Essays – von Holger Benkel

23. Januar 2014
Von

Ich will die Dinge durch / meinen Geist beleuchten / und den Widerschein auf den fremden Geist fallen lassen.

Charles Baudelaire

In der Tradition von Michel Montaigne versteht Holger Benkel den Essay als Versuch; er gibt diesem aber den Sinn des Experiments, der experimentellen Versuchsanordnung, zugleich jedoch die existenzielle Bedeutung des Lebensexperiments, und vertieft beides so ins Abgründige, daß aus dem Versuch sowohl die Versuchung wie der Versucher und das Versucherische sprechen. Welche labyrinthischen Gedankengänge bei diesem Auswahl– und Transformationsprozess durchlaufen werden, wie schnell ein brauchbarer Gedanke zu Abfall und Nebensächliches fruchttragend werden kann, reflektiert Benkel in seinen Essays. Mit Erkenntnisgewinn läßt sich lesen, wie sich die Fäden fortspinnen, die Frage nach der künstlerischen Identität läuft als roter Faden durch.

Essays über Schriftsteller und Literatur, über Bildende Künstler und Kunst: Wie spannend das sein kann, führt uns Benkel exemplarisch vor. Er setzt sich sowohl mit Personen als auch Texten auseinander und bedient sich dabei verschiedener literarischer Formen. Dieser Autor betreibt keine Heldenverklärung, sondern ein durchaus kritisches Hinterfragen in einer Sprache, die so klar ist, so schonungslos und so genau, dass es fast schmerzhaft wirkt. Genauigkeit ist seine oberste Maxime. Man sollte die einzelnen Kapitel sacken lassen, wobei nicht alle gleich zugänglich sind, denn für metaphysische Betrachtungen braucht es ein ausgebildetes Sensorium.

Seine Essays handeln auch von grundsätzlichen Fragen, an denen sich bereits mancheiner abgearbeitet hat, die jedoch von Benkel beispielhaft, unumwunden und nachvollziehbar beantwortet werden. Er beschreibt, wie sich Zeit und Identität im Lesen und Widerlesen spiegeln, das Gelesene und Gesehene beeinflussen, wie das Gelesene und Gesehene immer wieder auch von den Umständen abhängt, unter denen es geschrieben wurde. Was den Essays von Benkel die Überzeugungskraft verleiht, ist die Anstrengung, denen er sein Material unterwirft, seine Texte zeigen, was der Fokus auf eine Fragestellung sichtbar machen kann, wie diese Konzentration aufdeckt, was dem Schreibenden selbst verborgen blieb, wohl wissend, daß die Fülle der Literatur, der Kunst und des Lebens eben darin liegen, nie alles wissen zu können.

Auf KUNO porträtierte Holger Benkel die Brüder Grimm, Ulrich Bergmann, A.J. Weigoni, Uwe Albert, André Schinkel, Birgitt Lieberwirth und Sabine Kunz.

 

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Essays von Holger Benkel, Edition Das Labor 2014

Covermotiv von Gedanken, die um Ecken biegen, Uwe Albert, Technik: Aquarell / Feder

Weiterhin erhältlich:

Gedanken, die um Ecken biegen, Aphorismen von Holger Benkel, Edition Das Labor 2013

Weiterführend →

meißelbrutGedichte, mit siebzehn Holzschnitten von Sabine Kunz und einem Nachwort von Volker Drube, Dr. Ziethen Verlag, Oschersleben 2009. Eine Rezension finden Sie hier.

kindheit und kadaver, Gedichte, eine Rezension finden Sie hier.

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