Nonkonformistisches Literarisches Informationszentrum

 

Am 10. November 1969 erscheint das Info Nr. 1 in Form eines einseitig bedruckten DIN A4-Schreibens. Herrausgeber ist Josef Wintjes der via Bottrop unter dem Namen „Nonkonformistisches Literarisches Informationszentrum“ den Vertrieb von Alternativzeitschriften begründet.

Auch wenn Wintjes in der INFO Nr. 2 (15. Dezember 1969) schrieb: „Das nonkonfirmistische Literarische Informationszentrum ist das Experiment eines Einzelnen …“, wäre dieses „Experiment“ ohne die Unterstützung seiner beiden Ehefrauen, die sich u. a. um die Auslieferung der Zeitschriften kümmerten, nicht denkbar gewesen. Als konkrete Dienstleistung zählte er darin auf: Das Informationszentrum „vermittelt kostenlos Nachwuchsliteraten an die Redaktionskollektive; teilt gegen Rückporto umgehend Adressen nonkonformistischer Verlage mit; bemüht sich um Informationssteuerung; organisiert überregionale Dichterlesungen; bietet an: Internationale Untergrund-Zeitungen, Posters, politische Schriften, Lyrikbände, Neuerscheinungen“.

Im INFO Nr. 7 (15. Mai 1970) erklärte sich Wintjes seinen Lesern ferner mit den Worten: „Das Informationszentrum versteht sich als Sprachrohr der Alternativpresse; pflegt Kontakte zum subkulturellen Untergrund, zu APO-Gruppen, zu Literaturkreisen und -workshops, zu Verlagen und zu Autorenvereinigungen“

 

 

 

***

Josef „Biby Wintjes. Porträt: Bruno Runzheimer

Weiterführend →

Zu den Gründungsmythen der alten BRD gehört die Nonkonformistische Literatur, lesen Sie dazu auch ein Porträt von V.O. Stomps, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die Lückenhaftigkeit des Underground so konzequent erzählt wie Ní Gudix und ihre Kritik an der literarischen Alternative ist berechtigt. Ein Porträt von Ní Gudix findet sich hier (und als Leseprobe ihren Hausaffentango). Lesen Sie auch die Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker von Werner Streletz und den Nachruf von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine Doppelbesprechung von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman Die schwarze Ledertasche. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte Seine größten Erfolge, produziert von Helge Schneider und Tom Täger im Tonstudio/Ruhr. Lesen Sie auch das Porträt der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespräch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die Ruhrgebietsromantik. Mit Kersten Flenter und Michael Schönauer gehörte Tom de Toys zum Dreigestirn des deutschen Poetry Slam. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie hier – Sowie selbstverständlich his Masters voice. Und Dr. Stahls kaltgenaue Analyse. – Constanze Schmidt beschreibt den Weg von Proust zu Pulp. Ebenso eindrücklich empfohlen sei Heiner Links Vorwort zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die Aufmerksamkeit einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsmöglichkeiten von populärkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay Perlen des Trash stellt diese Reihe ausführlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine Realsatire aus dem Jahr 1993 heraus, die er für den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. Jürgen Kipp über die Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives. Ein würdiger Abschluß gelingt Boris Kerenski mit Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund.