheit   Ehm’t typ’sch faust’sch g’spalten ist dieses  Deut/Schland (ich wage immer noch nicht mein Land zu sagen) in Identitæt & Heimat als Sehnsuchtsort…   ”Widervereinigung…” schallen in leer laufenden Demokratie–Ritualen Lippenbekenntnisse aus den Lautsprechern zerredet…

Prolog

– vor dem nackten Beginn stehend   Stimmorgane \ auf der Baustelle \ hœren wir Stimmen: tongue \ voices \ language… voce \ parole \ parlare… lingua \ suoni \ parole… une langue \ des voix \ un language s’entame…