Schlagwort: Ernst Jandl

Traumtänzer ∙ Revisited

Zurück in die Zukunft der 1990er Jahre Hat mich der Teufel geritten, daß ich den anschließenden Artikel aus längst vergangenen Zeiten hervorhol, um ihn nach so vielen Jahren noch einmal zu veröffentlichen? Es kann nicht schaden, sag ich blauäugig (und…

rettungsversuche der literatur im digitalen raum

Woher kommt eigentlich die Poesie? Entsteht sie diesseitig im Kopf des Dichters und als Ergebnis seiner Arbeit oder erwählt sie sich den Dichter zum Medium ihrer Materialisierung? paraphrasiert a.j. weigoni in einem brief. wenn es gut geht, geschieht beides. als…

Danksagung

Die Entstehung dieses Buches verdanke ich eigentlich dem Ernst Jandl. Wir sind nach einer Preisverleihung an die Kollegin Elisabeth Reichart, die ich auch schon seit mehr als dreißig Jahren, seit unserer Teilnahme an einer der Rauriser Literaturtage kenne, bei der…

Eine Inquisition für Lyriker

Wer seinen Ton gefunden hat, fängt an, sich selbst zu kopieren. Elke Erb Es wäre zu wünschen, wenn sich im deutschen Literaturbetrieb mal jemand ähnlich apodiktisch melden würde wie Jeremy Paxmann. Der Reporter Adam Kirsch berichtet in The New Republic…

Klöpfer & Meyer • Revisited

 Mit dem Buch durchs Dasein reisen Seit vielen Jahren sind von Hubert Klöpfer im Tübinger Verlag Klöpfer & Meyer publizierte Bücher Weggefährten auf dieser fürwahr endlosschleifigen Lebenslesereise. Während ich Nikolai Vogels im Februar 2012 bei Haymon in Innsbruck/Wien erschienenen rasanten…

22 Mal ›wir‹ • 26 Mal ›schlacht‹

Wortkräuter zur Gesundung in Theo Breuers Gedichtbuch Das gewonnene Alphabet Dieses lyrische Lexikon, dieses Gedicht-Wörterbuch, dieses schäckernde Dichtwerk kommt gerade recht, mir den Herbst zu versüßen. Süßes zum Herbst? Herbes zum Herbst? Jedes jedes jedes Jahr hole ich mir (wo…

B∙U∙C∙H∙S∙T∙A∙B∙E∙E∙T

Gedichte im deutschen Sprachraum 2012 • Ein listenreicher Glückblick sammamiajetztdaodadeandanschodao (Markus Hallinger) Lesen Sie langsam. Nehmen Sie sich Zeit. (Axel Kutsch) 1 Dom, Blicke der text beginnt, da ist ein Anfang und ich bin zufrieden, les ich eben in Crauss’…

Kulturnotizen 2012 • Ich erinnere mich

bunte Punkte

Ich erinnere mich an ein Interview mit dem Lichtkünstler Mischa Kuball, der eine geschlossene Synagoge von innen mit einem starken Licht illuminierte; so verwies er auf die Betrachter, die nicht hineinkamen und ausgeschlossen blieben, wie die Juden im 3. Reich –…

Die Vokabulatur des Knospenspaziergangs

Die Macht des Staunens: Wenn sie einen auch angesichts des anbrechenden Stillstands in der Raserei am Fabulieren hält, könnte sie mittlerweile die eigentliche Avantgarde sein. Anders als die vielen sich totlaufenden Konstrukte der konkreten Poeten und die sich wegduckenden Œuvr’lein…

Vom Hölzchen aufs Stöckchen · Auf meine Art an Hans Bender denken (2)

1966 Die beiden Romane Eine Sache wie die Liebe und Wunschkost habe ich zweimal gelesen – ebenso wie die Mehrzahl der vielen Kurzge­schichten (von denen ich ein­zelne immer wieder lese), die erste lerne ich 1966 kennen. So bleibt von jenem…

Wunderbares poetisches Kleinod · Friederike Mayröcker · Von den Umarmungen

Drei Jahre nach Erscheinen des fulminanten, knapp 350 Seiten um­fassenden Lyrikbuches dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif wurde im März 2012 mit Von den Umarmungen ein weiterer Gedicht­band von Friederike Mayröcker veröffentlicht. Die schön gestaltete Ausgabe gehört zum Jubiläumsprogramm »100…

Hörspiel als Spiel

Konkurrenz Mit der Industrialisierung begann das Zeitalter der Kurzgeschichte. Damit war die Geschichte des bürgerlichen Bildungsromans beendet. Wenn die Geschichte der Medien die Geschichte einer Konkurrenz ist, begann sie mit einem Vorsprung. Die Dichter hatten die Montage entdeckt, als die…

Überschwemmt, die Lust am Taumel (6/7)

66 · Mehr als · 1 Buch lag vor mir aufgeschlagen als reihte ich Bücher an einander Friederike Mayröcker Weit mehr als 22 Bücher, nämlich, liegen aufgeschlagen – Blaue Er­leuch­tun­gen · Das besessene Alter · Das Herzzerreißende der Dinge ·…

Überschwemmt, die Lust am Taumel (4/5)

44 · every window in every house Habe gerade die Sprache erfunden rasende Sprache Friederike Mayröcker Weiter in diese ineinanderrankenden Gedankenmammutbäume klet­ternd, möchte saphirene Texte schrei­ben tat­sächliches Blau, in delta­mäandern­de Bewusstseinsströme eintauchend, in den Fin­ger­spitzen kribbelt Buchstabenwelt – als »souveräne…

Lyrische Landvermessung

Die amtlichen Bekanntmachungen für August 2010 auf der Homepage der Stadt Boppard beginnen mit „Änderung des Bebauungsplanes „Casinostraße / Herrenstücke““ und der „Meldung der Wein- und Traubenmostbestände“. Sicherlich wäre es für den Lyriker Manfred Enzensperger ein Leichtes, jene Mitteilungen in…

In Gerhard Jaschkes Weltbude oder Das geniale Rennpferd

 Üre Nachts bei Vollmond / kannst du es mitunter hören / in den hohen Bibliotheken / dieses leise Knarren und Quietschen / wenn einer die Welt / aus den Angeln hebt und die Tür / nicht wieder zukriegt, lautet ein…

Das eine Buch • Verlorene Schlacht?

Unerhört Ich lese Martin von Arndts Roman Oktoberplatz. Ich bin sehr, sehr begeistert. Die in Weißrußland (und ein wenig in Ungarn) spielende Geschichte fesselt mich dermaßen, daß ich lese, bis ich die Augen endgültig nicht mehr aufhalten kann. Eine unruhig-ruhige…