Prosa im Schuber

Dieser Schuber hat etwas Festliches, es ist ein Geschenk für die Sinne! Denn mit dem gehörten, zuweilen eindringlichen Wort Weigonis kann man sich davontragen lassen, mit dem gelesenen innehalten, nachdenken. Die Hände raschelnd wandernd durch das Papier, das Auge treibend auf den Kunstwerken und die Zeit sich verlangsamend…

Joanna Lisiak

Cover: Original-Schablonendruck von Haimo Hieronymus

Die im Alltag kaum noch wahrgenommenen Dinge vermag A.J. Weigoni so darzustellen, als betrachte man sie wie zum ersten Mal. Mit den Vignetten definierte er eine Literaturgattung neu. Die Poetik der realen Virtualität, das als Spurenelement jeder  Erzählung der Zombies innewohnt steigt in den Novellen Cyberspasz zu beachtlicher Konzentration an.

In seinem ersten Roman Abgeschlossenes Sammelgebiet stellt Weigoni die Welt auf die Vergänglichkeitsprobe. Auch sein zweiter Roman Lokalhelden läßt sich als Heimatroman der glokalisierten Welt deuten. Diese Typen sind zugleich das Psychogramm der Rheinländer, einer Gesellschaft, einer Zeit. Man muss lediglich am Leben bleiben, schon ist man in der Bundesrepublik bereits ein Zeitzeuge. Das Ende der Geschichte bringt alsdann eine schmerzfreie Agonie mit sich.

Schon wieder keine Poetikvorlesung!

Alle Exemplare des Prosa-Werks sind handsigniert und limitiert in einem Schuber aus schwarzer Kofferhartpappe erhältlich. Nur darin enthalten ist der Band Vorlass. Es hat sich in der Literaturwissenschaft eingebürgert, für kurze Texte, den Begriff „Kleine Form“ zu verwenden. Dieses ´Beiwerkchen` verweigert sich der umstandslosen Zuordnung, es ist eine Gebrauchsprosa, die sowohl biographische, werkgenetische als auch poetologische Fragen beantwortet. Der Vorlass dient der Erschliessung der werkgeschichtlichen Dimension. Dieses Werk ist ein einmaliges Zeugnis einer bestimmten individuellen Konstellation, zugleich aber eine Realisation der Literatur insgesamt, jenes größten Erkenntnissystems.

Weiterführend → Eine Würdigung des lyrischen Gesamtwerks finden Sie hier.

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Grenzgang zwischen den Künsten

Peter Meilchen liebte es, am Rhein entlang zu flanieren. Er fügte der Horizontale des Begehbaren meist die gedankliche Vertikale hinzu.

„Medienkombination“ nennt die Deutsche Nationalbibliothek ein Werk, das sich nicht auf den ersten Blick zuordnen läßt. Literatur findet nicht mehr im begrenzten Format eines Buches seinen Platz. Alle beteiligten Artisten arbeiten sowohl mehrperspektivisch, als auch interdisziplinär. Sprechen ist immer ein Erfinden: Jeder Mensch erfindet die ganze Zeit alles, was er macht und ist, nichts daran ist authentisch oder vorgegeben. Es gehört zur Gratwanderung des Erzählens, daß der Ton getroffen wird, es müssen die Präzision der Sprache, der Rhythmus der Syntax und die Klarheit der Bilder zusammenkommen. Es ist ein Spiel. Und die Mitspieler Peter Meilchen, Tom Täger und A.J. Weigoni erweitern es zum multimedialen Projekt 630.

Titelbild, Collage von Klaus Krumscheid, Hommage an Peter Meilchen

630, ein Buch/Katalog-Projekt von Peter Meilchen, Tom Täger und A.J. Weigoni, Edition Das Labor, Mülheim 2018

Weiterfühend → Eine Würdigung des künstlerischen Lebenswerks von Peter Meilchen lesen Sie hier. Mit den Vignetten definierte A.J. Weigoni eine Literaturgattung neu. Die Novelle erscheint in der Umsetzung als Hörbuch und das Buch/Katalog-Projekt 630 zur Ausstellung von Peter Meilchen. Eine Hörprobe findet sich hier.

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Zyklop

Das Photobuch Zyklop I ist mit einer partikularen Sichtweise eine ebenso wunderbare, wie irritierende Erfahrung. Das eine ist nicht vom anderen zu trennen, denn Haimo Hieronymus will unbestreitbar Schönheit schaffen und er will hier nicht weniger als von allem erzählen: Vom Großen, Ganzen, vom Kosmos, von der Schöpfung. Gar vom Leben selbst, indem er in die Vollen greift, ohne Angst, etwas falsch zu machen. Kunst erkennt man daran, daß sie das Ewige sichtbar macht, Bilder werden zu einem idealen Erkenntnismedium. Zyklop I ist ein sakrales Kunstprojekt ohne religiöse Dogmen.

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Zyklop I, Photobuch von Haimo Hieronymus, Edition Das Labor 2018. Limitierte Auflage.

Anfragen zu Zyklop I und den bibliophilen Kostbarkeiten über die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421

Weiterführend → Zum Thema Künstlerbücher finden Sie hier einen Essay sowie einen Artikel von J.C. Albers. Vertiefend auch das Kollegengespräch mit Haimo Hieronymus.

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Die Bonner Republik, ein ´Retrotopia`

A.J. Weigoni beschreibt den Topos des Nichtorts als Sehnsuchtsort: Das Rheinland!

Lokalhelden definiert den geschmähten Begriff ´Heimatroman` neu. Das Rheinland erscheint hier als eine in die Jahre gekommene BRD (Westdeutschland), eine angeschmutzte Provinz. Unter praktischen Gesichtspunkten qualifizieren sich die Bewohner dieses ´Retrotopia` (Zygmunt Bauman) als Lebensverpasser, sie schämen sich kaum, rutschen aus einer Problemlage in die nächste und erweisen sich auf diskrete Weise als schamlos. A. J. Weigoni ist ein Meister der Aneignung und der unsentimentalen Empathie, als passionierter Menschenforscher liefert er in seinem zweiten Gesellschaftsroman ein eierkohlenglühendes Stimmungsbild der deutschen Zustände der Achsenzeit mit ihren veränderten Verhältnissen, Ansprüchen und Wesensverzerrungen. Bei aller Ruppigkeit ist ihm das liebende Einverständnis mit seinen Figuren wichtig. Die Anekdoten aus dem Rheinland sind Überlieferungen, die selbstverursachten Amnesien der Rheinländer bleiben durch das deklarative Gedächtnis der Literatur bestehen. Weigoni lotet in seiner Mythenbricolage die Legenden des Rheinlands aus, er will die Welt nicht mit Tatsachen verwirren.

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Lokalhelden, Roman von A. J. Weigoni, Edition Das Labor, Mülheim 2018 – Limitierte und handsignierte Ausgabe des Buches als Hardcover

Coverphoto: Jo Lurk

Weiterführend → Lesenswert auch das Nachwort von Peter Meilchen sowie eine bundesdeutsche Sondierung von Enrik Lauer. Ein Lektoratsgutachten von Holger Benkel und ein Blick in das Pre-Master von Betty Davis. Die Brauereifachfrau Martina Haimerl liefert Hintergrundmaterial. Ein Kollegengespräch mit Ulrich Bergmann, bei dem Weigoni sein Recherchematerial ausbreitet. Constanze Schmidt über die Ethnographie des Rheinlands. René Desor mit einer Außensicht auf die untergegangene Bonner Republik. Jo Weiß über den Nachschlüsselroman. Margaretha Schnarhelt über die kulturelle Polyphonie des Rheinlands. Karl Feldkamp liest einen Heimatroman der tiefsinnigeren Art. Als Letztes, aber nicht als Geringstes, Denis Ullrichs Rezensionsessay.

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Der ebenerdige Herr Nipp

Schablonendruck mit Acrylfarbe auf roten Buchkarton. Limitierte und handsignierte Auflage: 100 Exemplare.

Seine Bücher sind eine ´Ware`, die kein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen. Haimo Hieronymus präsentiert 2017 Über Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher aus den Notizbüchern des Herrn Nipp. Wir finden in diesem Buch sprachliche Floskeln, die noch nicht etabliert sind, unverzeihliche Versprecher und Ausrutscher, die zu sprachlichen Kollateralschäden führen. Neben dieser Twitteratur finden sich in schlüssiger Abfolge einige Zeichnungen und Aquarelle abgebildet.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts muß man keinen Falken mehr verzehren, um novellistisch tätig zu sein. Dank des Kurznachrichtendienstes Twitter ist Mikroblogging eine auflebende Form. Herr Nipp dampft die Gattung der Novellette in Unerhörte Möglichkeiten (2012) zu Twitteratur ein.

Porträt Herr Nipp, Holzschnitt von Haimo Hieronymus

Herr Nipp geht offenen Auges durch die Welt. Sein Sehen, Besehen und Beobachten ist der Ausgangs- und Angelpunkt. Haimo Hieronymus ist ein Poet, wenn er Holzschnitte erstellt, und ein realistischer Träumer, wenn er mit Herrn Nipp  kurze Texte verfaßt. Wie ein Dichter schreibt er nicht, dazu ist er zu nüchtern und zu lapidar; die Fiktion ist nicht seine Sache, es entstehen auch keine imaginären Welten. Die Wirklichkeit und die Erinnerung sind ihm rätselhaft genug. Herr Nipp betreibt das einfache, das wahre Abschreiben der Welt, er bewegt sich damit zwischen Ereignis und Reflexion und nähert sich einer Topografie der Melancholie. – Zu einem begehrten Sammlerstück hat sich die Vorzugsausgabe von Die Angst perfekter Schwiegersöhne (2011) entwickelt. Hieronymus hat das Cover einer limitierten Auflage mit einem Holzschnitt versehen.

Weiterführend → 

Zum Thema Künstlerbucher lesen finden Sie hier einen Essay sowie ein Artikel von J.C. Albers. Papier ist autonomes Kunstmaterial, daher ein vertiefendes Kollegengespräch mit Haimo Hieronymus über Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.

Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erhältlich über die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421 – Bestellungen über: edition-das-labor@web.de

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Das lyrische Gesamtwerk von A.J. Weigoni

Dieses Ich ist kein anderer, es ist von Buch zu Buch und zu Hörbuch: A.J. Weigoni. Das Frühwerk Wiederbeatmung, die Trilogie Letternmusik – ein lyrisches Polydram in fünf Akten, Dichterloh – ein Kompositum in vier Akten und Schmauchspuren – eine Todeslitanei, ergänzt durch die Langgedichte & Zyklen: Parlandos, sind erscheinen in einer limitierten und handsignierten Ausgabe von 100 Exemplaren, ergänzt durch das auf vier CDs erweiterte Hörbuch. Mit dem Holzschnitt präsentiert Haimo Hieronymus eine Drucktechnik, er hat ihn auf die jeweiligen Cover der Gedichtbände von Weigoni gestanzt. Bei dieser künstlerischen Gestaltung sind Gebrauchsspuren geradezu Voraussetzung. Man kann den Auftrag der Farbe auf dem jeweiligen Cover haptisch nachvollziehen, der Schuber selber ist genietet. Und es gibt keinen Grund diese Handarbeit zu verstecken, die Aura des Handgemachten paßt zum Genre der Lyrik wie ein Handschuh.