Stachlige Opuntien IV

 

Ich erlaube jedem Erfahrungsmanne, der doch immer, wenn was Tüchtiges aus ihm wird, ein philosophe sans le savoir ist und bleibt gegen die Philosophie, besonders wie sie in unsern Tagen erscheint, eine Art Apprehension, die aber nicht in Abneigung auflösen, sondern sich in eine stille vorsichtige Neigung auflösen muß. Geschieht das nicht, so ist ehe man sichs versieht, der Weg zur Philisterei betreten, auf dem ein guter Kopf sich nur desto schlimmer befindet, als er, auf eine ungeschickte Weise, die bessere Gesellschaft vermeidet, die ihm allein bei seinem Streben behilflich sein konnte.

(Goethe an Fr. H. Jakobi, am 23. 11. 1801.)

Auch die vorsichtigste Neigung fordert und erlaubt eine gewisse Beschäftigung mit ihrem Gegenstande.

 

 

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Jakob van Hoddis (Geburtsname Hans Davidsohn; * 16. Mai 1887 in Berlin; † 1942 in Sobibór, „Generalgouvernement“) war ein deutscher Dichter des literarischen Expressionismus. Er ist besonders bekannt für das Gedicht Weltende, ein Werk aus der Anfangszeit des Expressionismus. KUNO möchte den Lyriker nicht auf dieses OneHitWonder reduziert wissen, die Redaktion entdeckt in seiner Kurzprosa einen Vorläufer der neuen Literaturrichtung Twitteratur und macht es sich zur Aufgabe an diesen Sprachwitzigen Autor zu erinnern.

Weiterführend → ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur.

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