Stein

15. Juni 2014
Von

»Man ist auch nicht von Stein!« – das ist ganz gut. Ich hätte aber hinzufügen sollen: ebenso wenig ist man ein Engel! – ich wünschte, wir wären’s! – Nein, – wir sind Menschen, umkleidet mit einem Leibe und regiert von unsern Einbildungen, und was für ein Hin- und Hernaschen zwischen diesen und unsern fünf Sinnen, besonders zwischen einigen! – Ich wenigstens muß das zu meiner Beschämung einräumen. – Genüge es, hier auszusprechen, daß von allen Sinnen das Gesicht (viel mehr als der Tastsinn, obgleich ich wohl weiß, daß die Barbati diesem den Vorrang geben) den unmittelbarsten Verkehr mit der Seele hat, daß er stärkere Eindrücke giebt und der Phantasie etwas Unaussprechliches hinterläßt, das durch Worte ihr nicht zugeführt werden – oder das sie durch Worte wieder loswerden kann.

 

 

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Laut Friedrich Nietzsche war er Der freieste Schriftsteller. KUNO stellt diesen Meister der Abschweifung in die Ahnenreihe der Twitteratur. Dank des Kurznachrichtendienstes Twitter ist der Aphorismus in Form des Mikroblogging eine auflebende Form. Bestand die Modernität der lakonischen Notate bisher in ihrer Operativität, so entspricht diese literarische Form im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit der Denkgenauigkeit der Spätmoderne. Es ist Twitteratur. Der in der Schwebe gelassene Sinn, die Produktion von Ambiguität – was für Roland Barthes Brecht im Theater geleistet hat, indem er die Sinnfrage zwischen Bühne und Zuschauerraum neu verteilte – findet sich in dieser Kunstform wieder.

 

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