Für alle Fortschrittspessimisten

Das Buch ist geschrieben für alle Fortschrittspessimisten, die eine intuitive Abneigung gegen moderne Medien, Computer, Cyberspace, Techno-Musik. und wissenschaftliche Logik als verkrüppeltes, weil gefangenes und amputiertes Denken, empfinden.

George Orwell, Aldous Huxley, Anthony Burgess, Stanislaw Lem und Ray Bradbury … Welche Informationen geben sie dem Leser für den Ünabhängigkeitskampf in der heutigen technisch und wissenschaftlich fortgeschrittenen Gesellschaft? Phantasievoll, unterhaltsam, aber bissig versprüht Thomas Nöske mit dieser Kulturkritik Impulse und Inspirationen, wie wir mit Technokratie, Massenkultur, Ellenbogen-Egoismus und sozialer Kälte, Umweltzerstörung, Größen- und Fortschrittswahn umgehen können, ohne den Verstand zu verlieren oder gar selbst zu zynischen Herrschaftsträgern zu werden.

Thomas Nöske wuchs in Göttingen auf und drehte schon als Kind seine ersten Science-Fiction-Filme auf Super 8. Später folgten erste Kriminalgeschichten. Nach Abschluss seiner Schulausbildung studierte er Soziale Arbeit, Soziologie und Psychologie. 1991 gründete er in Göttingen das Literaturmagazin HOKAHE. Im Jahr 1992 ging Nöske nach Berlin. Er beteiligte sich an verschiedenen links-alternativen Lebensformen wie Land-WGs, Hausbesetzungen und kollektiven Projekten. Nöske engagierte sich vor allem in der Literaturszene der 1990er Jahre und wurde insbesondere in seiner Wahlheimat Berlin zum Aktivisten und Theoretiker des literarischen Underground.

1993 organisierte Nöske zusammen mit Jörg André Dahlmeyer und anderen das Berliner Literaturfestival „Töte den Affen“, für das Nöske und Dahlmeyer in Anlehnung an die amerikanische Beat Generation, Charles Bukowski und moderne französische Autoren das Schlagwort des Social Beat prägten. Der Begriff wurde zur Bezeichnung einer sich rasch entwickelnden alternativen Literaturszene der 1990er Jahre. An vielen Orten in ganz Deutschland fanden Lesungen und Festivals statt, an denen sowohl bekannte Autoren als auch Hobbyliteraten teilnahmen und Nöske sich vielfältig beteiligte. Nöske war auch Mitorganisator des zweiten Berliner Social-Beat-Festivals, das 1994 unter dem Motto „Der Affe schlägt zurück“ stattfand. Er publizierte regelmäßig in verschiedenen Zeitschriften und Fanzines und war zudem Mitherausgeber der Jugendkulturzeitschrift Orange Agenten und des Kulturmagazins Molli – Magazin für Zeitkritik & engagierte Literatur. Die Social-Beat-Bewegung ging dann in der sich parallel entwickelnden Slam-Poetry-Szene auf und flaute Ende der 1990er wieder ab.

Nöske veröffentlichte zahlreiche Publikationen über Themen der Kunst, Popkultur, Alternativliteratur, kritischen Theorie, Niklas Luhmanns Systemtheorie und Science-Fiction. Insbesondere befasste er sich mit der Reflexion von Kultur und Kulturpolitik im Zusammenhang mit negativ-utopischen Intentionen. Dabei fand Nöske einige Beachtung mit seinem Sachbuch Clockwell Orwell, in dem er sich mit der „kulturellen Wirklichkeit negativ-utopischer Science-Fiction“ (so auch der Untertitel des Buches) kritisch auseinandersetzte. Das Buch wurde 1997 im Münsteraner Unrast Verlag veröffentlicht.

 

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Clockwork Orwell, von Thomas Nöske. 1. Auflage. Unrast Verlag, Münster 1997

 

Weiterführend zur Theorie des Sozialen →

Eine Theorie des Sozialen lautet, es gebe in der Politik keine Lücken. Immer wo sich eine auftue, werde sie sofort von anderen Akteuren besetzt. Kaum jemand hat die Lückenhaftigkeit des Underground so konzequent erzählt wie Ní Gudix und ihre Kritik an der literarischen Alternative ist berechtigt. Ein Porträt von Ní Gudix findet sich hier. Lesen Sie auch die Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker von Werner Streletz und den Nachruf von Bruno Runzheimer. In einem Kollegengespräch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die Ruhrgebietsromantik. Mit Kersten Flenter und Michael Schönauer gehörte Tom de Toys zum Dreigestirn des deutschen Poetry Slam. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie hier – Sowie selbstverständlich his Masters voice. Und Dr. Stahls kaltgenaue Analyse. – 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte Seine größten Erfolge. Produziert von Helge Schneider und Tom Täger im Tonstudio/Ruhr. Constanze Schmidt beschreibt den Weg von Proust zu Pulp. Ebenso eindrücklich empfohlen sei Heiner Links Vorwort zum Band Trash-Piloten. – Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine Realsatire aus dem Jahr 1993 heraus, die er für den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat.

 

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